Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 42 (8.10.1926)
- Date
- 1926-10-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 42 DIE WAHRBBT Sett» 5 berge, die dem Ehemann und den Kindern bekannt war, zu ändern/Es ist aber kein Rat wider den Herrn. Der Vater kam durch sein unschuldiges Töchterlein dahinter, das durch einige Monate beständig in eines Christen Behausung gehalten worden war und von der Kindbettin in ihre verborgene Herberge unbehutsam eingelassen wurde. Auf diese Kundschaft habe ich der Altstadt Prag wohlbestellten Kaiserrichter ersucht, welcher seinen Amtsschreiber unverweilt in das Geburtshaus abfertigte, um von der Kindbettin, und im Fall diese sich weigern würde, von den Aeltesten des Judenvolks das neugeborne Kind, als dem nunmehr getauften Vater zuständig, herauszubegehren. Weil aber die arglistigen Judenköpfe zu des Kindes Auslieferung sich nicht verstehen wollten, wurde zu der jüdischen Wöchnerin eine christliche Hebamme beordert, ob diese durch einen weiblichen gottseligen Fund das Kind der Mutter heimlich entrücken könnte. Diese Hebamme begleiteten freiwillig etliche kühne christliche Matronen", an der Spitze eine getaufte Jüdin. „Sie überreichte das mitgebrachte Weihwasser der christlichen Hebamme und forderte sie mit kräftigen Worten auf, die Mutter zu entbinden und das Kind zu taufen." Dies geschah. „Die Kindbettin aber sprang rasend aus dem Bette und riß ihr das Kind mit heftigem Geschrei gewalttätig aus den Händen. Sofort fand sich der Stadtrichter mit bewaffneten Männern ein, um das nunmehr christliche Söhnlein von der Mutter abzusondern. Da aber diese gleichsam rasend das Kind so fest in ihren Armen umschlossen hielt, daß man zu besorgen hatte, es möchte eher erdrückt als ihr entwunden werden, begnügte sich der verständige Stadtrichter damit, den versammelten älteren Juden zu verbieten, daß sie das Kind nicht zum Juden machten. Darauf wurde durch Se. Exzellenz Herrn Reichsgrafen von Sternberg, Oberstburggrafen des Königreiches Böhmen, geboten, daß dieses Kind dem Vater ausgehändigt werden sollte." (Fortsetzung folgt.) (jlossea. Niemand geringerer als Dr. Ignaz S e i p e 1, der gewesene und — woran wohl heute niemand mehr zweifelt — auch zukünftige Kanzler war es, der Lueger als den großen Lehrmeister hinstellte, dessen Beispiel allen voranleuchten möge. Lehrmeister für eine Zeit zu sein, in der das Bedürfnis nach Reinigung unseres öffentlichen Lebens, nach gründlicher. Lüftung der politischen Atmosphäre eine zum^Himmel schreiende (um nicht einen unästhetischen Ausdruck zu gebrauchen) Notwendigkeit geworden, ist eine hohe Mission. Lueger als Lehrmeister! Da dürfte es sich schon verlohnen, auch nachdem sich der Festrummel anläßlich der Enthüllung des Lueger-Denkmales gelegt hät, noch einiger charakteristischer Details aus dem Leben des gefeierten Mannes zu erinnern, die in den festlichen Betrachtungen der Blätter aller Richtungen übersehen wurden. * . * * Warum las man nichts von der feierlichen programmatischen Erklärung, mit der Lueger sozusagen seine politische Karriere eröffnete? Da erklärte er am 27. April 1885 unter dem tosenden Beifall in einer demokratisch gesinnten Wählerversammlung : „Die demokratische Partei muß es als eine ihrer Hauptaufgaben betrachten, das Staatsgrundgesetz über die allgemeinen Rechte der Staatsbürger durchzuführen, das bereits Errungene