Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 31 (23.7.1926)
- Date
- 1926-07-23
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr , 31 DIE WAHRHEIT Seite 7 gung. Sodann schickte der Graf einen Juden, um bei ihnen anzufragen, welche Summe sie wohl für sich als Sühnegeld erlegen würden, damit sie am Leben blieben. Jene berieten sich und erklärten, ihm hundert Livres geben und ihre Schuldenforderungen abtreten zu wollen, die etwa 180 Livres betrugen. Während sie dies noch besprachen, trat der Bischof ihnen hindernd entgegen und sprach zu dem Grafen: „Kehre dich nicht an ihr Geschenk!" Und er wendete seinen Sinn, so daß er auf ihre Stimme nicht hörte. Auf Befehl des Tyrannen brachte man sie in ein hölzernes Haus, das man mit Holz und Reisern ringsherum umgab und nachdem man sie ins Freie hinausgelassen hatte, rief man ihnen zu: „Erhaltet euch und werdet wie wir, dann sollt ihr leben und nicht sterben!" Als sie aber von ihrem Gotte nicht ablassen wollten, schlugen und quälten sie sie, um zu sehen, ob sie sie vielleicht von dem Herrn, dem Gotte Israels, würden abbringen können. Jene aber weigerten sich und sprachen zu einander: „Wir wollen mutig und stark sein für unseren Gott, denn wir sind sein Volk und die Herde seiner Weide; möge der Herr, was ihm recht scheint, tun, denn außer ihm gibt es keinen Gott." Auf Befehl des Tyrannen ergriffen sie den R. Jechiel ben David und R. Jekutiel ben Jehuda, beide aus dem Priestergeschlechte und Schüler des R. Samuel, und auch den R. Jehuda ben Ahron, banden sie mit Stricken und zündeten das Holz an. Als nun das Feuer die Stricke um ihre Hände ergriffen hatte, zerrissen diese, kamen alle drei heraus und sprachen zu den Dienern des Tyrannen: „Sehet, das Feuer hat über uns keine Macht, warum sollten wir nicht herauskommen?" Doch jene erwiderten: „Bei unserem Leben, ihr dürft nicht heraus." Hierauf drangen sie auf sie ein und trieben sie zum zweiten Male in die Brandstätte. Aber sie kamen wiederum heraus, ergriffen einen Christen und zogen ihn mit sich auf den HolzstofS, da unter ihnen starke Männer waren. Die Christen entrissen ihn jedoch mit Anstrengung ihren Händen, erschlugen sie mit dem Schwerte und warfen sie ins Feuer. Aber weder sie noch die übrigen Juden, von denen 31 Personen mit ihnen da waren, verbrannten und nur ihr Odem ging ihnen aus und sie starben vor dem Herrn. Als dies die Christen sahen, staunten sie einander an und sprachen: „Wahrlich, dies waren Heilige, denn sie sind geheiligt worden, ein Finger Gottes ist dies." Ihr Töchter Israels, weinet um jene lautern Seelen, die geliebt und hold waren, während ihres Lebens wie nach ihrem Tode. Euere Brüder, das ganze Haus Israels, mögen beweinen den Brand, den angerichtet haben die Feinde der Herren. (Fortsetzung folgt) Glossen. Der Papst hat Monsignore Aseldank, dem Gründer der katholischen „Gesellschaft der Freunde Israels" gegenüber Aeußerungen über den Antisemitismus gemacht, die begreiflicherweise großes Aufsehen erregen. Daß der Papst sich als einen Gegner des Antisemitismus bekennt, der ja nichts anderes als die schändlichste Verhöhnung des Evangeliums bedeutet, ist selbstverständlich. Aber ungemein wichtig und besonders beachtenswert erscheint der Hinweis des Papstes auf die Tatsache, daß der Antisemitismus sich schon zu einer Gefahr für die katholischen Länder auswachse. Se. Heiligkeit bestätigt damit nur, was von jüdischer Seite oft und oft festgestellt wurde, daß der Antisemitismus im letzten Grunde eine weitaus größere Gefahr für die christliche Religion als für das Judentum bilde. Der Antisemitismus schadet den Juden, hemmt sie im Kampfe ums Dasein, verletzt sie in ihrer bürgerlichen und menschlichen Ehre, aber dem Christentum schlägt der Antisemitismus noch tiefere Wunden; er untergräbt die Grundlagen seiner Religion. * fi * Die Versicherung des Papstes, daß er nicht nur ein Gegner des Antisemitismus, sondern auch ein Freund der Juden sei, wird in den antisemitischen Hetzblättern mit den hämischesten Bemerkungen glossiert. Einige versteigen sich sogar zu der Behauptung, sie sei von Juden erfunden worden, ein Papst könne nicht ein Freund der „Abkömmlinge Abrahams" sein. Da will es ein pikanter Zufall, daß einer der berühmtesten christlichen Gelehrten Franz Delitzsch im Jahre 1880 in seiner Streitschrift gegen einen der berüchtigtesten Antisemiten, gegen Rohling, folgende wohlverbürgte Episode verzeichnet. Als im Jahre 1869/70 das vatikanische Konzil tagte, ließ sich Papst Pius IX. die Abbes Brüder Leman aus Lyon — die jüdischer Abstammung waren und auch als katholische Priester wiederholt für die Ehre ihrer früheren Glaubensgenossen eingetreten waren — vorstellen. „Der Papst — schreibt Delitzsch — hieß die Brüder, als sie vor ihm erschienen waren, mit den Worten willkommen: Siehe da, die beiden Priester, welche viel Eifer für das Wohl ihres Volkes haben. Ja, meine Kinder, ihr seid Söhne Abrahams und ich a ti c h." Also ein Papst kann nicht nur ein Freund der Abkömmlinge Abrahams sein, sondern sich auch mit Stolz einen Sohn Abrahams nennen. * * * Der große indische Dichter und Denker Tagore hat sich anläßlich seines Besuches in Wien auch über die Judenfrage ausgesprochen. Er sagte u. a.: „Es ist für die Welt ein Segen gewesen, daß die Juden imstande waren, der Welt so viel zu geben. Europa hat an die Juden eine Dankesschuld abzuzahlen; so viel große Persönlichkeiten hat das Judentum Europa geschenkt." Die „völkischen" Literarhistoriker, die der arischen Jugend ein so genaues Konto über die Beträge vorlegen, die Gotthold Ephraim Lessing von den Juden für den einen „Nathan" erhielt, den er Europa geschenkt, werden gewiß auch rechtzeitig genau die Summe eruieren, die Tagore als Dankesschuld von der Alliance israelite für seine Bemühungen einkassierte. Man bedenke doch, der greise Mann ist eigens aus Indien nach Wien gereist, um hier die Legende zu erdichten, daß das Judentum „so viele" große Persönlichkeiten Europa geschenkt hat. Was ist dagegen der eine Nathan! So was muß gut bezahlt werden, und dafür haben die Juden, so schmutzig sie auch sonst in Geldsachen sind, immer Geld. * * * Die Budapester Polizei hat infolge einer Verkettung unglücklicher Zufälligkeiten nicht umhin können, die ihr bekannt gewordenen Urheber des jüngsten Bombenanschlages vorzuladen. Aber die Polizei konnte in Würdigung des Umstandes, daß Restaurant Guth II.» Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Mittags- und Abenö-Menu nach Wahl S 2— Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Zum Besuch ladet höfl. ein y GUTH, Besitzer.