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Die Wahrheit · 1926-10-29 · Heft 45 (29.10.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 45 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DTE WAHRHEIT Nr. 45 Adler in den Dienst der israelitischen Kultusgerrieinde AVieri gietreten ist. Durch die Lauterkeit seines Charakters, durch die; hohe Auffassung von den Pflichten des Beamten und erfüllt von einer ganz außerordentlichen Gewissenhaftigkeit hat 6s Herr Dr. Adler verstanden, sich die größten Sympathien im preise der Gemeindemdtgli.eder und im Kreise des jeweiligen RuitusvoTstandes zu erwerben. Vielfache Anerkennungen sind ihm während dieser langen und schweren Dienstzeit seitens Öes Kultusvorstandes zuteil geworden. Ganz besonders hatte der Kultusvorstand Veranlassung, seine Tätigkeit während der Kriegszeit zu würdigen. Ich habe Herrn Amtsdirektor Dr. Adler am Jubliäumstage die Glückwünsche des Präsidiums in seinem Urlaubsaufenthalt übermittelt und will heute den Anlaß unserer ersten Plenarsitzung nach den Ferien benützen, ttm ihn auch hier an seiner Arbeitsstätte herzlichst zu beglückwünschen, ihm unsere aufrichtige Sympathie, sowie den Dank find die Anerkennung für seine treue MitarbeiteTSchaft auszusprechen." Die Worte des Präsidenten fanden lebhaften Beifall. Dr. Adler dankte gerührt. für die ihm zuteil gewordene Ehrung und versprach, auch weiterhin nach Kräften für das Wohl der Gemeinde wirken zu wollen. Die Auszeichnung, die Dr. Adler nunmehr auch von Seite des Staatsoberhauptes erhalten hat, beweist, daß die Verdienste dieses Marines auch außerhalb der Gemeinde richtig gewürdigt werden. Dr. Adler wurde als Sohn eines Arztes in Pohrlitz in Mähren geboren ond trat nach Absolvierung seiner juridischen Studien im Jahre 1891 in den Dienst der Kultusgemeinde, wo er wegen seiner hervorragenden juridischen Kenntnisse in kurzer Zeit eine leitende Stellung erlangte. Nach dem Tode des I. Sekretärs Dr. Theodor Lieben wurde Dr. Adler dessen Nachfolger und erhielt vor einiger Zeit den Titel eines Amtsdirektors. Dr. Adler hat sich durch seine Pflichttreue, Liebenswürdigkeit und besondere Anhänglichkeit an die Gemeinde eine große Zahl von Freunden erworben. — Amtsdirektor Guido Fuchsgelb trat im Jahre 1897 in den Verwaltungsdienst der Wiener Kultusgemeinde ein, erwarb durch sein hervorragendes Organisationstalent, seine Tatkraft und nicht minder durch seine große Gewissenhaftigkeit in verhältnismäßig kurzer Zeit eine führende Stellung in der Gemeinde. Er wurde im Jahre 1923 zum L Sekretär und zwei Jahre darauf zum Amtsdirektor befördert. Als Vertreter der Kultusgemeinde im Bezirksschulrate sowie als Mitglied des Kuratoriums zahlreicher gemeinnütziger Institutionen hat er sich große Verdienste um das Wiener Judentum erworben. Durch zahlreiche Publikationen über die Verwaltung und die Institutionen der Kultusgemeinde hat er in weiten Kreisen die Kenntnis vom Wesen und Wirken der Wiener Kultusgememde verbreitet und so zur Hebung ihres Ansehens beigetragen. — Dr. Bernhard Wachstein absolvierte an der Wiener Universität seine philosophischen Studien und erlangte auf Grund einer Arbeit, in welcher er die verschiedenen Interpretationen der Leibnitzschen Philosophie kritisch untersuchte, den philosophischen Doktorgrad. Durch seine Studien an der Wiener israelitisch-theologischen Lehranstalt erwarb er sich auch ein großes jüdischs Wissen und trat im Jahre 1903 in die Bibliothek der Kultusgemeiinde als Amanuensis ein. Seit mehr als zehn Jahren leitet er diese Bibliothek, die sich infolge ihrer Reichhaltigkeit (sie besitzt ungefähr 50.000 Bände) und ihrer wissenschaftlichen Bedeutung eines hervorragenden Rufes in der internationalen Ge'ehrtenwelt erfreut. Dr. Wachstein hat wertvolle Gesamt- und Spezialkat a 1 o g e für diese Bibliothek geschaffen und die Beziehungen derselben zu den in- und ausländischen Bibliotheken erweitert und vertieft. Durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, die sich vor aJlem mit der Geschichte der Wiener Juden beschäftigen und von der Wiener Akademie der Wissenschaften herausgegeben wurden, hat sich Dr. Wachstein auch in wissenschaftlichen Kreisen einen hervorragenden Namen geschaffen. Subventionierung von Bethaus- und Schulvereinen, Wohltitigkeitsanstalten usw. Seitens des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien wird darauf aufmerksam gemacht, daß in Hinkunft nur jene Ansuchen um Bewilligung einer Subvention in Behandlung gezogen werden können, denen die von der Kultusgemeinde ausgegebenen, in allen Rubriken vollkommen auszufüllenden Informationsbogen beigelegt sind. Formulare sind im Expedit der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, IH., Stock, zu beheben. Einreichungsfrist bis TO. November 1926. Handfertigkeit und Kunst bei den Juden. Ueber dieses Thema sprach unlängst Prof. Dr. Samuel K r a u s s im Rahmen eines Vortragsabends, der