Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 30 (16.7.1926)
- Date
- 1926-07-16
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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rtr. 30 3 Endlich einmal eine gerechte Entscheidung. Der Minister für Kultus und Unterricht hat eine Anfrage, ob er die Verweigerung der Benützung der Aula für eine völkische Feier billige, bei der die Veranstalter auf die Anbrragunig von Hakenkreuzen In der Aula nicht verzichten wollten, folgendermaßen beantwortet: „Das Kultusmimsterium billigt das Vorgehen. Wenn die Aula einer staatlichen höheren Schule an eine Vereinigung vergeben wird, die durch Führen des Hakenkreuzes sich dem Verdacht aussetzt, staatsfeindliche Bestrebungen zu verfolgen, so ist es Recht und Pflicht des Schulleiters, falls er dieser Vereinigung die Aula überhaupt überläßt, für Sicherungen zu sorgen, die Kundgebungen gegen die Republik in staatlichen Häusern verhindern." — Um Irrtümer vorzubeugen, sei vermerkt, daß es sich hier nicht um eine Ruhmestat unseres Unterrichtsmindsters Dr. Rintelen handelt, durch die er sich würdig in sein neues Amt eingeführt hätte, sondern um eine Entscheidung des Kultusministers im „reaktionären" Preußen. Auch spielte sich der Vorfall nicht an unserer ehrwürdigen Alma mater, sondern an einem Gymnasium? ab. An unserer höchsten Bildungsstätte darf das Hakenkreuz, dieses Symbol infernalischen Hasses, weiter prangen, hier erscheint es niemandem „staatsfeindlich". Ein arischer Schachzug. Im „Nachrichtenblatt" der Sektion „Austria" des Deutschen und Oester reichischen Alpenvereines erlaubt sich die Schriftleitung folgende Unverfrorenheit: „Die hochgesteigerte Tätigkeit (gemeint ist die Tätigkeit der „Austria") kommt allen Touristen ohne Unterschied der Rasse, Partei oder Religion zugute." Man muß sagen, die treuherzigen, geradlinigen Germanen haben Tasch von ihren derzeitigen christlichsozialen Verbündeten die Jesuftenmoral gelernt Erst schaffen sie den Arierparagraph und dann kennen die Herren vom Hakenkreuz auf einmal keinen Unterschied der Rasse und Religion. Der Grund dieser plötzlichen Gesinnungsänderung ist ganz klar, der magere Geldsack schreit hier wehmütig auf, denn die Anreihung von jüdischen Nullen an eine arische Schillingzahl verwischt die ominöse Abkunft des Geldes. Unsere Glaubensgenossen aber seien gewarnt, daß sie auf diesen plumpen Schwindel nicht hineinfallen mögen. Es gibt noch glücklicherweise Touristenvereine, wo sie immer willkommen waren. Um den Schatten eines Toten. Als vor vier Jahren Walter Rathenau den Mordbuben zum Opfer fiel, ging es den Gönnern und geistigen Vätern der Verschwörer in den wirklich republikanisch regierten deutschen Freistaaten an den Kragen. In Hamburg erschien damals ein wüstes Hetzblatt „Hamb. Warte", die Gründung des berü . . . hmten Herrn C. F. Holtz. Nach der Mordtat im Grunewald war besagter „Ertüchtiger" plötzlich aus Hamburg verduftet, um in München, wo damals derartige Lichtgestalten sich ein Stelldichein gaben, vergnügt und munter wieder aufzurauchen. Die Konjunktur war ihm günstig, und er nutzte sie mit seiner bald darauf gegründeten Zeitschrift „Fridericus" kräftig aus. Nun liest man über eine Kranzniederlegung der deutschen Regierung am Grabe Rathenaus im ,JFridericus" folgendes: „Hoffentlich bezahlen die Herren Dr. Külz und Dr. Stresemanni diese Kranzspenden aus eigener Tasche. Die deutschen Steuerzahler haben nämlich keinerlei Veranlassung, dem verstorbenen Dr. Walter Rathenau Kränze zu winden." — .Man beachte zunächst das zarte ^verstorbene". Als Ganzes betrachtet, wirkt aber die „friderizianische" Leistung, wenn man die Vergangenheit dieses C. F. Holtz in Gegensatz zu Walter Rathenaus Wirken und Persönlichkeit setzt, als eine Büberei ersten Ranges. Trotz Republikschutzgesetz ist also der Märtyrer der Deutschen Republik heute im Grabe noch nicht gegen die Gemeinheiten eines Holtz geschützt! Eine verleumderische Anschuldigung. Das „Deutsche Tagblatt" vom 24. Juni veröffentlichte unter großen Ueberschrdften: „Eine zionistische Mordzentrale aufgedeckt, Auch ein Mitarbeiter Petljuras ermordet" die Nachricht, daß ein gewisser General Ospilko in Grodek bei Rowno in Polen1 ermordet worden sei, und läßt sich hierüber aus Paris einen langen Bericht drahten, in dem es heißt: „Die Pariser Presse behandelt den Mord an Ospiko mit auffallender Mattheit und ohne jedes in ähnlichen Fällen sonst übliche Kommentar, was darauf hindeutet, daß der „Große Orient" und die „Alliance Israelite UniverseuV' schon Abwehrmaßnahmen yorbereiten. AHe' Anzeichen' deuten' somit auf das' Bestehen* efrier Mordzentrale hin, deren letzte Drahtzieher in freamaurerischzionistischen Kreisen