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Die Wahrheit · 1926-07-23 · Heft 31 (23.7.1926) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 31 (23.7.1926)
Date
1926-07-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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sich die Hand, während der Jude sie segnet. Dieses „Die Mogel-Brüder" betitelte Flugblatt enthält Angriffe auf Erzberger, Scheideraann, Sydekum und den früheren Reichspostminister Giesberts. Der Reichstagsabgeordnete Giesberts hat wegen des schwerbeleidigenden Inhalts durch seinen Rechtsanwalt Dr. Klee (Berlin) Klage erhoben und das Amtsgericht Leipzig hat den Verlagsbuchhändler Walter Arno K r a m e r wegen begangener öffentlicher Beleidigung des Reichspostministers a. D. Giesberts zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. Agrarischer Antisemitismus und jüdisches Geld''. Dem Pressedienst des Deutschen Landarbeiterverbandes ist ein interessantes Rundschreiben in die Hände gefallen, das am 28. Februar 1924 der Pommersche Landbund an seine Arbeitgeber-Mitglieder versandte: Geheim! Tgb. Nr. 1001/1 24. Danach hat unter dem 16. Februar der erweiterte Vorstand der Bauerngruppe an die Großgrundbesitzer des Kreises ein Schreiben gerichtet, nach dem sich die Großgrundbesitzer verpflichten sollen, ein für allemal den Handel mit jüdischen Firmen und die Inanspruchnahme jüdischen Kapitals abzubrechen und auch nicht wieder zu eröffnen. Der Kreisvorstand, gez. v. Below-Saliske, begrüßt die Tendenz des Rundschreibens der Bauerngruppe, setzt jedoch hinzu: Eine Verpflichtung „ein für allemal" ist nicht anzuraten. Den Abbruch der Inanspruchnahme jüdischen Kapitals zu versprechen, geht schon deswegen nicht an, weil man über die Begriffsbestimmung dessen, was als jüdisches Kapital anzusehen ist, zweifelhaft sein muß. Es besteht die berechtigte Ansicht, auch -die Reichsbank als eine jüdische Kapitalsquelle anzusehen, da der Verwaltungsrat der Reichsbank sich im wesentlichen aus Juden zusammensetzt. Trotzdem stellt die Reichsbank zurzeit nahezu die einzige Geldquelle dar, aus der das Wirtschaftsleben gespeist werden kann. Auf der andern Seite erscheint uns die Erklärung, die von der Bauerngruppe gefordert wird, nicht ausreichend zu sein. Es wird sich bei einer vernünftigen Gestaltung der wirtschaftlichen Verhältnisse im Handel mit unseren Produkten nicht vermeiden lassen, auch den Handel mit einigen christlichen Firmen abzubrechen. Voraussetzung für alle Maßnahmen muß aber sein, daß ein Unterbau geschalten wird, der den Landwirten die Befolgung von Beschlüssen in der genannten Beziehung ohne die sichere Erwartung von Verlusten ermöglicht. Ueber all diese Fragen berät bereits in den nächsten Tagen der Vorstand der Arbeitgebergruppe. Wir bitten infolgedessen unsere Mitglieder, mit ihrer Antwort an Exzellenz von der Marwitz solange warten zu wollen, bis die Beschlüsse des Vorstandes der Generalversammlung der Arbeitgebergruppe und nach Möglichkeit auch die Beschlüsse der Generalversammlung der Arbeitgebergtruppe vorliegen. Der Vorstand der Arbeitgebergruppe wird sich mit dem Vorstand der Bauerngruppe ins Benehmen setzen, daß bei aller Anerkennung der Richtigkeit der Tendenz die Einzelheiten der geforderten Erklärung einer Aenderung bedürfen, deren Beratung nicht über das Knie gebrochen werden darf. Der Junker v. Below will es hier halten wie mit französischem Wein: die Juden kann er nicht leiden, aber anpumpen tut er sie gern. Ungezählte Junkersprossen hatten solche Sehnsucht nach jüdischem Geld, das sie, war es nicht anders zu erlangen, so wie Nadossy eine Jüdin als Eheweib dazu nahmen. Auch in der Schweiz, in einem Lande, in welchem der Judenhaß nie festen Fuß fassen konnte, und drei Nationen in Eintracht nebeneinander wohnen, beginnen antisemitische Einflüsse geltend zu werden. Die große reichsdeutsche Giftküche des Antisemitismus, die auch die Judenfeinde anderer Länder ständig mii „Material" versorgt, scheint für ihre Produkte nunmehr auch in der freien Eidgenossenschaft willfährige Abnehmer gefunden zu haben. In Schaffhausen erscheint die ..Schaffhausener Zeitung, Amtliches Publikationsorgan für Stadt und Kanton Schaffhause n", ein Blatt also, das amtlichen Charakter besitzt, sich aber gleichzeitig als „K a t o 1 i s c h e s Tageblatt'* bezeichnet, obwohl daselbst auch eine große Zahl von Protestanten wohnen. Dieses Blatt brachte in seiner Ausgabe vom 25. Mai einen Leitartikel mit der Ueberschrift .,D i e Herren der W e 11". Die „Herren der Welt sind nach Ansicht der „Schaffhausener Zeitung" die Juden und der ihnen gewidmete zweispaltige Leitartikel war ein Hetzartikel niedrigster Sorte, dessen „Made in Germany" unverkennbar ist. Er enthält die absurden Verdrehungen und Verleumdungen, die in den antisemitischen Lügenfabriken des Reiches täglich und stündlich