Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 42 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT möge den geschätzten Jubilaren gegönnt sein, noch recht viele Jahre in Glück und Gesundheit für die jüdische Oeffentlichkeit zu wirken. Anläßlich der würdigen Feier, bei welcher die kantoralen Funktionen von Oberkantor Landau und erstem Kantor Grob mit verstärkten Chor in ausgezeichneter Weise versehen wurden, sind von Seiten der Jubilare sowie ihren Freunden und Verehrern große Beträge für arme Glaubensbrüder und die verschiedensten jüdischen Wohlfahrtsanstalten gespendet worden. Barmizwahfeiern. Samstag, den 25. September, fand im Gemeindetempel in der Turnergasse die Barmizwah des Realschülers Walter Weiß, Sohn des bekannten Buchsachverständigen Prof. Heinrich Weiß und seiner Gemahlin Grete geb. R e i n i s c h, statt. Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t hielt an den Barmizwanten eine eindrucksvolle Ansprache. Vater und Sohn wurden von seilen der zahlreichen Festgäste, unter denen sich auch der Direktor des „Elisabeth-Heimes", Herr Adolf R e i n i s c h, ein Onkel des Barmizwanten, befand, herzlichst beglückwünscht. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Schleifer. — Donnerstag, den 30. September (Schemini Azeres) fand im Döblinger Tempel die Barmizwah des Studenten Hans Brüll, Sohn des Herrn Direktor Josef Brüll und seiner Gemahlin Helene geb. R o b itschek statt, welche sich infolge der besonderen Wertschätzung, deren sich Herr Direktor Brüll als hervorragendes Mitglied des Tempels erfreut, zu einer schönen Feier gestaltete. Nachdem Herr Oberkantor Bogumolny in gewohnt ausgezeichneter Weise den Segensspruch vorgetragen hatte, hielt Herr Rabbiner Dr. S. Frankfurter an den Konfirmanten eine inhaltsreiche Ansprache, in der er im Vergleich mit dem Schemini-Azeres-Tage die besondere Bedeutung dieses Tages im Leben des nun in die Gemeinschaft aufgenommenen jungen Mannes hervorhob. Die Rede gipfelte in der Ermahnung, stark zu bleiben im Leben und das Judentum stets hochzuhalten. Hierauf brachte der Konfirmant die Haftorah in einer Art zum Vortrage, die davon Zeugnis ablegt, daß im Hause seiner Eltern Religion und Judentum gepflegt wird. Fünfundzwangstigstes Abgeordneteniubiläum Paul Sandors. Der Abgeordnete der ungarischen Nationalversammlung Paul Sandor, der einer der Führer der ungarischen Juden ist, feierte vor kurzen? das fünfundzwanzigste Jubiläum seiner Tätigkeit als Abgeordneter. Er wurde zum ersten Male im Jahre 1901 im Leopoldstädter Wahlbezirk ins Parlament gewählt und vertritt seither mit einer kurzen Unterbrechung während der Zeit der Räteregierung diesen Bezirk der Budapester jüdischen Kaufmannschaft im Parlamente. Mutig und unerschrocken setzte er sich für die Interessen seiner Wähler ein und gehörte gleich seinem allzufrüh verschiedenen Freunde Dr. Wilhelm Väzsonyi durch ein Vierteljahrhundert der Fortschrittspartei an. Als zielbewußter demokratischer und liberaler Politiker kämpfte er gegen Reaktion und Antisemitismus, trat aber auch dem Terrorismus der Rätediktatur entschieden entgegen. Er wurde auch deshalb zur Zeit der ungarischen Kommunistenherrschaft verhaftet und nur durch die Intervention der Franzosen 'vor dem Vollzuge des bereits gefällten Todesurteils bewahrt. Aber auch zur Zeit des weißen Terrors, der Pogrome und Judenverfolgungen, behielt er seine Kaltblütigkeit und erwarb durch seinen Mut und seinen ausgezeichneten ehrenhaften und unbestechlichen Charakter auch die Achtung seiner politischen Gegner. So kam es, das Paul Sandor, der selbst einer der angesehensten Geschäftsleute Budapests ist, nicht nur zum Beschützer der jüdischen Kaufmannschaft Ungarns wurde, sondern wegen seiner hervorragenden Sachkenntnis zum parlamentarischen Vertreter der gesamten ungarischen Kaufmannschaft und zum Begründer des unter seiner Führung zu hohem Ansehen gelangten Verbandes der ungarischen Kaufmannschaft. Sein Rat und fachmännisches Urteil war aber auch der ungarischen Regierung jederzeit willkommen, wenn es sich um wirtschafts- oder handelspolitische Fragen handelte, und oftmals wurde er als Experte zu Handelsvertragsverhandlungen zugezogen. Aber nicht nur in der Politik und Wirtschaft seines Landes, sondern auch im kulturellen und geistigen Leben Ungarns und vor allem des ungarischen Judentums spielt Paul Sandor eine führende Rolle; findet er doch trotz seiner vielseitigen Inanspruchnahme noch immer Zeit, sich eingehend mit jüdischen Spezialproblemen zu beschäftigen. Insbesondere besitzen alle humanitären Institutionen des ungarischen