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Die Wahrheit · 1926-08-13 · Heft 34 (13.8.1926) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 34 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 TSE WAffRHBT Nr. 34 Hinweis auf den Friedensfürsten, zu dessen Zeit die Herrschaft gemehrt sein und des Friedens kein Ende sein wird, auf dem Throne Davids und seinem Königreiche. Er, dem die Friedenszeit als die lichtvolle erscheint, rühmt in anderer Form: „Nicht soll fürder .in deinem Lande gehört werden Gewalt und Bedrückung, Bruch und Sturz in deinen Marken, vielmehr Heil wirst du deine Mauern nennen und deine Tore Ruhm" (60, 18). Der Friedensfürst aus Isais Stamme, aus Davids Geschlecht, bewirkt das friedliche Beisammenwohnen von zahmen und wilden Tieren, den beruhigenden Zustand zwischen Mensch und Vieh, das geschieht in den oft bewunderten und auch bildlich wiedergegebenen Worten (11, 6ff): Und es wohnt der Wolf bei dem Lamme, Und der Tiger lagert bei dem Böcklein, Und Kalb und Leu und der Mastochs sind beisammen, Und ein kleiner Knabe leitet sie. Und Kuh und Bär weiden, Zusammen lagern ihre Jungen, Und der Löwe frißt Stroh gleich dem Rind, Und es spielt der Säugling am Loche der Natter, Und in die Höhle des Basilisken streckt das entwöhnte Kind seine Hand, Nicht schaden sie und richten Verderben an auf meinem ganzen heiligen Berge. So ist hier der Friede in der Natur- und Menschenwelt gezeichnet, die schärfsten Gegensätze wirken hier harmonisch zusammen, sie werden natürlich mit Absicht gewählt, um darzutun, daß in jener Zeit erfüllt werden kann, was wir jetzt in den Zeiten der Friedlosigkeit nicht erwarten würden. Ein Abglanz dieser Verheißung ist bei Ezechiel (34, 25) zu lesen: Ich will einen Bund des Friedens mit ihnen schließen, ich will das wilde Getier von der Erde hinwegschaffen, sie werden in der Wüste in Sicherheit wohnen können, sie werden schlafen in den Wäldern (hier ist natürlich daran gedacht, daß die wilden Tiere des Waldes den Schlaf nicht stören werden), von 38: Das Getier des Landes wird sie nicht mehr verzehren, sie werden in Sicherheit wohnen, ohne daß jemand stört. Gegen die Kriegswaffen und das Kriegshandwerk, d. h. für den Frieden von hier aus betrachtet, setzt sich der Prophet mit besonderem Nachdruck ein in den unvergeßlichen Versen, die schon im Altertum selbst vom Prophetenmund zu Prophetenmund gingen, weil sie nicht übertroffen werden können: Sie werden ihre Schwerter zu Sensen umschmieden und. ihre Lanzen zu Rebmessern, nicht wird erheben ein Volk gegen das andere das Schwert und nicht werden sie fürder den Krieg lernen (Jes. 2, 4, vgl. 4, 3, beide Propheten schöpfen wohl aus einer dritten ihnen geraeinsamen Quelle). Dies verstärkt Micha 5, 9 noch so: Ich werde deine Rosse vertilgen aus deiner Mitte und deine Wagen werde ich vernichten, ich werde die Städte deines Landes vernichten und alle deine Festungen niederreißen. Alle menschlichen Hilfsmittel werden überflüssig werden, daher vernichtet sein, der Kriegswagen und Kriegsrosse wird es nicht mehr bedürfen, man setzt seine Hoffnung nicht, mehr auf Festungen und gut gesicherte Städte, der alle beseelende Friede macht diese Werke der Gewalt entbehrlich, überflüßig. Nicht plötzlich überkommt die Menschheit dieses unaussprechliche Glück des Friedens, es bedurfte ja erst seines Verlustes, um sich wieder nach ihm zu sehnen, und es wird der Vervollkommnung des Menschengeschlechtes bedürfen, um wieder zu dem paradiesischen Ideal zurückzukehren. Die mangelnde Gotteserkenntnis hatte einst das erste