Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 47 (12.11.1926)
- Date
- 1926-11-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sitte 4 Sie wAflKKtäT Nr. 47 die uns von rühmlicher und auch von unrühmlicher Vergangenheit erzählt; einiges davon sei hier berichtet: In A s c h k e 1 o n bei Ghaza finden sich Reste einer Hafenanlage, welche die Kreuzfahrer schufen, nachdem sie die im Altertume so mächtige Stadt im Jahre 1100 erobert hatten; 1187 ging sie wieder verloren und 1270 wurde sie vom Sultan Beibars gänzlich zerstört. So liegt sie bis heute in Schutt und Trümmern. Anders ward das Geschick Hebrons; diese Stadt war verlassen und vergessen, als die Kreuzlahrer ankamen. Sie bauten sie zum Teile wieder auf, besiedelten sie und errichteten eine Kirche über der altbekannten Höhle Machpela, in der die Stammväter Abraham, Isaak und Jakob und ihre Frauen ruhen. Nachdem die Mohammedaner dieses Gebiet später wiederbesetzt hatten, konnten sie daraus nie mehr verdrängt werden. Sie bewachen die Höhle als ihr Heiligtum und Fremden gelingt es schwer, sich dort Eintritt zu verschaffen. Am Gipfel des den Christen heiligen Berges Tabor finden wir die Reste einer Ritterburg: einen großen Steinhaufen! Herrliche Klöster und die in Marmor ausgeführte italienische Kirche liegen auf dem einst im Besitz der Kreuzfahrer befindlichen Boden. Viele Bauten wurden von den frommen Pilgern in Tiberias errichtet, ebenso in Nazareth, das so von einem unbedeutenden Dörfchen zu einer <■; i großen Stadt wurde. Als aber die Christen hier ihr Bistum und all ihren Besitz verlassen mußten und aus dem Lande flüchteten, sank die Bedeutung Nazareths, die erst im 18. Jahrhundert wieder stieg, nach-; t dem der damalige Drusenhäuptling Fachredh-Din ge- [' stattete, daß sich Franziskanermönche dort ani siedelten. Das „Castellum Peregrinorum", auch „Chateau des Pelerius" benannte A11 i t h, heute ein unbedeutender Ort, wurde von den Templern zum Sitz ihres Ordens erwählt und 1218 stark befestigt: auf einer Felszunge zwischen zwei Buchten wurde die Burg erbaut, die viele unterirdische Gänge und Gewölbe hatte und von einem mit Meerwasser gefüllten Graben umgeben war. Ein Aussichtsturm aus glattbehauenen, mächtigen Quadern ist noch teilweise erhalten geblieben. In Saf ed, hoch auf einem Berge gelegen, war auch eine Burg (1140) errichtet worden, die aber bald verloren ging und später ganz zerstört wurde, bis sie die Templer restaurierten.; Seit Jahrtausenden schien die Stadt H u n i n un- ■ bezwinglich. Schon die Juden konnten sie, als sie; das Land eroberten, ihrer ausgezeichneten Lage und künstlichen Befestigung wegen nur schwer erobern. Die Mauern waren 6 Meter breit, aus schweren, gel ränderten Quadern; ebnso tief war der Graben um die Stadt. Hunin ist seit jeher ein wichtiger Platz,; von dem aus sich eine herrliche Aussicht bis tief ins Land hinein bietet; er beherrscht die wichtige Kara- I wanenstraße zum Mittelmeer. I Ebenso mächtige Festungen waren K a Fa t - e s- I S u b e b a und das in der Nähe liegende B a n i j a s. [ Jerusalem war zu allen Zeiten die Haupt- I stadt des Landes. Als die Kreuzfahrer dort einzogen, I gab es ein jämmerliches Blutbad. Die Juden verließen die Stadt, nur 200 siedelten sich in der Nähe des Davids-Turmes an, doch auch die wurden vertrieben, bis auf eine Familie. Die bekannteste Erinnerung an die Zeit der Kreuzfahrer ist hier die Marienkirche, von der eine Treppe zu dem in einer Höhle befindlichen Grabe Mariens führt. Nachdem die Stadt von den Mohammedanern wiedererobert worden war, wurde auch den Juden die Rückkehr gestattet, ja — es wurden ihnen sogar gewisse Privilegien von Salah-ed-Din gegeben. 1229 lagerte Friedrich II. vor der Stadt; als er versprochen hatte, die nach dem 3. Kreuzzug geschleiften Mauern nicht wieder aufzuführen, wurde ihm der Einzug gestattet. Aber der Kaiser und seine christlichen Ritter aus dem Frankenlande hielten ihr Wort nicht ... In der Grabeskirche wurde Friedrich gekrönt, und seither führten die deutschen Kaiser den Titel „KönigvonJerusale m". 1804 ging diese Krone auf die Kaiser von Oesterreich über. Erst seit der Abdankung Kaiser Karls, 1918, gibt es keinen „König von Jerusalem"; das dazugehörige Königtum selbst war schon ein paar Jahrhunderte früher verloren gegangen . . . Das Königtum ging verloren, als 1187 Salahed-Din in einer großen Schlacht den Sieg über die Christenheit errungen hatte. Die letzten Kreuzritter wurden 1291 aus dem Heiligen Lande vertrieben, als Akko, das sich 1104 der genuesischen Flotte ergeben hatte, vom damaligen ägyptischen Sultan erstürmt wurde. Akko, das die Johannesritter St. Jean d'Acre genannt hatten, war durch die ganze Zeit ihr wichtigster Handelsplatz und Stützpunkt gewesen. * Unmoral und Haß der Ritter und Pilger, tropische Krankheiten und ungewohntes Klima hatten von allem Anfang an den Untergang des „Lateinischen Königtums Jerusalem" besiegelt. — Alle Versuche der Päpste, Frankreichs und Englands, es wieder aufzurichten, blieben erfolglos. Die Burgen verfielen, aus den Kirchen wurden Moscheen, die Christen selbst aber blieben unter dem Schutze der Sultane. - Ein jüdisches Gemeinschaftsheim. Von Dr. Max Grunwald. Seit etwa zwei Jahren bemühe ich mich um die Errichtung eines jüdischen Gemeinschaftsheimes. Es kommt in erster Reihe für solche bejahrte Ehepaare, aber noch mehr für solche alleinstehende Personen in Betracht, die mit ihren Mitteln haushalten müssen und nur durch gemeinsame Wirtschaftsführung mit anderen bei bescheidenen Ansprüchen im Alter vor materieller Not sich schützen können. Unter ihnen natürlich für ein jüdisches, d. h. streng rituell geführtes Gemeinschaftsheim zunächst solche, die ausschließlich auf rituelle Beköstigung und Hausordnung reflektieren. Neben diesem Gesichtspunkt steht eine nicht minder wichtige Wohltat, die ein solches, richtig geleitetes Heim zu bieten imstande ist: der angemessene Verkehr, auf den man ja gerade im Alter besonders angewiesen ist. Ein solches Heim sich zu schaffen, wäre eine reine private Angelegenheit, wenn nicht noch eine soziale Pflicht mitspräche, d. i. die Versorgung geistig und sozial hochstehender, vor allem um das Judentum verdienter Männer und Frauen, für die eine Aufnahme in ein