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Die Wahrheit · 1926-08-27 · Heft 36 (27.8.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 36 (27.8.1926)
Date
1926-08-27
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 36 Mödling. Sonntag, den 22. August wurde der neugewählte Rabbiner der hiesigen israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Albert Schweiger, in sein Amt feierlich eingeführt. Gleichzeitig wurde das nach den Plänen des bekannten Wiener Architekten I. Reiser erbaute Gemeindehaus eingeweiht. Wir werden über den Verlauf der schönen Feierlichkeiten in unserer nächsten Nummer berichten. Feiertagsgottesdienst. Wie alljährlich wird auch heuer in den schönen Räumen der israelitischen K i n d e r b ewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, wobei es dem rührigen Vorstande des Vereines „Wohlfahrt" zur Erhaltung dieser im Jahre 1843 gegründeten Anstalt gelungen ist, erstklassige Funktionäre zu gewinnen. Noch wenige restliche Karten sind ab 30. August im Sekretariate, II., Schiftamtsgasse 15, zu haben. Abschiedsfest im Karlsbader israelitischen Kurhospiz. Um der Leitung des Karlsbader israelitischen Kurhospizes für die herrliche, liebevolle Pflege, die sie den Insassen der Anstalt stets angedeihen läßt, den Dank und die Verehrung zu bekunden, veranstaltete die Gruppe, die Ende Juli nach vierwöchigem Kurgebrauch gekräftigt die Anstalt verließ, einen Vortragsabend, der dank der liebenswürdigen Mitwirkung von Gästen einen überaus gelungenen Verlauf nahm. Nach einer von Herrn Walter Landauer und Verwalter Rudolf Wotzilka vierhändig zum Vortrag gebrachten Ouvertüre, entzückte Frau Trude Heim das Publikum durch ihre Liedervorträge. Großen Beifall fanden die vom Oberkantor Arthur L e w i n mit seinem herrlichen Tenor gesungenen Opernarien und jiddischen Volkslieder. Dasselbe gilt auch vom Bielitzer Kantor Jakob Linkowski, dessen Vortragsweise besonders tiefen Eindruck machte. Aus dem auch sonst reichhaltigen Programm verdienen noch die Gesangsproduktionen der Frau Gretl Köhle-Gahr und Frau Ella Wotzilka der anerkennenden Erwähnung. Großes Aufsehen erregte der jugendliche Pianist Walter Landauer mit seinen künstlerischen Improvisationen am Klavier nach gegebenen Themen aus dem Publikum. Den würdigen Abschluß des schönen Abends bildete die eindrucksvolle Rede des Herrn Rabbiner Professor Dr. Hirsch aus M.-Krumau, in welcher er über Wunsch der Pfleglinge den Dank an die Anstaltsleitung zum Ausdrucke brachte. Trauung. Sonntag, den 22. August fand im Pazmanitentempel die Trauung des Fräulein Blanka Friedmann, Tochter des Herrn Moritz Friedmann und seiner Gattin Ernestine, geb. Rosenbaum, mit Herrn Max Zimb 1 er statt. Eine große Anzahl von Gästen füllte das schöne Gotteshaus und verlieh Herr Rabbiner Dr. S. F u n k nur den Gefühlen dieser vielen Freunde passenden Ausdruck, als er in seiner Rede auf die hohe Wertschätzung hinwies, die insbesondere den Brauteltern gezollt wird. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor J. Müller. Sonntag, den 5. September, 1 Uhr mittags, findet im Stadttempel die Trauung des Frl. Edith Mautner. Tochter des Amtsleiters der Isr. Kultusgemeinde, Herrn Oskar Mautner und seiner Gattin Regine, geb. Neuron, mit Herrn Arthur Lauterbach statt. Todesfall. Einen schmerzlichen Verlust erlitt der Israelitische Tempelverein Döbling durch den Heimgang seines verdienstvollen Ehrenvorstandsmitgliedes Herrn Max Beck, der im Alter von 91 Jahren nach längerer Krankheit dahingegangen ist und Mittwoch, den 18. August, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen wurde. Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Frankfurter würdigte in tiefbewegten Worten die vorzüglichen Eigenschaften des Verblichenen und entwarf ein lebenswahres Bild des Verklärten, worauf das Vorstandsmitglied Herr Leo Löwy im Namen des Vorstandes seiner beherzten Teilnahme im Vorstande gedachte und von dem Unvergeßlichen mit tränenerstickter Stimme Abschied nahm. Am offenen Grabe entbot Herr I. Ehrenfeld namens der Chewra Kadischa seinen Brudergruß, worauf Herr Kantor D. W e i ß m a n, der auch die kantorale Funktion versah, im Namen .des Tempelvereines und der „Chewra Kadischa" ein El mole rachamin in exaktester Weise rezitierte. Der Tempelverein Döbling wird diesem edlen, aufrechten Juden ein ehrendes Andenken bewahren. Geheimer Justizrat Prof. Dr. Eduard Rosenthal, der bekannte Staatsrecfctslehrer der Universität Jena, ist im Alter von 72 Jahren verstorben. Prof. Rosenthal, der dem Lehrkörper der Universität Jena seit dem Jahre 1880 angehörte, war ein Führer der Demokratischen Partei im Thüringen seit ihrer Begründung, gehörte bis zum vorigen Jahre dem Thüringischen Landtag als Mitglied an und führte dort die Demokratische Fraktion. Infolge des von der Regierung geförderten antisemitischen Kurses in Thüringen legte Prof. Rosenthal sein Landtagsmandat nieder und zog sich aus dem politischen Leben zurück. Prof. Rosenthal wurde im Jahre 1920 von der Stadt Jena in Anerkennung seiner Veidienste um die Förderung des Gemeinwohlszum Ehrenbürger ernannt. Berufung eines jüdischen Gelehrten an die Universität Tokio. Der Aachener Universitätsprofessor Dr. Theodor Kaiman wurde vor kurzem vom japanischen Unterrichtsministerium an die Universität Tokio berufen,, woselbst er Vorlesungen über Aerodynamik und neuere Probleme der Flugtechnik halten wird. Prof. Karman,. der ein guter Jude ist, wird heute zu den bedeutendsten Theoretikern der Aviatik gezählt. Er ist der Sohn des Budapester Philologen und Pädagogen Moritz Karman, des Schöpfers, des ungarischen Mittelschulwesens. Tschechische Ehrung für Hugo Salus. Dar tschechoslowakische Unterrichtsrninister überwies dem Dichter Hugo Salus anläßlich seines 60. Geburtstages eine Ehrengabe als Anerkennung für seine literarische Tätigkeit. Es ist bemerkenswert, daß die tschechische Regierung also einen, jüdischen Schriftsteller ehrt, der sich in der deutschen Literatur einen Namen gemacht hat. Die Wiener Brockensammlung für Obdachlose und Arme VII., Kaiserstraße 92, bittet um abgelegte Kleider, Schuhe, Wäsche und Möbel sowie Sachen aller Art für die vielen Hilfsbedürftigen. Abholung erfolgt kostenlos, Karte genügt. Telephon 37-3-48. Israelitische Kultusgemeinde Eger. Ein jahrelang gehegter Wunsch, den viele Tausende mit uns teilen, soll endlich seiner Erfüllung entgegengehen. Der Vorstand und das Rabbinat der jüdischen Gemeinde Eger, deren Sohn Dr Hugo Zuckermann gewesen ist, auf deren Todesacker er den ewigen Schlaf schläft, sehen es als unaufschiebbare Ehrenpflicht an, darüber der letzten Ruhestätte des großen Juden sich ein Grabdenkmal als würdiger Ausdruck des Dankes und der Liebe erhebe, die den Tod überdauern. Was wir planen, hat weit mehr als lokale Bedeutung. Es ist ein Werk gemeinsamer Pietät, zu dem wir in erster Reihe die Freunde des unvergeßlichen Toten aufrufen. Wir erbitten ferner die tatkräftige Unterstützung all derer, die in Hugo Zuckermann den Mann ehren, der eine machtvolle Verkörperung idealer Begeisterung und hingebender Arbeit für eine große jüdische Zukunft gewesen ist. Zuversichtlich hoffen wir, daß uns niemand seine Mithilfe versagen wird, der Hugo Zuckermanns von reiner Liebe zu seinem Volke erfüllte Lieder kennt, die ihre Bewunderer auch in der weitesten Ferne gefunden haben. Und wir wenden uns schließlich an die große jüdische Öffentlichkeit, daß sie mit uns den Toten ehre, dem es als bewußten Juden um seines verkannten Judentums willen heilige sittliche Pflicht war, das Höchste im Felde zu leisten und dessen Kriegslieder seinen fröhlichen Mut und seine helle Begeisterung für Volk und Vaterland der Nachwelt erhalten haben- So soll das Denkmal, das an seinem Grabe ersteht, ein sichtbares Zeichen sein, wir wir Juden unsere Besten zu ehren verstehen. Wir erbitten die direkte Einsendung der Beiträge an die Oesterreichische Kreditanstalt für Handel und Gewerbe, Wien L, Am Hof für den Dr. Hugo Zuckermann-Fonds und werden die eingelaufenen Spenden mit herzlichem Dank öffentlich quittieren. Für das Rabbinat: Rabb. Dr. Arnold Grünfeld. Für den Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Egerr Eduard Löwy. x,iiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniii|||

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