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Die Wahrheit · 1926-09-07 · Heft 37-38 (7.9.1926) · page 24

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 37-38 (7.9.1926)
Date
1926-09-07
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seite 22 DIE WAHRHEIT Nr. 37/38 Karlsbäder jüdisches Kurhospiz. Hoch oben, am Waldesrand, in der Lößlstraße 12 von Karlsbad, steht das jüdische Sanatorium, das fast zu Unrecht sich mit dem bescheidenen Namen „Israelitisches Kurhospital" begnügt. Hoch oben, in würziger Luft, betreut und verwaltet von guten und sozialfühlenden Menschen steht diese jüdische Kuranstalt als ein erhabenes Wahrzeichen jüdischen Wohltätigkeitssinnes und dankbarer Erinnerung an die wundenwirkenden Heilquellen von Karlsbad. Erbaut in den Jahren 1901 bis 1903 durch den Wiener Baurat und Architekten Wilhelm S t i a s s n y, wurde die 60 Zimmer umfassende Anstalt am 1. Mai 1903 in feierlicher Weise eröffnet und von der Karlsbader Kultusgemeinde, an deren Spitze der äußerst rührige, seither leider verstorbene Kultusvorsteher Ludwig Moser stand, in Verwaltung genommen. Ludwig Moser und der noch heute verdienstvoll wirkende Karlsbader Oberrabbiner Professor Dr. Ignaz Ziegler haben von allem Anbeginn an dafür gesorgt, daß das „Israelitische Kurhospatal" den minderbemittelten und mittellosen jüdischen Kurbedürftigen ein mit Liebe und Sorgfalt verwaltetes Heim, eine wahre Erholungs- und Pflegestätte sei Diese Tradition wurde während der ganzen 23 Jahre seines Bestandes im Kurhospital hochgehalten und äst auch nach dem Umsturz das Leitmotiv des Kuratoriums geblieben. Denn der Schöpfer des Hauses, Oberrabbiner Dr. Z i e g 1 e r, ist zur aufrichtigen Freude aller, die ihn kennen, auch heute noch dessen Schutzengel und an der Spitze des segensreich wirkenden Kuratoriums steht derzeit der Sohn des allzu früh verstorbenen Mitbegründers der Anstalt, der Badearzt Kultusvorsteher Dr. Karl Moser. Ihm zur Seite steht der unermüdliche Sekretär Herr Berthold Weißmandl. Der ausgezeichnete Ruf des Karlsbader jüdischen Hospizes wurde durch die ungezählten dankbaren Pfleglinge, welche diie Gastfreundschaft des Kuratoriums genossen, aber auch durch die zahllosen jüdischen Kurgäste, die alljährlich nach Karlsbad strömen und Einblick in das Leben dieser Anstalt gewannen, in alle Welt hinausgetragen. Den Anlaß, abermals ihrer anerkennend zu gedenken, bietet der Umstand, daß sich das jüdische Kurhospital in dieser Saison, dank der unermüdlichen Werbearbeit des Oberrabbiners Dr. Z i e g 1 e r in Amerika, in einer renovierten, wirklich neuen und den modernsten hygienischen und medizinischen Anforderungen entsprechend eingerichteten Form wie ein modernes Sanatorium präsentiert. Von seinen 60 Zimmern sind derzeit 52 eingerichtet. Die Zimmer sind luftig, peinlich sauber, sehr schön und nett eingerichtet In jedem Zimmer gäbt es elektrisches Licht und Parkettiinoleum. Drei Badezimmer stehen den Bewohnern des Hauses zur Verfügung, während der zur Anstalt gehörende Moorpark mit seinen Liegestühlen einen idyllischen Ruheort bietet. Herrlich ist der riesige Speisesaal, in dem an kleinen Tischen 125 Personen zu gleicher Zeit ihre gute und reichliche Mahlzeit einnehmen können. Die Küche, die mit ihrer Einrichtung und Führung als Muster für ähnliche Anstaltsküchen dienen kann, wird nach streng Tituellen Grundsätzen geführt, so daß jeder Jude, welcher religiösen Richtung er auch angehören mag, ohne Bedenken an den Segnungen des Hospitzes teilnehmen kann. Zwei voneinander völlig abgesonderte Herde dienen zur Bereitung von Fleisch-, beziehunsweise Milchspeisen und dieselbe Rücksicht auf die jüdischen Vorschriften wurde auch bei der Teilung der Spülräume genommen. Bei dem besten Willen des Kuratoriums könnte jedoch die Anstalt nicht das angenehme Heim bieten, wenn das Aerzte-, Pflege- und Verwaltungspersonal, mit dem ja die Insassen in direkte Berührung kommen, nicht auf der Höhe seiner Aufgabe stünde. Zum Glück ist die innere Verwaltung vollkommen den edlen Intentionen der Schöpfer und Kuratoren des Hauses entsprechend. Primarius Dr. Oskar Posner, dem ein mit den modernsten Behelfen ausgestattetes Ordinationszimmer und ein gleichfalls gut bestelltes Laboratorium zur Verfügung stehen, ist nicht nur ein guter Arzt, sondern auch ein guter, liebenswürdiger Mensch. Er hält täglich Visite und genießt das uneingeschränkte Vertrauen aller Insassen. Die Verwaltung des Hauses liegt in den bewährten Händen des Verwalters Robert Wotzilka, während Frau Ida Wotzilka die Küche leitet. Das Ehepaar Wotzilka zeichnet sich nicht nur durch große Sachkenntnis, sondern, was