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Die Wahrheit · 1926-06-25 · Heft 27 (25.6.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 27 (25.6.1926)
Date
1926-06-25
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 27 DiC WAHRHEIT Seit« 11 Wiener Israelitische Kultusgemeinde. Der Kultusvorstand faßte in seiner letzten öffentlichen Plenarsitzung vom 16. d. M. eine Reihe von Beschlüssen, die einer weiteren Zerrüttung des vorgesehenen Budgets begegnen sollen. Denn wie der Finanzreferent Regierungsrat Dr. H. Oppenheim ausführte, ist die Finanzlage nach den ersten fünf Monaten des Budgetjahres eine derartige, daß durch außerordentliche und deshalb nicht präliminierte Ausgaben — so für die Ausgestaltung der Bibliothek und für die Jahrhundertfeier — der Reservefonds von 120.000 Schilling bereits zur Gänze erschöpft ist. Die Finanzkommission hat daher eine Reihe von Anträgen dem Plenum zur Annahme vorgeschlagen, welche auch einstimmig erfolgte. So wurde das Plenum ersucht, Bewilligungen von nicht vorhergesehenen Beträgen sowie Ueberschreitungen von präliminierten Ausgaben nicht ohne vorherige Einholung der Meinung der Finanzkommission vorzunehmen. Die Ausgaben im Haushalte der Kultusgemeinde sollen auf das Allernotwendigste beschränkt werden und zu diesem Zwecke wurde eine Ersparungskommission — übrigens ein langgehegter Wunsch des Vorstandes — bestehend aus den Herren Regierungsrat Dr. H. Oppenheim, Kommerzialrat Moriz Reif und Dr. Desider Friedmann eingesetzt. Der wichtigste Antrag ist wohl der, daß die Kultusgemeinde an das Finanzministerium herantreten soll, um eine Erhöhung des Kultussteuermaximums von 3000 auf 6000 Schilling zu erzielen. Diese Erhöhung erscheint, ganz abgesehen von der Dringlich- ' keit solcher Mehreinnahmen für die Gemeinde, schon deshalb gerechtfertigt, weil diese Steuern gegenüber dem Jahre 1914 beinahe gar keiner Valorisation unterzogen wurden. Regierungsrat Dr. H. Oppenheim erbrachte diesbezüglich sehr anschauliche Vergleichsziffern, aus denen hervorgeht, daß das derzeitige Kultussteuermaximum gerade ein Zehntel des valorisierten Betrages von 1914 ergibt. Da aber unter dieses Steuermaximum nur eine sehr beschränkte Zahl von Steuerträgern fällt, mußte man sich entschließen, auch bei den angrenzenden Steuerträgern, deren Einkommen im Jahre 20.000 Schilling und mehr beträgt, eine staffelweise Steuererhöhung vorzunehmen. Diese Mehreinnahmen würden sich jedoch erst im Jahre 1927 auswirken, dagegen wurde bereits jetzt mit einer Erhöhung des Taxen- und Gebührentarifes bis zu 50 Prozent vorgegangen. Es handelt sich hierbei hauptsächlich um die Gebühren bei Ankäufen von Grüften und bei Begräbnissen der höheren Klassen. Auch hier hat eine Valorisation nur in ganz geringfügigem Maße Platz gegriffen, wie dies Regierungsrat D. H. Oppenheim an Hand von Vergleichsziffern anschaulich schilderte. Als letzte Ersparungsmaßnahme wurde eine Aenderung bei dem Einkaufsystem des jüdischen Spitals und Versorgungshauses vorgenommen, welche Einkäufe von nun ab nicht mehr durch die Anstaltsverwaltungen selbst, sondern, wie dies auch bei anderen Körperschaften der Fall ist, im Wege einer öffentlichen Offertausschreibung nach Anhörung der Gutachten der bezüglichen Fachkommissionen vom Vorstand durchgeführt werden sollen. Der von Herrn Amtsdirektor Guido Fuchsgelb erstattete Präsidialbericht enthielt eine Reihe von Zuschriften an den Kultus vorstand, so ein Dankschreiben des Londoner Keren-Hajessod-Direktoriums für die abermalige Spende von 25.000 Schilling, die, wie es in dem Schreiben heißt, ungesäumt ihrer Verwendung in Palästina zugeführt werden soll. Weiters dankte die durch den Brand hart getroffene Nikolsburger Gemeinde für die Spende von 2000 Schilling für das dortige Versorgungshaus: diese Hilfsbereitschaft wird ein Ruhmesblatt der Wiener Gemeinde für ewige Zeiten bilden. Die Verhandlungen über den Bau der neuen Zeremonienhalle sind bereits so weit fortgeschritten, daß man nach Abschluß der Verträge demnächst den Bau selbst in Angriff wird nehmen können. Das kürzlich errichtete Jugendreferat arbeitet recht ersprießlich, so durch Gründung von Schülerherbergen auch für ausländische Jugendliche. Auch der Ausbau der Gemeindebibliothek schreitet rüstig fort, während der Sommermonate sollen weitere dringend notwendig gewordene Herstellungsarbeiten an Gebäuden der Kultusgemeinde vorgenommen werden. Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d hat eben im Auftrage der Kultusgemeinde zur Erinnerung an deren Hundertjahrfeier eine reichillustrierte „Geschichte der Wiener Juden bis 1914" fertiggestellt, und dieses 80 Seiten starke, ausgezeichnete Büchlein soll noch vor Schulschluß an die jüdische Schuljugend zur Verteilung gelangen. Dem Verfasser wurde für seine hingebungsvolle Arbeit der wärmste Dank des Vorstandes ausgesprochen. Auch für das künstlerisch ausgearbeitete Statut der Israelitischen Kultusgemeinde sind dem Kultusvorstande seitens der Empfänger eine Reihe von Dankschreiben zugekommen, so seitens des ehemaligen Präsidenten der „Union deutschösterreichischer Juden" Maximilian Paul-Schiff und des ehemaligen Kultuspräsidenten Dr. Heinrich Schreiber. In das Kuratorium der Israelitisch-theologischen Lehranstalt wurden die Herren Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, Regierungsrat Dr. H. Oppenheim, Rabbiner Dr. Feuchtwang und Kultusvorstand Dr. Desider Friedmann berufen, zum Präsidenten dieses Kuratoriums wurdev Herr Oberrabbiner Dr. Chajes gewährt. Für den Bau des Kriegerdenkmals auf dem Zentralfriedhofe wurde ein Betrag von 20.000 Schilling aus Gemeindemitteln votiert, weiters wird eine Einladung an einen ausgewählten Kreis verschiedener Persönlichkeiten verschickt, das würdige Werk finanziell zu fördern. Eine Jury wurde eingesetzt, die nach Ausschreibung einer Konkurrenz unter den jüdischen Bildhauern und Architekten die Entwürfe prämiieren wird. Adas Jisroel. In dem von Alfred von Baldass, Verlag Ludwig Vidor, herausgegebenen Führer durch die Stadt Wien werden auf Seite 57 orthodoxe Restaurants unter Aufsicht der Adas Jisroel aufgezählt. Diese Mitteilung ist völlig falsch. Zur Verhütung von Irreführungen wird bekanntgegeben, daß von den dort aufgezählten Restaurants kein einziges der Aufsicht des Rabbinates der Adas Jisroel untersteht. Im Interesse aller, die rituelle Restaurants aufsuchen, ist es erwünscht, diese Richtigstellung möglichst rasch weiter zu verbreiten. Die Angestellten der Kultusgemeinde (mit Ausnahme der Rabbiner) haben sich als Mitglieder des Bundes der öffentlichen Angestellten Oesterreichs zu einer Betriebsgruppe des Bundes der öffentlichen Angestellten zusammengeschlossen. Vor einigen Tagen hat die Konstituierung der Betriebsgruppenleitung stattgefunden und wurden einstimmig gewählt die Herren Hugo W e i s s als Obmann, Max Popper als 1. Obmannstellvertreter, Isidor O e h 1 e r als 2. Obmannstellvertreter, M. B. Kaufmann als Kassier, Karl Zerkowitz als Kassierstellvertreter, Markus Stengel als Schriftführer, Michael Stryks als Schriftführerstellvertreter. Vor einigen Tagen hat sich die neugewählte Leitung der Betriebsgruppe der Angestellten der israelitischen Kultusgemeinde Wien, bestehend aus den Herren Spitalsverwalter Hugo Weiss, Amtsleiter Max Popper und Religionslehrer Isidor Dehler dem Präsidium der Kultusgemeinde vorgestellt. Auf die Ansprache des Obmat nes Weiss, daß die Angestelltenschaft stets mit hingebungsvollem Eifer ihre Pflichten erfüllen und das Interesse der Gemeinde wahren werde, aber auch von der Hoffnung erfüllt sei, daß der Kultusvorstand den berechtigten Wünschen der Angestellten jederzeit geneigtes Gehör geben werden, erwiderten die beiden Vizepräsidenten Dr. Ornstein und Doktor Löwenherz, daß sie die Ausführungen des Obmannes mit Vergnügen zur Kenntnis nehmen, und gaben übereinstimmend die Erklärung, daß sowohl das Präsidium als auch der Kultusvorstand wie bisher der Angestelltenschaft wärmstes Wohlwollen entgegenbringen und auch in Hinkunft bemüht sein werden, den Angestellten nach Möglichkeit entgegenzukommen. Die Betriebsgruppenleitung macht besonders darauf aufmerksam, daß nunmehr keine wie immer geartete sonstige Angestelltenvereinigung (Kantorenverein, Religionslehrerverein Esra, Verein der Verwaltungsbeamten usw.) berechtigt ist, im Namen einer Fachgruppe in Angelegenheiten des Dienstrechtes, der Besoldung usw. bei irgend einer Behörde oder der Dienststelle zu intervenieren, bzw. dortselbst Erklärungen abzugeben. Der Verein der Prager jüdischen Kriegsverletzten veranstaltete am Sonntag, den 20. ds. auf dem jüdischen Friedhof eine Grundsteinlegung für ein Denkmal der im Kriege gefallenen jüdischen Soldaten. Das Inf.-Regiment Nr. 5, das den Namen des Präsidenten M a s a r y k trägt, stellte eine Ehrenkompagnie und die Militärmusik bei. Punkt 11 Uhr begann die Musik mit einem Trauerchoral, worauf Oberkantor S t r a u s s, unter Verstärkung eines Männerchores, mit prachtvoller Stimme und glänzendem Vortrag die Trauerpsalmen anstimmte. In ergreifender Weise hielt dann Prof. Dr. Kraus eine Trauerrede, die auf das Publikum — worunter man viele Generäle und Stadtrepräsentanten sah — einen tiefen Eindruck machte. Trauung. Sonntag, den 20. Juni d. J. fand im Währinger Gemeindetempel unter ungewöhnlicher Beteiligung von Verwandten, Freunden und Bekannten der Familien G u 11 e n - berg und Gestring die Trauung des Fräuleins Marianne Guttenberg. Tochter des Juwelengroßhändlers Herrn Sa- 5**; : i; **

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