Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 43 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT) Oesfcrretddsdie Wochensdirill ier (Mlstte Interessen MMfemBeiblatt: Veröifenüldiiingen der „Union deattcMsterreldiiscIier Juden" " Redaktion und Administration: Wl«n Hl., HflBlnesrfrcaO« "i3. — Fernruf 42-2-18 XLII. Jahrgang Wien, 15. Oktober 1926 Nummer 43 Semesterbeginn. Jedes Jahr um diese Zeit, wenn die Wiener "Hochschulen ihre Tore öffnen und Oesterreichs lernbegierige Jugend jenen Stätten zuströmt, an welchen, die höchste Bildung vermittelt wird, nehmen die Vorgänge^an den Hochschulen das Interesse besonders in Anspruch. Proteste, Eingaben und Resolutionen, Studentenstreiks, Kundgebungen und Demonstrationen machen den österreichischen Durchschnittsbürger darauf aufmerksam, daß wir eine „Hochschulfrage" besitzen. Diese sogenannte Hochschulfrage, die im österreichischen Staatsleben gewiß einen über Gebühr großen Raum einnimmt, besteht nicht etwa, wie man meinen sollte, in der Frage, wie unseren Studierenden das größtmöglichste Maß an Wissen und praktischen Kenntnissen für ihren künftigen Beruf vermittelt werden könnte oder wie die Mittel dafür geschaffen werden könnten, um die wissenschaftlichen Forschungsstätten auf einem hohen geistigen Niveau zu erhalten, sondern statt der Mitteltrage ist es die Titelfrage, welche einen Teil unserer studierenden Jugend, nämlich die Hörer der Hochschule für Welthandel, in heftigste Aufregung versetzt. Sie wollen das Doktorat durch einen Streik ertrotzen. Kann, man das Vorgehen dieser Studenten, wenn schon nicht billigen, so doch immerhin verstehen, so ist das Verhalten einer anderen Gruppe von Hochschülern, welche die Wahl eines Juden zum Dekan der rechts- und staatswissenschaftlichen Fakultätder Wiener Universität direkt zu einem Casus belli gemacht haben, nur für den zu begreifen, der in die tiefsten Abgründe eines hakenkreuzlerischen Gemütes hineinzuschauen vermag. Da dies aber Menschen mit normalem Sinn und nüchternem Verstände nicht zu tun vermögen, bleibt es der überwiegenden Mehrheit unserer .Staatsbürger nach wie vor ein Rätsel, wie die Hoch schulfrage zu einer reinen Judenfrage werden konnte.;- Jeder Mensch, dessen Geist nicht durch antisemitische Schlagworte getrübt ist, wird sich fragen: Was für eine Rolle kann es bei der Bewertung der wissenschaftlichen Leistung eines Gelehrten spielen, ob dieser ein Jude oder ein Christ ist; was für ein Unterschied besteht darin, ob der, welcher den Studenten die Gründbegriffe der Anatomie, des Römischen. Rechtes oder der Mechanik zu vermitteln hat, bei sonst gleicher Befähigung dieser oder jener Religons- oder selbst Rassengemeinsehaft angehört; warum sollte nur ein hundertprozentiger : Arier zur Erlangung einer akademischen Würde geeignet sein, der Umstand aber, daß jemandes Großvater die Tochter eines Juden geheiratet hat, ihn trotz noch so großer Befähigung als unwürdig erscheinen lassen, dieses Amt zu bekleiden, Gerade die letzte Frage ist heute besonders „aktuell" und wird in einer Eingabe, welche die „Deutsche Studentenschaft der Wien erUniversität" vor kurzem an den akademischen Senat der Wiener Universit ä t gerichtet hat, eingehend behandelt. Um den Wert dieser Eingabe richtig zu würdigen, sei vorerst festgestellt, daß diese „Deutsche Studentenschaft" nur einen geringen Teil der deutschen Studentenschaft, nämlich allein die völkischen und deutschkatholischen Burschenschaften vertritt und sich den Namen „Deutsche Studentenschaft" in irreführender Absicht arrogiert hat. In dieser Eingabe heißt es unter anderem: 1. Die Deutsche Studentenschaft stellt zunächst fest, daß es den wissenschaftlichen Ergebnissen und geschichtlichen Tatsachen entspricht, daß das Judentum seit Jahrtausenden, seit der Gesetzgebung des Esra, eine sich bewußt abschließende Rassen- und Volksgemeinschaft darstellt, die ihr arteigenes Volkstum, ihre arteigene Schrift, Sprache und Sprechweise, ihre arteigene Geschichte und Kultur, ihr arteigenes inneres Wesen und ihre besonderen äußeren Merkmale besitzt. Ebensowenig wie der Chinese oder Neger, auch wenn er in Deutschland geboren ist und sich zum Deutschtum bekennt, als Deutscher bezeichnet werden kann (Feststellung des Elberfelder Akademikertages und des Dritten Deutschen Hochschultages), ebensowenig kann das Judentum in seiner Gesamtheit zum deutschen Volk gezählt werden. Die gegenteilige Behauptung würde die Gleichsetzung und Gleichwertigkeit von Deutschtum und Judentum, von deutscher Kultur und Art und jüdischer Kultur und Art zur Folge haben. Da aber derzeit kein staatlich anerkanntes Forum besteht, das einzelnen Juden das Deutschtum zuerkennt, kann sich a.uch nicht ein einzelner Jude einfach das Recht anmaßen, sich trotz der rassischen Merkmale, trotz dem fremden Wesen, trotz der fremden Gesinnung und Gesittung „Deutscher" zu nennen. Auch* muß-- ausdrücklich festgestellt werden,* daß es kein Gesetz gibt, welches dem Juden, das'Recht, „Deutscher" zu sein, zuerkennt. Dieser Tatsache wurde dann, wie es in der Eingabe weiter heißt, in dem (von den Völkischen im übrigen nicht anerkannten und heftig bekämpften) Staatsvertrage von St.- Germain Rechnung getragen, da er im Artikel 80 ausdrücklich von „R a s s e" spricht. Aber auch bei der letzten Volkszählung wurde die Rubrik „V o 1 k s z u g e h ö r i gkeitundRasse" durch Gesetzesbeschluß aufgenommen. Die Eingabe kommt also hier zu dem Schluß, daß sowohl durch die Wissenschaft und Geschichte, als auch durch die Gesetzgebung und Rechtsprechung einwandfrei festgestellt wurde, daß die Juden nicht zum deutschen Volke gehören und daher auch keine Deutschen sind. Die Eingabe fährt nun fort: 2. Im Jahre 1919 wurde das Universitätsgesetz dahingehend abgeändert, daß die Universität durch das Gesetz als deutsche Forschungs- und Lehranstalt bezeichnet wurde. Diese Gesetzesänderung trug eben dem Umstände Rechnung, daß die internationale österreichisch-ungarische WSKiTSÜRW vt> r ü.TiTTTrm <m' t r, a^-**«»««a ■ vj, ^*,^m