Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 29 (9.7.1926)
- Date
- 1926-07-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 29 DIE WAHRHEIT Seife 7 Glossen. Das albernste Hakenkreuzlerblatt Wiens erklärt, die Wahl Professor Hupkas zum Dekan der juridischen Fakultät sei eine Niederlage des deutschen Gedankens auf akademischen Boden. An der deutschen Studentenschaft sei es, „die Antwort auf diese Herausforderung zu geben!" Hat man je eine solche Unverschämtheit gehört, Professoren einer Fakultät wählen den zum Dekan, den sie wollen, und nicht den, den die hakenkreuzlerischen Studenten kandidieren? Welche Antwort die Studenten geben sollen? Kann das eine Frage sein? Sie sollen halt die Relegierung sämtlicher Professoren verfügen, die Hupka ihre Stimme gaben. Sollte der Unterrichtsminister damit nicht einverstanden sein, so jage man ihn einfach von seinem Posten. Basta. * * * Die „Deutschösterreichische Tageszeitung" schreibt in einem Artikel: „Die Regierung war bisher nicht imstande, die Christen gegen die Juden zu schützen, sie würde auch die Juden nicht schützen können, wenn die bodenständige Bevölkerung, wenn sie, wie man in den letzten Tagen sieht, daß die Christenverfolgung kein Märchen, sondern grauenhafte Tatsache ist, dann in Verzweiflung sich zur Wehr setzen würde." Dazu meint das Blatt mit reizender Treuherzigkeit: „Wir warnen deshalb!" Es ist wohl auch nur ein wohlmeinende Warnung, wenn es in demselben Artikel dem Abgeordneten Dr. Bauer, der nicht die Ansichten der „Dötz" bezüglich der Sanierung der Zentralbank teilt, erklärt: „Jude ist er und als solcher ist sein Gewerbe, die:Masse belogener und betrogener Arbeiter gegen ihre Volksgenossen zu hetzen, um beide in die jüdische Fron zu treiben." Natürlich müssen alle Juden „gewarnt" werden, denn wenn Dr. Bauer, weil er ein Jude ist, „als solcher" ein so schandbares und verbrecherisches Gewerbe betreibt, so ergibt sich mit unerbittlicher Logik daraus, daß die Juden „als solche" in ihrer Gesamtheit auch kein anderes Gewerbe haben. Aber das soll beileibe kein Versuch zur verbrecherischen Aufreizung gegen die Juden sein! Sollte jemand so beschränkt sein, dies nicht selbst zu erkennen, die „Dötz" sagt es ausdrücklich: „Wir warnen deshalb!" 0, wenn die „Dötz" nicht warnen, sondern ihre Anhänger zu gewaltsamen Schritten gegen die Juden haranguieren wollte, würde sie eine ganz andere Sprache führen. Schade, daß der Staatsanwalt nichts von der „Dötz" lernt und einmal diesem Blatte „warnend" zuruft: „Ein hakenkreuzlerisches Blatt wie die „Dötz" hat als solches wirklich kein anderes Gewerbe, als die Masse belogener und betrogener Menschen gegen gleichberechtigte Bürger wegen ihrer Konfession zu hetzen. Ich warne deshalb." Vielleicht würde eine solche „Warnung" von der „Dötz" verstanden werden, obgleich — der Herr Staatsanwalt möge es gütigst verzeihen! — zahllose juristisch geschulte Männer der Meinung sind, im Sinne des Gesetzes sei der „Dötz" und ihren Artikeln gegenüber keine — „Warnung" am Platze. * * * Man macht mich darauf aufmerksam, daß das in Hannover erscheinende Hakenkreuzlerblatt „Der Sturm" behauptet, ich hätte in der „Wahrheit" dem jüdischen „Mörder eines Nichtjuden" nachgerühmt: „Er war doch ein verehrungswürdiger Idealist!" Ich war sehr überrascht. So weit ich mich selbst kenne, erschien es