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Die Wahrheit · 1926-06-25 · Heft 27 (25.6.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 27 (25.6.1926)
Date
1926-06-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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N^27______________ __5S^^^fBL___ ______ sie nur: „Ein Maß? Gehäuft oder gestrichen voll? Wie hat es mein Mann bestimmt?" Als jene nichts über eine solche nähere Bestimmung zu sagen wußten, sprach sie: „Nun gut. Jedenfalls meinte mein Mann ein gehäuftes Maß. Und wenn nicht, lege ich das Mehr selbst hinzu." Als nun die Sammler von dem Hausherrn mit Dankesworten sich verabschiedeten und den Edelmut seiner Frau priesen, erwiderte er: „Sie tat ganz nach meinem Sinn. Aber verzeihet, weshalb seid ihr erst heute zu mir gekommen?" Verlegen sprachen die Männer von seinem Geiz in der eigenen Haushaltung, der ihnen den Mut genommen habe, bei ihm anzuklopfen. Ohne Unwillen entgegnete Barbutin: „Für uns können wir geizen, wie wir wollen, für unsere Mitmenschen dürfen wir es nicht." * Ein frommer Wohltäter hatte sein ganzes Vermögen verloren, und als er eines Tages, von Kummer bedrückt, im Schweiße seines Angesichtes seinen kleinen harten Acker bestellte, trat ein Fremder hinzu und sprach: „Freund! Du bist bestimmt, sechs Jahre in Ueberfluß zu leben. Willst du es sogleich oder in späterer Zeit? Wähle!" Der Mann hielt diese Worte für Spott und müßige Rede. Er wies den Fremden ab. Als dieser aber beharrlich blieb, sprach er: „Ich will's mit meiner Frau beraten." Daheim erzählte er den Vorfall und seine Frau rief: „Sofort, sofort! sage dem Fremden, wenn er wiederkommt." „Sofort?" sprach der Rätselhafte, als er des andern Tages wieder auf dem Felde erschien. „Es sei! Gehe heim! Du bist ein reicher Mann." Zur selben Stunde hatten die Söhne des Mannes beim Schuttabtragen in der Nähe, ihrer Hütte einen Schatz hellblinkendes Goldes gefunden. Jubelnd riefen sie die Mutter herbei und alle zogen überglücklich dem heimkehrenden Vater mit der Freudenbotschaft entgegen. Die Mutter aber sprach: „Sechs Jahre des Genusses sind uns beschiedeu. Da wollen wir auch die Pflichten des Reichtums erfüllen." Und sie übte Tag für Tag edle Werke und half den Armen. Von ihrem jüngsten Sohne ließ sie aber über alle diese Spenden genau Buch führen. Als die sechs Jahre um waren, erschien jener geheimnisvolle Fremdling. Es war kein anderer als der Prophet Elia. Er forderte den Schatz zurück. Der Hausherr aber sprach: „Auf den Rat meiner Frau habe ich den Schatz angenommen. Ohne ihren Rat kann ich ihn nicht zurückerstatten." Sie kamen zur Hausfrau und die sprach: „Unser Wohltäter! Du hast recht, den Schatz zurückzufordern. Nimm ihn, wenn du andere findest, die ihn besser verwalten!" Und als sie dem Propheten ihre gewissenhafte Buchführung über ihre weise Verwendung des Geldes vorwies, sprach er: „Behaltet das Geld! Es soll euer eigen sein!" * Der arme, fleißige Abba Chilkia wurde zur Zeit einer großen Dürre und Hungersnot von den Gelehrten aufgesucht, daß er um Regen bete. Das Gebet dieses Gottesfürchtigen müsse mehr als das jedes anderen wirken. Der Fromme stellte sich in den einen Winkel seiner Hütte und betete inbrünstig; seine Frau in den anderen. Und siehe da! Gerade auf der Seite, auf der die Frau stand, zog eine Wolke am Himmel herauf, der bald weitere folgten. Der heißersehnte Regen stellte sich ein. „Weshalb", fragten nun die Gelehrten den Frommen, „weshalb zeigte sich die Wolke zuerst dort, wo deine Frau betete?" „Nun einfach deshalb", sprach er, „weil sie doch im Hause ist, wenn Arme kommen, und sie ihnen Brot reicht." * Rabbi Elieser. Rabbi Jcchoschua und Rabbi Akiba kamen auf ihren Reisen, um Geldmittel für arme Studierende zu sammeln, auch nach Antiochia. Dort war es besonders der reiche Abba Judan, der ihnen reichlich spendete. Die Ungunst der Zeiten hatte ihn aber seines gesamten Rcichtumes beraubt. Nichts, als ein kleines Feld war ihm geblieben, das er, um sein spärliches Brot zu erraffen, selbst bebauen mußte. Als er nun eines Tagss die drei Weisen nahen