Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 34 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 34 DIE WAHRHEIT Seite 11 Schotten, Iren, Walliser und alle Fremden gibt. Es gibt ständige Witze über die Habsucht des Juden, ebenso wie es solche über den Geiz des Schotten gibt. Der Jude wird mit einer hietitischen Nase karikiert, ebenso wie der Ire mit dem Maul eines spanischen Maultiertreibers. Aber das ist kein Antisemitiismus, so wenig wie es antispanisch und antikatedonisch ist. Als Charles Dickens vorgeworfen wurde, er habe das jüdische Volk dadurch beleidigt, daß er einen der beiden Verbrecher in seiner Geschichte von Oliver Twist zu einem Juden gemacht habe, war er über diese Beschuldigung so bestürzt, daß er in einem späteren Buche einen anderen Juden als Muster aller Tugenden darstellte. Da keiner der beiden Charaktere spezifisch jüdisch und der eine Verbrecher (der einen irischen Namen trug!) der weitaus angenehmere von dem Paare war, hatte weder die vermutete Beleidigung noch die Korrektur irgendeine Bedeutung; aber diese Begebenheit zeigt, was ein Mann des öffentlichen Lebens in England empfindet, wenn man ihn des Antisemitismus bezichtigt. Meine berühmtesten Uebersetzer sind Juden. Ich werde dauernd von jüdischen Vereinen gebeten, bei ihnen zu sprechen, und von jüdischen Zeitungen, für sie zu schreiben, denn es ist bekannt, daß ich ihnen sympathisch gegenüberstehe. Trotzdem muß ich einen Projudaismus ebenso energisch ablehnen, wie ich den Antisemitismus verwerfe. Ein weißer Rabe. Die Urteile, die man im allgemeinen in den polnischen Zeitungen über die Juden findet, sind nicht gerade von philosemitischen Geiste getragen. Um so mehr überraschen in der Zeitung „Kurjer Powczechny" folgende Ausführungen: „Wenn sich die Juden durch viele Jahrhunderte mit Handel und Handwerk beschäftigt haben, so ist das nicht aus bösem Willen geschehen. Sie sind seinerzeit, ebenso wie die Deutschen, von polnischen Königen nach Polen eingeladen worden, unter Erteilung von Privilegien, um dort Handel und Gewerbe zum Aufschwung zu bringen. Die Rechte, die man ihnen gab, erhielten sie jedoch nur für die Städte. Zur Landwirtschaft wurden sie nicht zugelassen, ebensowenig zur Aufnahme in die Innungen, die das ausschließliche Recht zum Handwerksbetrieb hatten. So blieb ihnen nur der Handel übrig. Den von den Großgrundbesitzern bedrückten Bauern wurden die Juden als die allein Schuldigen hingestellt, und obwohl diese nur die Vertreter und Vermittler der Edelleute waren, wurden sie von den Bauern aufs bitterste verfolgt. Die gleiche Methode wurde unter der Zarenherrschaft angewendet. Je mehr die Bauern und Arbeiter unter der Zarenwirtschaft seufzten, desto häufiger wurde die Volkswut auf die Juden abgelenkt, und es kam zu blutigen Pogromen. Die Juden wurden für „die natürlichen Feinde des Volkes" erklärt. Aber von demselben Schicksal wurden die anderen Minoritäten des Zarenreiches ereilt, und jetzt erleben wir dasselbe Schauspiel in Polen selbst. Es gibt unter den Juden gute und schlechte Menschen, gerechte und ungerechte, nützliche und schädliche — wie bei allen Völkern in der' ganzen Welt. Sie sind Fabrikanten, Bankiers, Großkaufleute, aber auch Handwerker, Arbeiter und kleine Kaufleute. Eine Einheitlichkeit und Solidarität besteht bei ihnen nicht. In ganz Rußland und Polen leben gegen 4% Millionen Juden, aber mit dem Handel beschäftigen sich nur 470.000. Die Mehrzahl sind Kleinkrämer, Vermittler und kleine Kaufleute, die kaum für sich und ihre Familie ein Stück trockenes Brot haben. Handwerker und Arbeiter sind 450.000, Landwirte 38.000. Die Mehrzahl muß sich im Schweiße ihres Angesichts ihren Erwerb schaffen und hat oft mit bitterer Not zu kämpfen. Daher die große Auswanderung bei ihnen. Ein Sprichwort sagt: Dem Glück entflieht man nicht! Die Legenden aber von der Schädlichkeit aller Juden, welche die Antisemiten verbreiten, sind Märchen, mit denen man nur kleine Kinder schrecken kann." „Sicherem Vernehmen nach sind in letzter Zeit in der Universitätsaugenklinik in Leipzig zwei tschechoslowakische Staatsangehörige (Juden) von zweifelhafter wissenschaftlicher Bedeutung und Ruf angestellt worden unter Verdrängung von reichsdeutschen Wissenschaftlern. Wie will die Regierung dieses Vorgehen rechtfertigen?" So lautet eine Interpellation, welche die Deutschnationalen im sächsischen Landtag eingebracht haben. Das was diese Herren so sicher vernommen haben, war allerdings nicht ganz gewiß, denn die beiden neuangestellten Herren, auf welche sich die Anfrage bezog, sind gar keine Juden, sondern Sudetendeutsche und Arier. Nichtsdestoweniger stellt die Anfrage insofern einen Erfolg dar, als sie der Regierung Gelegenheit gibt, zu erklären^ daß für sie die Konfessionen überhaupt nicht maßgebend ist. Wir wollen den Interpellanten die Freude über diesen Erfolg gewiß nicht trüben. :-:; Sonder» Angebot I Warenhauses I Brüder Schiffmann slszss ||., TaborstraBe 48 Unerreicht billige Kattfgelcgenheit! Nachstehend emife Beispiele: -jt< Bktndznok . . . . .3 Cotton de Lerne . Wasoh-Kreton Jaokenfatter * Etamine, 115 cm breit ........ Etamine, in allen Farben....... Seiden-Chlot, 14) cm br., in allen Färb. per Meter -"98 . » **»;; i ns . r; » rao —•79 3-SO Damenwäsche Garnituren, Hemd und Hose..........3*90 Garnituren, Handajour gest........• 7-80 Damenhemden..........S 2*80,2*50 1-98 Damengarnituren, (Hemd, Hose und Nachthemd) 9-80 Miederleibchen...............—"99 Seidenjumper .......... S 12*50, 7*50 8*90 Sohafwolljaoken..............9-80 Leinen waren Za Webe........ Xa Chiffon - ...... Hoaenköper...... 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