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Die Wahrheit · 1926-08-13 · Heft 34 (13.8.1926) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 34 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 34 DIE WAHRHEIT SCltS «3 reden sich die Gottesfürchtigen miteinander, und der Ewige horcht auf und vernimmt es, und es wird verzeichnet in das Buch des Gedächtnisses vor ihm für die, die den Ewigen ehrfürchten und seinen Namen achten, Ihr werdet euch bekehren und den Unterschied erkennen zwischen dem Gerechten und dem Frevler, zwischen dem, der Gott dient, und dem, der ihm nicht dient, ich werde mich ihrer erbarmen wie ein Mann sich seines Sohnes erbarmt, der ihm dient '3, 16 bis 18). Oder wie Jesaja 11, 9 sagt: „Voll ist die Erde der Erkenntnis des Ewigen, wie das Wasser das Meer bedeckt". Diese Gotteserkenntnis führt zur Gerechtigkeit, der Grundsäule des Friedens, die nach Jesaja erlösende Kraft auch für die gestürzte Stadt Jerusalem hat. Vom Friedensfürsten heißt es daher bei Jesaja: Er wird in Gerechtigkeit die Armen richten und in Redlichkeit rechten mit den Gedrückten des Landes, es wird die Gerechtigkeit der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften (11, 4—5). Jesajas verdeutlicht sich selbst in diesem Punkte, wenn er in 32, 17 sagt: Das Werk der Gerechtigkeit wird der Friede sein, und die Arbeit der Gerechtigkeit Ruhe und Sicherheit auf immer, daher wird mein Volk an der Friedensstätte weilen und in den Wohnplätzen der Sicherheit und in sorglosen Ruhestätten. In dem gleichen Sinne sagt Jeremia 23, 5: Siehe, Tage werden kommen, da ich aufsprießen lasse aus David einen gerechten Sproß, er wird als König mit Glück regieren und Recht wie Gerechtigkeit im Lande üben, in seinen Tagen wird Juda geholfen werden und Israel sicher wohnen. (Fast ebenso heißt es in 33, 15: In jenen Tagen, um diese Zeit lasse ich dem David einen Sproß der Gerechtigkeit aufsprießen, daß er Recht und Gerechtigkeit im Lande übe, in jenen Tagen wird Juda geholfen werden und Jerusalem in Sicherheit wohnen.) Durch die Gerechtigkeit ist die Ordnung im Lande gesichert, die nach prophetischer Meinung ein unbedingter Bestandteil des Friedensfundamentes ist. So baut sich allmählich der Friede auf, dessen Gemälde vor unseren Augen am vollkommensten wohl in Jesaja 11, 6—10 ersteht: „Man wird kein Unrecht mehr tun und keine Entartung mehr zeigen," das ist der Höhepunkt des prophetischen Bildes, dann ist der Friede da. Die Einführung, die die Propheten häufig benutzen, wie zum Beispiel die Termine „an jenem Tage" (Arnos 8, 9, 13, Hosea 2, 23) oder „am Ende der Tage" (Hosea 3, 5, Jes. 2, 2. Micha 4, 1) oder „der Tag des Ewigen" (Jes. 2, 12) zeigen das Hinausrücken dieser Zeit in die Ferne, sie zeigen aber auch, daß es Gottes Werk ist, diese Zeit eintreten zu lassen, wie das Paradies seinem Willen gemäß geworden ist, so wird es nach seinem Willen erst wieder erstehen, freilich wenn die Menschheit es würdig vorbereitet hat. Die Merkmale dieser Zeit werden nachdrücklichst darin sich äußern, daß Kriege unter den Völkern nicht mehr herrschen werden, sondern daß ein ewiger Friede die Menschen beseelt und ein Friedensfürst das Friedensreich gründet, pflegt, wahrt und erhält. Die Freiheit des Menschen, seine sittliche Anerkennung, sein ruhiges und gesichertes Leben, seine belohnte und gekrönte Arbeit, seine Erfolge, nicht von mißgünstigen Augen scheel beobachtet, sichern den Bestand der Eintracht. Ist das nun Pazifismus? Ich glaube es ist mehr, mehr als die Genfer Konvention oder das Haager Schiedsgericht wollen, überhaupt erreichen können, mehr als im Plane des Völkerbundes liegt. Völker werden sich nicht mehr mit roher Waffe zerfleischen, Menschen keine feindliche Gesinnung zueinander im Busen tragen. Die Völker kann vielleicht der