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Die Wahrheit · 1926-07-16 · Heft 30 (16.7.1926) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 30 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 30 Seite 9 man dem-aus völkischen Interessen entgegentreten? Nein, im Gegenteil! Je früher wir uns dieses neutrale Kampfmittel aneignen, um so besser! Denn wozu sollen sich die arischen Völker wegen der Verschiedenheit ihrer Sprachen zerstreiten, da sie doch einen gemeinsamen Feind zu bekämpfen hätten, das internationale Judentum?!!" Es ist doch ein eigen Ding um dieses gefährliche Esperanto. Auf der einen Seite ein Mittel der „zionistischen Leitung zur Unterdrückung der Eigenart und Selbständigkeit der Völker", ist es auf der andern Seite ein ..neutrales Kampfmittel zur Bekämpfung des gemeinsamen Feindes, des internationalen Judentums". Wer von den beiden völkischen Herren hat nun wirklich recht? Frlthiof Nansen über das Schächten. Trotzdem die n o rwegische Regierung ihren Entwurf über ein generelles Schächtverbot, den sie im Storthing eingebracht hatte, bereits zurückgezogen hat, dauert die Bewefguing gegen das Schächten in Norwegen weiter an. Es dürfte deshalb von Interesse seim, was Frithjof Nansen, der weltberühmte Forscher und Gelehrt©, in einem Briefe am die Storthing- Kommission über die Frage des Schächtens sagt: „Ich sammelte große Erfahrungin-der Tötung von Tieren vermittels Durchschneidens der Adem des Nackens, eine der Schechita ähnlichen Todesart; und bin überzeugt, daß auf diese Weise die Tiere sofort das Bewußtseinverlieren' und für den Schmerz dann nicht mehr -empfindlich sind. Autoritäten wie die Professoren Krogh und Thomsen (Oslo), Dr. Hill (London) u. a. machten darüber Versuche, und es wurde praktisch bewiesen, daß die Schechita keine unnützen Schmerzen verursacht. Dazu komm*, daß die Schechita für die Judenl eine Notwendigkeit ist. Sie gehört zur Ausübung ihrer Religion*/ ein Verbot der Schechita würde den Prinzipien der G e w *i s s e n s f r e v he i t widersprechen." Der Cuzlsmus In Rumänien steht dem rassenschützl er ischen JudenhaßinDeutschland und Oesterreich in nichts nach. Im Gegenteil, er soheint noch um eine Stufe tiefer zu stehen, wofern man hier überhaupt no-h von „tiefer" sprechen kann. Bereits das erste Auftreten der „christlichen L i g a", wie sich die von Prof. C u z a gegründete antisemitische Partei nennt, im neugewählten rumänischen Parlament bot ein erschreckendes Bild blindwütigen Hasses Und grenzenloser Verrohung, so daß der Name, den sich die Partei gegeben hat, bei der heute mit dem Worte ..christlich" allgemein verbundenen Vorstellung ein direkter Hohn ist. wenn man die wahre Gesinnung der Partei sich vor Augen hält. In einer der letzten Sitzungen der rumänischen Kammer entwickelte . Prof-. .Cuza das Programm seiner Partei und stellte .als oberste Forderung desselben die Enteignung des gesamten Vermögens der Juden auf. „Wir werden", führte , er aus, . „sobald wir zur Macht gelangt sind (hierbei deutete er mit der Hand auf die. Ministerbank) die Verwirklichung unseres Programtnes. erzwingen, die Juden aus den Städten vertreiben, damit die. Rumänen einziehen und die Position der Juden dort einnehmen können". Er forderte schließlich die Entfernung aller Jüdischer Journalisten aus den Couleurs. Der Zaranist (Anhänger der Partei Jorgas) Prof. Virgil Madgearu protestierte gegen Cuzas antisemitischen Redeexzeß und führte aus. in Rumänien sind alle Bürger vor dem Gesetz gleich. Auch die Zaranisten Dr. Lud" und Juni an protestierten cegen die Forderung, daß speziell jüdischen Journalisten der Zutritt zu den Couloirs verwehrt werden soll. Cuzas Antrag wurde abgelehnt. Eine verdiente Ehrung wurde einem Manne zuteil, der, obwohl einer der hervorragendsten Forscher Deutschlands, dennoch wegen seines Judentums der Zielpunkt ebenso gehässiger wie niedriger Angriffe gewesen ist. Prof. Doktor Richard Willstätter, dem großen Münchner Chemiker, wurde bei der letzten Hauptversammlung des Vereines deutscher Chemiker, die vom 26. bis 30. Mai in Kiel tagte, zum E h r e n m i t g l i e d e des Vereines ernannt. Düese Ehrung gilt, wie es in dem Professor Willstätter überreichten Diplom heißt — „dem großen Forscher und Lehrer, dessen meisterhaften, vielseitigen Forschungen, feinste Experimentierkunst mit scharfsinniger Deutung verknüpfend, besonders auf dem Gebiete wichtiger Naturstoffe, wie des Kokains, des Chlorophyll und der Anthokyane Klarheit schufen und bei den Enzymen düe Deutung grundlegender Lebenserscheinungen wesentlich förderten". Eine Vazsonyi-Anekdote. Der verstorbene