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Die Wahrheit · 1926-10-15 · Heft 43 (15.10.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 43 (15.10.1926)
Date
1926-10-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 43 DIE WAHRHEIT Seit« ö Was nun die rechtliche Seite der Frage betrifft, so stimmt es wohl, daß der deutsche Charakter der Wiener Universität gesetzlich festgelegt wurde, .nirgends aber ist irgendeine gesetzliche Bestimmung zu finden, derzufolge Professoren jüdischen Glaubens an die Erlangung einer akademischen Würde verhindert wären. Eine solche Bestimmung würde auch den verfassungsmäßigen Bestimmungen von der Gleichheit der Staatsbürger widersprechen. Niemand will den deutschen Charakter der Wiener Universität antasten, kein Mensch ihre Eigenschaft, eine Bildungsstätte deutsehen Geistes zu sein, nur im geringsten schmähen, aber dagegen muß die schärfste Verwahrung eingelegt werden, daß .eine gesetzlich nicht anerkannte Vertretung einer Minderheit von Studierenden sich das Recht nimmt — hier wäre der Ausdruck „anmaßt" vielleicht eher am Platze — österreichische Staatsbürger, Männer, die sich im wissenschaftlichen Leben bereits einen ehrenvollen Platz gesichert haben und von dem Professorenkollegium mit einer akademischen Würde betraut werden, als unfähig zur Ausübung eines Hochschulamtes zu bezeichnen. Würde der akademische Senat den Forderungen der „Deutschen Studentenschaft" nach Annullierung der Wahl Professor Hupkas zum Dekan Rechnung tragen, dann würde er die Wiener Hochschule, die altehrwürdige alma mater Rudolfina einer Gruppe von Studenten ausliefern, die sich schon heute als Herren der Hochschule aufspielen; dann würde sich niemand mehr darüber wundern,7 wenn obgenannte Vereinigung eines Tages mit dem Ansinnen hervortreten würde, daß ihr bei der Ernennung von Dozenten, bei der Berufung von Professoren und' bei der Verleihung akademischer Aemter das entscheidende Wort zustehen müsse; dann könnte man auf unsere alma mater die alte Burschenweise anwenden: vale universitas! Das österreichische Judentum, das an dem Schicksal der Hochschulen unseres Staates, zumal der Wiener Universität, lebhaften Anteil nimmt, aus dessen Mitte schon so viele hervorragende Gelehrte hervorgegangen sind, welche das Ansehen unserer Hochschulen vermehrt haben, würde es als einen Rechtsbruch sondergleichen, als eine schwere Beleidigung ansehen, wenn ein Gelehrter, nachdem seine Wahl zu irgendeinem akademischen Amte ordnungsgemäß vollzogen wurde, nachträglich wegen seines Judentums von dieser Stelle entfernt werden würde. Allein schon die Tatsache, daß eine solche Handlungsweise dem akademischen Senat von einer Gruppe von Studenten überhaupt zugemutet werden konnte, zeigt deutlich, wie sehr Antisemitismus und Rassenhaß die Rechtsbegriffe eines Teiles unserer Studentenschaft verwirrt haben. Statt aber dieser Verwirrung Einhalt zu gebieten und durch ein Machtwort die deutschvölkischen Studenten in Schranken zu halten, gestatten die akademischen Behörden, daß diese Verwirrung in immer weitere Kreise getragen und eine antisemitische Hetze in — man könnte direkt sagen — offizieller Form betrieben wird. Denn sobald ein Hochschüler die Aula unserer Universität betritt, erhält er einen „Universitätsführer" in Form einer von der „Deutschen Studentenschaft" herausgegebenen Schrift zugestellt, in welchem er zunächst über den Vorgang bei der Inskription und sodann über die Gefährlich keitdesJudent u m s aufgeklärt wird. Eingehend wird in dieser Schrift die Tätigkeit des sattsam bekannten „Kulturamtes" besprochen, als