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Die Wahrheit · 1926-09-17 · Heft 39 (17.9.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 39 (17.9.1926)
Date
1926-09-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite ö Dil» WAHfeHfelT ffr. 39 Alle fahren auf Kewer owes, Das S'chus (Verienst) soll beistehen b'iaum hadin (am Neujahrstage, dem Tage des Gottesgerichtes). Auch: Wer mir seinen, seinen mir, Aber Rosch haschono halten mir, Ober Kapures schlügen mir, Ober Lulow schoklen mir, Ober in Ssuke sitzen mir. Ober Eßroig benschen mir. Ferner: Wos hert sich auf jener Welt, guter Bruder? Oi schlecht, Bruder, schlecht. Men schmaißt un men schlogt! For wosser Chet*) is dos, guter Bruder? AI chet schechotenu lfonecho b'einaim romeis .... Die Wirtschaftskrise in Palästina und ihre Ursachen« Dr. Kurt Grunwald, Tel-Aviv. Bei eingehenderer Untersuchung der zahlreichen Komponenten, die die nun seit neun Monaten anhaltende Krise verursachen, treten zwei Züge scharf hervor, die Weltwirtschaftskrise und die Kolonisationskrise. Erst ihr gleichzeitiges Auftreten konnte eine für Palästina so verhängnisvolle, anhaltende Wirtschaftskrise nach sich ziehen. Wir können also nicht von einer Krise Palästinas sondern nur von einer solchen i n Palästina sprechen. Es ist klar, daß Palästina in der Weltwirtschaft kein isoliertes Gebilde darstellt, sondern von den Vorgängen in den Nachbarländern direkt und indirekt mit ergriffen wird. Direkt durch den Außenhandel. Die ägyptische Bevölkerung ist zum Beispiel durch den Sturz der Baumwollpreise weniger kaufkräftig und so sinkt der Export von Seife dorthin allein im ersten Quartal 1926 um 60.000 Pfund Sterling gegenüber der gleichen Zeit im Jahre 1925. Dadurch ist jedoch vor allem die arabische Industrie betroffen. Auf der anderen Seite liegt das durch den Kolonialkrieg in normaler wirtschaftlicher Tätigkeit behinderte Syrien. Palästinas Ausfuhr dorthin betrug 1924 16,7 Prozent, 1925 12,5 Prozent. Alierdings spielt hier der Umstand mit, daß von den beiden durch Zollunion verbundenen Ländern Syrien über ein viel besseres Zollsystem verfügt. Indirekt macht sich die Lage der Nachbarländer durch die veränderte Bank- und Kreditpolitik, durch Zahlungsverschleppungen usw. fühlbar. Aber nicht nur die Krise der Nachbarländer, sondern auch die Situation in Mittel- und Osteuropa haben die Lage wesentlich verschärft. Einerseits gingen die Einkünfte der zionistischen Fonds rapid zurück, geradealsma nein Mehrfaches der bisherigen Leistungen benötigt hätte. Anderseits konnten viele den kurz vorher für Bodenkauf und andere eingegangenen Verpflichtungen nicht nachkommen. Man konnte palästinensischen Kunden nicht längeren Kredit einräumen, da man selbst knapp war. Die Katastrophe in Polen, das 50Prozent der immigranten des letzten Jahres gestellt hatte, die zum großen Teil mit dem Herkunftslande wirtschaftlich noch verbunden waren, mußte sich entsprechendfühlbar machen. Nicht nur, daß keine bemittelten Einwanderer kamen, sondern es verloren viele Leute in Palästina durch den Zloty- *) Sünde. stürz dadurch ihr halbes Vermögen, daß sie es auf allmähliche Abzahlung liquidiert hatten. AU das zusammen hätte jedoch nicht so verhängnisvoll werden können, wenn nicht das Vorjahr Massen in das Land gebracht hätte, die noch nicht der W i r t s c h a f t o r g a n is c h eingegliedert, vonderbemittelten Im migration des. nächstenTages lebten. Und hier liegt die Ursache der Kolonisation s k r i s e. Die Immigration brachte 1925 33.801 Menschen in das Land, eine Zahl, die sich durch illegale E i n w a n d e r e r auf 45.000 erhöhen dürfte. 35 Prozent dieser Immigranten gehörten der bemittelten Klasse an und eine vorsichtige Schätzung des von ihnen ins Land gebrachten Kapitals beläuft sich auf zwei Millionen Pfund Sterling. Der größte Teil der Einwanderer ging in die Stadt, allein 18.000 nach Tel-Aviv, 11.000 in andere Städte. Dort mußte infolgedessen eine ungeheure Bautätigkeit entstehen, die Boden preise erreichten phantastische Höhen. So wanderte das Geld entweder für Baumaterial wieder ins Ausland (1925 wurden für Zement um 130.000 Pfund Sterling, für Bauholz um 140.000 Pfund Sterling mehr als im Vorjahr eingeführt), oder für Boden in arabische Hände. Durch Spekulation gingen Unsummen produktiver Arbeit verloren. Um dieser den Großteil der Einwanderung zuzuführen, fehlteeinemitMachtundMitteln ausgestattete Wirtschaftsführung. So wuchsen die toten Investitionen, während die Güter erzeugende Landwirtschaft und Industrie, letztere speziell noch durch ein unsinniges Zollsystem gehemmt, zu kurz kamen. Die Krise, die wie ein Krampf auf dem ganzen Jischuw lastet (die zu ungeahntem Reichtumgelangte arabische Bevölkerung istdurchihreautarkeWirtschaft mit wenigen Ausnahmen von ihr nicht tangiert), wird sich wohl allmählich lösen, wenn entsprechende Mittel zur Verfügung stehen werden. Wirklich vorwärts wird man erst durch eine be-. wußte Wirtschaftspolitik kommen. Oberkantor Jakob Bauer So still wie er in den letzten Jahren gelebt hat, ist Oberkantor Jakob Bauer im 74. Lebensjahre Erew Rosch Haschono von uns geschieden und sogar sein engerer Freundeskreis hat erst aus den Tagesblättern von seinem Hinscheiden erfahren. Und so stehen wir schmerzgebeugt und tief erschüttert an der Bahre eines noch vor kurzem lebensfrohen und lebensfrischen Mannes, der sich trotz seines hohen Alters das Gemüt und die Schaffensfreudigkeit eines Jünglings bewahrt hat. Mit Oberkantor Bauer ist einer der letzten Vertreter der klassischen Wiener Schule des kantoralen Gesanges dahingegangen, ein Kantor, der sein großes Können, hoch unmittelbar aus den höchsten Quellen jener nicht mehr wiederkehrenden Epoche geschöpft hat, in der ein S u 1zer und ein Go 1 dstein gewirkt haben. Mit Oberkantor Bauer schwindet aber auch ein gutes

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