Jüdische Politiker und gewesene Minister Wilhelm Vazsonyi pflegte gern folgende Anekdote zu erzählen: Zur Zeit, als meine Partei in Budapest zur Macht gelangte, habe ich meinen damaligen Anhänger, den Adeligen Stefan von Barczy zum Bürgermeister der Hauptstadt bestimmt. Ich selbst wollte keinen Posten haben, sondern behielt die Entscheidung in allen wichtigen Fragen rrrir selbst, in meiner Eigenschaft als Parteiführer vor. Neben hundert anderen wichtigen Reformen, führte meine Partei auch die Straßenbeleuchtung mit den herrlichen Bogenlampen durch. Ging da eines Abends ein braver Bürger, ein kernmagyarischer Schuhmacher, seiner Stammkneipe zu. Die Bogenlampen wurden gerade „angezündet". Der Bürger kam in Verzückung und rief aus: „Ein großer Mann, dieser Barczy!" Um zwei Uhr nachts kehrte der brave Schuster heim. Allerdings schwer betrunken. Und schlug sich seinen Kopf am Stahlmast einer dieser herrlichen Lampen wund. Der Bürger kam in Wut und schrie: „Verfluchter Kerl, dieser Vazsonyi! Der Teufel hole alle Juden!" Und er gab dem ehernen Ständer — so gut er konnte — einen Fußtritt. Nicht nur die Jüdischen Hochschüler, sondern zuweilen auch die katholischen Studenten werden von der „akademischen Freiheit" ausgeschlossen, wenn ihre Anwesenheit den wehrhaften deutschen Burschen nicht genehm ist. Sie dürfen zwar bei den Wahlen in die „Deutsche Studentenschaft" ihre Stimme abgeben, sie sind sogar als Kampfgenossen willkommen, wenn um den Numerus clausus gestritten wird, handelt es sich aber einmal um die Teilnahme an einer akademischen Feier, wie jüngst in Graz, dann ertönt der Machtspruch der ahnenstolzen Wotanssöhne: „Katholiken hinaus!" Während aber an der Wiener Universität der Schlachtruf „J ud en hinaus!" zu einer dauernden Einrichtung der akademischen Freiheit geworden zu sein scheint und sich keine Katz, will sagen kein Pedell oder ein noch höherer akademischer Würdenträger darum schert, daß die poetischen Exkremente unreifer Jünglinge unsere allgemeine Hochschulschande an den Wänden der Alma mater öffentlich zur Schau stellen, hat sich an der G r a z e r Hochschule ein Hochschulleiter gefunden, der sich dem alldeutschen Terrorismus nicht bedingungslos unterwerfen wollte. Der Dekan der medizinischen Fakultät Prof. Dr. Beitzke wollte den Ausschluß der katholischen Studenten nicht dulden, da er der Meinung war, daß diese dasselbe Recht hätten, an der akademischen Feier teilzunehmen wie die völkischen Hochschüler. Was haben nun die deutscharischen Kommilitonen gemacht? Sie sind nach dem Rezept ihrer Kollegen in Hannover vorgegangen und haben den Dekan Beitzke „zur Strafe für sein Verhalten" durch einen ohrenbetäubenden Krawall gezwungen, seine Vorlesungen über pathologische Anatomie abzubrechen. Dies geschah bedauerlicherweise gerade in jenem Momente, in dem der Genannte Gelegenheit gehabt hätte, seinen Hörern einiges aus der pathologischen Anatomie der Hakenkreuzlerhirne ad oculos zu demonstrieren. So machten sich die pathologischen Veränderungen in den Hakenkreuzköpfen nur durch ihre akustischen Wirkungen bemerkbar. Die katholischen Studenten von Graz aber werden sich, falls sie ihr Latein noch nicht ganz verschwitzt haben, an den schönen Vers erinnern müssen: „Solamen miseris socios habuisse malorum" (Es ist em Trost für die Elenden, Leidensgefährten zu besitzen). Möge der Umstand, daß diese Leidensgefährten „nur" Juden sind, diesen Trost nicht beeinträchtigen! Möge der Vorfall, der sich jüngst in Graz abgespielt hat, den katholischen Studenten, die bisher gemeinsam mit ihren deutschvölkischen Genossen den Geist der Unduldsamkeit gegen die jüdischen Studenten gepredigt haben, jene ewige Wahrheit erkennen lassen, die der „Zauberlehrling'* in den Ausruf kleidete: „Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los!" Der Waad Leumi In Genf nicht empfangen. Die Delegation des Waad Leumi (jüdischer Nationalrat von Palästina) erhielt auf ihr Ansuchen, von der Mandatskommission des Völkerbundes gehört zu werden, einen offiziellen abschlägigen Bescheid. Der Brief der Mandatskommission ist ganz kurz gehalten, es heißt darin, daß die Mandatskommission dem Wunsche der Delegation, angehört zu werden, nicht entsprechen kann. Die Delegation hatte mit einem solchen Bescheid gerechnet, da er der bisherigen Praxis entspricht, wie sogar die zionistische I. T. A., der wir diese Nachricht entnehmen, zugeben muß. ¥ JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkiuf: Wien n., Glockengüsse 84 Wien II., Taborarrafe 44 "'VwausMmsiummumfmimzmssat J^g^>t*jE£a

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