festzuhalten, das Fehlende zu ergänzen. So wollen wir denn festhalten an dem Grundsatze der Gleichberechtigung aller Konfessionen usw." Kann man herrlichen Gedanken besseren Ausdruck geben? * * * So sprach der Mann, der zu Adolf Fischhof mit Begeisterung emporblickte, mit Kronawetter, Mandl, Kreuzig und anderen den Idealen der Demokratie zum Siege verhelfen wollte. Das war der Mann, der noch ein Jahr später, von der Glut seiner eigenen Worte ergriffen, vor einer großen Menschenmenge, mit dem Brusttone tiefinnerster Ueberzeugung, den Finger zum Schwüre erhoben, ausrief: „Gott ist mein Zeuge, daß ich keinen Unterschied des Glaubens kenne, Christ oder Jude gilt mir gleich." Wer den Mut hatte, Gott als Zeugen für die Wahrheit dieses Bekenntnisses anzurufen, durfte wohl damit rechnen, daß er zeitlebens die grimmige Feindschaft jener werde erdulden müssen, die nur dem teuflischen Gedanken dienen, daß man die Menschen nach dem Zufall ihrer Geburt beurteilen müsse. * * * Das war der Lueger, der noch in der Sitzung des Gemeinderates, in welcher die „liberale'4 Majorität aus nationalpolitischen Gründen es für angemessen hielt, den Antrag zur Beglückwünschung Fischhofs gelegentlich seines 70. Geburtstages abzulehnen, mit flammender Empörung die Donnerworte ausstieß: „Niemand in diesem Saale kann sich an Integrität des Charakters und an Verdiensten um die Stadt Wien mit Adolf Fischhof messen." So feierte Lueger den selbstlosen, unerschrockenen jüdischen Freiheitshelden, als dieser von den leitenden Parteihäuptlingen beiseite geschoben wurde, weil er das Heil Oesterreichs nur in der Wahrung des gleichen Rechtes aller Volksstämme dieses Staates erkannte. * * * Rohling hatte durch seine angeblich auf wissenschaftlichen Forschungen begründeten blutigen Ritualmordbeschuldigungen eine Hetze gegen die Juden hervorgerufen, die zu den schKmrnsten Befürchtungen Anlaß gab. Ein mit hohem geistlichen Rang bekleideter Priester, der überdies als Professor an der Prager Universität eine autoritative Lehrtätigkeit ausüben durfte, hatte in Kampfschriften (die von den Judenhassern in hunderttausenden von Exemplaren verbreitet wurden) seine Anklagen in die fanatisierten Massen geworfen. Dr. Bloch, damals noch ein ziemlich unbekannter Rabbiner in Floridsdorf, hatte den Mut, den Kampf gegen Rohling aufzunehmen, hatte mit dem Aufwand großer Gelehrsamkeit und überzeugender Geistesschärfe dessen Ausführungen glänzend widerlegt und den Hetzer im Ornat als einen Fälscher, Ignoranten und Meineidigen gebrandmarkt. Rohling war gezwungen, zur Rettung seiner wissenschaftlichen und persönlichen Ehre den Klageweg zu betreten. Es gehörte wahrlich aber auch kein geringer Mut dazu, angesichts der Schutzwehr, die sich um Rohling scharte, die Verteidigung des Rabbi Bloch zu übernehmen. Der Lueger hatte diesen Mut. Er stellte durch einen vertrauten Mittelsmann dem Dr. Bloch das Anerbieten, ihn im Prozeß gegen Rohling zu verteidigen. Dr. Bloch hatte seine Gründe, von diesem Anerbieten keinen Gebrauch zu machen, aber es hatte nicht an Dr. Lueger gelegen, daß er nicht für den Juden plädierte, der den gefeierten Antisemitenapostel zum Fälscher, Ignoranten und Meineidigen gestempelt hatte. * . * # Aber denselben Dr. Lueger, der Schulter an Schulter mit Kronawetter in vielen Wahlschlachten v&*&?v.-<xrasr «a«r' jk.--- {•.■A-mT>T i«iuia—rfMHfaay -ar.> ^masmt??&m ,i.f.