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Die Wahrheit · 1926-11-05 · Heft 46 (5.11.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 46 (5.11.1926)
Date
1926-11-05
Page
– (sequence 14)
Language
German
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S«fte 12 DIE WAHRHEIT Nr. 46 Ausland kennen. Als er es zu einer geachteten Position gebracht hatte, heiratete er Fräulein Julie N o s s i g, die aus einer angesehenen jüdischen Patrizierfamilie stammte und die Schwester des bekannten Vorstandes des Währinger Tempels, des Anstreichermeisters I. Nossig, war. Mit dieser durch seltene Gaben des Geistes und Gemütes begabten Frau lebte Leopold Bösel 40 Jahre in glücklichster Gemeinschaft, bis der unerbittliche Tod im* Frühjahr 1925 eine Ehe zerstörte, wie man sie sich schöner nicht vorstellen kann. Während Papa Bösel vom frühen Morgen bis in die späte Nacht Tag für Tag, Jahr für Jahr, rastlos arbeitet, um seinen Kindern ein besseres Los bereiten zu können, als es ihm in der Jugend beschieden war, bemühte sich seine unvergeßliche Frau um die Erziehung der Kinder, die sie mit gütiger Strenge und unendlicher Liebe zu prächtigen Menschen heranzog. Daß einem solchen Hause Kinder entstammen, wie wir sie in Präsident S. Bösel, dem ältesten Sohne, bewundern, wird den nicht überraschen, der den Wert einer guten und wahrhaft jüdischen Erziehung richtig einzuschätzen versteht. Der Segen, der auf der Familie ruht, wirkt sich aber auch nach außen aus, da der stillen Wohltätigkeit und steten Hilfsbereitschaft, die hier geübt wird, manche jüdische Familie ihre Rettung aus schwerster Not verdankt. Leopold Bösel, der Vizepräsident des Brigittenauer Tempelvereines ist und sich auch als Vorstandsmitglied und Förderer vieler jüdischer Wohltätigkeitsvereine betätigt, wird gewiß aus Anlaß seines 60. Geburtstages Gegenstand zahlreicher Ehrungen sein. Möge es dem Jubilar gegönnt sein, auf dem Wege, den er sich selbst gewählt hat, noch lange Jahre zur Freude seiner Familie und seiner zahlreichen Freunde Segen stiften zu können. Linz. Sonntag, den 31. Oktober 1926, starb in Linz der im Ruhestande weilende Rabbiner Moriz Friedmann im 90 Lebensjahr. In St Kiraly, Siebenbürgen, im Jahre 1836 geboren, hat er, frühzeitig väterlicherseits verwaist, den entbehrungsreichen Weg des ehemaligen Jeschiba-Jüngers gewählt. Er war ein Hörer des ehemaligen Rabbiners von Eisenstadt, Israel Hildesheimer, und in Freistadt (Ungarn) auch bei dem damaligen Rabbiner Jakob Hirsch Fleissig. In Klausenburg hatte er einige Klassen des Gymnasiums absolviert und dann hauptsächlich im Wege des Selbststudiums seine Bildung erweitert. Seine erste Stellung war in Wien-Margareten an dem damaligen Bethaus, von wo er nach Neu-Rausnitz in Mähren ging, um im Jahre 1884 als Nachfolger der gefeierten Rabbiner Dr. Frank (Köln) s. A. und Prof. Dr. A. Kurrein (Teplitz-Schönau), s. A. den Rabbinatssitz in Linz einzunehmen, wo er bis zum Jahre 1923 amtierte. Sein hohes Alter und die schwere Kriegszeit machten es nötig, daß ihm seit 1914 Substituten zur Versehung des Amtes beigestellt wurden, bis er 1923 vollständig in den Ruhestand trat. Er war Mitglied des oberösterr. Landesschulrates, ausgezeichnet mit dem Franz- Josefs-Orden und von der Kultusgemeinde zum Ehrenmitglied ernannt Er hinterläßt eine Witwe, einen Sohn und drei Töchter. Er erfreute sich stets großer Wertschätzung in Gemeinde und Stadt Antisemitische Umtriebe bei Julius Meinl. In der vorigen Nummer unseres Blattes haben wir uns unter obigem Titel mit einer Meldung der „Arbeiter-Zeitung" beschäftigt, derzufolge sich unter den Angesteilten der Firma Julius Meinl eine ant^semitäsohe Strömung bemerkbar mache. Wie wir hierzu von der Geschäftsleitung der Firma Julius Meinl erfahren, handelt es sich hier um 'einen Kampf gewerkschaftlicher Natur zwischen zwei Angestelltenorganisationen, in welchem die Firma eine voüständig unparteiische Haltung einnimmt Sie hat in einigen energisch gehaitenen Zirkularen, welche bereits vor Erscheinen unserer Notiz an sämtliche Angestellte ergangen sind und die uns loyalerweise bereitwilligst zur Einsichtnahme zur Verfügung gestellt wurden, entschieden gegen alle politischen oder konfessionellen Uebergrilffe Stellung genommen, ja sogar verschiedene Maßregeln angedroht, welche sie andernfalls ergreifen müßte. Leopoldstädter Tempel. Samstag, den 30v. M., halb 6 Uhr abends, fand