zu suchen sind, und die gleichzeitig die Interessen der Sowjets^ soweit sie jüdische Ziele verfolgen, durch Abschlachten unbequmer Geigner wahrnimmt". Der Centraiverein hat die „Alliance Israelite Universelle" gebeten, mitzuteilen, welche Grundlagen für die Verleumdung beständen, und erhielt die nachstehende Antwort, die wir in deutscher Uebersetzung wiedergeben: ,J3ie „Albane© Israelite Universelle" erklärt auf das entschiedenste, daß diese Anschuldigung, soweit sie die „Alliance Isra61ite Universelle" betrifft, gegenstandslos und verleumderisch ist Die ».Alliance Jsraelite Universelle" hat sich stets von jeder Aktion oder Einmischung in Vorfälle, wie die in Frage stehenden ferngehalten, und wird es auch in Zukunft stets tun. Sie fordert jeden auf, auch nur die geringste Tatsache zu melden, die das Gegenteil beweist." Der Verfall des Klan. In einem Leitartikel im „Berliner Börsen-Courier" vom 1. Juli schildert Peter Hein die Entstehung, die Blütezeit und dien Zerfall des „Ku-Klux-Klan", jener Abwehrbewegung nationalvölkischer Amerikaner gegen alles Fremde. Er schildert den Terror, den der ,JCu-Klux-Klan" zur Zeit seiner höchsten Entwicklung gegen alle Andersdenkenden ausgeübt hat, und das schnelle Ende, das er infolge von Urneinigkeiten unter den Führern und als Ergebnis der Ueberspannung in den Kampfmethoden nehmen mußte. Heute sind zum Beispiel in Oklahoma, wo 1923 100.000 eingeschriebene Klan-Leute waren, nur noch 20.000 und in Massachusetts ist die Mitgliederzahl von 100.000 auf 7000 heruntergegangen, in Georgia und anderswo ist die Bewegung ganz erloschen. Der Aufsatz, der auch für unsere völkischen Führer recht lehrreich sein könnte, schließt mit den Ausführungen: „Der Klan steht in schlechtem Ruf. Ihm anzugehören wird nicht mehr wie einst als Verdienst ausgelegt. Er sucht zwar noch immer durch radikales, terroristisches Auftreten wettzumachen, was ihm an Anhängerschaft verloren gegangen ist. Vergeblich aber, denn, selbst die Staatsbeamten, die einst Aemter und Würden durch den Klan erhielten oder deren Klan-Zugehörigkeit sie als bevorzugt erscheinen ließ, beeilen sich, heute zu versichern, daß sie in keinerlei Verbmdüng mehr zu ihm stehen. Der Klan ist anrüchig geworden. Der Klan stirbt darum. Stirbt an den Folgen seiner kurzsichtigen Terrorpolitik und Ist an der Abwegigkeit seines Wollens gescheitert. Schon bilden sich wieder Gruppen in der Unioni, die sich gegen alle Versuche, die Freiheit einzuschränken, aufs entschiedenste wehren. Seit dem Verfall des Klans arbeiten sie lebhafter und kräftiger gegen alle Uebel der Intoleranz, die in Amerika größer ist denn anderswo auf der Welt____" Das gefährliche Esperanto. Es ist löblich, daß in diesen bitterernsten Zeiten auch einmal für die Heiterkeit gesorgt wird. Darum bemüht sich gründlich Herr Professor Dr. Sieglerschmidt aus Binz auf Rügen im „Reichswart" des Grafen Reventlow. Er setzt sich mit dem Esperanto auseinander. Wie man sich zum Esperanto stellt, ist ausschließlich Sache jedes einzelnen. Wir glauben sicher, daß eine Anzahl unserer Freunde das Esperanto als Weltsprache für undurchführbar halten und ablehnen, und daß wieder andere diese Sprache als eine Brücke der Verständigung unter den Völkern begrüßen und unterstützen. Welche schauererregende Entdeckung hat aber Herr Professor Sieglerschmiedt gemacht Er bringt es fertig, das Folgende niederzuschreiben: „...Heute möchte ich die Aufmerksamkeit der Leser dieser Zeitung auf die eifrigen Bemühungen lenken, welche die Judenschaft darauf verwendet, überall auf der Erde die Esperanto-Sprache zu verbreiten. Diese Bemühungen gehören mit zu der Vorbereitung des jüdischen (Kapitalisten-) Weltreichs. Planvoll ist die zionistische Leitung auch auf diesem Gebiet, und das bei der „Esperanto-Bewegung" vorliegende Ziel ist wie sonst, die Unterdrückung der Eigenart und Selbständigkeit der Völker... Das von einem Juden für die Handelsbedürfnisse und Herrsohaftsträume seiner lieben Ostjuden recht kunst- und geschmacklos zusammengefundene Esperanto (der Name ist lateinische Befehlsform einer modernen Sprache!!) zieht heute infolge der Rührigkeit, mit der Zion seinen Zielen zustrebt, und des mächtigen Einflusses jüdischer Kapitalisten, immer weitere Kreise. Dagegen schreibt ein Pfarrer Dr. F. Christanell im „Eisernen Besen" folgendes: „Man muß, will man bei der Wahrheit bleiben, anerkennen, daß Esperanto nicht durch jüdische Agitation, sondern durch seine hervorragende Brauchbarkeit alle Konkurrenten überwunden hat. — Der Umstand, daß in neuerer Zeit offizielle Persönlichkeiten sich wiederholt für Esperanto ausgesprochen haben, gibt die Hoffnung, daß Esperanto eines Tages offiziell eingeführt werden wird. Soll