Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1926-10-15 · Heft 43 (15.10.1926) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 43 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3062972-3063973-3064012--14923-3082508
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr. 43 gewissenhaften Forscher, der gewohnt ist, allen Dingen auf denr Grund, zu. ^ehen,. um einen Gelehrten und Volkswirtschaftler von internationalem Rufe. Zunächst versuchte, die zionistische: Presse durch Verdrehungen und Vertuschung gen den Wesensgehalt der Ausführungen zu verwischen, nun aber, nachdem sie durch solche Mittel der Wahrheit nicht'den Weg versperren konnte, versucht sie die Ausführungen Prof. Oppenheimer zu bagatellisieren und wir erleben das merkwürdige Schauspiel, daß der Mann, welcher noch unmittelbar vor seinem Vortrage als ein großer Gelehrter und Förderer des zionistischen Aufbauwerkes gepriesen und in den Himmel gehohen wurde, nach seinem Vortrage in seiner wissenschaftlichen Bedeutung herabgesetzt und sein jüdisches Empfinden angezweifelt wird. Natürlich ist auch der „Klub radikaler Zionisten" Prof. Oppenheimer die Antwort nicht schuldig geblieben; diese ist so ausgefallen, wie sie eben der Mentalität der in diesem Klub vereinigten Herren entspricht: statt sachlicher Argumente persönliche Anwürfe. Obgenannte Vereinigung veranstaltete nämlich am 5. d. M. in den Olympiasälen eine Versammlung, in welcher das Mitglied des zionistischen Aktionskomitees Oberbaurat Stricker und Dr. Israel Wäldmann zu dem jüngsten Wiener Vortrage Professor Oppenheimers Stellung nahmen. Oberbaurat Stricker hat sicher Recht, wenn er von der „alarmierenden Wirkung" spricht, welche die Rede Oppenheimers ausgelöst hat. Womit will nun Oberbaurat Stricker dartun, daß es sich hier bloß um einen falschen Alarm gehandelt habe? Erstens habe Oppenheimer mit seiner Siedlungsgenossenschaft in Deutschland wiederholt Schiffbruch erlitten, woraus folgt, daß nicht die palästinensischen Siedlungsgenossenschaften, die nach seinem Plane eingerichtet wurden, sondern das System selbst an dem Zusammenbruche Schuld trage, zweitens sehe er im Zionismus keine befreiende Tat, sondern ein Versuchsfeld für seine Ideen, denn im Jahre 1913 habe er im zionistischen Zentralorgan „Die We 11" ausdrücklich erklärt, er erkenne den Bestand eines jüdischen Volkes nicht an und bekenne sich zum deutschen Volke. Der Redner sprach dann noch mit Bezug auf die Rede Oppenheimers von „Unwahrheiten", von „Denunziationen" und ähnlichem, er wendet sich entschieden dagegen, daß man nichtnationale Juden an der Leitung des Palästinaaufbaues beteilige (diese dürfen offenbar nur das Geld dafür hergeben), „denn unter den Nichtzionisten ist Oppenheimer immerhin noch eines der besten Elemente (gewiß ein sehr passender Ausdruck für einen weltberühmten Gelehrten!). Wie würden erst die anderen aussehen, die als Nichtzionisten in eine erweiterte Jewish Agency kämen?" In schärfster Weise kritisierte sodann Dr. Israel Waldmann Oppenheimers Ausführungen. Er nennt das wissenschaftliche Gutachten des Gelehrten eine „Krämerrechnung", die nur darin ihren Grund habe, „daß ihm das zionistische Unterbewußtsein vollkommen fehle". Mit Rücksicht auf die Verdrehungen und Verzerrungen in den Berichten über seine jüngste Wiener Rede und die hierdurch bewirkte mißverständliche Auffassung seiner Ausführungen sah sich Professor Oppenheimer gezwungen, in einem Interview auf seine Wiener Rede zurückzukommen und den unabsichtlichen Verzerrungen entgegenzutreten. „Ich kann ja nicht", sagte er, „jedem Berichterstatter nachlaufen und ihn zurechtweisen. Ich hatte meinen Vortrag mit der Feststellung eingeleitet, daß leider niemand Palästina ohne Brillen sehen will; der eine sieht alles rosig, der andere alles grau. Diese Journalisten haben auch meinem Vortrag, gegenüber ihre Brillen nicht ablegen wollen. Es kommt aber schließlich nicht darauf an, es kommt darauf an, daß man aus meinem Gutachten dje richtigen Konsequenzen zieht." Wenn die „Wiener Morgenzeitung" dieses Interview unter dem Titel „Richtigstellungen Franz Oppenheimers" veröffentlicht, dann tut sie das offenbar in der Absicht, bei ihren Lesern den Eindruck zu erwecken, als ob sich Professor Oppenheimer veranlaßt gefühlt hätte, seine Ausführungen richtigzustellen. