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Die Wahrheit · 1926-07-16 · Heft 30 (16.7.1926) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 30 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
– (sequence 7)
Language
German
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m. 3ö BIß WAt iNtÜ SeHt 5 erlegt darum darfst Du mir nicht heimzahlen nach meinen Werken und mär nicht darbieten die Früchte meiner Taten. Uebe Langmut mit mir, und lasse meine Stunde nicht kommen, ehe ich mir Wegzehrung vorbereitet habe, um gerüstet zu meinem Ort zurückzukehren. Schick mich nicht fort von dieser Erde, während das Bündel Sauerteig meiner Sünden auf meinen Schultern lastet Und wenn Du meine Missetaten wiegst, leg in die andere Wagschale meine Leiden; bedenkst Du meine Bosheit, so bedenke auch meine Pein und halte eins dem anderen entgegen." In diesem Ton geht es eine Weil'e weiter, und schließt mit einem aramäischen Spruch: „Möge ich nicht beschämt werden, wenn ich hintrete vor Dir und vor den Häuptern des himmlischen Gerichtes, möge üch gewürdigt werden, die Geheimnisse der Thora aus dem Munde der Obersten in den himmlischen Lehrhalien zu vernehmen." Hier waltet die Vorstellung vor, daß die Wonnen, deren die Seelen der Abgeschiedenen im Himmel teilhaftig werden, darin bestehen, daß sie, * gleichsam unter der persönlichen Anleitung Gottes, die Geheimnisse und den tiefsten Sinn der Thora ergründen; der Hümmel bildet sozusagen ein großes Lehrhaus, eine Jeschibah, (aramäisch: Methibtha); die Ausgezeichneten, die einst auf Erden durch große Gelehrsamkeit, Weisheit vor allem aber durch gute Werke und demütigen Wandel hervorragten, bfldeten die Oberhäupter und Lehrmeister; sie bilden aber in gewissem Sinne auch einen Gerichtshof, auf dessen Meinung Gott selber, der höchste und einzige Richter, hört, weil er nur seine eigene, Gottes Meinung zum Ausdruck bringt So bildet das Dasein im Jenseits eine Vervollkommnung des irdischen Wandels. Und es gilt als höchster Lohn für den gewöhnlichen Sterblichen, Sm Jenseits zur Teilnahme an jenen himmlischen Offenbarungen zugelassen zu werden, die die Quellen tiefster Wonnen und Seligkeiten sind, „Vitam amare, morten non timere" (Das Leiben lieben, den Tod nicht fürchten), das stellte ein Römer aus der stoischen Schule als Ideal hin, ein Ideal, welches stark jüdisch gefärbt war. Man kann das nicht schöner ausdrücken, als es in diesem Gebet geschieht Neben der starken Liebe zum Leben eine ruhige und gelassene Ergebung in den Tod als die# gerechte Schickung Gottes, ein echt kindliches Vertrauen im seine Gerechtigkeit und alles überwindende Gnade und Barmherzigkeit. Der Grundton ist von unbesiegbarem Optimismus, der Pein und Tod als etwas Nebensächliches und Vorübergehendes erscheinen läßt; die Hauptsache ist sich in Uebereinstimmung zu wissen mit dem ewigen Willen, der lauter Heiligkeit und Gnade ist und schließlich über Sünde und Tod triumphiert. Alle christlichen Kirchen wiederholen immer wieder das Wort „Tod, wo ist dein Stachel? Hölle, wo ist deine Pein?". Das gilt gewissermaßen als die Devise des Stifters der christlichen Religion. Aber nur wenige, leider auch unter den Juden, wissen, daß das ein Vers in Hosea (XIII, 14) ist, also ungefähr 750 Jahre vor Christus gesprochen wurde. (Fortsetzung fohrt) Jüdische Frauenideale. Eine Blütenlese von Dr. Max G r u n w a 1 d. (Fortsetzung.) Märtyrerinnen. (Aus Josef ha-Kohens „Emek habacha".) Als die heilige Gemeinde in Mainz die schreckliche Nachricht von der blutigen Verfolgung der Juden in Worms im Mai 1146 erhielt, flohen alle in den bischöflichen Palast, den sie für eine Zufluchtstätte hielten, in der sie ihr Leben vor dem Verderben schützen könnten. Aber es erhoben sich gegen sie die Feinde am dritten Siwan (24. Mai) und erschlugen sie; auch der Greise wurde an jenem entsetzlichen Tage nicht geschont. Als die Feinde auf sie losstürzten, riefen sie mit lauter Stimme „Schema Jisrael", streckten ihre Hände nach denen aus, die ihre Augenweide waren, und schlachteten ihre Frauen und Kinder, und auch die Frauen übten das Schlachthandwerk an jenem unheilvollen Tage. Einige Greise hatten sich hierbei in ihre Gebetmäntel gehüllt und das Gebet verrichtet: „Der Hort, vollkommen ist sein Tun". Um diese lehret die Töchter Israels jammern und ein Weib das andere Klagelieder anstimmen; denn siehe, auch höhere Mächte klagten in den Straßen und Friedensboten weinten bitterlich um diese heilige Gemeinde, gegen die herangezogen waren die Verderber mit Aexten gleich Holzhauern. Darob klage und jammere ich, gehe umher wüst und wehevoll wegen 1300 Seelen, die zur Beute und zur Plünderung geworden an jenem verhängnisvollen Tage. Wirst Du darob an Dich halten, o Gott? Sechzig meiner Leute