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Die Wahrheit · 1926-07-16 · Heft 30 (16.7.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 30 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Die wAifimei? Seite * im Kampfe gegen die Nichtzionisten schmieden zu können. * * * Herr Dr. Seipel verriet in Amerkia mehr oder weniger deutlich, daß er stolz darauf ist, Chef einer antisemitischen Partei zu sein. Er hat offenbar vergessen, daß es in Oesterreich eine Zeit gab — es sind erst ein paar Dezennien seither verflossen — wo die Bezeichnung Antisemit als eine schimpfliche Beleidigung galt, wo der Mann, dessen Denkmal dieser Tage enthüllt werden soll, den Antisemitismus, den er einst öffentlich gebrandmarkt hatte, im Innersten seiner Seele auch dann noch verabscheute, als er, vom brennenden Ehrgeiz getrieben, ihn zum Schemel seines Aufstieges brauchte. .Vielleicht kommt wieder die Zeit, in der man, mit Mommsen, den Antisemitismus als eine glücklich überwundene Erkrankung der Volksseele betrachten wird. Wir wünschen Herrn Dr. Seipel herzlichst, er möge noch diese Zeit erleben. * * * Im deutschen Reichstag erinnerte neulich ein Redner daran, daß der jüdische Abgeordnete Doktor Frank, der sich freiwillig zum Dienste gemeldet hatte, zu den ersten Todesopfern des Krieges zählte. Ein neuer Beweis jüdischer Vordringlichkeit! * * * Der Osservatore, das offizielle Blatt des Vatikans, hat sich neulich sehr scharf gegen die Teilnahme katholischer "Triester an den Horthyschen Heldenfesten ausgesprochen. Man findet in Rom, daß die Anrufung des ungarischen „Kriegsgottes", unter der die Ernennung der reichlich dotierten Helden erfolgt, nicht frei von einem heidnischen Beigeschmack sei. Die katholischen Priester in Ungarn werden sich gewiß die Mahnung aus Rom zu Herzen nehmen. Manche unter ihnen werden es allerdings seltsam finden, daß man im Vatikan erst jetzt darauf gekommen ist, daß die hervorragendsten Helden des Horthyschen Regimes schon seit Jahren sich sehr wenig um den im Evangelium gepredigten Gott kümmerten. * * * Der rein antisemitische Gemeinderat von Czegled hat die Verfügung getroffen, daß ausschließlich den nichtjüdischen Bewohnern die Benützung des städtischen Bades sechsmal in der Woche gestattet sei. Man weiß, daß idSieErwacheniden in Ungarn, deren Reinlichkeitsbedürfnis sich bisher hauptsächlich darauf bezog, daß eine schmutzige Hand die andere wusch, neuestens bestrebt sind, sich wenigstens vor dem Ausland reinzuwaschen. Kein Zweifel, der Czegleder Badeverordnung ist eine gewisse symbolische Bedeutung nicht abzusprechen. Ego. Rektor Professor Dr, Adolf Schwarz zum 80. Geburtstag. „Mit dreißig Jahren volle Kraft, mit achtzig Stärke." (Sprüche d. Väter V. 24.) Dieses Wort unserer alten Weisen drängt sich uns auf, da wir diesem Jubiläum — im Sinne des ebenso gefeierten als bescheidenen Jubilars, der sich allen Festlichkeiten durch die Flucht in die Sommerfrische Baden bei Wien entzog — nur einige Zeilen, widmen wollen. Männer wie Rektor Prof. Dr. Schwarz, die mit 30 Jahren mit Volldampf gearbeitet, stehen noch im 80. Lebensjahre in voller Blüte da; frisch ist ihr Denken und leicht gleitet ihre Feder über die weißen Bogen der riesigen Manuskripte hin. Denken und die Bedanken in schöner Form wiedergeben, ist ihnen zur zweiten Natur geworden. Rektor Prof. Dr. Schwarz hatte sich schon als Dreißigjähriger einen klingenden Namen erworben und als