Pazifismus versöhnen, die Menschen bessern, ändern, kann er wohl nicht. zu bringen", lautete das Wort Gottes an Elia, das alle irdische Sorgen zerstreute, und so hieß auch der Wahlspruch aller seiner Amitsbrüder.. Darum schreckte nicht den Michajahu die Drohung des gottlosen Königs Achab: „Gebt ihm spärlich Brot zu essen und spärlich Wasser zu trinken." Darum konnten Jeremias weder die Züchtigungen noch die Gefangenschaft, mit denen ihn. Paschchur, der Aufseher, quälte, einschüchtern. Des Lebens Freuden, des Lebens Leiden waren machtlos gegenüber einem inneren Bewußtsein von einer göttlichen Sendung, wie es in jenen Männern lebte. Eine wunderbare Vereinigung von weltfernem Idealismus und vollem, reifen Verständnis für die Fehler und Schwächen der Menschen lebte in diesen Geistern, und der Talmud hat diese Weltanschauung unserer Propheten durch zwei Aussprüche treffend gekennzeichnet. „Alle Propheten haben nur für die Zeiten des Messias geweissagt," heißt es an einer Stelle und an einer anderen wiederum: „Alle Propheten haben nur für die bußfertigen Sünder geweissagt." Das schauende Prophetenauge war einerseits gerichtet auf eine ferne Zeit, die frei von Fehlern und Lastern, rein und hehr der Menschheit vollkommenste Stufe zeigt, anderseits blickte es auf die eigene Gegenwart und die Menschheit, die die ausgetretene Straße des Alltags wandelt, auf die Zeit- und Wandergenossen, die mit Fehlern beladen, von Irrungen bedrückt vom rechten Wege abwichen. Allen aber offenbarte das Prophetenwort ein Ziel, ein edles, schönes Ziel, um dessen willen das Leben lebenswert wird und durch das die kurzfristige Spanne Erdenleben zu einem Leben der Ewigkeit erhöht wird. Die Propheten Israels waren es, die allen Denkern vorauseilend, erkannten und lehrten, daß wahre Menschenwürde nur auf lauterer, rechtlicher Gesinnung aufgebaut sein kann. „Lernet Gutes tun, suchet das Recht", so tönt es uns aus Jesaia in allen Formen und Bildern wider. Sie waren es, die erkannten und lehrten, daß wahre Frömmigkeit aus dem innersten Herzen quellen müsse. „Denn es ehrt mich dieses Volk nur mit seinem Munde und seinen Lippen, aber sein Herz bleibt ferne von mir und ihre Ehrfurcht vor mir ist nur eingelernte Menschensatzung", so verkündet Jesaia der Menge und gleich ihm rufen es in anderen Worten, aber mit der gleichen Bedeutung all die anderen Propheten aus. Sie sind es, die uns den Weg aus den Widersprüchen des Lebens gebahnt haben. „Warum geht es dem Gerechten schlecht, warum leben sorglos die Uebeltäter?", so fragt Jeremia und wen hätte diese Frage nicht schon beschäftigt? Wir müssen lernen, uns über den Krämerglauben erheben, das kurzsichtige Menschenauge darf nicht dem Walten Gottes nachspüren wollen. „Die Kinder sollen nicht sterben um der Väter willen und Väter nicht um der Kinder willen, jeder muß an seiner eigenen Sünde sterben." Er lehrt mit Vorurteilen aufräumen und zur reinen Gotteserkenntnis gelangen. „Menschensohn, können diese toten Knochen wieder aufleben", so ergeht das Gotteswort an Ezechiel und er verkündet das leuchtende Menschheitswort: „Ich gebe meinen Geist in euch, spricht Gott, und ihr werdet leben." Geist vom Geiste der Propheten Israels hat die besten und edelsten Geister der Menschheit erleuchtet. Prophetengeist hat Gräber des Geistes geöffnet und neues, besseres Leben erstehen lassen. Flammenzeichen in nächtlichem Dunkel waren der Propheten Worte und Reden, ihre Gedanken Arznei krankem Geiste und Balsam wunden Herzen. Recht ist es, daß Sabbat für Sabbat Israel Gott Dank sagt dafür, daß er ihm Propheten gegeben hat, denn an Israels Propheten hat sich bewahrheitet das Wort: „Ich lege meine Worte in seinen Mund!" — Verkünder göttlicher Wahrheiten waren und sind sie. K.

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