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Die Wahrheit · 1926-10-08 · Heft 42 (8.10.1926) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 42 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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stehen." Professor Oppenheimer kam zu folgenden Schlüssen: „Vielleicht gelingt es durch einen religiösen Bund, vielleicht können wir dann neue Fundamente für den Aufbau Palästinas legen. Wenn nicht, dann ist alles verlöre n." Obwohl die schleichende Krise Palästinas auch in Europa längst kein Geheimnis mehr ist, haben die Ausführungen des Gelehrten dennoch in allen Kreisen die größte Sensation hervorgerufen: haben sie doch blitzlichtartig das Dunkel erhält, das über Palästina lagert, und mit photographischer Genauigkeit ein Bild der Lage gegeben, wie sie sich im Verlaufe des letzten Jahres entwickelt hat. Und da bringt das Organ der österreichischen Zionisten, die „Wiener Morgenzeitung" den traurigen Mut auf, ihren zionistischen Lesern noch immer Sand in die Augen zu streuen. Unter dem irreführenden Titel „Gegen die Schwarzseher" veröffentlicht sie einen Bericht über den doch wahrlich genug schwarzsehenden Vortrag — man beachte nur den Schluß! — in dem die wichtigsten Mitteilungen des weltbekannten Gelehrten entweder ganz vorenthalten oder in derart abgeschwächter Form wiedergegeben werden, daß man beim Lesen dieses Berichtes ein ganz falsches Bild von dem wirklichen Erfahrungen Professor Oppenheimers in Palästina gewinnt. Glaubt das Blatt vielleicht auf diese Weise und durch derartige Mittel der Wahrheit den Weg versperren zu können, oder sieht es als seine publizistische Aufgabe an, seine eigenen Gesinnungsgenossen über so wichtige Fragen falsch zu informieren? Will es noch mehr junge Leute ins Unglück stürzen, die im Vertrauen auf die Versprechungen der Zionisten das Land ihrer Sehnsucht betreten würden, um dort in Not und Elend zu Grunde zu gehen? Oder sind es vor allem parteipolitische Erwägungen, welche das Blatt zu einer derartigen Berichterstattung veranlassen? Was immer der Grund hierfür sein mag, die Wahrheit bricht sich doch schließlich Bahn und der > Vortrag Professor Oppenheimers war ein gewaltiger Schritt auf diesem Wege. Dafür wird dem großen Gelehrten das ganze Judentum sicherlich Dank wissen. Eine treffende Illustration zu obigen Ausführungen des weltberühmten Gelehrten bildet ein Gespräch, das einer unserer Leser, dessen Name und Adresse uns bekannt ist, vor kurzem mit einem jungen jüdischen Auswanderer geführt hat, einem einfachen Handwerker, der gleich vielen anderen Glaubensgenossen gezwungen war, seine Heimat zu verlassen, um jenseits des großen Wassers Arbeit und Brot zu suchen. Die Zuchrift, in welcher uns obgenannter Herr über die stattgehabte Unterredung berichtet, hat folgenden Wortlaut: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Auf meiner Urlaubsreise bemerkte ich in einem stark besetzten Abteil dritter Klasse auf der Strecke Innsbruck — Buchs an der Brust zahlreicher Mitreisender eine auffallende große Bronzemedaille. Auf meine Frage, was das wohl für ein Abzeichen sei, erfuhr ich, daß die Medaille das Abzeichen einer Schiffahrtsgesellschaft darstelle, welche den Auswanderungsdienst nach Südamerika durchführe und daß alle, welche diese Plakette an ihren Röcken oder Blusen angesteckt haben, gemeinsam nach Südamerika auswandern. Unter den Auswanderern befand sich auch ein großer, kräftiger, junger Mann mit blauen Augen und hellblondem Haar, an dessen Aussprache man sofort den Juden aus dem Osten erkannte. Es war dies der einzige Jude in dieser Reisegesellschaft, welche im übrigen aus Polen; Slowaken und wenigen Deutschen bestand. Da ich eine größere Strecke mit den Auswanderern zu fahren hatte, ließ ich mich mit dem jungen Glaubensbruder in ein Gespräch ein. Zunächst bat ich ihn darüber um Aufklärung, wie es komme, daß er nach Südamerika auswandere und nicht nach Palästina, das doch heute das Ziel so vieler junger Juden sei. Die Antwort, welche ich auf diese gewiß nicht fernliegende Frage erhielt, überraschte mich derart, daß ich sie Ihnen am liebsten wörtlich wiedergeben möchte. Vielleicht werden die Worte dieses einfachen jüdischen Handwerkers auch anderwärts mehr Eindruck machen, als lange nationalökonomische Abhandlungen. „Auch ich bin", sagte der jüdische Auswanderer: „zwei Jahre Chaluz gewesen und habe eifrigst die hebräische Sprache sprechen gelernt, da ich gleich vielen anderen meiner Altersgenossen aus G a 1 i z i e n die feste Absicht hatte, nach Palästina auszuwandern, um mich aktiv am Wiederaufbau des Heiligen Landes zu beteiligen. Nun aber mußte ich erfahren, daß von meinen Freunden, die vor mir nach Erez Jisroel