fabriziert, werden, in unverfälschter Form; denn die Redaktionelles „Amtlichen Pub1 i k a t i onsorganes für Stadt und Kanton Schaffhausen" hat sich nicht einmal die Mühe genommen das (für reichsdeutsche Leser bestimmte) antisemitische „R o hm a t e r i a I" entsprechend zu redigieren. Es findet sich nämlich in obgenanntem Artikel unter anderem auch folgende Stelle: „Die wichtigsten Lehrkanzeln in den Universitäten Europas sind von Juden besetzt, fast die ganze freisinnige Presse ist in ihren Händen: Ist das nicht beschämend, vor allem für uns Deutsche?" Es ist begreiflich, daß der Abdruck, oder besser gesagt, Nachdruck eines wüsten antisemitischen Hetzartikels durch ein offizielles Schweizerorgan die Schweizer Judenschaft, die derartiges nicht gewohnt ist und gegen antisemitsche Infektion noch nicht so abgestumpft ist wie die reichsdeutsche und österreichische, in Erregung versetzt hat. Das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz", durch das wir auch auf dieses bedauerliche Vorkommnis aufmerksam werden, fordert ein energisches Einschreiten des Schweizer israelitischen Gemeindebundes gegen derartige Erscheinungen. Es schreibt: „Die Juden von Schaffhausen dürfen sich in einem amtlichen Organ einen derartigen antisemitischen Hetzartikel nicht gefallen lassen, und der Schweizer israelitische Gemeindebund, auf dessen Programm die Bekämpfung des Antisemitismus steht, muß sich mit Entschiedenheit hinter sie stellen. Seit einiger Zeit spielen die reichsdeutschen antisemitischen Einflüsse wieder stärker nach der Schweiz hinüber, wie man überall beobachten kann. Im Amtlichen Organ von Stadt und Kanton Schaffhausen nimmt man sich nicht einmal mehr die''Mühe, die Zusammenhänge zu verbergen und reiht sich offen und ehrlich unter die Mannen des antisemitischen Auslandes ein." Zum Schlüsse noch eine ganz bescheidene Frage: Sollten die allmächtigen „Herren der W e 11" nicht fähig sein, die „Schaffhausener Zeitun g" dazu zu veranlassen, sich auch dem Judentume gegenüber jener Objektivität zu befleißen, die eines „Amtlichen Organes" würdig ist und vor allem seinen Lesern keine Lügen aufzutischen, die bereits tausendmal widerlegt sind. Besitzen sie aber nicht die Fähigkeit, wie steht es dann wieder mit ihrer „Allmacht"? Der Numerus clausus in Ungarn. In Verbindung mit der Rückkehr des Ministerpräsidenten Graf Bethlen aus Genf erschien eine Abordnung jüdischer Bürger beim Unterrichtsminister Grafen Klebeisberg und ersuchte um Einlösung seines Versprechens, daß das Gesetz vom Numerus clausus abgeändert werde und daß die jüdische Jugend Lernfreiheit in ihrer Heimat erhalte. Graf Klebeisberg erwiderte der Numerus clausus müsse solange aufrecht erhalten werden, als sich nicht die soziale Lage gebessert habe; jetzt aber könne man den Zustrom zu den intellektuellen Berufen noch nicht freigeben. Die Antwort Graf Klebeisbergs, der . ein altbekanntes, oft schon widerlegtes Argument für den Numerus clausus gegen Juden ins Treffen geführt hat, hat auf die jüdischen Kreise niederdrückend gewirkt. Laut den Versicherungen Bethlens und Klebeisbergs gegenüber dem Völkerbund in der vorangegangenen Session in Genf hat man mit einer Abänderung des Numerus clausus-Gesetzes noch vor dem im Herbst beginnenden Universitätsjahr ganz bestimmt gerechnet. Erwünschte und unerwünschte Gäste in Moskau. Die Führer des amerikanischen Joint Dr. Newman, Prof. Hexter und Captain Cannon sind in Moskau eingetroffen, dort feierlich empfangen worden und haben sich mit dem Präsidenten der Moskauer jüdischen Gemeinde, Herrn Albert Fuchs, für drei Wochen nach Südrußland begeben. — Die russische Regierung hat dem Direktor des Einwanderungsamtes der Palästinaregierung, Hyamsohn, die Einreise verweigert. Diese verschiedenartige Behandlung jüdischer Ausländer in Rußland hängt mit der Sympathie der dortigen Regierung für das durch den Joint geförderte Krimprojekt zusammen. Ungarische Justiz. Der frühere Sektionsrat Dr, Ladislaus D o m o k o s veröffentlichte in seinem Blatte „A Rög" einen Artikel, der sich scharf gegen die Verfügung der medizinischen Fakultät der Szegeder Universität wandte, wonach die Hörer jüdischer Konfession den Vorlesungen solange fernzubleiben hätten, bis es jüdische Leichen zum Sezieren geben würde. „Der Senat," hieß es in dem Artikel, „fordert die israelitischen Kultusgemeinden_auf, von nun an nicht mehr für die Bestattung ihrer armen Glaubensgenossen zu sorgen ... als ob wir im finstersten Mittelalter wären, wo die Söldlinge der Päpste die Unglücklichen, die zu einem anderen Gotte beteten,, auf den Scheiterhaufen, schleppten." Auf Grund dieses Artikels wurde gegen Domokos die Anklage wegen Schmähung der ungarischen Nation und konfessioneller Aufreizung erhoben. Er wurde zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt.

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