ebenso wichtig ist, durch Takt, menschliches Fühlen und Verstehen aus. Eine tüchtige Krankenschwester und Hilfspersonal stiehen dem Chefarzt und dem Verwalter zur Seite. Aber noch immer gibt es in dem geräumigen vierstöckigen Gebäude acht leere, uneingerichtete Zimmer. Es geht deshalb an die. gesamte jüdische Oeffentlichkeit die dringende und inständige Bitte, durch Stiftung von Bettstätten oder anderweitigen Zuwendungen dem Kuratorium die Möglichkeit zu schaffen, auch die restlichen leerstehenden Zimmer mit einer Einrichtung zu versehen. Dann könnten noch weitere kranke und kurbedürftige Glaubensbrüder an dieser Stätte'des Segens und der Menschenliebe Genesung und Erholung finden. M. S. Ein Festtag der Mödlinger Kultusgemeinde. Wie wir bereits in der letzten Nummer berichtet haben, fand Sonntag, den 22. August, die feierliche Amtseinführung des neugewählten Rabbiners der Mödlinger israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Albert S c h w e i g e r, statt. Der Festlichkeit, welche in dem herrlich geschmückten und prachtvoll beleuchteten Tempel abgehalten wurde, wohnten die Herren Kultuspräsident Dr. Ernst Moser, I. Vizepräsident Komm.-Rat Carl Klein, II. Vizepräsident Louis D a n n eb a u m, Tempelvorsteher und Obmann der Chewra Kadischa David Rosenfeld, Präsident des Tempelvereines „Minjan Liesing", Siegfried Adler, Vorstandsmitglieder Ferdinand Diamand, Heinrich Sraetana, Salomon Eis 1 er, Felix Kl ab er sowie die gesamten Kultusräte und Amtsdirektor Samuel J o k 1, ferner in Vertretung der W i e n e r I s r a e 1 i t ischen Kultusgemeinde Präsident Prof. Dr. Alois Pick in Begleitung des Amtsdirektors Guido Fuchsgelb bei. Für den Wiener Rabbinerverband - erschien Professor Dr. Arnold Frankfurter, für den österreichischen Kanitorenverband Präsident J. L ö w i t und Schriftführer Oberkantor Fränkel, für den Tempelverein Wieden-Margareten Rabbiner Dr. M. G. Mehrer. Ferner waren Deputationen zahlreicher Nachbar- und Schwestervereine sowie Vertreter Wiener Wohltätigkeitsvereine, so die Herren Bernhard und Max Hofbauer für den Verein „Einheit", dann in Vertretung des Kultusamtes der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde die Herren Dr. G. Freudmann und Tempelverwalter Max Schwager u. a. m., anwesend. Nachdem der neugewählte Rabbiner vom Vorstande in feierlichem Zuge eingeholt worden war, richtete der Präsident der Mödlinger Kultusgemeinde an ihn herzliche Worte der Begrüßung und sprach eine besondene Befriedigung darüber aus, daß es der Gemeinde gelungen sei, einen so hervorragenden Mann als geistigen Führer zu gewinnen. Hierauf hielt Doktor Schweigier eine formvollendete Antrittsrede. Er dankte zuerst dem Allmächtigen, daß er ihn von seiner Jugend bis hierher geführt habe, und bat ihn um die Kraft, seiner erhabenen Aufgabe gerecht zu werden. Er schilderte sodann in beredten Worten die Pflichten, die ein Rabbiner in einer jüdischen Gemeinde zu erfüllen habe, und bekannte sich zu der sehr richtigen Auffassung, daß der Seelsorger über den Parteien zu stehen habe. Am Schlüsse seiner Rede, weiche allgemein tiefsten Eindruck machte, flehte Dr. Schweiger den Segen des Himmels auf die Landesregierung, die Gemeindevertretung, den Kültusvorstand und alle Mitglieder der Gemeinde herab. Die kantorale Funktion bei der sehr würdig verlaufenen Feier wurde von Oberkantor Arnold Grußmann, der über eine kräftige und schöne Tenorstimme verfügt, mit verstärktem Chor in ausgezeichneter Weise vollzogen. Anschließend an die feierliche Amtseinführung Sr. Ehrwürden Herrn Dr. Albert Schweiger versammelten sich die Festteilnehmer im Festsaale des neugebauten Gemeindehauses, worauf der bekannte Architekt Ignaz Reiser das nach seinen Plänen errichtete und eben fertiggestellte prachtvolle Gebäude dem Gesamtvorstande übergab, dem er gleichzeitig für das ihm während seiner Arbeit entgegengebrachte Verständnis und die wirksame Unterstützung in warmen Worten dankte. Der Präsident der Gemeinde, Dr. Ernst Moser, dankte im Namen des Vorstandes und der Mitglieder dem Erbauer des Gemeindehauses Architekten Reiser und seinen tüchtigen Mitarbeitern für die hervorragende Leistung und beglückwünschte ihn zu dem Gelingen des schönen Werkes. Rabbiner Dr. Schweiger flehte den Segen Gottes auf das neugebaute Haus herab, das jüdische Opferwilligkeit und jüdischer Gewerbefleiß errichtet haben und in dem auch jüdischer Geist stets walien möge. Sodann ergriff der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Prof. Dr. Alois Pick das Wort und beglückwünschte in der ihm eigenen herzlichen

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