Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 32 (30.7.1926)
- Date
- 1926-07-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Mr. M Dlfe WAHftHElf Seite 5 von ihm dermaleinst die Wiederbelebung des ganzen Organismus ausgehen werde. Die Gräber der Verstorbenen zu besuchen, ist eine Sitte, so alt, wie das jüdische Volk. Schon die Bibel eifert dagegen, weil sie damit Zauberwahn und Götzendienst . verband. Im Talmud (Thaanith 16 a) finden wir den Brauch erwähnt, an Fasttagen wegen allgemeiner Unglücksfälle die Grabstätten der Verstorbenen aufzusuchen, „damit ihre Seelen bei Gott Fürbitte für uns halten." Zahlreiche Legenden und sinnige poetische Aggadasprüche schreiben solches den biblischen Persönlichkeiten zu. Hier waltet also die Vorstellung ob, daß die Seelen der Abgeschiedenen, von den Fesseln des Irdischen befreit und der Sünden ledig, Gott näher stehen als die Lebenden und darum bei ihm durch die Bitte mehr ausrichten können als diese. Logisch betrachtet läßt diese Vorstellung sich nur schwer mit der anderen vereinbaren, daß die Lebenden sich um das Seelenheil der Verstorbenen mühen müssen; aber wann hätte das Menschenherz und die Volksphantasie sich je um die strenge Logik gekümmert? Die Völkerpsychologen sprechen von einem Gesetz der Verträglichkeit sich ausschließender Vorstellungen in der Volksseele. Diese können ruhig nebeneinander bestehen, es kommt nur darauf an, was für Früchte sie treiben. Natürlich haben sich die Juden, von den Volkslehrern und Rabbinern immer von neuem ermahnt, stets davor gehütet, etwa die Toten als Geister anzubeten. Zwischen dem unwiderstehlichen Drange, am Grabe eines geliebten oder verehrten Toten das Herz auszuschütten, „sich auszuweinen", und der religiösen Forderung sich vor allem Zauberwerk und Fetischdienst in acht zu nehmen, ist denn auch ein Kompromiß zustande gekommen, das in der Fassung der Gebete beim Gräberbesuch sichtbar wird. (Schluß folgt.) Jadische Frauenideale. Eine Blütenlese von Dr. Max G r u n w a 1 d. Märtyrerinnen. (Aus Josef ha-Kohens „Emek habacha".) (Fortsetzung.) Es zogen alle Scharen des Herrn, die Exulanten Jerusalems in Spanien aus jenem verwünschten Lande im fünften Monate des Jahres 5252, d. i. im Jahre 1492, und von dort zerstreuten sie sich nach allen Weltgegenden. Aus dem Hafen von Cartagena zogen am Freitag, dem zehnten des Monats Ab (3. August), 16 große Schiffe, mit Menschenscharen gefüllt, ohne die, die das Nämliche in den anderen Provinzen des Königreichs taten, und begaben sich, wohin der Geist sie gehen trieb, nach Afrika, Asien, Griechenland und der Türkei und blieben daselbst bis auf den heutigen Tag. Große und schwere Leiden mit mannigfachen Fährlichkeiten trafen sie, es mißhandelten sie die Seeleute von Genua gar sehr und die Leute schmachteten dahin auf dem Wege. Einen Teil von ihnen töteten die Muselmänner, um ihnen das Geld zu entreißen, das sie, um es zu verbergen, verschlungen hatten. Einen anderen warfen sie ins Meer. Einige verzehrte die Pest und der Hunger, andere wurden nackt von den Schiffskapitärien auf den Inseln ausgesetzt und noch andere wurden in jenem schrecklichen Jahre zu Sklaven und Sklavinnen in dem stolzen Genua und den dazu gehörigen Ortschaften verkauft. Unter denjenigen, die zu Schiffe nach Italien gekommen waren, befand sich ein Vorbeter namens Josef Zibon, der einen Sohn und mehrere Töchter hatte, an deren einer das Herz des Schiffskapitäns hing. Als seine Frau dies hörte, zog sie es vor, sich selbst zu töten. Sie warf ihre Töchter ins Meer und stürzte sich ihnen nach. Bei der Kunde hiervon entsetzten sich die Matrosen gar sehr, tauchten ins Meer, um sie wieder in das Schiff heraufzubringen und so blieb eine damals in ihrer Gewalt. Eine ihrer Schwestern hieß Paloma (Taube); auf diese stimmte ihr Vater ein Klagelied an mit den Worten: „Und sie nahmen die Jona (Taube) und warfen sie ins Meer." Viele blieben in Spanien, die entweder die Kraft nicht hatten, wegzuziehen oder deren Herz von Gott nicht erfüllt war, und so wurden damals viele zum