dessen wichtigste Aufgabe die Abwehr des Judentums hingestellt wird. Auf Seite 13 dieser Schrift lesen wir unter anderem folgendes: „Den wissenschaftlichen Tatsachen und den geschichtlichen Ergebnissen entsprechend wird das Judentum als auszuscheidender Fremdkörper im deutschen Volke Kaum hatte Rabbi Jekel diese Transaktion durchgeführt, als sowohl der Greis wie auch der Schatz seinen Augen entschwanden und er sich nahe dem Waldesrande sah. Nach Hause zurückgekehrt, wartete Rabbi Jekel den nächsten Markttag in Krakau ab. An einem solchen Tage pflegten zahllose Personen aus nah und fern nach Krakau zu eilen und der alte Ringplatz, auf welchem sich der Markt abspielte, war den ganzen Tag über voll Menschen. Rabbi Jekel wohnte am Ringplatz und als der Markttag herangerückt war, öffnete er ein Fenster seiner Wohnung, warf das vom Schatz eingetauschte Goldstück auf das Pflaster und blieb am Fenster, beobachtend, wer denn das Goldstück erblicken und aufheben werde. Tausende und abertausende Personen gingen vorüber, ohne daß jemand das Goldstück erblickt hätte. So verrann Stunde auf Stunde, schon ging der Tag zu Ende. Rabbi Jekel hielt beharrlich am. Fenster aus, ohne ein Ergebnis seines Wartens zu sehen. Nun begann die Dämmerung. Der Markt leerte sich, bald w;ar kein Mensch mehr zu erblicken. Rabbi Jekel resignierte und machte sich daran, das Fenster zu schließen. Aber siehe, da geht ein Bettlerjunge vorüber, barfuß, in Fetzen gehüllt. Er eilt scheinbar nach Hause, da es in Krakau verboten war, nach Sonnenuntergang auf den Straßen zu betteln. Eilend passiert er die Stelle unter dem Fenster Rabbi Jekeds und steckt das Goldstück, das er plötzlich erblickt, in die Tasche. Rabbi Jekel alarmierte seine Dienerschaft und befahl; den davoneilenden Bettlerjungen ins Haus zu bringen. Als sich die Diener auf der Straße zeigten, wurde der Junge von Angst befallen, er. werde vom Eigentümer des Goldstückes verfolgt und beschleunigte seinen Lauf. Er wurde jedoch eingeholt und vor Rabbi Jekel gebracht. Er weinte jämmerlich, und bat, man möge ihn wegen des verheimlichten Fundes nicht strafen, er habe seit zwei Tagen nichts zu essen gehabt und würde dem Hungertode ausgeliefert sein, wenn man ihm den Fund abnehme. Rabbi Jekel aber beruhigte den Zitternden und Schlotternden und fragte ihn nach seinem Naman. „Eisik!" erwiderte der Junge. „Also Eisik und Jekel", dachte Rabbi Jekel „die Sache stimmt somit." Er behielt den Jungen bei sich zu Hause, ließ ihn mit Kleidern und Schuhen versehen,, sowie in Bibel und Talmud unterrichten. Als Eisik das 13. Lebensjahr erreichte, also nach jüdischem Ritus mundig war, nahm ihn Rabbi Jekel zum Schwiegersohn. Nach der Hochzeit begab er sich mit seinem noch immer über die Wendung der Dinge Jm Unklaren lebenden Schwiegersohn in den Urwald. Dort erblickten sie bald den Schatz, den der Greis nunmehr dem rechtmäßigen Eigentümer ausfolgte. Rabbi Eisik Rabbi Jekels (nach der damals üblichen Weise erhielt er diese Bezeichnung) widmete seinen immensen Reichtum wohltätigen und gelehrten Zwecken. Er ließ im damaligen Krakauer Ghetto die prächtige Synagoge errichten und unterhielt auf seine Kosten ein großes Lehrhaus. Da er keine Sicherheit hatte, daß seine Kinder den Schatz in eben solch edler Weise verwenden werden wie er, ließ er denselben nach seinem Ableben wieder verschwinden. Der Schatz harrt nun weiter seit Jahrhunderten des neuen rechtmäßigen Eigentümers. t *r.r^A«i»aeSV ~*tJK~*?ji*jr * KTVh^kreaanttKUBAUCir -lr:i~»yV*,£Mi:i'f ■vi^w ^■.■■uts^mti

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