Menschenpaar aus dem Paradies getrieben und dem Menschen dieses genommen. Rückkehr zur Gotteserkenntnis wird die Pforten des Paradieses wieder öffnen, wie es bei Maleachi heißt: Einst be- HU Feuilleton =^=?M Die Propheten. Einen Propheten wlli ich ihnen aufstehen lassen, aus der Mitte ihrer Brüder, und ich will meine Worte ihm in den Mund legen, daß er zu ihnen spreche alles, was ich ihm gebiete. V, 18, 18 Im Talmud heißt es: Seit dem Tage, da das Heiligtum zerstört wurde, ist die Gabe der Prophetie von den Propheten genommen und den Weisen gegeben. Dieser Satz beinhaltet die Frage, ob die Weisen an Rang und Bedeutung den Propheten gleichen, oder ob die Prophetie, die den Weisen übertragen wurde, von ihrem Werte dadurch eingebüßt hat. Die Antwort darauf ist die Tatsache, daß der Weise mit seiner Weisheit und Einsicht trotzdem an den Propheten nicht heranreicht, weshalb seit altersher ein Unterschied zwischen „Nowi", dem „Propheten", und „Chochom", dem „Weisen", gemacht wurde. Durch die Einrichtung der Synagoge, der Thoravorlesung einen Abschnitt aus den prophetischen Büchern folgen zu lassen, sind einzelne Stücke der prophetischen Schriften bekannt und volkstümlich geworden. Wenn es in der hL Schrift heißt: „Die Völker, die du vertreibst, haben ihre Geheimkünstler und Wahrsager, auf die sie hören — dir aber hat es Gott, dein Herr, nicht also gestattet", so ist damit ein Gegensatz, wie er nicht größer und einschneidender gedacht werden kann, zwischen dem, was die alte Heidenweit als Propheten oder Seher bezeichnete, und dem, was der von Gott dem Volke Israel und der Menschheit gesandte „Nowi" war, ausgesprochen. Ob man an Michajaku aus Jimla denkt, der den Kampf der Lügenpropheten gegen die wahren Gottesmänner schildert, oder an Elia, der am Berge Karmel gegen die Baalspropheten eifert, ihre Torheit und ihren Betrug kundtut — es sind zwei Fälle für hunderte, die das Wesen und Wirken der Newiim, den Kampf der Wahrheit gegen die Lüge aufzeigen. Daß es aber nicht immer leicht war, den wahren Propheten von seinem gefährlichsten Gegner, dem Lügenpropheten zu unterscheiden, beweist das Wort der Schrift: „Wenn du in deinem Herzen sprichst: Wie sollen wir erkennen das Wort, das Gott nicht geredet hat?" Die Antwort lautet: „Wenn das, was der Prophet im Namen Gottes redet, nicht geschieht, nicht eintrifft, so ist das ein Wort, das der Ewige nicht gesprochen hat." Die Wirklichkeit, der Lauf der Dinge muß die Wahrheit rechtfertigen. So hat tatsächlich die Zeit und die Entwicklung der Menschheit die Ethik, die Moral, die Tugendlehre der Propheten gerechtfertigt. Was sie als gut und recht verkündeten, ist nach allen Irrungen und Irrwegen der Menschen Wahrheit geblieben, denn diese Männer, die die Genüsse des Lebens verachteten, die weder Gold noch Silber,- nicht Aemter und nicht Würden lockten, die nicht Könige noch die wilde Menge fürchteten, denen man nichts geben noch nehmen konnte, weil ihr Leben und Denken Gott gehörte, — diese Männer waren selbstlos, kannten keine irdischen Verlockungen, keinen Lohn oder Schaden auf Erden, die sie in ihrer Pflicht und Sendung hätten wankend machen können. Darum mußte man auf ihr Wort hören, ob man wollte oder nicht. Wenn der Talmud sagt „alle Propheten waren reich", so ist das richtig, denn sie waren reich durch ihre Bedürfnislosigkeit, ihre Uneigennützigkeit und Selbstlosigkeit und kein König, kein Reicher war unabhängiger als sie. „Aus dem Bache wirst du trinken und den Raben habe ich geboten, dir Speise

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