Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 36 (27.8.1926)
- Date
- 1926-08-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Nr. 36 DIE WAHRHEIT Seite 9 Wer hat es nicht schließlich für selbstverständlich gehalten, daß der Vorsitzende mit keinem Worte den Anwalt des Prinzen Windischgrätz, Dr. Ulain, zurechtwies, als dieser, anstatt den Prinzen zu verteidigen, ihn und seine Helfer als edle Patrioten verherrlichte und zum Ankläger jener wurde, die solche ideale Männer zu verdächtigen wagen? * * * Im Schuljahre 1926/27 werden an den fünf ungarischen Hochschulen auf Grund der — nach dem Numerus clausus — errechneten fünfprozentigen Verhältnisquote alles in allem 190 jüdische Hörer inskribiert werden. Davon entfallen zum Beispiel in ganz Ungarn auf die Fächer für Architektur fünf und für Chemie — ein jüdischer Hörer! Wenn man sich erinnert, in welch bestialischer Weise die Hejjas-Leute — darunter auch „beste Offiziere" Horthys — unschuldige Menschen ermordeten, wird man wohl sagen dürfen, daß diese unter Umständen auch davor nicht zurückschrecken würden, mit Stücken von dem einen jüdischen Hörer der Chemie die fünf ungarischen Hochschulen zu beteilen. Ego. Jüdische „Weltaktionen", In Paris tagte vor kurzem eine Versammlung, die sich bescheiden „Weltkongreß der jüdischen Jugend" nannte. Hierzu bemerkt der Frankfurter „Israelit": Es ist ein etwas starkes Prädikat, das sich hier ein paar DutzendJungzionisten, die sich in Paris ein Rendezvous gegeben, zulegen. Man kann von einem Weltkongreß Gleichgesinnter, in einer Partei oder einem internationalen Verbände organisierter Menschen sprechen, wenn dieser aus verschiedenen Ländern besucht und beschickt ist. Jugendistkeine Partei und bezeichnet keine Richtung, in der sich Gesinnungen und Bestrebungen auf bestimmtem Geleise bewegen. Die jüdische Jugend ist nirgendwo einheitlich organisiert, geschweige denn gar durch andere internationale Bande zusammengehalten, als durch die, welche uns a 11 e in einem Glauben, in einer Geschichte, in einer Zukunftshoffnung vereinigt. Was soll also die Spielerei mit dem bombastischen Worte vom „Weltkongreß der jüdischen Jugend"? Diese großen Worte sind indes nicht nur spielerisch naiv, sondern auch irreführend und daher nicht ungefährlich. Wem es von vornherein nicht klar war, daß es sich bei der Veranstaltung lediglich um eine Gruppe in Paris oder Frankreich zufällig ansässiger Jungzionisten handelt, dem ging diese Gewißheit schon bei der ersten Eröffnungssitzung auf. Am Tische der Präsidiums sitzen Träger mehr oder weniger bekannter zionistischer Namen. Man spricht und deklamiert über „moralische und materielle Solidarität zwischen den Jugendverbänden aller Länder", die „Propagierung der Ideen des Völkerbundes", und man darf hoffen, daß aus der gleichen Freude an starken Worten die Beschlüsse über die „internationalen Zentren für jüdische Kultur und Er- JAC. MAYER Ziehung" geboren sind. Es könnte uns sonst ein bißchen angst und bange werden um diese Kulturzentren. Ernster, gefährlicher scheint uns schon das Gerede vom Rechtsschutz, den der „Weltverband" der jüdischen Jugend (gemeint ist vornehmlich die akademische Jugend) in allen Ländern bieten will. Hier können schon Worte allein mehrUnheil anrichten, als die Taten Besonnener wieder gut zu machen vermöchten. Wunder muß es nehmen, daß es auch noch gereifte jüdische Politiker hie und da gibt, die sich dem Glauben hingeben, es könnte durch Anrufung fremder Mächte durch jüdische Weltverbände in Sachen des jüdischen Rechtes in einzelnen Ländern etwas erreicht werden. Auf einer Sitzung in London wünschte dieser Tage der bekannte Doktor Stephan A. W i s e, daß das „Komitee der jüdischen Delegationen" zu einem „Weltrate zum Schutze der jüdischen Rechte" ausgestaltet werde. Das Beispiel in Ungarn und Polen hat aber deutlich gezeigt, wie nutzlos, ja gefahrvoll alle Unternehmungen sind, wennderSchauplatzsolcher Aktionen vom Lande selbst ins Ausland verlegt wird. In Ungarn haben sich die Juden selbst kräftig zur Wehr gesetzt gegen eine Einmischung von außen in Sachen des Numerus clausus. In Polen wurde die Verständigung bei vernünftigem Entgegenkommen von beiden Seiten im Lande selbst erreicht. Wo der Völkerbund von sich aus in gegebenen Fällen nach dem Rechten sieht und reinigend eingreift, können wir nun dankbar sein. Der „Weltrat" in London und der „Weltkongreß" in Paris, so kindisch auch letzterer angelegt ist, können nur Steine auf dem Wege der erwünschten Verständigung und! Aussöhnung sein." Zur Beachtung! Die nächste Nummer unseres Blattes erscheint als Rosch-Haschonoh-Festnummer Mittwoch, den S. September, in verstärktem Umfange. Jt Matt* Sohn Wien //., (Pmatemstwaße Jlr. 37 Tel. 43-4-10 Elegante Herrengarderoben Feinste Herrenwäsche Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 84 Wien II., Taborstrafte 44