Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 43 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Monarchie zerfiel und Deutschösterreich als deutscher Nationalstaat übrig blieb. Durch dieses Gesetz wurde der deutsche Charakter der Universität ausdrücklich festgelegt; ihn zu schützen und zu wahren, hat auch der Senat, in seiner Sitzung am 16. März 1923 und 20. Dezember 1923 der Deutschen Studentenschaft durch ausdrücklichen Beschluß zugesichert. Nach einer ziemlich belanglosen Abschweifung auf das kulturpolitische Gebiet stellt die Eingabe fest, daßesdemgesetzmäßigfestgelegten und vom Senat auf Grund besonderer Beschlüsse und Versprechen zu schützenden deutschen Charakter der Universität vollkommen widerspricht, wenn ein Fremdvölkischer, zu denen die Juden auf Grund der wissenschaftlichen Ergebnisse, der geschichtlichen Tatsachen und der gesetzlichen Bestimmungen gehören, akademischerAmtswalterwird. Wäre diese Behauptung nicht entsprechend dem Geiste des Gesetzes, dann könnten auch sämtliche Amtswalter — da ja keine Beschränkung auf Fakultät und Zahl gesetzlich vorliegt — Juden sein, so daß sich der deutsche Charakter von dem Charakter ein er jüdischen Höchschulenichtmehrunterscheiden würde. Zunächst sei festgestellt, daß es weder den wissenschaftlichen Ergebnissen, noch den geschichtlichen Tatsachen entspricht, daß das „Judentum eine sich bewußt abschließende R a s s e n- und Volksgemeinschaft" darstellt, vielmehr gehören der jüdischen Glaubensgemeinschaft Angehörige verschiedensten Stammes und verschiedenster Nationalität an, da jeder Mensch, wes Stammes oder Volkes er auch sei, die Möglichkeit besitzt, in die jüdische Glaubensgemeinschaft einzutreten, Jude zu werden. Von dieser Möglichkeit wurde auch, wie uns die jüdische Geschichte lehrt, oftmals Gebrauch gemacht. Anderseits haben die Juden in der. Diaspora Sprache und Kultur ihrer „Wirtsvölker" vollkommen angenommen und unterscheiden sich vön diesen n u r durch ihre Religion. Die deutschen Juden, die bereits seit der Zeit der Völkerwanderung in den Gebieten des jetzigen Deutschland ansässig sind; sind1 A n g ehörigedesd'eutschenVolkes. „Da derzeit aber; kein staatlieh anerkanntes Forum besteht," heißt es in der Eingabe weiter, „das einzelnen Juden das Deutschtum zuerkennt, kann sich auch nicht ein einzelner Jude einfach das Recht anmaßen, sich »Deutscher* zu nennen." Bestünde dieses Forum nicht, dar% könnte sich allerdings auch kein einzelner Arier „einfach das Recht anmaßen", einem Juden das Deutschtum abzusprechen. Das Forum aber, von welchem die Eingabe spricht, besteht doch, es ist das Forum der Vernunft und des nüchternen Verstandes. Wenn ich nämlich feststellen will, ob ein mir bisher unbekannter Mensch ein Deutscher ist oder nicht, dann werde ich nicht etwa Blutuntersüchungen oder anthropometrische Bestimmungen an ihn vornehmen, sondern es gibt ein viel einfacheres Mittel, dies festzustellen; ich werde mit ihm sprechen. Auf diesem einfachen und für jedermann gangbaren Wege werde ich meist schon nach einer kurzen Unterredung festzustellen imstande sein, nicht nur, ob ich es mit einem Deutschen zu tun habe, sondern sogar auch, ob es sich um einen Nord- oder Süddeutschen handelt. Habe ich nun außerdem noch festgestellt, daß dieser Mensch in seinem Verkehr sich ausschließlich der deutschen Sprache bedient, ja vielleicht nicht einmal irgendeine andere Spräche kennt, daß seine Eltern und Großeltern deutsch gesprochen haben, dann wäre es doch sicherlich ganz absurd, diesen Menschen für k e i n e n Deutschen zu halten. IPBI Feuilleton jjlBfl Die Eisik-Jekels-Synagoge in Krakau. Im Verlage „Das Buch", VIII., Aiserstraße Nr. 55, ist aus der Feder des bekannten jüdischen Schriftstellers Regäerungsrat J. Kreppel ein neues Büchlein „Ost jüdische Legenden" erschienen, das die Vertrautheit des Verfassers mit dieser schönen Literatur neuerlich treffend erweist. Mit gütiger Erlaubnis des Autors veröffentlichen wir 'eine der Legenden. Am Kazwnierz, dem jüdischen Viertel von Krakau, erhebt sich eine prächtige Synagoge, die der Yolksmund als „Rabbi Eisiks Schul" bezeichnet Die Legende will wissen, daB der Mörtel, mit dem dfeses Gotteshaus gebaut wurde, mit Eiweiß anstatt mit Wasser aufgerührt wurde. Es sollen hierbei nicht weniger als 60.000 Eier zur Verwendung gelangt sein. Nur ein so immens reicher Mann, wie es Rabbi Eisflc war, konnte sich freilich einen derartigen Luxus erlauben. Er war im Besitze eines gewaltigen. Schatzes, der Jahrhundertelang für ihn bereit lag und der nach seinem Ableben wieder verschwunden ist Rabbi Jekel, sein Schwiegervater, war einer der reichsten jüdischen Kaufleute Krakaus, der damaligen Hauptstadt des polnischem Reiches. Er war Münzpächter, Lieferant des Königs und seine Geschäfte führten ihn weit und breit über das polnische Land, Eines Tages passierte Rabbi Jekel einen Urwald, verlor den Weg und irrte einige Tage herum, ohne einen Ausweg zu finden. Schon war er der Verzweiflung nahet Seme Lebensmfttelvorräte gingen zu Endel, die Pferde waren abgehetzt und versagten den Dienst. Er selbst und sein christlicher Kutscher waren todmüde vom mehrtägigen Wandern und Suchen. Da erblickte er in der Ferne einen Schein, dem er eifrilg nachging. Als er die Stelle erreichte, von der ein herrlicher Qlanz ausging, fand er einen Greis, der Goldstücke schaufelte. Auf seine Frage, was sein Tun zu bedeuten habe, erklärte der Greis, seine Aufgabe sei, einen Schatz so lange zu hüten, bis derjenige, für dien der Schatz bestimmt ist, kommen werde, um sich sein Eigentum zu holen. Das sei nun so schon Jahrhunderte lang, ohne daß der richtige Eigentümer sich gemeidet hätte und er schaufle nun die Goldstücke, damit sie nicht dem Rost verfallen. „Seit Jahrhunderten hütet Ihr den Schatz für den Eigentümer," fragte Rabbi Jekel erstaunt, „}a, lebt denn dieser ewig?-' '; 'i i i „O nein", erwiderte der Greis. „Der Schatz ist Eigentum ehier bestimmten Familie. Stirbt das Oberhaupt derselben, für das der Schatz bestimmt ist so geht das Eigentumsrecht auf seine Nachkommen über. Und so zieht sich die Geschichte schon viele Generationen hin, ohne daß sich der richtige Mann bei mir gemeldet hätte". „Wie soll denn der Tüchtige Mann heißen?" fragte Rabbi Jekel weiter. „Eisik Jekels," erwiderte der Grefe; Da zog Rabbi Jekel ein Goldstück aus seinem Beutel und bat den Greis; er möge ihm. dasselbe gegen ein anderes aus dem Schatz eintauschen, was dieser bereitwilligst tat,