sah, schämte er sich, ihnen nichts bieten zu können. Rasch warf er die Hacke hin und flüchtete ins Haus, um sich vor ihnen zu verbergen. Seine Frau aber schalt seine Kleinmut. „Wie? Nichts hast du für sie? Und unser Feld?! Gieb ihnen die Hälfte! Mit der anderen werden wir uns behelfen." Abba Judan tat nach ihrem Rate. Er entschuldigte die Bescheidenheit seiner Gabe mit seiner üblen Lage. Sie schieden von ihm mit dem Wunsche: .Der Herr möge dir ersetzen, was du verloren!" Als Abba Judan einige Tage darauf sein Feldchen pflügte, brach die Kuh, die den Pflug zog, in eine Grube ein. Er stieg hinab, um ihr aufzuhelfen. Da blitzte es ihm entgegen wie Goldesglanz. Er hatte einen Schatz entdeckt und war reicher, denn zuvor. Als jene Gelehrten nach Jahresfrist wiederkehrten, mieden sie Abba Judans Haus. Sie wollten den Armen nicht wieder in Verlegenheit bringen. Als sie sich aber teilnehmend nach ihm erkundigten und erfuhren, wie ihr Segenswunsch in Erfüllung gegangen war, da suchten sie ihn auf und wiesen ihm ihre Liste vom vergangenen Jahre. „Sieh' her! Obwohl damals andere viel mehr als du gespendet, setzten wir dich an die Spitze. Deine Gabe wog mehr als alle anderen." So hatte Abba Judan, dank seiner Frau, Ehre und neuen Reichtum geerntet. _ (Fortsetzung folgt.) Glossen. Auch in Breslau wurden Ritualmordbeschuldigungen als schamlose, böswillige Lügen entlarvt. Man wird sich aber hüten müssen, dieses wahrlich die Menschheit schändende Märchen, für dessen Erhaltung seit Jahrhunderten die vereinigten Mächte von Judenhaß, Unwissenheit, Dummheit und Raubsucht kämpfen, endlich für tot zu halten. Und doch gibt es kaum ein Märchen, von dem es mit mehr Recht hätte heißen müssen: es war — einmal. * * Herr Fritsch hat endlich deutsche Richter gefunden, die es sich nicht einreden lassen, daß er unter dem „Judengott Jahwe" nicht den Gott der jetzt lebenden Juden und unter der „ruchlosen Oesinnung der jüdischen Religion" nicht die Gesinnung verstehe, auf die auch die christliche Religion aufgebaut ist. Er hat endlich deutsche Richter gefunden, die das „wissenschaftliche" Geflunker eines Mannes nicht ernst nehmen, der sich unausgesetzt auf d'en Talmud und uralte hebräische Werke beruft und aufgefordert, eine Zeile hebräisch zu lesen, gestehen muß, daß ihm diese Sprache so fremd wie Sanskrit sei. Er hat endlich deutsche Richter gefunden, die in dem Umstand, daß er in der Wiederholung von infamen Lügen und Fälschungen — anderer alt geworden, keinen Milderungsgrund erblicken, und sie haben den 72jährigen, der auf das Gewohnheitsunrecht, zu schimpfen und zu verleumden, pochte, zu einer Arreststrafe verurteilt. Herr Fritsch wird in Anbetracht seines vorgeschrittenen Alters kaum mehr imstande sein, durch ehrliche Studien zur ehrlichen Anerkennung des „Judengottes" zu gelangen, der der Gott aller ist. Aber er wird sich vielleicht, da die Geschichte für ihn diesmal nicht mit einer geringen Geldstrafe ausgegangen ist, durch das richterliche Urteil dazu bewegen lassen, den „Judengott", wenn auch nicht zu loben und zu preisen, so doch schweigend zu ignorieren. Die Juden haben zwar nie einen Gott der Rache, sondern immer einen Gott der Liebe und des Erbarmens gehabt, aber die deutschen Richter dürften jetzt doch Herrn Fritsch davon überzeugt haben, daß auch die Beschimpfung dieses Gottes nicht — ungerächt bleiben darf. * * * Die Hannoveraner Hakenkreuzler haben, wie es in dem amtlichen Kommunique so unglaublich schön heißt, „zugegeben, daß die vorgekommenen Störungen der akademischen Ordnung widersprechen und daß das Disziplinarverfahren ordnungsgemäß durchgeführt wird". Das ist ja reizend von den Studenten! Trotzdem Professor Lessing ein Jude ist und schließlich nicht gar so wesentliche Mißhandlungen erlitten, haben die Hakenkreuzler doch „zugegeben", daß diese Anlaß zu einem Disziplinarverfahren bieten. Wer hätte auf ein solch weitgehendes Entgegenkommen der Studenten gehofft! Es wäre wirklich weniger überraschend gewesen, wenn die hohe, die Freiheit des Nichtlernens über

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