Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 32 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 12 DIE WAHRHEIT Nr. 32 Der Verein zur Versorgung hilfsbedürftiger israelitischer Waisen, Wien XIX., Probusgasse 2, veranstaltet alljährlich an den hohen Feiertagen für seine Zöglinge einen Gottesdienst, für den er einen geeigneten Vorbeter benötigt, der sich u nentgeltlich in den Dienst dieser guten Sache stellen würde. Doppeliubiläum. Herr Hermann Eltbogen, Ehrenpräsident des Brigittenauer Tempelvereines, feierte vor kurzem ein seltenes Doppeljubiläum, indem er zugleich seinen 75. Geburtstag und sein 60. Geschäftsjubiläum beging. Unsere Redaktion entbietet aus diesem Anlasse dem verdienstvollen und hochgeachteten jüdischen Bürger ihre herzlichsten Glückwünsche. Trauung. Dienstag, den 27. d. M. fand im festlich mit Blumen geschmückten und hellbeleuchteten Stadttempel die Vermählung des Fräulein Henni Feuchtwang, Tochter Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. David F e u c h t w a n g, mit Herrn Dr. Heinrich Feucbtwanger ans München statt, zu welcher Feier sich eine sehr illustre Gesellschaft eingefunden hatte. In Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde waren der Präsident Prof. Dr. Pick, ferner Vizepräsident Dr. Josef Löwenherz und Kultusvorsteher Emil Engel erschienen. Der Bethausvorstand war durch den Vizepräsidenten Doktor E. Münz und Vorsteher Gustav Planer vertreten. Ferner war der Vorstand der Währinger Gemeinde, in welcher der Vater der Braut seit vielen Jahren seine segensreiche Tätigkeit entfaltet, vollzählig anwesend. Sodann erblickte man zahlreiche Vertreter der B. B. Logen und vieler anderer humanitärer Vereine. Den Trauungsakt vollzog mit tränenerstickter Stimme der Vater der Braut. Er dankte Gott, daß er ihn diese freudige Stunde habe erleben lassen, und ermahnte das junge Paar, die Traditionen beider Familien in ihr neugegründetes Haus mitzunehmen. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor G. M a r g u 1 i e s mit verstärktem Chor und Instrumentalbegleitung in überaus feierlicher Weise. Nach dem Trauungsakt versammelten sich die Festgäste im Zeremoniensaale, woselbst dem jungen Paare, den in den weitesten Kreisen der Wiener Judenschaft geschätzten Brauteltern und den einer altangesehenen Münchner Patrizierfamilie angehörenden Eltern des Bräutigams die herzlichsten Glückwünsche entgegengebracht wurden. Linz, Vermählung. Am 25. Juli fand die Trauung des Herrn Kurt Weichselbaum, Inhaber des Schuhgeschäftes Herrenstraße 6. mit Fräulein Gertrude K o b 1 i t z, Tochter des Herrn Berthold Koblitz, Kaufmann, im hiesigen Tempel statt Silberne Hochzeit Wie wir erfahren, feiert am 4. August d. J. Herr Jonas Eibenschütz, Kantor und Religionslehrer in Floridsdorf, mit seiner Gattin Rosalie, geborenen Schlesinger, das Fest der silbernen Hochzeit. Rabbiner Dr. Salomon Breuer in Frankfurt am Main ist im 76. Lebensjahre gestorben und Erew Tischo b'Aw unter großer Beteiligung zu Grabe getragen worden. Mit ihm ist einer der angesehensten deutschen Rabbiner, der Vorsitzende des orthodoxen Rabbinerverbandes, der Führer der größten gesetzestreuen Gemeinde Deutschlands dahingegangen, wo er fast vier Jahrzehnte segensreich gewirkt hat. Ein Schüler des Kesaw S a u f e r, erhielt er seinen talmudische Ausbildung auf der Jeschiwah in Preßburg, wo er schon in jungen Jahren als eine Leuchte jüdischer Gelehrsamkeit gepriesen wurde. Seine allgemeinen wissenschaftlichen Studien betrieb er in H e i d e lb e r g; die dortige Universität erneuerte ihm erst kürzlich anläßlich der 50. Wiederkehr seiner Promotion mit Worten der höchsten Anerkennung sein Doktordiplom. Nach Abschluß seiner Studien erhielt er das Oberrabbinat in Papa (Ungarn), bis er im Jahre 1889 einen Ruf als Erbe und Nachfolger Samson Rafael Hirsch' erhielt, dessen Schwiegersohn er war. Ihm ist vor allem die Gründung der Frankfurter Jeschiwah zu danken, der ersten in Deutschland, die seitdem mustergültig für die gleichen Institutionen im Reiche geworden ist. Als Präsident der freien Vereinigung für die