hatten sich in dem Schatzhause versteckt und der Bischof hatte sie auf die Dörfer geschickt, um sie zu retten, aber die Feinde setzten ihnen nach und erschlugen sie. In allen Ortschaften, wohin sie geflohen waren, riefen gleichsam die Steine aus der Wand ihnen nach, sie zugrunde zu richten und zu verderben, denn es war einmal dem Verderber in jener trostlosen Zeit die Erlaubnis zur Zerstörung gegeben. Zwei Männer, die man gewaltsam getauft hatte, hatten sich damals gerettet; der Name des einen war Uri und der des anderen Isak ben David, der Gemeindevorsteher war und bei dem sich auch seine beiden Töchter befanden. Sie kehrten aber zu dem Gotte ihrer Väter zurück und Isak schlachtete seine Töchter am Bußtage zum Wochenfeste (29. Mai), zündete sein Haus an und brachte dann dem Herrn ein Opfer, indem er sich samt seinem Freunde Uri ins Gotteshaas vor die Lade begab, woselbst sie vor dem Herrn starben, als die Flamme aufloderte, und ihre Seele stieg zum Himmel empor. Mein Herz krampft sich ob dieser Erschlagenen, und ob derer, die den Feuertod gestorben, verschmäht meine Seele jeden Trost Führe, o Herr, den Streit für ihre Seelen und richte ihre Rechtssache! Am 26. Juni erhoben sich die Feinde gegen die armen Juden in den Flecken Weveunghofen, um sie schnell ums Leben zu bringen. Dort befanden sich R. Lewi ben Samuel samt seiner Tochter und der alten Frau Rachel und R. Salorao ha-Cohen nebst den übrigen Juden, die er mit sich geführt hatte, um sie dort zu retten, und als das Unglück über sie kam, brachten auch sie sich zum Opfer dar, so daß der heilige Gott Israels an ihnen geheiligt wurde und schlachteten sich einander in den rings um Bacherach sich hinziehenden Gräben, damit die Christen sie nicht verhöhnen sollten. Es fielen dort allzumal Kinder und Frauen, Bräutigame und Bräute, betagte Männer und Frauen, indem sie sich ihrem Gotte als Opfer darbrachten und ihre reine Seele stieg gen Himmel empor. Am siebenten Tage des vierten Monats (1. Juli) erhoben sich die Kreuzfahrer gegen die arme unglückliche Gemeinde in Meurs und belagerten die Stadt um und um. Daselbst waren zwei Frauen, von denen die eine Jentel und die andere, die einen Sohn gebar, Rebecka hieß. Bei ihnen war ein Mädchen von sehr schönem Ansehen. Als sie nun sahen, daß die Feinde gegen sie heranzogen, ergriffen sie das Kind, hüllten es in Gewänder, da sie Erbarmen mit ihm hatten, und stürzten es aus dem Turme, in dem sie gefangen waren. Als die Feinde gewahrten, was sie getan, machten sie sich am anderen Morgen auf, ergriffen sie und schleppten sie mit Gewalt auf die Anhöhe und verfuhren mit ihnen nach ihrem Mutwillen, ohne daß jemand ihnen. Einhalt geboten hätte. Um dieser willen weine ich und fließet mein Auge in Tränen. Weinet auch ihr, Töchter Israels, um sie, kleidet euch nicht in seidene Kleider, es komme auch kein Karmesin auf eure Gewänder; denn infolge unserer Sünden ist die Herrlichkeit von Israel gewichen. Sie umzingelten es, verfolgten es und, wo es Ruhe gefunden, ergriffen sie es und hielten Nachlese an ihm auf den Straßen und mit Israel ging es bergab gar sehr ... Zu jener Zeit (1146) ergriffen sie auch die Jüdin Minna, als sie von Speier ausgegangen war, und schnitten ihr die Ohren und die Daumen ihrer Hände ab und sie neigte ihre Schulter, es zu ertragen um ihres heiligen Schöpfers willen, und Judas Stern sank in jenen schlimmen Tagen gar sehr. Eine Jüdin, namens Guthaida, wurde in Augsburg ergriffen, und da sie sich weigerte, ihren Glauben zu wechseln, wurde sie für den Heiligen, ihren Schöpfer, ertränkt. Gedenke ihr dies, o Gott, zum Guten und führe ihren Streit! In jenen Tagen flohen alle Juden Deutschlands, der eine hierhin, der andere dorthin, auf Felsen und Schlösser, um ihr Leben zu retten. Nur die Gemeinde zu Würzburg dachte nicht daran zu fliehen und blieb in ihren Wohnungen. Am zweiundzwanzigsten Tage des zwölften Monats im Jahre 4907 (24. Februar 1147) brachte man gegen sie schändliche Beschuldigungen vor, um einen Vorwand zu haben, über sie herfallen zu können. Sie sagten nämlich: „Wir haben im Flusse einen Christen gefunden, den ihr getötet und ins Wasser geworfen habt; er ist aber dadurch geheiligt worden und sehet, er tut Wunder". Hierauf erhoben sich die Irrgläubigen samt dem Pöbel und erschlugen sie, ohne daß sie eine Nachlese übrig ließen. Daselbst wurde R. Isak, während er studierte, erschlagen und mit ihm noch 21 andere. Bei ihm befand sich auch ein Schüler, dem sie zwanzig Wunden beibrachten, an denen er nach Jahresfrist starb. Seine Schwester führten sie in die Kirche und als sie auf das Bild ihres Heilandes spie, schlugen und verwundeten sie sie mit Steinen und Fäusten, so daß sie ohnmächtig wurde und

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