die feierliche Einweihung des zu einem Betsaal umgestalteten Zeremoniensaales des Großen Leopoldstädter Tempels in Anwesenheit der Herren Präsident Professor Dr. A. Pick und des Vizepräsidenten Dr. J. 0 r nstein, des Vizepräsidenten des Bethausvorstandes Doktor E. Münz und zahlreicher Herren des Bethausvorstandes sowie eines großen Auditoriums statt. Die kantorale Funktion versah Oberkantor H. Fischer; Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt eine inhaltsvolle Ansprache, in der er die Bedeutung des neugegründeten kleinen Tempels zum Lobe Gottes hervorhob und allen, die an der hübschen Ausgestaltung mitgewirkt, dankte. Es findet sich im Betsaale ein ewiges Licht, eine Spende des Herrn Lazar Scharf, eine kunstvolle Jahreszeitlichtafel, eine Spende der Familie Berta, Aladar und Margarete Stern, dem Andenken des Herrn Emil Stern gewidmet Besonders rühmenswert sind die unermüdlichen Bemühungen des Tempelverwalters Max Schwager um das Gelingen des schönen Werkes. Das Jubiläum des Beth-Hamldrasch. Die Feier des 65jährdgen Bestandes des von Oberrabbiner Dr. Jellinek gegründeten „Beth-Hamidrasch", welche am 23. Oktober begangen wurde, fiel mit der feierlichen Einweihung der neuen Räume dieses jüdischen Lehrhauses neben dem großen Leopoldstädter Tempel zusammen und gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung für die jüdische Wissenschaft Unter den zahlreichen Gästen, welche dieser Feier beiwohnten, erblickte man den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick, die Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Dr. Löwenherz, viele Kultus- und Bethausvorsteher und eine große Anzahl Rabbiner. Nach einem von Oberkantor Heinrich Fischer in meisterhafter Weise zum Vortrage gebrachten Psalm hielt Herr I. Weiß im Namen des Festkomitees eine Begrüßungsansprache. Hierauf sprach der seit 30 Jahren im „Beth-Hamidrasch" als Lektor wirkende Dr. S. Rubin über den „Einfluß der Bibel auf die moderne Kultur" und unterzog in seinem Vortrage die Satzungen des mosaischen, babylonischen, römischen und modernen Rechtes einer eingehenden rechtsvergleichenden Untersuchung und entwickelte auf diesem Gebiete ganz neue Gedanken. Den geistvollen Ausführungen Lektors Dr. Rubin wurde von den anwesenden Gästen und der zahlreich erschienenen Hörerschaft mit großem Interesse aufgenommen. Feierliche Eröffnung der Bibelschule im Synagogenvereine „Beth Israel". In dem herrlich renovierten Synagogengebäude des Vereines „Beth I s r a e 1", II., Leopoldsgasse 29, fand am 18. v. M. im Beisein Sr. Ehrw. Herrn Rabb. Mayersohn und des gesamten Vorstandes die feierliche Eröffnung der im Vorjahre gegründeten Bibelschule statt. Nach der Eröffnungsrede des Herrn Rabbiner Mayersohn wandte sich Präs.- Stellv. Dr. Leo L a n d a u in einer vortrefflichen Ansprache an die versammelten Kinder. Nach einigen herzlichen Worten des bewährten Lehrers Elias R o s e n f e 1 d fand die Feier durch mehrere von den Kindern zum Vortrage gebrachte hebräische Gesänge ihren würdigen Abschluß. Mit Genugtuung sei hervorgehoben, daß dieser Synagogenverein trotz ungünstiger Vermögenslage keine Opfer gescheut, um den Kindern des Bezirkes in einem hygienisch eingerichteten Schullokal unentgeltlich jüdisches Wissen zu vermitteln und dieselben zu aufrechten Juden heranzuziehen. Nach Maßgabe der vorhandenen Mittel beabsichtigt dieser Verein, die schon heute vier Klassen umfassende Schule weiter auszubauen. Der erste Wiener Gewerbeverein (Sitz IL, Praterstraße Nr. 33) veranstaltete Sonntag, den 24. Oktober, aus Anlaß des 50jährigen Berufsjubiläums seines Obmannes J. Ornstein im Cafe" Arkaden eine gemütliche Zusammenkunft, die einen recht hübschen Verlauf nahm. Zunächst begrüßten Bezirksrat E. Hof mann und Herr Rudolf Freiwirth, Gründer und Ehrenmitglied des Vereines, mit herzlichen Worten den Jubilar. Hierauf wurde ein lebensgroßes Bild des Jubilars in künstlerischer Ausführung aus dem Atelier M. Bermann (IL, Franzensbrückenstraße 24) als Spende des Vorstandes Herrn Ornstein überreicht. An einer überaus gelungenen Akademie wirkten die Künstler Lu Clery-Hofer und M. Crom well mit, besonderen Befall errang Leo Funke durch seinen glänzenden Vortrag von Arien und Liedern, am Klavier feinfühlig begleitet von Fri. Emmy Hoffmana Um den gelungenen Abend hat sich Herr Julius Feldstein verdient gemacht.

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