Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 37-38 (7.9.1926)
- Date
- 1926-09-07
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 20 DIE WAHRHEIT Nr. 37/38 also schließen dürfen, daß das letzte Ziel des Zionismus eine Seifenblase ist, aber kein realpolitisches Programm- Ich habe meine Auffassung und die vieler meiner Freunde noch einmal nüchtern dargelegt — nicht etwa, um überzeugte Zionisten zu meiner Ansicht zu bekehren. Das halte ich für unmöglich; diese Bekehrung hat die historische Entwicklung d e r Z u k u n f t zu besorgen —; sondern um darzutun, daß nicht blinde Rechthaberei und nicht fanatische Voreingenommenheit uns Nichtzionisten veranlassen, an unserem bisherigen Standpunkt festzuhalten. Wir wollen mit unserer sachlichen Kritik nur einem vorbeugen: daß der Zusammenbruch überschwänglicher Hoffnungen zu einer Katastrophe für das gesamte Judentum wird und damit zu schlimmsten moralischen Verwüstungen führt. Das sind die Gedanken, die meine Freunde und mich leiten. Ob diese Gedanken richtig oder nicht richtig sind, darüber entscheidet endgültig nicht Druckerschwärze auf Papier, sondern die reale Zukunft, wenn sie Gegenwart geworden ist. Eine Entwicklung von etwa dreißig Jahren hat zwar ungeheure Wandlungen gebracht; aber wenngleich die Zahl der Juden seitdem in Palästina sich vermehrt hat — nicht einmal erheblich —, so haben jene drei Jahrzehnte doch in den entscheidenden Punkten die Zionisten ihrem Endziel gewiß nicht näher gebracht. Im Gegenteil! Ich bin der Ansicht, dlaß ein jüdisches Palästina mit relativer Autonomie unter Abdul Hamid noch eher eine ferne Möglichkeit gewesen wäre als im Rahmen des britischen Weltreiches mit seiner aufstrebenden mohammedanischen: Riesenbevölkerung von Indien bis in das Innere Afrikas. Ich habe diesen Darlegungen nicht einen Tropfen verhetzender Schärfe beigemischt. Ob die obigen Ausführungen falsch, ob sie zutreffend sind, darüber entscheidet die Zukunft; aber die jüdische Gegenwart darf nicht vergiftet werden durch eine Polemik voll Galle und Bösartigkeit. Wahrheiten vom Tage i £. fihaltd "Sohn Wim IL, (FwaterstwuEße Jtv. BT Tel. 43-4-10 Elegante Herrengarderoben Feinste Herrenwäsche Wer ist Jankovlc? Dieser in den weitesten Kreisen bisher unbekannte Mann mit dem ungarisch klingenden Namen ist kein Geringerer als der neue GeneralbevoHmächügte Adolf H i.t 1 e r s für Oesterreich. Die Vorgeschichte dieser Ernennung ist nicht unbekannt. Auch wir haben von den auf der Weimarer Tagung der deutschen Nationalsozialisten zutage getretenen Gegensätzen berichtet, die besonders durch den Befehl Hitlers, daß die österreichische der deutschen Partei unterzuordnen sei, hervorgerufen wurden. Verschärft wurde dieser Konflikt auf einer vor kurzem in Passau abgehaltenen Besprechung zwischen Hitler und österreichischen Parteiführern, bei welcher Hitier erklärte, „daß er den härteren Schädel besitze". Die überaus aggressive Haltung Hitlers veranlaßte den Wiener Parteiobmann Anton Schulz, die Besprechung augenblicklich zu verlassen und in Wien für ein von München unabhängiges Weiterbestehen der Wiener Partei einzutreten. Die Folge davon war, daß Hitler, dem sich auch einige Provinzverbände angeschlossen haben, einen eigenen Bevollmächtigten für Oesterreich ernannte, dem nunmehr die Aufgabe obliegt, die Wiener Hakenkreuzler zu bändigen. Ueber die Durchführbarkeit eines solchen Unternehmens beobachtet der „Völkische Beobachter", dem wir die Mitteilung über die Ernennung Jankovics verdanken, vollkommenes Stillschweigen. Wohl aber berichtet er ausführlich über die erste Tagung des neugebildeten Gaues Oesterreich der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, welche am 29. August unter Vorsitz Hitlers in München stattgefunden hat Nach längeren Ausführungen Hitlers wurden folgende organisatorische Maßnahmen verfügt: Die Partei wird die Bezeichnung „N. S. D A. P. (Hitler-Bewegung), Landesleitung Oesterreich" führen. Sie gliedert sich in die Gaue Wien, Nieder Österreich, Oberösterreich, Tirol, Vorarlberg, Kärnten und Steiermark. Die Gaue Salzburg und Burgenland sind noch In Bildung begriffen. Als Bevollmächtigter Hitlers in Oesterreich wurde Jankovic bestimmt. Wir sehen der Tätigkeit des neuen Hakenkreuzgenerals mit Ruhe entgegen und wünschen ihm ebensolchen Erfolg wie seinen Vorgängern. Aber es wird nun Zeit, daß die Hakenkreuzler, die bisher mit ihren GumOTknütteln nur die Schädel ihrer Gegner auf ihre Härte prüften, ihre Versuche auch auf die eigenen Führer ausdehnen, Denn es ist klar, daß nur der widerstandsfähigste Dickschädel das Recht hat, sie zu kommandieren. Wilhelm II. der „Judensprößlinj*." Kaiser Wilhelm beschäftigt sich bekanntlich in Doorn außer mit Holzhacken auch mit der Abfassung von Schimpf- und Schmähartikeln gegen die Juden und das Alte Testament, das ein orientalisches Werk sei, geschrieben von Orientalen für Orientalen usw. Trotz dieses krampfhaft zur Schau getragenen Antisemitismus findet er vor den Augen des urgermanischen Redakteurs S t o 1 z i n g alias Cerny des „Völkischen Beobachters" keine Gnade. Dieser veröffentlichte unlängst in dem bekannten Hakenkreuzlerblatte die Ergebnisse seiner tiefgründigen Untersuchungen über die Rassenreünheit* des ehemaligen deutschen Kaisers und schreibt unter anderem folgendes: „Ebensowenig erkannte der Kaiser die Judengefahr, ja er fühlte sich sogar zu den Juden derart hingezogen, daß schon dadurch die Vermutung, daß mütterlicherseits jüdisches Blut in seine Adern geflossen sei, gestützt wird. Schon als Knabe liebte er die Juden. Als er am Kasseler Gymnasium war und von seinen Eltern die Erlaubnis erhielt, sich zu den Weihnajhtsferien einen Schulkollegen mitbringen zu dürfen, wen wählte er da? Einen gewissen Sommer, den Sohn eines Kasseler Juden! Und daß sein Onkel, König Eduard VII. von England, wie ein richtiger jüdischer Booher aussah, wer wollte das leugnen?" Jetzt wird es auch niemanden wundern/, daß Kaiser Wilhelm durch sein Verhalten vor und während des Krieges wesentlich zu der über Deutschland hereingebrochenen Katastrophe beigetragen hat. Gedenket an den hohen Feiertagen der „EINHEIT", spendet ihr reichlich, damit sie trotz ihrer großen Bedrängnis den Armen beistehen könne.