mir undenkbar, daß ich dies geschrieben haben sollte. Aber es dünkte mir auch fast unwahrscheinlich, daß selbst ein antisemitisches Blatt es wagen könnte, seinen Lesern eine so faustdicke Lüge aufzutischen. Was habe ich (über Schwarzbarth) geschrieben? Wie zitiert mich der „Sturm?" „Die Wahrheit". „Der Sturm". „Jeder Jude, dem das Gebot des „Der neueste Mord eines Juden Alten Testaments „Du sollst nicht an einem Nichtjuden veranlaßt die morden!" unter allen Umständen jüdische „Wahrheit" zu dem Ausruf: heilig und unverletzlich gilt, darf das „Er war doch ein verehrungs- Recht für sich in Anspruch nehmen, würdiger Idealist!" die Tat des Mannes, der sich das Da habt ihrs. Das Geschrei von Richteramt über den Führer Oer Fememördern, völkischen Mördern Massenmörder anmaßte, zu verusw. ist eitel Heuchelei. Mordet ein camraen. Aber das eine darf doch Jude, dann bleibt er ein verehrungs- ^esagt werden, dieser Richter, der würdiger Idealist, auch der Rächer war, ist noch immer Talmud-Religion!" ein verehrungswürdiger Idealist, verglichen mit jenen, die angesichts der grauenhatten Greuel, die in der Ukraine verübt wurden, mit kühlem Gleichmut nur das eine dachten: „Die Opfer, Männer, Frauen, Greise und Kinder waren Juden"! Darf man den „Sturm" für so blödsinnig halten, daß er nicht wüßte, welche schurkische Fälschung er begangen, als er einige Worte aus dem Zusammenhang gerissen, um die Beschuldigung zu erheben, Talmud-Religion lehre: „Mordet ein Jude, dann bleibt er ein verehrungswürdiger Idealist." Jedenfalls werde ich mich hüten, gelegentlich etwa zu schreiben: „Der antisemitische Herr, der neulich im „Sturm" der Talmud-Religion imputierte, sie sanktioniere den von einem Juden verübten Mord, ist noch immer ein hochschätzenswerter Ehrenmann, verglichen mit jenen, die in ihren Schandblättern immer wieder die bestialische Lüge wiederholen, die jüdische Religion gebiete den Ritualmord." Ich werde mich hüten, das zu schreiben. Der „Sturm" ist imstande undschreibt, ich hätte seinen Mitarbeiter öffentlich für einen „nochschätzenswerten Ehrenmann" erklärt. * * * Die ungarische Regierung will angeblich, um ihr in Genf verpfändetes Wort einzulösen und auch weil die Hörsäle an den Universitäten leer stehen, sich zu Aenderungen am Numerus clausus entschließen. Aus Angst vor den Erwachenden wäre ihr, wie verlautet, folgender modus vivendi -sehr sympathisch: Den jüdischen Studenten ist in Zukunft der unbeschränkte Eintritt in die Lehrsäle gestattet, wo ohnehin keine Zusammenstöße mit den zumeist freiwillig sich absentierenden antisemitischen Studenten zu befürchten sind. Daß solche Konflikte auch vor den Pforten der Universität nicht stattfinden, dafür will die Regierung sorgen. Von den jüdischen Studierenden erwartet aber die Regierung, daß sie in dankbarer Anerkennung des Glückes, wieder am Born des Wissens ihren Durst stillen zu dürfen, auch nach glänzend abgelegten Prüfungen, auf das Recht zur praktischen Verwertung ihrer Diplome als Aerzte, Advokaten, Ingenieure usw. verzichten. Sollten die Juden jedoch auch dieses kleine Zugeständnis verweigern, dann fühle sich die Regierung dem Auslande gegenüber frei von jeder Verpflichtung, denn die Juden hätten dann selbst den Beweis erbracht, daß ihr Kampf gegen den Numerus clausus nichts mit der reinen Liebe zur Wissenschaft zu schaffen hat. Ego.