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Die Wahrheit · 1926-08-20 · Heft 35 (20.8.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 35 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 Dffi WAHgHHT iu*iM Hr. 35 ganz unabhängig." Mit diesem Paragraphen sei auch die Judenfrage ihrer Lösung entgegengeführt — die Emanzipation der Juden ausgesprochen. Der „Wiener Zuschauer" hält diesen Schritt des Ministeriums für übereilt, wenn er auch weit (?) entfernt sei, diese Emanzipation gar nicht zu wollen oder aus der jüdischen Religion, wie es noch vor einigen Jahren in der badischen Kammer geschehen sei, Gründe gegen die Emanzipation herzunehmen. Der Autor (4. September, Haas) hätte lieber eine etagenweise Jud'enemanzipation gesehen, da er mit Rücksicht auf den Charakter der österreichischen Juden auf den Zustand des Handels und der Industrie in der Monarchie gegen die plötzliche Judenbefreiung Bedenken haben müsse. Die galizischen Juden z. B., die sich dort großer Rechte erfreuen, hätten die christliche Bevölkerung ausgesogen und demoralisiert. Der Adel, Bürger und Bauernstand sei dem dortigen Judentum ganz unterlegen (?). Die Armut eines Ortes stehe dort mit der Judenzahl in geradem Verhältnisse. Sollen daher diese realen Nachteile der Christen dem idealen Vorteil der Humanität zu Liebe noch weiter ertragen werden? Wenn man Schranken gegen den Wettbewerb des Auslandes aufrichten dürfe, seien solche Schutzmauern im Inlande gegen die viel furchtbarere jüdische Konkurrenz um so notwendiger. Es wäre daher den Gemeinden anheimzustellen, Juden aufzunehmen oder nicht und welche Gewerbszweige sie ihnen überlassen wollen oder nicht, und so könnte das Ministerium die Verantwortung in dieser wichtigen Sache auf die Gemeinden überwälzen. Auf diese Weise hätte die Judenemanzipation nach und nach vor sich gehen können und wäre tatsächlich ein Werk des Volkes geworden. So aber seien diese Fremdlinge dem Volke als Mitbürger aufgezwungen worden. Was werde aber das Ministerium dazu sagen, wenn das christliche Volk von seinem Häusrechte Gebrauch machen werde? Haben sich die Juden die Bürgerkrone etwa durch Verdienste um den Staat erworben? Ober fürchte das Ministerium Graf Stadion deren Ränke, meine es, die Juden würden den Herzkuchen der Emanzipation so verschlingen wie jener Drache des alten Testaments." Der Artikelschreiber äußert zuweilen, das heißt, wenn ihn nicht gerade der Judenkoller befällt, ganz vernünftige Ansichten, so z. B. wenn er meint, die Beschränkung der Regierung in der Aufnahme neuer Anlehen wäre im Interesse der ganzen Monarchie nötiger als irgend eine andere Maßregel. Auch sei das zweifellos konstitutionelle Recht der Steuerbewilligung in der Verfassung nicht deutlich erwähnt. Aber die Kammer dürfe hingegen nicht Steuern verweigern, um der Regierung irgendein Zugeständnis zu erpressen, denn ohne ungeheuerlich vermehrte Anlehen könne der Staat wohl bestehen, während ihn fortwährend sich häufende Schulden dem Untergange nahe bringen. Zu § 123 des XVI. Abschnittes („Allgemeine Bestimmungen") bemerkte der Verfasser, daß gleich im ersten Reichstage zu Abänderungen der Reichsverfassung die Gegenwart von mindestens drei Viertel aller Mitglieder und die Zustimmung von zwei Viertel der Anwesenden hätte gefordert werden sollen, statt der absoluten einfachen Stimmenmehrheit. Objektiv berichtet der „Wiener Zuschauer" in seinem Beitrag „zur Detailgeschichte der österreichischen Eisenbahnen" über die Ve rdienste des Baron Rothschild an dem Zustandekommen der Nordbahnlinien. Der k. k. Professor und Bergrat Franz R i p p e 1 hätte im Jahre Restaurant Buth Wien II., Hollaridstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Mittags- und AbenÖ-Menu nach Wahl S 2 — Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Zum Besuch ladet höfl. ein I. GUTH, Besitzer. 