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Der Gelehrte hält jedes Wort seiner Rede aufrecht. Seine „Richtigstellungen" beziehen sich vor allem auf die Berichte in der zionistischen Presse und waren sicherlich notwendig. „Meschugge" vor Gericht. „Jawohl, Herr Richter," sagte Frau Fritsch in einer Ehrenbeleidigungsverhandlung vor dem Bezirksgericht Favoriten: „Frau Machek hat zu mir ,mescliugge' gesagt." „Aber, Herr Richter," entgegnete prompt die Beklagte, „wie kann i~h denn nur so etwas gesagt haben? Ich bin eine Arier in nnd als solche kenne ich derartige jüdische Ausdrücke nicht, speziell das Wort ,meschugge' ist mir vollkommen fremd". Der Richter aber scheint -anderer Meinung gewesen zu sein. Er behauptete nämlich, daß das Wort, „meschugge" bereits volkstümlich geworden, sei, und hielt den Wahrheitsbeweis dafür, daß das Ariertum der Beklagten die Kenntnis dieses Ausdruckes ausschließe, für nicht erbringlich. Schließlich gelang es ihm aber, Frau Fritsch und Frau Machek miteinander zu versöhnen, so daß sich eine weitere Diskussion über das Wort „meschugge" erübrigte. Auch wir sind der Ansicht, daß es-viele jüdische Ausdrücke gibt, welche zwar nicht in der Schriftsprache, wohl aber in der Umgangssprache von Juden und Christen häufig und mit Vorliebe gebraucht werden. Wie viele Menschen gibt es. in Wien, die das Wort „raeschugg e" oder den Ausdruck „nebbich" nicht kennen oder noch nicht gehört haben? Gibt es in der deutschen Schriftsprache überhaupt einen Ausdruck, der alle Abstufungen und Formen des Verrücktseins in so trefflicher Weise bezeichnen könnte wie das Wort „meschugge"? Wenn jemand nervös, übergeschnappt, exzentrisch, hysterisch öder verrückt ist, wenn er eiiien Spleen oder eine fixe Idee besitzt, mit einem Wort, wenn er irgendeine geistige Abnormität aufweist, dann zerbricht sich der Wiener ohne Unterschied der Konfession nicht lange darüber den Kopf, wie er das seltsame Gehaben eines solchen Menschen bezeichnen soll, sondern er sagt auf gut deutsch ganz einfach: „Er ist meschugge". Rudolf Eucken über „Die Protokolle der Weisen von Zion". Den nachstehenden Brief schrieb der berühmte deutsche Philosoph an Benjamin Segel, dem Autor des Buches „Die Protokolle der Weisen von Zion", am 15. August d. J., also kurz vor seinem Tode. Infolge irriger Adressierung gelangte dieses Schreiben, dem in Hinblick auf die Persönlichkeit des Verfassers und seinen Inhalt besondere Bedeutung zukommt, leider verspätet in die Hände des Adressaten. Als Sie mich im Frühjahr aufforderten, Ihnen mein Urteil über Ihr Buch „Die Protokolle der Weisen von Zion" zu sagen, antwortete ich Ihnen abschlägig, mit der Begründung, daß mir der Gegenstand fern liege. Die Protokolle kannte ich nicht, aber in meinem Kreise wurden sie vielfach gelesen und stark diskutiert. Mit wenigen Ausnahmen glaubte man allgemein an deren Echtheit und Existenz einer geheimen jüdischen Weltverschwörung, höchstens daß manche Skeptiker die Schilderungen für übertrieben hielten. Aber man sagte sieh: etwas wird; schon daran sein. Mir persönlich war die ganze Sache überaus widerwärtig. Ich arbeitete gerade über ein Thema, welches weitab von allen diesen unlauteren Diesseitigkeiten lag, und es widerstrebte mir tief, in,den Schlamm hinabzusteigen. Da entlieh ein Freund Ihr Buch von mir. Und als er es zurückbrachte, beredete er mich leidenschaftlich, es zu lesen. Ich tat es, und zwar einige Male hintereinander, und nun danke ich Ihnen für die reiche Belehrung und den Genuß, den Sie mir bereitet haben. Sie haben m i t starker Hand die Nebel zerstreut, die über diesem ganzen wüsten Pfuhl von Lüge, infernalischer Bosheit und stupiden Aberglauben schwebten. Ich kann Ihre Seelenqualen nachfühlen, die Sie bei den unsäglich mühevollen Säuberungsarbeiten in dieser Senkgrube, wie Sie es nennen, empfinden mußten. Aber das war unerläßlich, und es ist Ihnen vollständig gelungen, den ganzen grauenhaften Wust hinwegzuräumen. Man atmet förmlich erleichtert auf. Ich verstehe, daß Sie durch die, übrigens sehr gelungenen, humoristischen Partien Ihres Buches sich für das Peinvolle und Quälende der Arbeit schadlos hielten. Aber auch dem Leser bereiten diese Partien eine angenehme Abwechslung und erleichtern die Lektüre erheblich. Am meisten gefielen mir die scharfsinnigen Nachr weise der Fälschungen aus dem Text selber. Das Kapitel über die Psychopathologie des Antisemitismus ist ein Meisterwerk. Ich stimme vollständig mit Delbrück überein, daß nach Ihrer kritischen Arbeit diese famosen Dokumente für die Wissenschaft vollständig erledigt sind. Es wäre bloß dringend zu wünschen, daß die Erledigung in den Kreisen der Wissenschaftler aller Kategorien bekannt werde, um dem dort stark verbreiteten Aberglauben entgegenzuwirken. Ich selber habe ja lange halb und halb gezweifelt, und erst Ihr Buch hat mich völlig überzeugt. Ich mache auch in meinen Kreisen dafür nach Kräften Propaganda, Sehr zu wünschen wäre es, daß Sie das ganze Thema in leichtfaßlicher, knapper Form, ohne komplizierten und subtilen wissenschaftlichen Apparat für die breite Volksma^sse bearbeiten. Es müßte eine besonders intensive Arbeit geleistet werden, um d i e s e n

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.