von der Jugendgruppe des Tempel Vereines im II. Bezirlc, Pazmaiiiteng a s s e, Dienstag, den 19. Oktober, im Sitzungssaale des Magistratischen Bezirksamtes für den II. Bezirk1 veranstaltet wurde: Von Rabbiner Dr. S. F u n k im Namen des Präsidiums der Jügeridgruppe auf das herzlichste begrüßt, begann, der Gelehrte mit seinen interessanten Ausführungen, indem er die Kunst unserer Vorfahren in den ältesten Zeiten schilderte. In bewunderungswürdiger Weise geleitete sodann der Gelehrte seine Zuhörer im Fluge über einen Zeiträurh von 3500 Jahren und legte dar, daß die" Juden bis zum Beginne des 18. Jährhunderts auf dem Gebiete von Kunst und Handwerk eigentlich wenig geleistet haben. Auf der einen Seite wären es religiöse Bedenken, welche die Juden abhielten, sich Abbildungen irgendwelcher Art zu machen, auf der anderen Seite waren die Juden während des Mittelalters und besonders in der Neuzeil dadurch von jeder handwerklicher und künstlerischer Betätigung angeschlossen, daß man ihnen den Eintritt in die Zünfte und Innungen, welche durchaus auf katholisch-religiöser- Basis aufgebaut waren, verwehrte. Nichtsdestoweniger war bei den Juden die Goldschmiedekunst hoch entwickelt und besonders die Herstellung von Tempelgeräten stand auf hoher künstle? rischer Stufe. Die Kenntnis dieses Gewerbes wurde vom Vater auf den Sohn vererbt. Auch in der Instrumentalmusik waren unsere Vorfahren Meister, werden doch auch schon in unseren heiligen Schriften verschiedene Blas- und Zupfinstrumente erwähnt. — Prof. Bach dankte dem Vortragenden im Namen der Zuhörer für seine ungemein instruktiven Ausführungen, worauf Rabbiner Dr. Funk in einem Schlußwort die Gründe für die rabbinischen Verbote jeglicher bildlicher Darstellungen eingehend auseinandersetzte. Der israelitische Frauenwohltätigkeitsverien für den XVI. und XVII. Bezirk veranstaltete Samstag, den 23. Oktober, in den Olympiasälen einen Wohl Tätigkeit sabend, der einen ausgezeichneten Besuch aufwies und sehr anregend verlief. Unter den den ersten Wiener Gesellschaftskreisen angehörenden Anwesenden bemerkte man auch den Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Jakob O r nstein, Rabbiner Prof. Dr. Bach, Frau Dozent S. Grünfeld, Der große Erfolg, den dieser Abend in jeder Hinsicht bedeutete, ist in erster Linie den Bemühungen der rührigen Vorstaudsdamen des Vereines zu danken, an deren Spitze Frau Rabbiner Adele Bach steht. 25iähriges Dienstjubiläum. Am Simchas Thora, den 1. Oktober, feierte Herr Leon L ö w y, Beamter der Israelitischen Kultusgemeinde Wiener Neustadt, sein 25jähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar, welcher sich durch besonderen Fleiß und treue Dienste große Wertschätzung erworben hat und allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurde seitens des ehrw. Rabbinates, des Kultusvorstandes, des Vorstandes der Chewra- Kadischa, des Frauenvereines und vieler Freunde geehrt. Bukarest Oberkantor Salomon Kreutstein, früher Baden bei Wien, ist mit großem Beifall zum Oberkantor der großen Synagoge (Sinagoga-Mare) in Bukarest akzeptiert worden. Barmizwahfeier. Samstag, den 23. d. M.. fand in der Schiffschul die Barmizwahfeier des Studenten Kurt Raab, Sohn des bekannten Franzensbader Restaurateurs Simon Raab und seiner Gattin Henriette, geb. Nagel, statt. Zu der schönen Feier hatten sich die Verwandten sowie viele Freunde der Familie eingefunden. Nach altjüdischer Sitte und der Tradition der Familie gernäß, brachte der Barmizwant, ein Enkel des unvergeßlichen Josef Nagel, die Paraschah, wie den Prophetenabschnitt, in der weihevollen Melodie in ausgezeichneter Weise zum Vortrage. Bei dem Familienfeste am Nachmittag, das die Mitglieder und Freunde der Familien Raab-Nagel vereinigte, hielt der junge Raab eine innige und gehaltvolle Ansprache, die von den Anwesenr den äußerst beifällig aufgenommen wurde. Tod des ersten jüdischen Gouverneurs in Amerika. Wie aus New York gemeldet wird, ist vor kurzem Simon B a mb e r g e r, der Gouverneur des Staates Utah, im Alter von , 79 Jahren gestorben. Er war der erste und einzige Jude, der bisher das Amt eines Gouverneurs eines amerikanischen Staates bekleidet hat. Der Verstorbene wurde im Jahre 1917, also gerade zur Zeit, als Amerika in den Weltkrieg aktiv eintrat, zum Gouverneur von Utah gewählt und bekleidete dieses Amt bis zum Jahre 1921. Dieses Datum ist deshalb von Interesse, weil Bamberger aus Deutschland stammt und die Deutschen in Amerika während des Krieges stark verfolgt waren. Bamberger wurde in Darmstadt geboren, lebte seit seinem 14. Lebensjahre in Amerika im Staate Utah, wo er als Kohlenindustrieller große Erfolge, erzielte. Seit seiner im Jahre 1903 erfolgten Wahl in den Senat hatte er einen oft ausschlaggebenden Einfluß auf die Politik des Staates Utah, wo der größere Teil der Bevölkerung aus M o r m o n e n besteht.

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