Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 34 (13.8.1926)
- Date
- 1926-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 34 Theater, Kunst tu Literatur | 1 Von Woche zu Woche Aus dem Philo-Verlage, Berlin, stammen folgende fünf Neuerscheinungen: Der Morgen: Diese vornehme Zweimonatschrift hält, was das erste hier besprochene Heft in Aussicht gestellt hat. Der Herausgeber, Prof. Goldstein, hat mit dieser Gründung für weitere Kreise das geschaffen, was „Der Jude" mit nationaler Einstellung zu bieten unternahm. An Inhalt wie an Form stehen beide Leistungen würdig nebeneinander. In seinem Aufsatz: „Was trennt und eint die Konfessionen?" empfiehlt F r i c k ein Zusammengehen der christlichen Religionen mit dem Judentum, dem wir für unseren Teil von ganzem Herzen zustimmen. Wenn nur die anderen auch ebenso dächten! El bogen kritisiert die Einrichtung des „Judaistischen Institutes.? in Jerusalem" und fordert unbeschränkte Freiheit der Forschung auch für die Bibelwissenschaft. „Gestalten der Spätantike" führt uns Heinemann plastisch vor Augen. „Die Entwicklung des jüdischen Frauentypus seit dem Mittelalter" zeichnet sachkundig und liebevoll Stern. Meisterhaft ' übersetzt Rosenzweig die „Schlußklage am 9. Ab". 'Dies hur eine kleine Auswahl aus der Reihe der durchwegs' lesens- und beachtenswerten Aufsätze der letzten Hefte.' S. K a a t z, Tälmudisch-rabbinische Sätze über Rechtsbeziehungen zu Nichtjuderi. Mit Umsicht und Klarheit behandelt Kaatz unter Benützung der einschlägigen Literatur und insbesondere gerechter Würdigung des Standardwerks „Israel und die Völker" von Josef S. Bloch Sätze unseres Schrifttums, die immer wieder das Ziel gehässiger Angriffe und Mißdeutungen bilden. L. Stein, Gegen Spengler. Eine Auseinandersetzung mit Hölting und Spengler. Stein macht auf die bedeutsamen Vorträge Höltings gegen. Spengler aufmerksam, die hoffentlich recht bald durch. Drucklegung zugänglich gemacht werden. Stein selbst stellt seine Optimismus-Lehre Spengler entgegen, dessen Aufstellungen ja, soweit sie das Judentum berühren, in der „Wahrheit" und einer besonderen Spengler- Broschüre von Dr. Grunwald, gleichfalls im Philo- Verlage, berichtigt wurden. Felix G o 1 d m a n n. Warum sind und bleiben wir Juden? Dieser ausgezeichnete Vortrag ist wieder ein erster Treffer, ein Schuß ins Schwarze. Eine solche Schrift sollte von einem Mäzen kostenfrei .an alle Interessenten abgegeben werden. Franz Rosenzweig, Die Bauleute. Ueber das Gesetz. 1925. Nur ein echter Dichter,-eine Seele, die kongenial die beispiellose Schöpferkraft -desjüdischen Lebensgesetzes, die unzerstörbare Bindung der jüdischen Tradition 'erfaßt, kann so schön und wahr von der -mitunserer Geburt gegebenen Judenpflicht sprechen, „Bauleute'', -d. h. Enkel unserer Ahnen und Ahnen unserer Enkel zu sein. M. E. B. Cohn, Legenden (München 1925, Z. Müller). Altes Legendengut in ansprechender Form. Am ergreifendsten wirkt die chassidische. Erzählung „Die fremden Jahre". Für eine neue Auflage empfiehlt sich, soweit Uebersetzung aus Talmud und Midrasch vorliegt, Angabe der verdeutschten Stellen. Der Leser wird dadurch angeregt, sich mit diesem noch immer zu wenig bekannten Schrifttum näher vertraut zu machen. A. Altmann, Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg, Frankfurt.. Der Historiker der Salzburger Judengemeinde liefert hier eine dankenswerte Fortsetzung seiner vor Jahren begonnenen Arbeit. Er bietet unter anderem auch Erzählungen zur Geschichte der Wiener Juden (z. B. 164). G. Arthur Landsberger, Asiaten! (Leipziger Graphische «Werke A.-G.. Leipzig-Reudnitz.) Landsberger hat schon "Besseres als dieses seichte Buch geschrieben; es scheint, daß er in letzter Zeit infolge seiner Ueberproduktion immer mehr verflacht. Was den Inhalt dieses Romanes anbelangt, so kann er nicht genauer wiedergegeben und gleichzeitig treffender charakterisiert werden als durch die eigenen Worte einer in diesem Buch auftretenden Person: „Der Gedanke, Japan auf dem Umwege über die Geisha zu erobern, ist lustig, kitschig, originell. Man kann eine Operette daraus machen. So blöd ist er. Da aber die dümmsten Operetten in unserer Zeit die größten Erfolge haben — Augenblickserfolge wohlverstanden! — so gebe ich zu, daß auch die dümmsten politischen Gedanken in unserer Zeit am meisten Aussicht haben, verwirklicht