orthodoxen Interessen des deutschen Judentums, wie als Vorsitzender des orthodoxen Rabbinerverbandes, hat sich Rabbiner Breuer unschätzbare Verdienste für das gesamte religiöse Judentum in Deutschland erworben. Rabbi Simcha Bunim Ehrenfeld, der vor kurzem nach langem schweren Leiden verschieden ist, war der berühmte und in den weitesten jüdischen Kreisen bekannte „M a 11 e r sdorfer Raw". Ausgezeichnet durch eine ungeheure Gelehrsamkeit und durch wahrhafte Herzensgüte war er durch viele Jahrzehnte der Vater seiner altehrwürdigen Gemeinde,, ein würdiger Nachfolger des Chassam Sofer, seines Urgroßvaters, und dessen Sohnes, des nachmaligen Krakauer Raw. An dem Leichenbegängnis, das Montag, den 19. d. M., stattfand, nahmen teil die Rabbiner Baumgarten, Wien, K o h n, Deutschkreuz, mit 15 Talmidim, Kraus, Lackenbach, Lipschütz, Kobersdorf, Reich, Baden, Weiß, Wiener- Neustadt, Rabbinatsassesor Friedman, Baden, sowie die Vertreter der Gemeinden Eisenstadt, Oedenburg, Budapest, Steinamanger und Serdahely. Aus Wien waren erschienen die Vertreter der Adas Jisroel, des Beth Hamidrasch, der Agudas Jisroel, des Keren Hathora und viele Verehrer des Verblichenen. Besonders stark vertreten war Oedenburg. Die vorerwähnten Rabbiner, ferner Rabbinatsassesor Taussig und Rabbiner Benedikt priesen in bewegten Worten den großen Gelehrten und beklagten den schweren Verlust, den die Gemeinde und das orthodoxe Judentum erlitten. Zuletzt sprach Kultuspräsident Trebitsch erschütternde Worte der Dankbarkeit und der Klage um den Heimgegangenen. Todesfälle. Donnerstag, den 22. Juli, verschied nach kurzer Krankheit im 48. Lebensjahre Herr Robert Heß, Direktor des Variete „Reklame" und Vergnügungsetablissements „Pavillon". Der Verblichene, der eine untröstliche Gattin hinterläßt, war wegen seines Rechtlichkeitssinnes in Künstlerkreisen bestens bekannt, wie man ihn auch wegen seiner Rastlosigkeit überall rühmte. Die Beerdigung fand Sonntag, den 25. d. M., statt. Die große Zahl der Trauergäste, die dem Verewigten die letzte Ehre erwiesen, darunter die Herren Adolf und Sandor Brett, die in dem Hingeschiedenen einen treuen, strebsamen Mitarbeiter verloren, gab überzeugenden Beweis für die Sympathien, deren sich Herr Direktor Robert Heß erfreute. Dies betonte auch Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald in seiner gehaltvollen Trauerrede, in der er davon sprach, wie der Hingeschiedene Zeit seines Lebens treuer, aufopfernder Arbeit ergeben war. Am offenen Grabe widmete Präsident A. Barkay namens der internationalen Artistenvereinigung dem Verblichenen herzliche Worte des Abschiedes. Die kantorale Funktion versahen die Herren Oberkantor Heinrich Fischer und S. Postolow mit großer Assistenz. — Sonntag, den 25. d. M.. wurde Herr Emil Neuer, welcher am 23. Juli im 59. Lebensjahre nach einer jahrelangen schweren Krankheit gestorben ist, zu Grabe getragen. Das hohe Ansehen, das der Verstorbene wegen seiner hervorragenden Eigenschaften allgemein genoß, kam so recht durch die außerordentliche Beteiligung beim Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hob in seiner Ansprache, die alle Anwesenden zu Tränen rührte, hervor, daß der Hingeschiedene als leuchtendes Beispiel gottgefälligen Lebenswandels gelten könne. An der Bahre trauern seine untröstliche Gattin Auguste Neuer, seine Geschwister Simon Neuer und Anna Horowitz, seine Schwiegermutter Rosa Bauer sowie sämtliche Schwäger, Schwägerinnen, Neffen und Nichten. Die kantorale Funktion versah Herr I. Kantor A. Stift. Herr Max Schidlo, Schüler des Oberkantors M. Faust, wurde vom Israel. Tempelverein für den XI. Bezirk zum Oberkantor bestellt. Spaltung im Ku-Klux-Klan. Der Ku-Klux-Klan ist bekanntlich eine amerikanische Feme-Organisation gegen Juden, Katholiken und Neger. Nunmehr hat eine oppositionelle Gruppe des Geheimverbandes eine neue Gesellschaft unter dem Namen „Supreme Kingdom" gebildet. Dieser Bund wird auch Juden und Katholiken offenstehen. (Gar zu gütig!) £. Sdkattd folin Wim II.. (PKotexstKaßa Jim. Sit Tel. 43-4-10 Elegante Herrengarderoben Feinste Herrenwäsche