Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 44 (22.10.1926)
- Date
- 1926-10-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 8 Mb waj Nr. 44 Wien Ix'.Tj Berggasse 4 Ii Veröffentlichungen der L„Union deutschösterreichischer Juden" i TeiePJn nTi^-tt i Postsparkassen - Konto Winterarbeit. auch uns H. die des Jüngst schrieben wir an dieser Stelle unter dem Titel „Nach den Ferien" einen Aufsatz über die Notwendigkeit einer regeren Mitarbeit der österreichischen Juden an der Abwehrtätigkeit gegen den äußeren Feind, einer mühevollen und oft widrigen Arbeit, der sich die „Union" nun schon 40 Jahre zum Wohle der österreichischen Juden mit Erfolg widmet. Unser Appell hat erfreulicherweise einigen Widerhall gefunden. Jetzt wäre über die zweckmäßigste Art der Vereinstätigkeit zu beraten und da finden wir im Organ eines deutschen Abwehrvereines, des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten" folgende, hier gekürzt wiedergegebenen Anregungen, die bei aller Verschiedenheit der Verhältnisse lebhaft interessieren dürfen. O. Wenn jetzt nach den hohen Feiertagen Ortsgruppenvorstände an die Festlegung Winterarbeitsprogramms gehen, erscheint es angebracht, Erfahrungen und Vorschläge auszutauschen, um die Vereinstätigkeit zu beleben und dadurch auch die Mitgliederbewegung günstig zu beeinflussen. Dabei darf man sich vor allem nicht über eine Tatsache hinwegtäuschen: Starker Besuch geselliger Veranstaltungen bedeutet kein „Vereinsleben" in dem von uns gewünschten Sinne. Im Gegenteil; es ist für die Bedeutung einer Ortsgruppe ein sehr bedenkliches Zeichen, wenn eine erhebliche Zahl ihrer Mitglieder nur dann erscheint, wenn statt Abwehrkampf nur Tanzbeinkultur getrieben wird: Damit soll anderseits nicht die Veranstaltung jeder geselligen Zusammenkunft abgelehnt werden. Aber (den Zeitverhältnissen entsprechend, D. Red.) müssen die geselligen Veranstaltungen in einem so bescheidenen Rahmen gehalten werden, daß jedem die Teilnahme daran ermöglicht wird. Die Zeiten, wo aus der Veranstaltung solcher Feste größere Ueberschüsse für die Kasse zu erzielen waren, sind vorbei. (Dabei fehlt in Deutschland der alle, auch ausgesprochene Wohltätigkeitsveranstaltungen besteuernde Breitner, D. Red.) Man muß heute froh sein, wenn man ohne Defizit den Mitgliedern einen vergnügten und geselligen Abend bieten kann. Denn die Kasse, deren Mittel für die Abwehrarbeit dringend gebraucht werden, darf für solche Zwecke nicht angegriffen werden! Das wichtigste und belebendste des Winterprogramms sind die regelmäßigen Monatsversammlungen, die möglichst an einem bestimmten Tage allmonatlich veranstaltet werden, damit sich die Mitglieder auf diesen Abend einrichten und ihn freihalten können. Neben den geschäftlichen Mitteilungen des Vorstandes und der Aussprache der Mitglieder über ihre Beobachtungen, Wünsche und Vorschläge muß ein gutes Referat, ein interessanter Vortrag den Abend beleben, die Mitglieder zum Versammlungsbesuch veranlassen und das Niveau der Arbeit heben. Dabei muß der Auswahl der Themen besondere Aufmerksamkeit geschenkt werden. Man wird zunächst durch einen Teil der Vorträge den Zuhörern das erforderliche Material für die Abwehrarbeit zuführen. Aus der Fülle des Materials seien hier nur einige Vorschläge gemacht, die zum Teil schon mit Erfolg erprobt worden sind: Die Juden in der Presse, der Jude im Weltkrieg, die Wahrheit über den Talmud (eventuerTVortragskursus), Judentum und Kunst, Wissenschaft und Judentum, die Stellung des Judentums zu den anderen Konfessionen, usw. Bei der Auswahl der Redner muß ebenfalls sehr sorgfältig vorgegangen werden; ein inhaltlich oder rhetorisch schlechter Vortrag kann mehr schaden als nützen. Schließlich wird auch die Auswahl eines aktuellen Themas, auch wenn es mit unserer Arbeit nichts zu tun hat, als Abwechslung Gefallen finden, wenn sich uns hierfür prominente und sachkundige Persönlichkeiten zur Verfügung stellen. Neben diesen Vorträgen im Mitgliederkreise oder für jüdisches Publikum wird es sich empfehlen, im kommenden Winter eine oder mehrere öffentliche Versammlungen zu veranstalten, in denen ausgewählte jüdische oder prominente christliche Redner aufklärende Vorträge über die Haltung der Juden im Weltkrieg und andere antisemitische Themen halten. Zu diesen Vorträgen ist öffentlich einzuladen. Immer wieder wird der Fehler gemacht, daß man zu solchen Veranstaltungen nur solche Kreise heranzieht, die nach ihrer Staats- und parteipolitischen Einstellung die Gewähr für Neutralität gegenüber uns Juden bieten, und daß man dann glücklich ist, wenn der Saal durch diese Kreise gefüllt ist. In solchem Falle ist der ideelle Erfolg gleich Null, nur die Anwesenheit recht vieler Gegner und Nichtaufgeklärter bedeutet ein Plus für unsere Arbeit. So ungefähr möge das Programm aussehen, wobei die lokalen Sonderverhältnisse (die natürlicherweise auch verschieden bei unserer „Union" und der in Rede stehenden deutschen Organisation sind, D. Red.) diese oder jene Abänderung diktieren werden. Nun ans Werk, damit das kommende Winterhalbjahr neue ideelle und materielle Erfolge bringt! (Dieser Appell muß auch für uns bald seine Geltung haben, 0- Ii.) JAC. MAVE Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detail verkauf: Wien IL, Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße U