Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 40-41 (22.9.1926)
- Date
- 1926-09-22
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40/41 DiC WAHRHEIT Seite 13 lischen Truppen — meldet das Blatt weiter — soll von Aegypten nach dem Sinai und P-alästina überführt werden. Zur Hauptgarnison sei Kaiitara am Ostufer des Suezkanals bestimmt. Weitere Garnisonen seien in Port- Fm ad, El-Arish und Rafa vorgesehen. Das Hauptkommando werde sich in Jerusalem befinden. Weitere wichtige Stationen würden in Ramleh und Haifa, das übrigens zu einem Kriegshafen umgestaltet werden soll, errichtet werden. Eine Bestätigung dieser befremdenden: Nachricht steht noch aus. Die Fliegerbar ist ein rein arisphes Unternehmen zur Hebung der christlich-germanischen Lebensfreude, das, wie aus den jüngst in der „W i e n e r Zeitung" veröffentlichten Firmaprotokollierungen ersichtlich ist, von den Herren Oskar Teufel und Karl H e r g e t gegründet wurde. Ob es nur arischen Jungfrauen gestattet sein wird, in; dieser Bar mit rassestolzen Jünglingen frisch, fromm, fröhlich und frei zu flirten und Shimmy zu tanzen, oder ob auch gut zahlende Gäste ohne arischen Stammbaum den geschäftstüchtigen Barbesitzern willkommen sind, wissen wir noch nicht. Wir wissen nur, daß der eine der Gründer des Unternehmens, nämlich Herr Teufel, bereits eine bewundernswerte Karriere gemacht hat. Vor dem Kriege deutschnationaler Abgeordneter von Znaim, Bankbesitzer, Gurkenhändler usw., usw., ernannte er sich nach dem Umstürze zum Kreishauptmann von Znaim, wurde jedoch durch die einrückenden tschechischen Truppen an der Ausführung seiner Funktion gehindert. Er zog nach Wien, wurde „Staatsrat" in einer „provisorischen" Regierung für Südmähren, widmete sich sodann dem Monarchismus und unterhielt nebstbel mit hakenkreuzlerischen Kreisen die besten Beziehungen. Auf diese Beziehungen setzte er offenbar bei Gründung der Fliegerbar die allergrößten Hoffnungen und wir hoffen auch, daß er sich in seinen Freunden und Anhängern nicht getäuscht hat. Jedenfalls zeigt die Gründung, daß sich Herr Teufel trotz seiner reaktionären und monarchistischen Einstellung den modernen Verhältnissen ausgezeichnet anzupassen versteht. Er kann ruhig von sich sagen: nihil humani a me alienum puto und sich stolz in die Brust werfen, daß es ihm gelungen ist, zwei anscheinend so widerstrebende Dinge, wie Jazz-Band und Hakenkreuz miteinander zu vereinigen. Kommunistische Umtriebe in Palästina. Die alte Erfahrung, daß wirtschaftlicher Notstand und Arbeitslosigkeit stets eine Steigerung des politischen Radikalismus zur Folge haben, bewahrheitet sich jetzt auch im Heiligen Lande. Die Analogie zwischen dem Leben des Einzelnen und dem der Gesellschaft tritt hier besonders augenfällig zutage. Ebenso wie ein gesunder und kräftiger Körper den von außen kommenden Krankheitskeimen Widerstand entgegensetzt, während ein kranker oder geschwächter Organismus ihm unterliegt, so ist auch ein gesunder Staatskörper zersetzenden Einflüssen von außen viel weniger zugänglich als ein durch wirtschaftliche und soziale Notlage geschwächter. Diese Tatsache haben sich die Agitatoren der radikalen Parteien immer zunutze gemacht und die in schwerstem wirtschaftlichen Kampfe Stehenden als Vorspann im politischen Kampfe zu mißbrauchen versucht. Palästina durchlebt jetzt eine schwere wirtschaftliche Krise, vielleicht die schwerste, die über das vielgeprüfte Land seit Beginn der zionistischen Kolonisationsarbeit hereingebrochen, ist und die kommunistischen Umtriebe haben sich in einem Maße verstärkt, daß sie bei weiterem Andauern zu einer Gefahr für den inneren Frieden des Landes werden könnten. Natürlich sind es auch hier, wie wir dies in Europa erlebt haben, die Arbeitslosen, deren es jetzt leider viele Tausende in Palästina gibt, die sich entgegen ihren eigenen Interessen und denen des Landes zu schweren Ausschreitungen haben hinreißen lassen. Bei den Exzessen in den Räumen der Zionistischen Exekutive fn Jerusalem, deren man nur durch ein großes Polizeiaufgebot Herr werden konnte, wurden dreizehn Arbeitslose verhaftet und zu je zehn Tagen Arrest verurteilt. Wie die „J ewish Times" aus Palästina erfahren, sind der Polizei wichtige Dokumente in die Hände gefallen, welche nur das bestätigen, was. man längst vermutet hatte, nämlich, daß die palästinensischen Kommunisten in engster Fühlung mit den englischen Kommunisten stehen, ja daß die jüngsten Arbeitslosenexzesse auf direkte Anweisung aus London erfolgt sind. Aus den im Besitze der Polizei befindlichen Dokumenten geht, wie das genannte Blatt weiter berichtet, die Tatsache hervor, daß die kommunistische Gruppe in Palästina auch |den Auftrag erhalten habe, innerhalb der palästinensischen Arberterorganisationen Histadruth Haawodah, welche eine gemäßigte sozialistische Politik betreibt, eine eigene Gruppe zu bilden, um diese Organisation langsam zu durchsetzen und zu zersetzen. Man wird nicht fehlgehen, wenn man hinter den aus London gekommenen Direktiven den Einfluß Moskaus vermutet der sich ja immer dann besonders fühlbar macht, wenn die Bevölkerung schwere wirtschaftliche Krisen durchmacht. Der Einfluß der russischen kommunistischen Exekutive geht besonders daraus hervor, daß die palästinensische Gruppe den Auftrag erhalten hat, enge Fühlung mit der arabischpalästinensischen Exekutive zu nehmen, die bekanntlich dem zionistischen Aufbauwerke feindlich gegenübersteht. Wissen wir doch, daß Moskau in letzter Zeit den Arabern sein besonderes Augenmerk zuwendet, um durch deren Revolutionierung im vorderen Orient Einfluß zu gewinnen oder zumindest England Schwierigkeiten zu bereiten. Nicht unerwähnt nöge in diesem Zusamenhange die Tatsache bleiben, daß in letzter Zeit eine große Anzahl jüdischer Studenten am Institut für orientalische Sprachen in Moskau ihre Studien aufgenommen haben, um nach deren Beendigung als kommunistische Emissäre zu dienen. Was aber die innere Lage Palästinas betrifft, so ist nach all den Erfahrungen, die wir in Europa in dieser Hinsicht gemacht haben, kaum mit einem Abflauen der kommunistischen Agitation zu rechnen, solange große Teile der Bevölkerung infolge der trostlosen wirtschaftlichen Lage von Not, Hunger und Arbeitslosigkeit heimgesucht sind. Es wäre daher im ureigensten Interesse der englischen Mandatarmacht gelegen, durch unverzügliche Ergreifung wirtschafts- und finanzpolitischer Maßnahmen für eine ruhige Weiterentwicklung Palästinas zu sorgen. Antisemitische Hetzpropaganda au! Briefen. Nach einer Meldung aus Großröhrsdorf (Sachsen) hatte ein dortiger Hakenkreuzler einen Brief, den er an die nationalsozialistische Ortsgruppe Dresden gerichtet hatte, mit folgender Marke versSegelt: „Man muß den Juden den Handel verbieten, weil sie ihn mißbrauchen, wie man einem Goldschmied das Handwerk legt, wenn er falsches Gold verarbeitet. Sie haben die Leibeigenschaft ersetzt, sie sind wahre Rabenschwärme." Das dertige Postamt stellte den Brief wieder zurück mit dem amtlichen Vermerk: „Das Aufkleben der Zettel unzulässig. Zurück an den Absender! Postamt Großröhrsdorf, i. A. Hess e." Der mißtrauische Dentist. Gewiß gibt es viele jüdische Zahntechniker in Wien, die ihren nichtjüdischen Kollegen weder an Tüchtigkeit, noch an Gewissenhaftigkeit nachstehen. Würden sich alle jüdischen Patienten, die eine Zahnbehandlung oder einen Zahnersatz nötig haben, diese Tatsache stets vor Augen halten, dann würden sich wohl Vorfälle wie der folgende, den die „Wiener Morgenzeitung" berichtet, kaum ereignen können. Ein Jude schickte auf Anraten von Hausgenossen seine Frau zur Behandlung eines schadhaften Zahnes zu dem ZahntechnikerWenda, XVII., Hernalser Hauptstraße 83. Die Frau leistete ordnungsmäßig die geforderte Anzahlung und kam zur weiteren Behandlung wieder. Anläßlich der Schlußbehandlung machte der Zahntechniker die Einfügung der Plombe vom Erlag des Resthonorars in der Höhe von fünf Schilling abhängig und schickte die Frau, die diesen Betrag nicht bei sich hatte, wieder weg, ohne ihr die Plombe einzufügen. Der Gatte der in solcher Weise brüskierten Pttientin suchte den Zahntechniker Wenda daraufhin auf und verlangte Aufklärung, warum er ihn, der doch in der nächsten Nähe wohne und den Hausleuten bekannt sei, ein derart beleidigendes Mißtrauen entgegenbringe. Herr Wenda eröffnete ihn nun freimütig, daß er zu den Angehörigen der jüdischen Rasse kein Zutrauen habe. Der Mann der Patientin, der sich nunmehr über den Grund des so sonderbaren Verhaltens des Herrn Wenda seiner Frau gegenüber vollkommen im klaren war, machte hierauf den berechtigten Einwand, daß sich unter solchen Umständen Herr Wenda über die Rasse der Patienten informieren müsse, b ev o r er sie in Behandlung nehme und an ihnen Geld verdiene. Wir hoffen, daß jüdische Patienten Herrn Wenda keine Gelegenheit mehr geben werden, ihnen sein Mißtrauen in so verletzender Form zu dokumentieren. Ein neuer Internationaler Antisemitenkongreß soll im Oktober dieses Jahres, und zwar wiederum In Budapest, stattfinden. Erst im verflossenen Jahre haben sich die Vertreter der antisemitischen Parteien einiger Länder in der ungarischen Hauptstadt eingefunden, um den „gemeinsamen Kampf gegen das internationale Judentum" zu beraten, doch haben diese