Abfall verleitet. Im Jahre 1494 hatten die Diener des Königs von Portugal, die mit Schiffen das Meer befuhren, die Insel entdeckt, die sie San Thomas nannten und woselbst sich nur jene großen Fische befinden, die dort auftauchen und Lagartos heißen, wie auch Schlangen, Kröten und Basilisken. Dorthin pflegte der König jeden Verbrecher und jeden zum Tode Verurteilten zu schicken und auch jene armen Juden schickte1 er mit solchen dorthin, ohne daß ihnen jemand beistand. Unter Weinen erhoben die Mütter ihre Stimme, als jene Unmenschen ihnen die Kinder vom Schoß% rissen und ihre Männer rauften sich vor Seelenschmerz in jener Schreckenszeit den Bart aus. Viele taten vor dem Könige einen Fußfall und sprachen: „O, so lasse uns doch mit ihnen ziehen." Aber gleich einer tauben Otter wollte er sie nicht anhören und würdigte sie keines Blickes. Eine Frau, die ihr Kind an die Brust gedrückt hatte, stürzte infolge ihres Seelenkummers aus dem Schiffe ins Meer und beide fanden also ihren Tod. Schauet und sehet, ob solches wohl schon geschehen ist! Als sie in San Thomas waren, wurden sie zum Teil von den Lagartos verzehrt, zum Teil starben sie aus Mangel an allem Bedarf; nur sehr wenige von ihnen retteten sich und ihre Eltern trauerten um sie lange Zeit. Im' Jahre 526.6, d. i. im Jahre 1506, zogen zwei Dominikanermönche in Lissabon aus, das Kreuz in ihrer Hand, versammelten die Bewohner des Landes, damit sie sich ihnen anschlössen, für ihren Messias Rache zu nehmen. Hierauf fielen sie über die mit Gewalt Getauften plötzlich wie Bären und Wölfe her, erschlugen von ihnen an 4000 Personen mit dem Schwerte und streckten nach Plünderung ihre Hand aus. Sie mißhandelten ihre Jungfrauen und Weiber und warfen Frauen gesegneten Leibes zum Fenster hinaus auf die Lanzen, die andere unten in die Höhe hielten. Eine Frau erschlug einen von den Mönchsbrüdern, der sie hatte entehren wollen, mit dem Gerät, das er in seiner Hand hielt. 1531 flohen viele aus Portugal auf allen Wegen, nach allen Richtungen, wie vor einem Schwerte, und solches geschah täglich, und nachdem sie aus dem eisernen Ofen aus Portugal entkommen waren, trafen sie unterwegs zahlreiche und schwere Leiden; denn einige von ihnen wurden in Spanien und andere in Flandern ergriffen und in England und Frankreich haßte man sie sehr, und so gingen sie damals samt ihrem Besitze zugrunde. Diejenigen, die nach Deutschland gezogen waren, kamen in den Gebirgen um und ihre Frauen blieben als Witwen und ihre Kinder als Waisen in einem Lande zurück, wo man ihre Sprache nicht verstand und verweichlichte Frauen brachten ihre Kinder in den Bergen zur Welt und starben dort aus Mangel an allem und infolge der furchtbaren Kälte. Auch als sie nach Italien zogen, stand ihnen der Spanier Juan della Pojh hinderlich entgegen, der an der Grenze von Mailand wie eine Otter am Wege stand, sie und ihre Habe ergreifen ließ und sie mit Ruten züchtigte, damit sie bekennen sollten, was sie verborgen hätten und wer ihnen nachfolgen werde. Auch die Frauen ließ er züchtigen und verbitterte ihnen das Leben, damit sie das Silber und Gold hergäben, das sie bei sich trügen; er schonte das Ansehen der Greise nicht und füllte seine Wohnungen mit geraubtem Gute. Andreas Doria, der Flottenadmiral des Kaiser Karl, zog gegen die türkischen Städte im Jahre 1532 zu Felde. Auch Patras wurde erobert, woselbst die Juden ebenfalls zum größten Teile den Taumelskelch in jener schrecklichen Zeit leeren mußten. Ein Teil wurde in Zenta ausgelöst, andere wurden als Sklaven an verschiedenen Orten verkauft und noch andere in demselben Jahre in Italien losgekauft. Unter den Vertriebenen, die zu Schiffe ankamen, befand sich ein wackeres Weib, namens Ester, die Frau des R. Jakob ha-Cohen. Als der Schiffskapitän zu dieser sprach: „Wohlan, ich will mich dir nähern," folgte sie ihm, verhüllte sich und stürzte sich aus dem Schiffe ins Meer, wobei sie ihren Tod fand, bevor man wußte, wohin die Frau gegangen war, und man wunderte sich über sie sehr. (Fortsetzung folgt.) Kai&29Bfcf- ^m^mmrms$MiH