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Die Wahrheit · 1926-07-09 · Heft 29 (9.7.1926) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 29 (9.7.1926)
Date
1926-07-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Öffi WAHRHEIT Nr. 29 [■Veröffentlichungen |ä£4 IH der III Postsparkassen - Konto 111 I „Union deutschösterreichischer Juden" f xeieph"4!^ i Ili=l===l5==i==^i=^i Eine antisemitische Anfrage.« Die „Union deutschösterreichischer Juden" hat vor kurzem den durch sein Wirken wohlbekannten „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten Deutschlands" darauf aufmerksam gemacht, daß durch die österreichische antisemitische Presse ein Artikel über die Angelegenheit Schwarzbarth-Petliura geht, den wir vor allem in der Wiener nationalsozialistischen „Deutschen Arbeiter- Presse" gefunden haben. In diesen auch in Deutschland stark verbreiteten Artikeln wird die Behauptung aufgestellt, daß die Juden das Attentat auf Petljura gerechtfertigt fänden, obwohl sie immer die entgegengesetzte Stellung einnehmen, wenn der Ermordete ein Jude und der Mörder ein Nichtjude sei. Insbesondere findet sich in diesen von allen antisemitischen Blättern nachgedruckten, scheinbar gleichlautenden Artikeln folgender Passus: „Der Mörder Schwarzbarth war erster Vorsitzender des „Bundes jüdischer Frontsoldaten" in Frankreich. Das wird der „Bund jüdischer Frontsoldaten" in Berlin doch auch wissen. Einen „flammenden Protest" seinerseits gegen den Mord haben wir aber bisher nirgends gelesen. Warum wohl nicht?" Der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" schrieb uns auf unsere Information folgende Zeilen, die auch in der dieswöchentlichen Nummer seines trefflichen Organs „Der Schild" erschienen sind: Es ist uns gänzlich unbekannt, ob es einen Bund Jüdischer Frontsoldaten in Frankreich überhaupt gibt und ob Schwarzbärth mit einem solchen Bunde etwas zu tun hat. Es ist deshalb nicht unsere Sache hier mit „flammendem Protest" oder sonstigem zu kommen. Es ist uns zwar bekannt, daß Petljura, bzw. seine Untergebenen mit seinem Wissen, Hunderttausende von Juden in der Ukraine in der furchtbarsten Weise ermordet haben, lediglich aus Lust am Morden und an Räubereien.*) Wir wissen, daß hierdurch zum Beispiel die großen jüdischen Ackerbaukolonien in der Ukraine vollständig ausgestorben sind. Aber immerhin liegt noch nicht der Bericht über die Gerichtsverhandlung gegen Schwarzbarth vor, so daß wir auch noch kein endgültiges Urteil über die Angelegenheit abgeben können. Ebensowenig, wie die ansimetische Presse heute schon zu einem solchen imstande und berechtigt ist. Was nun im übrigen die Frage über unsere Stellung gegenüber den politischen Morden anbelangt, so können wir den Herrschaften versichern, daß wir unter allen Umständen, auch wenn es sich um einen Petljura handelt, einen Mord aufs tiefste verurteilen, mögen auch die Motive des Mörders sein, wie sie wollen. Es ist einzig und % allein Sache der staatlichen Autorität und der in ihrem Auftrage handelnden richterlichen und ausführenden Faktoren, ein Urteil zu verhängen und zu vollziehen. Es ist ein Trugschluß, wenn der Einzelne oder auch einzelne Verbände glauben, durch Selbstjustiz. Lynchjustiz, Fehme usw. einer guten Sache zu dienen. Durch solchen Wahn wird - J *) Siehe den Aufsatz in unserer letzten Nummer „Bartholomäusnächte in der Ukraine-'. nur weiteres Unglück erzeugt. Diese Ansicht haben wir jederzeit vertreten, vertreten sie im vorliegenden Falle und auch in Zukunft. Es wäre sehr zu jvünschen, daß auch die der oben erwähnten Presse nahestehenden Persönlichkeiten und Verbände sich zu einer gleichen Auffassung über Mord und Gewalttat bekennen würden; dann stünde es um die Beruhigung und Gesundung unseres Vaterlandes besser als bisher. Lö. Es ist ja selbstverständlich, daß die Juden, die zu allen Zeiten und unter allen Umständen das biblische Gebot: „Du sollst nicht morden!" für heilig und unverletzlich gehalten, von diesem Gedanken auch dann nicht abweichen, wenn unglücklicherweise ein Jude, sei es aus welchen Motiven immer, zum Mörder wurde, und deshalb kam uns die scharfe Zurückweisung des Attentates Schwarzbarths durch den „Reichsbund" nicht überraschend; wir pflichten ihr nur, wie schon oft getan, ebenfalls bei. Wir begreifen es aber auch, daß die völkischen Kreise, die seit Jahren den Abscheu der ganzen gesitteten Welt dadurch erregten, daß sie, wenn sie schon nicht die feilen Täter selbst bestellten, mindestens lauten Beifall den Mordattentaten spendeten, die zum großen Teile von verlotterten, direkt aus Unzucht- oder Zuchthäusern kommenden Subjekten an edlen, hochstehenden Männern verübt wurden, daß also diese antisemitischen Kreise gerne den Anschein erwecken möchten, daß von den Juden der Mord an Petljura nicht verdammt worden wäre. Wir begreifen diesen Wunsch, aber auch nicht ein Schatten des Beweises wird für die Richtigkeit der antisemitischen Behauptungen erbracht Erwiesen wurde, auch im Falle des „Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten", die Verlogenheit der Behauptungen. Auch gegen unser Blatt hat der Hannoveraner „Sturm" mit einer ähnlichen schuftigen Lüge aufgewartet, mit welchem ehrenhaften Erfolg, dafür spricht,, die an anderer Stelle erfolgte Antwort. O. H. Juden hinaus! In den letzten Veröffentlichungen der „Union" wurde ein erbärmliches Schandgedicht publiziert, das den Titel „Juden hinaus!" führte und im Anschlagkasten des „Kulturamtes der Deutschen Studentenschaft" in einem Gange der juristischen Fakultät der Wiener Universität in auffallender Weise angebracht war. Wir hatten, bei diesem Anlasse die Frage aufgeworfen, ob an einer österreichischen Rechtsfakultät Gesetz und Recht mit Füßen getreten werden darf, ob die Wände der Wiener Universität dazu da sind, damit vertierte und verkommene Rassenhasser sie mit ihren niedrigen Produkten der Rohheit, Dummheit und Gemeinheit beschmutzen können, ob in den

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