1830 den Plan neuer Eisenbahnverbindung zwischen Wien und den entfernteren nördlichen und südlichen Provinzen der Monarchie entworfen. In dem von ihm im Jahre 1836 gebildeten Komitee stellte sich der gemeinnützige und wohltätige Baron Rothschild durch Prof. Rippeis Vermittlung an die Spitze mit seinen beträchtlichen Geldmitteln und erhielt ein Privileg auf die Errichtung einer Eisenbahn Wien —B o c h n i a und einer Seitenbahn Brün n—01 m ü t z, T r o p p a u—B i e 1 i t z - B i a 1 a—W i e 1 i c z k a. V. Der „Wiener Zuschauer" über die Sendung Israels. Die Objektivität des „Wiener Zuschauer" hindert aber einen Mitarbeiter dieser Zeitung nicht, wieder über die „sudelnden Juden" herzufallen, welche als Wiener Korrespondenten die „Allgemeine Zeitung" aufs schlimmste bedienen. Ein andermal aber schildert ein Mitarbeiter des obgenannten Blattes, das kurz zuvor Moses als einen gemeinen, feigen Mörder bezeichnete, die Knechtschaft des zu erhabenem Zweck „erkorenen Volkes" in Aegypten. Aber ihm sei ein Rächer erschienen, aber auch der Welt: „Jehovah als Gesetzgeber". Und als Rüstzeug des Höchsten wuchs in den leuchtenden Gemütern der stolzen Königsburg der Pharaonen Moses. Er führte die Seinen heraus aus Schmach und Not unter Zeichen und Wundern, deren das sinnliche Israel bedurfte. Seiner Bestimmung wegen, Bewahrer des Glaubens zu sein an den alleinigen Gott, bedurfte es neuer Belehrung. Israel sollte in die Reihe selbständiger Nationen treten, das Auge derWelt aufdieses Volk gerichtet sein. VI. Dr. Fischhofs Stellung nach der Revolution. In Nr. 61 vom 16. März 1849 greift der „Wiener Zuschauer" den Revolutionshelden Dr. Fischhof an, indem er mitteilt, daß einige Blätter die Versicherung der Judenzeitungen zurückweisen, das Schicksal dieses Mannes errege allgemeine Teilnahme und seine Verhaftung werde als ein Mißgriff angesehen. Diese jüdischen Artikelschreiber stellen sich an, als wären die gerichtlichen Schritte wider den Ex¬ Deputierten und Ex-Ministerialrat ganz unbegründet. „War er denn nicht obenan des offenbar revolutionären Sicherheitsausschusses vom Oktober-Reichstagsfragment? Und sind nicht die kompromittierendsten Erlässe von ihm unterzeichnet. Ist die Hehlung des Hochverräters Emperger nach der Uebergabe Wiens nicht schon allein ein Verbrechen?" Der „Wiener Zuschauer" wünscht trotzdem die Freigabe und Begnadigung Dr. Fischhofs, denn er sei unter den Radikalen bei weitem nicht der schlimmste und beim «Entstehen des Sicherheitsausschusses im Mai habe das Blatt selbst seine würdige Haltung und Besonnenheit anerkannt. Ihn habe Doblhoffs (des Unterzeichners des an die Wiener aus Innsbruck am 3. Juni 1848 gerichteten Manifestes Kaiser Ferdinands) „Weltgeist" auf der Seele. Fischhof wäre ein Opfer seiner Umgebung gewesen und deshalb wäre bei ihm Vergeben und Vergessen an der Stelle mehr als bei seinen hochverräterischen Kollegen, wahren Glücksrittern, Abenteurern und Aufwieglern. Aber trotzdem sei es sonderbar, gewisse Journale eine so unschuldheuchelnde Sprache führen zu hören, wenn einmal ein Stammes- und Glaubensgenosse aus K-remsier abgeführt werde, dem sie eine Marterkrone aufs Haupt gesetzt sehen möchten. Uebrigens habe am 13. März 1849 der Wiener Kriminalgerichtshof einstimmig den Dr. Fischhof für das strafrechtliche Verfahren geeignet erklärt, weshalb er noch heute abends (am 15. «März) in das Kriminalgefängnis abgegeben werde., Am 27. März 1849 meldet der „Wiener Zuschauer", der gewesene Reichsdeputierte Dr. Fischhof, für den die gesamte jüdische Presse mit größter Entschiedenheit und in allen Formen eintrete, sei mit seinem Rekurse gegen die strafgerichtliche Anhaltung abgewiesen worden. Bei der bekannten Gerechtigkeit und Milde der „österreichischen Justiz" sei diese Entscheidung zweifellos rechtlich begründet. Wenn nur die Christen so zusammenhielten wie die Juden! VII. Toleranz gegen jüdische Konvertiten. Den getauften Juden gegenüber zeigt sich der „Wiener Zuschauer" stets tolerant und wohlwollend. So berichtet er über die Predigt des Domherrn P. Veit, der bekanntlich ein jüdischer Konvertit und der. berühmteste Wiener Kanzlerredner seinerzeit war, daß er sein Thema die h. Totenfeier für den in den Märztagen des Jahres 1848 ermordeten G eneral Latour in unerschrockener und ergreifender Weise behandelt habe, indem er dabei eine lichtvolle Geschichte der Wiener Revolution entwarf. Die Feier, der die höchsten Zivil- und Militärbehörden (drei Minister, ein Gouverneflr und viele

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