Gelehrter wie auch als Prediger epochemachende Arbeiten veröffentlicht. Mit seiner ersten Arbeit „Ueber den jüdischen Kalender" hatte er als 26jähriger Hörer des Breslauer Rabbünerseminars 1872 den Ehrenpreis der genannten Hochschule errungen. Mit den Veröffentlichungen seiner Studien über die „T o s i f t a'\ die seinerzeit großes Aufsehen erregten, begann er im 28. Lebensjahre. Nun folgten Werk auf Werk, Aufsatz auf Aufsatz, Predigten, größere und kleinere Arbeiten, Vorträge und Gelegenheitsschriften, die zusammen eine ansehnliche Bibliothek bildenwürden. Hauptsächlich aber sind es zwei große, grundlegende Werke, die dem Gelehrten ein Ruhmesblatt in der Geschichte der jüdischen Literatur sichern werden. Vor allem seine Arbeiten über die 1* o s i f t a und sein großer Kommentar zu derselben. Was sein großer Lehrer Z. F r an k l, der erste Rektor des Breslauer Rabbinerseminars, für die Mischnaforschung geleistet, wollte der hervorragende Schüler für die Tosifta leisten. Er wollte den Zeitgenossen „ihre Wege" zeigen und ihr Verhältnis zu den anderen Traditionssammlungen ins rechte Licht setzen. Er sah in diesem großen Sammelwerke einen mächtigen Strom jüdischen Geistes, der im Laufe der Jahrhunderte zahlreiche Zusätze erhielt und durch die Ungunst der Zeit an Klarheit verlor. Er grub diesem Strome ein neues Bett und wurde dessen Ordner. Als philosophisch geschulter Geist suchte er im Talmud die Regeln des klaren und richtigen Denkens, die Logik aufzuweisen. „Ich darf wohl", sagt der Gelehrte an einer Stelle, „ohne jedwede Ueberhebung das Verdienst für mich in Anspruch nehmen, der erste gewesen zu sein, der nicht bloß das entwicklungsgeschichtliche Moment des hermeneutischen Regeln mit besonderem Nachdruck betonte, sondern auch gleich den Versuch gewagt hat, mit der Darstellung ihres Entwicklungsprozesses einen Anfang zu machen." Damit hat Rektor Schwarz die hermeneutische Wissenschaft in die rechte Bahn geleitet. Wie jeder Bahnbrecher auf wissenschaftlichem Gebiete hatte auch der Jubilar im Laufe der Jahre manchen Kampf zu bestehen und er verstand es, aiuch die Waffe des Geistes mit Kraft , zu führen. Manch offenes Schreiben wurde von ihm an hervorragende Gelahrte gerichtet, in welchen > er sich als mutiger Kämpfer zeigte. Und so bewahrheitet sich an ihm der Spruch unserer Väter, den wir diesen Ausführungen vorangesetzt haben: „Mit 30 Jahren volle Kraft, mit 80 Stärke". Er wirkt noch umgeschwächt als Lehrer und als Forscher. Der 80. Geburtstag des großen jüdischen Gelehrten wird vielen Freunden und Korporationen den Artlaß geben, dem Jubilar trotz seiner Flucht vor allen Ehrungen die herzlichsten Grüße zu übermitteln. Ein Festkomitee, an dessen Spitze Oberrabbiner Dr. C h a j e s steht, wird aus diesem Anlasse eine Stiftung ins Leben rufen, die den Namen Rektor Schwarz tragen und verewigen wird. Gratulationen von nah und fern werden dem Jubilar die Versicherung geben, daß er sich durch sein Leben und Wirken die Wertschätzung und. Verehrung der weitesten Kreise erworben hat und diesen schließt sich auch unsere Redaktion an, mit einem herzlichen ad meuh weesrim schonoh. Restaurant Birth IL, Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Mittagsuuö Abenö-Menu nach Wallt S2.- Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus Zum Besuch ladet höfl. ein L GUTH, Besitzer. ■ •: -— ^^^m^^-^mmmmmm, mmm

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