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Die Wahrheit · 1926-09-17 · Heft 39 (17.9.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 39 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 39 Salzburg. Zu Rosch-Hascbonoh vollendete der hiesige Tempel 25 Jahre seines Bestandes, aus welchem Anlasse am Vorabend des Festes in der festlich geschmückten Synagoge im Anschluß an den Gottesdienst eine Feier abgehalten wurde. In seiner Gedenkrede erinnerte Herr Rabbiner Dr. P a p o an die Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert. Wenige Wochen vor den hohen Feiertagen wurde aus Gehässigkeit der damalige Betsaal gekündigt und aus gleichem Grunde war es unmöglich, einen neuen zu erhalten. Da faßte der damalige Vorstand den Entschluß, sofort an den Bau eines eigenen Gotteshauses zu schreiten. Trotz größter Schwierigkeiten — materieller sowohl wie technischer — gelang es, den Plan auszuführen und innerhalb 6 Wochen, knapp vor Rosch-Haschonoh. den Tempel fertig zu stellen, der freilich nur als Provisorium gedacht war, das später durch einen großen Prachtbau abgelöst werden sollte, was allerdings bisnun aus Mangel an den nötigen Mitteln nicht geschehen konnte. Der Festredner schloß mit einem Appell an die versammelte Gemeinde, den frommen Sinn der Erbauer dieses Tempels weiterhin zu bewahren und gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Plan des Ausbaues und der Ausgestaltung der Synagoge bald realisiert werden möge. Klagenfurt. Auf dem jüdischen Friedhofe fand Sonntag, den 29. August anläßlich der Aufstellung von Grabsteinen und Aufstellung einer Gedenktafel für die im Weltkriege gefallenen und auf dem hiesigen Friedhofe beerdigtem jüdischen Soldaten eine Gedächtnisfeier statt Nachdem Kantor Fränkel einen Trauerpsalm in ergreifender Weise zum Vortrag gebracht hatte, begrüßte der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Klagenfurt, Herr Max Stössl die erschienenen Angehörigen der Gefallenen die Vertreter der Landesregierung, im besonderen Regierungsrat Erker, Bürgermeister Dr. Brecht mit Obermagistratsrat Dr. Gratzhofer, die Vertreter des Bundes der Reichsdeutschen, die Abordnung der Bezirkshauptmamischaft und der Polizeiverwaltung sowie den Bürgermeister der benachbarten Gemeinde St. Ruprecht Friedrich Schatzmeister. Er wies darauf hin, daß die Klagenfurter Kuitusgemeinde als sichtbares Zeichen ihres dauernden Er- innerns den Verstorbenen, die jung und lebensfrisch zum Schutze des Vaterlandes hinauszogen und ihre Treue zu ihm mit dem Tode besiegelten, diese Grabsteine und die Gedenktafel errichtet haben, um das Andenken an die gefallenen Helden wachzuhalten und zu ehren. Sodann ergriff Rabbiner Ignaz Haus er das Wort zu einer erschütternden Gedenkrede. Er stellte zunächst mit Genugtuung fest, daß der langgehegte Wunsch, dem sich manche Schwierigkeiten in den Weg stellten, nun durch Hilfe Gottes erfüllt werden konnte. In schlichter Einfachheit erheben sich nun Denksteine auf den Grabeshügeln der durch den Krieg dahingegangenen Helden — überall der gleiche Eindruck des Würdigen und* des Schönen, der Liebe und der Wehmut, des Stolzes und der Trauer — die zugleich ein ehrendes Zeugnis geben von der Opferwilligkeit und Hingebung der israelitischen Gemeinde, insbesondere von dem unermüdlichen Wirken der Chewra -Kadischa, deren Vorsteher und Vertreter sich die Hände reichten, um auf verhältnismäßig kleinem Raum etwas durchaus Vorbildliches zu schaffen. Und indem wir nun Hinblicken auf diese Grabeshügel, dem Ernst der Ewigkeit ins Angesicht schauen, da steigen wieder vor uns jene so erschütternden Bilder schwerer, ..................................."T'ltUllüUüülttüMlüllW Schwager, jüdischer Almanach. Demnächst erscheint der vom Wiener Tempelverwalter Max Schwager herausgegebene „Wiener jüdische Almanach", welcher nebst einem KaJendarium und literarischen Beiträgen ein Verzeichnis aller jüdischen Kultusgemeinden, deren Vorsteher, Funktionäre und Beamte, ferner auch alle jüdischen Wohltätigkeitsvereine und Humanitätsanstalten, Bethäuser usw. und deren Funktionäre enthalten wird. Um das sicherlich sehr wichtige Nachschlagewerk möglichst vollkommen zu gestalten, wendet sich Herr Max Schwager mit einem Rundschreiben an sämtliche Kultusgemeinden und jüdischen Körperschaften mit dem Ersuchen, ihm die erforderlichen. Daten nach dem heutigen Stand zur Verfügung zu stellen. Es liegt im Interesse aller Amtsstellen, dem Ersuchen des