Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 32 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3064003--14752-3082328- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite Ö DIE WAfflSföTi ffr. « wohnern unseres Landes erscheint es geboten, daß von Seiten der Behörden schleunigst alle Maßnahmen getroffen werden, um den Wahrheitsgehalt in diesen antisemitischen Zeitungsnachrichten auf das genaueste festzustellen und die näheren Umstände jener Kindermorde der Oeffentlichkeit bekanntzugeben. Ebenso wie wir unsere Republik von der Seuche des Antisemitismus frei zu wissen wünschen, ist es ein selbstverständliches Gebot der Menschlichkeit, dafür zu sorgen, daß wahre oder erfundene Vorfälle in der Tschechoslowakei auch den Antisemiten anderer Länder nicht die Unterlage für ihre frevelhafte Volksvergiftung verschaffen. In einem Staate, an dessen Spitze ein M a s a r y k steht, ist es jedenfalls nicht wahrscheinlich daß die fluchwürdige Ritualmordhetze, die sich vor Jahrzehnten an den Po Inaer Mordprozeß anschloß, unter den Augen der Behörden eine Auferstehung feiern könnte. Wenn aber die tschechoslowakische Republik aus jenem Prozeß und ähnlichen Prozessen in anderen Ländern im Geiste Masaryks die richtigen Lehren ziehen will, so muß sie dafür Sorge tragen, daß auch der geringste Keim dieser antisemitischen Schmach in den ersten Anfängen vertilgt wird und Meldungen von der Art, wie sie das Münchener antisemitische Blatt verbreitet, nicht gleichgültig aufgenommen werden. Jacob Joel Braun. Rücksichtsloser Kampf. Wir lesen in der „Central-Vereins-Zeitung" : „Seit einigen Monaten wird in der zionistischen Presse Deutschlands anhaltendSturmgegen den C. V. geblasen. Woche für Woche greifen die „J ü d i s c h e Rundschau", das offizielle Organ der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, und die Breslauer „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" den Centraiverein mit einer Gehässigkeit und in einer Form an, die unseren völkischen Feinden anzustehen pflegen. Ersichtlich handelt es sich um eine allgemein ausgegebene Losung, den Centraiverein, wo auch immer und um jeden Preis, zu befehden, damit er in der jüdischen Oeffentlichkeit angeschwärzt wird und allen möglichen Abbruch erleidet. Ob dabei die Abwehr- und Aufklärungsarbeit des C. V., die allen deutschen Juden zugute kommt, geschädigt wird, ist diesen nationaljüdischen Politikern gleichgültig. Ganz ohne Scheu — und das ist dankbar zu begrüßen — hat nun die Deutsche Abteilung der Zionisten-Revisionisten bei ihrer jüngsten Delegiertentagung unter Dr. J.Brutzkus die Karten des Spieles gegen den Centraiverein aufgedeckt. Gewiß stellt diese Gruppe nur den linken Flügel der deutschen Zionisten dar; aber wir sollen uns hüten, ihren Einfluß, insbesondere in Palästina, zu unterschätzen. Außerdem gehören ihr Männer an, deren Namen im zionistischen Leben weit bekannt sind, Dr. Nachum Go'ldmann, Dr. Jakob K1 a t zkin, Dr. Max Solo weit schik, Dr. Paul Arnsberg (Frankfurt a. M.). Diese Richtung hat auf der Delegiertentagung laut Meldung der „Jüdischen Rundschau" (Nr. 53) „einenrücksichtslosen Kampf gegen den Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gefordert". Näheres zu dieser offenen Kampfansage wird nicht mitgeteilt. Mit dieser Entschließung haben die Zionisten-Revisionisten nur dem Vorgehen der gesamten zionistischen Presse gegen den Centralverein den sprachliehen Ausdruck verliehen: daß der Kampf gegen uns tobt, haben wir hier schon erwähnt. Wie „rücksichtslos" er gehandhabt wird, möge folgendes Beispiel beweisen: Das „Deutsche Tageblatt", das Organ der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung, hat einen phantasievollen, lächerlichen Artikel, „Eine zionistische Mordzentrale aufgedeckt", veröffentlicht. Darin waren der „Groß-Orient" und die Alliance israelite universelle als Teilnehmer der Verschwörung namentlich genannt. Wir baten die Alliance um Aeußerung. Sie schrieb uns, was jeder Unvoreingenommene wußte, daß die Anschuldigung, „soweit sie die A11 iance betrif f t, verleumderisch" sei. (Die ,-,Wahrheit" hat darüber berichtet.) Und, nun staune, lieber ileser und liebe Leserin! Die „Jüdische Rundschau" schreibt tatsächlich das Folgende: „Soweit sie die A. I. U. betrifft..." Das druckt der Centraiverein ohne ein Wort der Ergänzung. Gewiß kann die A. I. U. nur antworten, soweit sie selbst betroffen ist. Aber der Centraiverein hält es nicht einmal für nötig, hinzuzufügen, daß auch alle anderen viel schlimmeren Beschuldigungen als die gegen die A. I. U. erhobenen, selbstverständlich frei erfundene Verleumdung sind. Durch die Rechtfertigung der Alliance gegenüber dem relativ harmlosen Vorwurf, der i h r gemacht wurde, erregt der Centraiverein den Anschein, als ob, soweit die Zionisten inBetracht kommen, die Sache offenbar ihm nicht genügend geklärterscheintunder sich jedenfalls in dieser Frage nicht exponierenwill. Kann diese Zweideutigkeit an Erbärmlichkeit überboten werden?" „Niedriger hängen!" ist die Antwort darauf; denn man muß vor Staunen starr sein, wenn man den Text des „Deuts c h e n T a g e b 1 a 11 e s" mit dem Kommentar der „Jüdischen Rundschau" vergleicht. Wer nämlich das „Deutsche Tageblatt" gelesen hat, muß bemerkt haben, daß zwar von einem zionistischen Mordplan die Rede,ist, aber irgendeine zionistische Organisation mit keinemWorte erwähnt wird. Als einzige namentlich aufgeführte Organisation ist neben der Alliance nur der freimaurerische „Groß- Orient" angeführt, der mit dem Judentum nicht das geringste gemein hat. Jeder Klardenkende sieht zum ersten deutlich, daß, wenn die Alliance schreibt, „soweit die selbst in Frage kommt", sie unter den nicht in Frage kommenden den Groß- Orient meint, der sich selbst sicherlich zu wehren wissen wird. Ueber die ungeheuerliche Unterstellung, als glaubten w i r etwa an eine „zionistische Mordzentrale", ist unter Vernünftigdenkenden, zu denen wir auch den allergrößten Teil der Leser der „Jüdischen Rundschau" rechnen, kein Wort zu verlieren. Die nationaljüdische Presse mag über uns herfallen, so oft und so viel sie will. Sie wird uns nicht aus der Ruhe bringen. Wer sich aber einredet und planmäßig darauf hinarbeitet, den Centraiverein zu erschüttern, der hat sich gründlich verrechnet. Sein einziger Erfolg wird sein, daß solche Treibereien von der erdrückenden Ueberzahl der deutschen Juden bald erkannt und in ihrer Böswilligkeit. gebrandmarkt werden." Wer erinnert sich angesichts dieses Vorgehens der deutschen Zionisten gegen den Centraiverein nicht der gleich vornehmen Kampfmethoden unserer Jüdischnationalen gegen die „Union"? zsjuaas^s^^m^^um