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Die Wahrheit · 1926-07-02 · Heft 28 (2.7.1926) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 28 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 4 DBB WAHRHEIT Nr. 28 kann. Die eine ist die des Maimonides, die andere die des Mose ben Nachman. Erstere läßt sich in drei Thesen wiedergeben: 1. Die Auferstehung wird den Frommen zuteil. 2. Diese Wiederbelebung ist nur von zeitlicher Dauer, da ein abermaliges Absterben der Materie erfolgt. 3. Auferstehung und Jenseits sind zwei wesentlich verschiedene Begriffe. Während das rein geistige Leben im Jenseits das eigentliche Ziel des Menschen ist, bildet die Auferstehung nur eine Vorstufe zu jenem. Letztere ist folgendermaßen charakterisiert: 1. Mit der Auferstehung beginnt ein von dem gegenwärtigen unendlich verschiedenes Dasein. Die Seele wird wohl wieder mit dem Körper vereinigt, dieser Körper aber verklärt sich allmählich, so daß er unsterblich wird wie jener des Propheten Elia. 2. Für den derart ätherisch gewordenen Körper ist das sinnliche Wahrnehmen nicht mehr nötig, ebensowenig sinnliches Genießen oder Speise und Trank. Die Seele lebt mit dem geistig gewordenen Körper ewig fort, da der Tod keine Macht mehr über den letzteren hat. 3. Olam habä und Techiat hamesim sind identische Begriffe, beziehen sich auf die zu erwartende Zeit des ewigen Gerichtes, da die Seelen mit ihren Körpern vereinigt Vergeltung haben sollen. — Das göttliche Gericht bezweckt die Läuterung. Der größte Sünder kann, wenn in ihm während der Strafe Erkenntnis und Reue erwachen, der ewigen Seligkeit im Anschauen Gottes teilhaftig werden. — Es gibt keine Ewigkeit der Höllenstrafen. Auch die ärgsten Sünder werden nur „Generationen" hindurch bestraft. Kein Mensch und kein Gerechter, welcher Nation und Religion er auch angehört, ist vom Jenseits ausgeschlossen. — Im Judentum lebt die Messiasidee, von den Propheten verherrlicht und verwendet, von der Literatur benützt. Sie ist wohl bei dem Niedergang politischer Kraft entstanden und jeweils erstarkt. Im Unglück erwacht die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Im Judentum ist die Messiasidee mehr als eine Zukunftshoffung. Sie ist der Glaube an die sittliche Kraft der Menschheit und deren endlichen Sieg. Sie ist der Wegweiser zur Menschheitsverbesserung und der ausgeprägteste Glaube an den Fortschritt. Von der nationalen Zukunftshoffnung ist sie zu der die Menschheit allumfassenden Friedensidee gereift. Der Messias ist nicht 'mehr Erlöser aus staatlicher Not, sondern Erlöser aus jeder geistigen und seelischen. Es mag unbedeutend scheinen, daß das Judentum mit dem Erscheinen des Messias die Aufklärung aller ungelösten religiösen Fragen verbindet, alles Verbotene für erlaubt erklärt, Kultus und Zeremonien aufgehoben denkt, aber es ist die große Idee der ethischen Vervollkommnung der Menschheit, des Gottesstaates auf Erden, in dem es keine Zweifel, kein Unrecht, nur Gutes gibt. — Ueberall im Judentume begegnet man dem Worte Teschuba „Buße". Aus dem Gebete des Versöhnungstages ist allgemein bekannt „Buße, Gebet und Wohltätigkeit entfernen das böse Verhängnis". Nur eine Religion, die in ihrem innersten Wesen auf die Verinnerlichung des Menschen abzielt, kann in der seelischen Umwandlung, in dem „Neuer Mensch werden" durch die Katarrhsis der Buße die Basis .aller sittlichen Kraft erkennen. Ein Satz, wie der: „Dort, wo die Bußfertigen stehen, vermögen selbst die vollendet Frommen nicht zu stehen", ist geeignet, die trübsten Augen zu erhellen. Die Selbstverantwortlichkeit des Juden vermag ohne äußere Schreckmittel, ohne befehlende Priester eben durch die Einkehr und Selbstüberwindung den Sieg des guten über den bösen Trieb zu erwirken. — Alle Wesenszüge des Judentums haben sich vereinigt in der Treue der Ueberlieferung. Hier offenbart sich die Gewissenhaftigkeit, die Gerechtigkeit, die Verantwortlichkeit, Ehrfurcht, Liebe und Pietät vor dem Gottesworte, zeigt sich aber auch ein Konservativismus, der die edelste Form einer Treue gegen sich selbst darstellt. Wahrheiten müssen Ewigkeitswert haben. Daran haben die Lehrer des Gotteswortes stets festgehalten. Selbst die Strömungen im Judentume wie Karaismus und Mystik konnten gegenüber der Treue der Ueberlieferung keinen Sieg davontragen. „Die Kette der Ueberlieferung" ist der Ausdruck, den die Literatur für die mündliche Lehre, für das ununterbrochene Forschen, für das Sich-Versenken der Epigonen in den Geist der Ahnen geprägt hat. Diese Kette hält das Judentum aller Zeiten, aller Länder umschlungen. Vielleicht werden sie manche eine Sklavenkette nennen wollen, wir nennen sie die Ankerkette, die sich dem Schiffe auf dem Ozean der Zeitströmungen immer rettend bewährt hat. „Welch' große Glaubwürdigkeit und welches Vertrauen", sagt Josephus, „wir Juden den Büchern unseres eigenen Volkes entgegenbringen, geht daraus evident hervor, daß niemand bisher so kühn gewesen ist, irgend etwas diesen Büchern anzufügen oder etwa von ihnen zu trennen oder gar irgendwelche Verwechslungen in sie hineinzutragen, obwohl so viele Zeiten über sie hinweggegangen sind; aber es ist den Juden gewissermaßen von der Geburt eingepflanzt worden, diese Bücher zu betrachten und zu verehren als Schriften, die heilige und göttliche Lehren enthalten, und bei ihnen fest zu verbleiben, wenn es aber nottut, um ihretwillen den Tod mit Freuden zu erleiden. Denn sehr oft — das Schauspiel ist nicht neu — haben die jüdischen Gefangenen in großer Anzahl die martervollsten Todesarten in aller Oeffentlichkeit erduldet, um nicht mit einer Silbe gegen die Lehre und ihren Inhalt zu verstoßen. Wer unter den Griechen würde Derartiges aushalten oder nur ein geringeres Unglück ertragen, kämen auch alle ihre Schriften in Gefahr vernichtet zu werden?" — Die These von dem einig-einzigen außerweltlichen Gott, dem Schöpfer des All, die Sittenlehre der Thora und der Propheten, die Sabbathidee, das Zeremonial und Ritual des Judentums — all* das hat jede Kulturreligion derart beeinflußt, daß diese Ideen des Judentums bereits Gemeingut aller Religionen geworden sind. Wenn heute Gottesdienst im Gebete besteht, so hat das Judentum den Gebetskultus den Menschen gegeben, hat nach der Zerstörung des Tempels das „Gebet" als Kultus allgemein durchgeführt. Unsere Alten sagen: „Emes", die Wahrheit ist das Siegel Gottes. Das Wort Emes besteht im Hebräischen aus drei Buchstäben, dem ersten, dem mittleren und letzten des Alphabetes. Wahrheit muß Anfang, Mitte und Ende jeder Weltanschauung sein, die sich behaupten will, ohne sich mit Machtmitteln und Schreckensherrschaft den Menschen aufzuzwingen. jasBmBsmmmmmmmmmmmmmKm^mmtmmammammKmmsaBmB^ Werket momiüd Iii Je Wahrten"! TmmmBmmnmm*mmmmmmamBmaaammmammmmmmmmmmmKmmm&'

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