zu werden." So wird auch dieses Büch wohl nur einen Augenblickserfolg haben . Allgemeiner Kranken- und Unterstützungsverein „Montefiore". Wie alljährlich veranstaltet obiger Verein auch heuer anläßlich der hohen Feiertage einen solennen Gottesdienst im Festsaal, II., Praterstraße 60. Der Vereinsleitung ist es gelungen, als Vorbeter den bekanmtai Oberkantor Albert Eisenberg aus Budapest zu gewinnen. Verkauf der Betsitzkarten im Vereinslokal, II., Ferdinandstraße 19, Telephon 45-900, oder ab 22. d. M. jeiden Nachmittag* von 29. d. M. den ganzen Tag im Festsaale, II., Praterstraße 60. Wohltätigkeitsakademie. Im Bad Haller Kurtheater fand am 26. v. M. eine große Wohltätigkeitsakademie statt, deren Reingewinn dem jüdischen Blinden- und Taubstummeninstitut in Wien gewidmet war. Zu den Mitwirkenden zählte auch Herr I. Kantor Leo Funke, der durch die mit seiner gediegenen Tenorstimme zum Vortrag gebrachten Gesänge besonderen Beifall der Zuhörer auslöste. Durch ihn wurden auch die beiden genannten Anstalten mit dem erzielten Reingewinn bedacht. Baden bei Wien. Samstag, den 7. d. M„ gab es hier ein schönes, echt jüdisches Fest; ein Sohn des Direktors des Waisenhauses, Philipp Friedmann, namens Jizchok Moische, wurde Bar Mizwoh. Nach altem Ritus trug der Barmizwant die Paraschah vor. Nachmittags versammelten sich im großen Lehrsaale des Waisenhauses alle Mitglieder der Gemeinde, an deren Spitz.© Oberrabbiner Reich und die Repräsentanz der Kultusgemeinde, wie auch von den hier weilenden Kurgästen Se. Ehrw. Herr Rabbiner N. Friedmann, Wien, Oberrabbiner S. Ehrenfeld, Mattersburg, Rabbiner Lipmann G o 1 d m a n n, Deutschkreuz, u. a. Der Barmizwant hielt eine halachische Drosche, die alle Zuhörer entzückte, dann richtete er eine herzliche Ansprache an Eltern und Lehrer, besonders dankte er dem Jeschiwohleiter Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Salomon Friedmann. Hierauf ergriff Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner Reich, Baden, das Wort, der dem Barmizwant ans Herz legte, weitere Fortschritte im Lernen zu machen, um ein würdiges Mitglied seiner hochgeschätzten Familie, wie auch seiner'Gemeinde zu werden. Es sprachen noch Se. Ehrw. Herr Oberrabbiner S. Ehrenfeld, Mattersburg, Direktor Philipp Friedmann und Bernat L ö w y. Schöne Chorgesänge der Waisenknaben gaben dem Feste die richtige Stimmung. Für alle herzlichen Gratulationen und Aufmerksamkeiten sei auf diesem Wege im Namen der Eltern des Barmizwanten bestens gedankt. Goldene Hochzeit. Samstag, den 14. d. M., feiert Herr Heinrich Kühner, langjähriges Mitglied der Staatsoper i. P., mit seiner Gattin Friederike das Fest der Goldenen Hochzeit. Todesfall. Der Vorstand des Sohönlatcrnbethauses beklagt aufs tiefste das Ableben seines langjährigen Schammes, Herrn Siegmund Löwy, der im Alter von 82 Jahren vor kurzem verschieden ist. Der Dahingegangene war wegen seines Fleißes und großen Wissens in weiten Kreisen sehr bejiebt. Sein Vorstand wird ihm stets ein ehrendes Gedenken bewahren. Die Lösung des Rätsels. Wie ist es möglich, fragen sich Kaufleute und Konsumenten, daß trotz der schlechten allgemeinen Wirtschaftslage und der geschäftlichen Stagnation das Warenhaus der Brüder Schiffmann, Wäen IL, Taborstraße 48, 'einen so großartigen Aufschwung nimmt und der Kundenkreis sich täglich vergrößert? Die Lösung dieses Rätsels ist sehr einfach: Das kaufende Publikum gewöhnt sich immer mehr daran, nur größere Kaufhäuser aufzusuchen, die alle Waren in reichster Auswahl führen und deren gutes Renommee für verläßliche Qualitätsware und billige Preise bürgt. Die dominierende Stellung des populären Warenhauses Brüder Schiffmann dst auf die allgemein >bekannt große Leistungsfähigkeit und Konkurrenzlosigkeit dieser Firma zurückzuführen. Einer erzählt's dem andern, wie gut und billig man dort kauft und -die Folge davon ist eine sich fortwährend steigernde Kundenfrequenz. Es ist daher nicht weiter verwunderlich, daß idle Brüder Schiff mann im Laufe der letzten Monate dreimal genötigt waren, ihre Verkaufsräume durch Ankauf und Angliederung nebengielegener Geschäftslokale zu vergrößern, um den Kundenverkehr klaglos abwickeln zu können. Das von dem Seniorchef der Firma, Herrn Max Schiff mann, eingeführte amerikanisahie Geschäftsprinzip: „Größter Umsatz — kleinster Nutzen" hat sich glänzend bewährt