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Die Wahrheit · 1926-07-02 · Heft 28 (2.7.1926) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 28 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 28 Dffi WAHRHEIT Seite 9 [Veröffentlichungen fÄS., III der I Postsparkassen - Konto Iii j „Union deutschösterreichischer Juden" j Te^oir««.™ j lü=i==sB B==B=a ■==■ i .. ■=■-■==■==■ ■==■-■==!?[ „Fremdenverkehrspropaganda." Nicht nur aus dem Inlande, sondern auch aus weiten Kreisen des Auslandes, das die Naturschönheiten Oesterreichs genügend kennt und deshalb gern einen Sommeraufenthalt hier zu nehmen wünscht, werden wiederholt von über unsere Tätigkeit informierten Personen Anfragen an die „Union" gerichtet, die konfessioneller Natur sind. Es ist fürwahr unsäglich beschämend, daß in einem Zeitalter der Zivilisation ein honoriger Mensch bei der Wahl seines Sommeraufenthaltes überhaupt andere als Fragen der Hygiene und des Komfortes in Erwägung ziehen muß, aber doppelt empörend ist es, daß Vereine, die sich angeblich die Förderung des Fremdenverkehres zur Aufgabe machen, in albern tückischer Weise das Gegenteil bewirken. Einen solchen krassen, leider nicht vereinzelten Fall, der neuerlich Zeugnis dafür legt, wie vernagelt manche Köpfe sind, wollen wir heute hier annageln. Vor kurzem fand sich in einigen reichsdeutschen Blättern ein Inserat, das mit überschwänglichen Worten die Annehmlichkeiten und Schönheiten des Kurortes Trofaiach in Obersteiermark verkündete. Ganz verschämt stand an einer Stelle der Annonce folgender Satz: „Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien." Die Annahme war nicht ausgeschlossen, daß dieses Inserat von irgendeiner offiziellen Körperschaft des Ortes ausging, wenngleich als Auskunftsstelle der „Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs in Trofaiach" genannt wird. Wir hielten es daher nicht für ausgeschlossen, daß dieser Verein in richtiger Erkenntnis seiner Aufgabe der hier zum Ausdruck gebrachten Tendenz entgegentreten wird und richteten deshalb an ihn eine um Information ersuchende Zuschrift. Darauf erhielten wir eine Antwort, in welcher es heißt, daß „der von Ihnen als bedenklich befundene Satz unserer Anzeige in reichsdeutschen Blättern so aufzufassen ist, wie er eben gedruckt erscheint: „Angenehmer Aufenthalt für christliche Familien." (Sperrschrift von den Brief Schreibern vorgenommen.) Hier wäre nur noch zu bemerken, daß der Verein vielleicht wohl daran täte, an behördlicher Stelle um die Aenderung seines Titels einzukommen, um sich in Zukunft nennen zu dürfen: „Verein zur Beschränkung des Fremdenverkehrs in Trofaiach." _ O. H. Juden hinaus! Im Leitartikel der letzten Nummer hat sich „D i e Wahrheit" mit den Zuständen an den deutschen Hochschulen beschäftigt und die empörende Hetze gegen jüdische Professoren und Studenten näher beleuchtet. Sie hat insbesondere auch den engen Zusammenhang aufzuweisen versucht, der zwischen der' gesteigerten Aktivität des reichsdeutschen Hochschulantisemitismus und den Vorgängen an den österreichisch en Hochschulen besteht. Zur Illustration der an den österreichischen Hochschulen herrschenden Zustände wurden insbesondere einige Vorkommnisse angeführt, die sich anläßlich der Dekanswahlen an der juristischen Fakultät der Wiener Universität abgespielt haben. Eine weitere Illustration zum Kapitel „H o c hs c h u 1 a n t i s e m i t i s m u s" bildet die Tatsache, daß in dem Anschlagkasten des jKulturamtes der Deutschen Studentenschaft" an der juristischen Fakultät der Wiener Universität ein Gedicht angebracht werden konnte, das den Titel führt „Juden hinaus!" und folgenden Wortlaut besitzt: „Juden hinaus!" Laßt es schallen von Haus zu Haus Sehalle, deutsche Schmach und Not, Deutschlands Sturz in Hohn und Spott. Deutsche Jugend denk' daran: Judentum ist schuld daran. Juden hinaus! Juden hinaus! Laßt es schallen von Haus zu Haus: Fremder Rasse fremdes Blut Saugt und zehrt am deutschen Gut. Feindes Sieg und Feindes Hohn, Judensieg und Judaslohn. Juden hinaus! Juden hinaus! Laßt es schallen von Haus zu Haus, An des Volkes Hungersnot, An des Armen trocknen Brot, An des Aermsten letzten Stück Macht der Jude Qeld und Glück. Juden hinaus! Juden hinaus! Laßt es schallen von Haus zu Haus! Letzter Mahnung letztes Wort Lebe auf und wirke fort. Deutsche Hand nun werde Faust, Daß der Freiheitsruf erbraust: Juden hinaus!" Darf ein solches Schandgedicht, eine solche Ausgeburt niedrigsten Hasses und grenzenloser Gemeinheit an einer österreichischen Hochschule veröffentlicht werden? Und jüdische Professoren und jüdische Hochschüler an der Wiener Universität für moralisch vogelfrei erklärt, daß sie sich in einer solchen Weise müssen beschmutzen und beleidigen lassen? Es ist besonders bezeichnend, daß gerade an einer Rechtsfakultät Gesetz und Recht in der Weise mißachtet werden konnte. Denn obiges Gedicht beinhaltet eine offene Aufreizung gegen eine Religionsgemeinschaft, ja es fordert in seiner letzten Strophe direkt zu Gewalttätigkeit gegen die Juden auf: „Deutsche Hand, nun werde Faust!'' Es ist eine Schande für die Wiener Universität und besonders für die juristische Fakultät, wie man sich sie nicht ärger vorstellen kann, daß solche bübische Veröffentlichungen in ihrer der Wissenschaft gewidmeten Räumen geduldet werden. Es ist aber auch eine Schande für unseren Staat, wenn g e-

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