ausgewandert waren, ein Teil den schweren Strapazen erlegen ist, während andere mit furchtbaren Krankheiten (Malaria, Tuberkulose) behaftet, die sie sich in dem ungesunden Klima zugezogen hatten, nach Europa zurückkehren mußten. Einige hiervon befinden sich in Wien im Rothschildspital in Pflege, andere sind direkt in ihre Heimat zurückgekehrt. Von letzteren habe ich nun gehört, daß die gegenwärtigen Zustände im Heiligen Lande die trostlosesten sind, die man sich denken kann. Die Arbeitslosigkeit hat einen erschreckenden Grad erreicht und wird noch durch das merkwürdige Verhalten der Engländer gesteigert, da diese den jüdischen Industrieunternehmungen die größten Schwierigkeiten in den Weg legen. Sie fürchten nämlich, wie mir meine Freunde berichteten, die jüdische Konkurrenz außerordentlich und bedrücken die jüdischen Unternehmer mit allerhand Steuern und Abgaben, damit sie ihre Waren nicht billiger verkaufen können als die aus England importierten. So kommt es, daß viele meiner Freunde, obwohl sie auch vor der schwersten und schlechtbezahltesten Arbeit nicht zurückscheuten, keine Erwerbsmöglichkeit in Palästina finden können und nui* auf die Unterstützungen aus der Heimat angewiesen sind, um nicht buchstäblich zu verhungern. Nachdem ich keine Selbstmordabsichten habe und durch meiner Hände Arbeit ein auskömmliches Dasein finden will, gehe ich nach Südamerika und nicht nach Palästin a." „Und was wollen Sie in Südamerika beginnen?" forschte ich weiter. „Ich bin gelernter Sattler" antwortete der junge Mann auf meine Frage, „und fahre nach Rio de Janeiro, woselbst ich entferntere Verwandte besitze. Diese haben mir geschrieben, daß man dort als qualifizierter Arbeiter immer noch gut bezahlte Arbeit finden könne und sie gerne bereit wären, mir auf der Suche nach einem Erwerbe behilflich zu sein." Ich glaube, daß diesen klaren und deutlichen Ausführungen des jüdischen Auswanderers kein Wort hinzugefügt werden braucht und wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie denselben im Interesse vieler junger Glaubensgenossen in Ihrem Blatte Raum geben würden, da die jüdischnationalen Blätter unbegreiflicherweise noch immer davor zurückscheuen, ihren Lesern die Wahrheit über Palästina zu sagen. Hochachtungsvoll usw." Eine Neujahrsbotschaft des New Yorker Staatsgouverneurs. Gouverneur Smith veröffentlichte anläßlich des jüdischen Neujahrsfestes folgende Botschaft an die Juden des Staates New York: „Aus Anlaß des jüdischen Neujahrsfestes bringe ich den Bürgern des Staates meine besten und herzlichsten Gefühle zum Ausdruck. Ich schätze die Heiligkeit dieser Tage hoch ein und ich bewahre viele Erinnerungen an die tiefe Feierlichkeit, mit der meine alten Freunde und Nachbarn diese Festtage begehen. In der »Geschäftigkeit' unseres Lebens wirkt es anregend, wenn wir an bestimmten Tagen des Jahres Einblick nehmen in unsere eigenen Gedanken und Handlungen, unser ganzes Leben im abgelaufenen Jahre Revue passieren lassen und uns für die Zukunft vorbereiten. Die Grundlage des echten Glaubens ist das Verbundensein mit dem Schöpfer im höheren, günstigen Sinn. Ich bin ein unbedingter Verfechter der Trennung von Staat und Religion als Grundprinzip des Amerikanertums und kann diesen meinen Glauben nicht ändern, hingegen bin ich kein Freund der Trennung von Religion und dem täglichen Leben. Jeder von uns kommt den Forderungen seines Glaubens nach seiner eigenen Art nach, aber wir alle zusammen sind Kinder eines Gottes. Die Minderheit intoleranter Menschen in unserem Lande wird rasch zum Verstummen gebracht. Echter Amerikanismus duldet keine so unamerikanische und unpatriotische Erscheinung wie Unduldsamkeit gegenüber Rassen und Konfessionen. Die Juden sind ein Volk des Friedens, und indem ich Ihnen ein glückliches Neujahr wünsche, hoffe ich, daß Ihre Gebete sich mit den meinigen in dem Wunsche vereinigen werden, der Allmächtige möge uns in der Stärkung der amerikanischen Grundsätze von Duldsamkeit und religiöser Freiheit beistehen!" Uebernahmsanzeige. Herr Josef Geyer in Baden bei Wien hat das bestbekannte Cafe Schopf in Baden übernommen und am 1. d. M. eröffnet. Herr Geyer wird sich bemühen, den guten Ruf dieses erstklassigen Etablissements aufrechtzuerhalten, allen Wünschen seiner Gäste im weitestgehenden Maße gerecht zu werden und durch aufmerksame Bedienung das geschätzte Publikum zufriedenzustellen. Hotelrestaurant L Gutfi. In den schönen Saallokalitäten dieses altrenommierten Restaurants finden ab Samstag, den 9. Oktober, jeden Samstag, Sonn- und Feiertag, um 9 Uhr abends Soupers-Dansants statt. (Jazz-Band: Fred Reichel.) Tischbestellungen werden im Hotelbüro entgegengenommen.

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