Herausgebers so rasch als möglich zu entsprechen. Zuschriften wolle man an den Herausgeber Max Schwager, _ Wien IL Zirkusgasse 50, richten. mmMMMmmmmmMMMmMmmmMMMmm prüfungsreicher Tage auf, die an uns vorübergezogen. Erinnerungen, die heute, wo all unsere Gedanken sich den unter diesen Hügeln ruhenden Helden zuwenden, noch einmal in uns lebendig werden. Aber nur dann können wir mit Stolz auf diese Namen hinblicken, wenn wir in dem, was wir an ihnen preisen, ihnen nacheifern und wenn wir diese Stätte nicht bloß als eine Stätte der Toten, sondern, wie auch unsere Religion dieselbe so sinnig bezeichnet, als eine Stätte des Lebens,, des wahren und ewigen Lebens betrachten. Derselbe Geist der Pflichttreue, von dem die gefallenen Helden beseelt waren, wird auch im Frieden tüchtige und nützliche Bürger des Staates machen, die nicht bloß ihre besonderen Berufspflichten gewissenhaft erfüllen, sondern auch für das Große, Allgemeine in gemeinnützigem, idealem Sinn einstehen und wirken. Und so seid nun geweiht, ihr Denkmäler von Stein, zu Zeugen einer großen Zeit für ein nach uns kommendes Geschlecht; seid geweiht als geheiligte Wahrzeichen unseres Ortes; seid geweiht auf ewige Zeit im Namen jüdischer Ehre, jüdischen Rechtes und jüdischer Vaterlandstreue. Mit einem erhebenden Gebet, in welches auch die Gefallenen anderer Konfessionen einbezogen wurden,, schloß Rabbiner Hauser seine tiefempfundene Gedenkrede, die von so mancher Träne begleitet war. Namens der Chewra-Kadischa übernahm sodann Josef Müller die Heldengräber mit dem Gelöbnis, die Gedanken, die diese Ehrenmale und die Gedenktafel verkörpern, zu pflegen und dafür zu sorgen, daß der Geist der Pflichterfüllung und der Zusammengehörigkeit nie an Geltung verliere. Mit Jiskor und. einem Kaddischgebet für die Gefallenen schloß die würdige und erhebende Feier. — Es hat allgemein großes Befremden erregt, daß sich die Bundeswehr an dieser den gefallenen Helden des Weltkrieges gewidmeten Feier nicht beteüigt hat- und es nicht einmal der Mühe wert fand, einen Feldwebel als Vertreter zu entsenden. Auch von der Gendarmerie war niemand erschienen. Talmud-Tora und hebräische Sprachschule für den IV. und V. Bezirk, Siebenbrunnengasse 1 a. Die Einschreibungen in obige Schule finden Sonntag, den 19. d. M. von 9 bis 12 Uhr vormittags im Tempelgebäude, I. Stock, statt. Schulbeginn Sonntag, den 3. Oktober, 9 Uhr vormittag. Der Unterrichtist vollkommen kostenlos. Die jüdischen Eltern des IV. und V. Bezirkes werden hiermit aufgefordert, ihre Kinder in diese vorzüglich geleitete Schule recht zahlreich zu schicken. Todesfälle. Freitag, den 3. d. M., ist im 69. Jahre seinesarbeitsreichen, dem Wohle des Judentums gewidmeten Lebens Herr Nahum Taubes gestorben. Der Verblichene, der einer alten Rabbinerfamilie entstammt, war durch 25- Jahre Sekretär des Hilfsvereines, welcher den B'nai-B'rith-Logen angegliedert ist und hat in früheren Jahren von Handarbeitswerkstätten in zahlreichen Orten Gaiiziens,. später in der sozialen Fürsorge für bedürftige Frauen sehr Ersprießliches geleistet. Das Leichenbegängnis des gebildeten, schlichten, stets hilfsbereiten Mannes, der sich der Wertschätzung weitester Kreise erfreute, fand Sonntag, deit 5. d. M., statt. Der Präsident des Hilfsvereines, Kommerzialrat Karl Klemperer, hielt am offenen Grabe dem Verblichenen einen seine Tätigkeit und Rührigkeit würdigenden herzlichen Nachruf. — Die Bestattung des im 87. Lebensjahre verstorbenen Herrn Moritz Stwertka, welcher 52 Jahre Chorsänger am großen Leopoldstädter, Tempel war, fand! unter starker Teilnahme seiner Freunde und Kollegen am 12. d. M. statt In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde erschien Amtsdirektor Dr. E. Adler, Rabbiner Dr. M. G r u nw a 1 d hielt dem Verblichenen einen tiefempfundenen Nachruf, I. Kantor Leo Funke versah die kantorale Funktion mit großer Chorassistenz in ergreifender Weise. Neujahrsgrattdationen. Bei der Neujahrsgratulation des Herrn Oberkantors J. Postolow war die Adresse falsch angegeben; sie lautet: IX., Liechtensteinstraße 78. Auch die des Herrn Wilhelm Herzka war unrichtig vermerkt; sie ist IL, Komödiengasse 3. Schließlich wurde eine Neujahrsgratulation durch ein technisches Verseben ausgelassen; esentbietet die herzlichsten Glückwünsche! Frau Jeanette Kaiman und Familie, IL, Rotensteragasse 31, allen ihren Verwandten, Freunden, Bekannten und p. U Kunden.

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