Judentums an ihm einen eifrigen und tatkräftigen Förderer und er hat auch anläßlich seines Abgeordnetenjubiläums fünfzig Millionen Kronen für jüdische Wohlfahrtsanstalten gespendet. Goldene Hochzeit. Samstag, den 2. Oktober, 9 Uhr vormittags fand im Großen Leopoldstädter Tempel die goldene Hochzeit des Herrn Mayer Schafranik und seiner Gattin Rosa, geb. Deutsch, statt. Der feierlich zur Thora aufgerufene Jubilar wurde von Oberkantor Heinrich F ischer durch einen meisterhaft verfaßten und vorgetragenen Segensspruch und von Rabbiner Dr. Max Grunwald durch eine ergreifende Ansprache gefeiert. Nach dem Gottesdienste versammelten sich die zahlreichen Verwandten und Freunde des Jubelpaares im Zeremoniensaal des Tempels, wo Vizepräsident Dr. Jakob O r n s t e i n dem Jubelpaare die Glückwünsche der Kultusgemeinde überbrachte. Der Vizepräsident des Bethausvorstandes Dr. E. Miin z^ überreichte mit herzlichen Worten eine Glückwunschadresse und ein Ehrengeschenk der Kultusgemeinde. Nachmittags erschien in der Wohnung des Ehepaares Stadtrat Richter und überbrachte die Glückwünsche und das Ehrengeschenk der Gemeinde Wien. Herr und Frau Schafranik waren anläßlich der goldenen Hochzeit Gegenstand zahlreicher Ehrungen. Todesfälle. Mittwoch, den 29. September wurde am Floridsdorfer Friedhofe der ehemalige Kultusvorsteher Herr Josef Schwarz zu Grabe getragen. Die große Wertschätzung, der sich der Verblichene wegen seines vornehmen Wesens in weiten Kreisen erfreute, kam in der außerordentlich großen Beteiligung, zum Ausdruck. In Vertretung der Kultusgemeinde erschien Vizepräsident Dr. J. 0 r n s t e i n, in Vertretung der Vereinigung der Wiener Tempelvereine Börserat J. Glück- Herr Rabbiner Dr. M. Rosenmann widmete in seinem, allen zu Herzen gehenden Nachruf dem Dahingeschiedenen Worte der Anerkennung und der Liebe, die er stets seiner Familie und seinen Freunden entgegenbrachte. Für die Kultusgemeinde sprach Vizepräsident Dr. J. Ornstein herzliche Worte der Anerkennung und des Dankes, für die „Union deutschösterreichischer Juden" Dr. J. Grünwald, für die Bezirkskommission Herr Obmann Gabriel Dukes. Die kantoralen Funktionen versahen Oberkantor Groß und erster Kantor Eibenschütz mit Chorassistenz. — Mittwoch, den 29. September, starb in Baden bei W i e n im 83. Lebensjahre Frau Lina Braun, die Mutter des .Kultuspräsidenten in Baden Alexander Braun. Die sterblichen Ueberreste der hochgeachteten Frau wurden nach Wr.-Neustadt überführt und fast von der ganzen Badener Judenschaft begleitet. Das Leichenbegängnis fand Sonntag, den 3. d. M. in Wr.-Neustadt statt, bei welchem sich ebenfalls zahlreiche Badener Persönlichkeiten, darunter viele Kultusvorstände und der Gesamtvorstand der Chewra Kadischa unter Führung des Präsidenten Ludwig Lackenbacher eingefunden hatten. Die Einweihung der Laubhütte neben dem Großen Leopoldstädter Tempel, die am ersten Sukkothtage (Mittwoch, 22. September) der Benützung übergeben wurde, gestaltete sich zu einer würdigen Feier. Die vollständig neu errichtete, geschmackvoll dekorierte und wunderbar beleuchtete Laubhütte erregte allgemeine Bewunderung. Der Einweihungsakt wurde durch ein von Oberkantor Heinrich Fischer mit Chorbegleitung zum Vortrage gebrachtes ...Mah Tauwu" eingeleitet. Sodann hielt Rabbiner Dr. Max Grunwald eine inhaltsvolle Ansprache, in welcher er die symbolische Bedeutung der Laubhütte eingehend würdigte, worauf der Präsident der Kultusgemeinde Professor Dr. Alois Pick der Freude und Genugtuung in beredten Worten Ausdruck gab, daß eine so wunderschöne Laubhütte, ein wahres Meisterwerk in ihrer Art, errichtet werden konnte. Israelitischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Sitz: XVI., Hubergasse 8. Dieser seit 27 Jahren segensreich wirkende Verein hat zur Linderung der Not von Witwen, Wöchnerinnen und Waisen im letzten Jahre eine große Summe verteilt, steht aber jetzt mit leeren Kassen der Verzweiflung seiner Schutzbefohlenen gegenüber. Zur Erreichung seiner Zwecke veranstaltet darum der Verein am Samstag, den 23. Oktober d. J. in den Olympia-Sälen, 1., Rotgasse 5, einen Wohltätigkeits-Rout mit Tanz unter Leitung einer erstklassigen Kapelle und bittet durch freundliche Teilnahme die hehren Ziele des Vereines zu fördern. Eintrittskarten sind bei der Präsidentin Frau Dr. Adele Bach und allen Vorstandsdamen erhältlich. Rekonvaleszenten- und Erholungsheim „Philantropia" (Wien XIII., Lainzerstraße 172), für israelitische Frauen und Mädchen, mit guter, reichlicher Verpflegung, 5 Mahlzeiten, Arzt, Bad, großer PaTk. 5 Schilling täglich. Telephon 84-3-13.