Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 27 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 27 alles respektierende Regierung mit einem pater, peccavi zugegeben hätte, die hakenkreuzlerischen Gefühle der Studenten durch die Ernennung Professor Lessings in unverantwortlicher Weise verletzt zu haben. * * * * Professor Plathe, der Nachfolger Haeckels, hat schon einmal, weniger durch wissenschaftliche Leistungen als durch die infame Versündigung an dem Andenken seines großen Vorgängers, die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Nun hat er es nach längerer Zeit abermals erreicht, von sich sprechen zu machen, wieder nicht durch ein ruhmvolles wissenschaftliches Werk, sondern durch einen politischen Vorschlag, den er den Regierungen und Parlamenten unterbreitete. Plathe behauptet, es gebe höhere und niedere Stände und Pflicht der kompetenten staatlichen Faktoren sei es, eingedenk dessen, daß die Juden die Träger der sexuellen Unmoral und die Erfinder der Sozialdemokratie seien, dafür zu sorgen, daß den höheren Ständen die entscheidende Rolle im öffentlichen Leben zufalle. Wie die Verhältnisse hegen, hat Professor Plathe kaum Aussicht, die Regierungen und die Parkmente für seine mittelalterlichen Pläne zu gewinnen, aber man wird doch zugeben, daß Plathe in Zukunft, wenn auch nicht als Repräsentant „höherer Stände", so doch als Vertreter des höheren Blödsinns anerkannt werden dürfte. * * :■: Her? Franz M o 1 n a r war nicht wie Ivan v. J u s t h auf die verruchte Idee gekommen, den gegenwärtigen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen zu ohrfeigen; er hatte sich als ein erwachender Patriot damit begnügt, den gewesenen ungarischen Justizminister Vazsonyi mit einem Knüttel zu überfallen. Es ist ziemlich ausgeschlossen, daß Herr Molnar für die tätliche Insul-, tierung Bethlens mit einer Rangerhöhung abgefunden worden wäre, während er, bevor noch die gerichtliche Verhandlung wegen seines Attentates auf Vazsonyi stattgefunden, rasch zum Oberkontrollor befördert wurde. Die für die bombenfesten Patrioten so ermunternde Ernennung eines Erwachenden zum Oberkontrollor^ sollte wohl zeigen, die Rechtsordnung in Ungarn sei bereits so glänzend hergestellt, daß die Befürchtung, sie könnte noch irgendwie gestört werden, ausgeschlossen erscheint. Die böse Opposition hat diese Beweisführung mißverstanden und wie immer mit Skandal gedroht. Der Finanzminister, der auch mit dem Ausland rechnet, hat die Ernennung Molnars annuliert, was nichts anderes heißt als: aufgehoben ist nur aufgeschoben. Mit stolzer Genugtuung konnte Graf Bethlen bei seiner Heimkehr aus Genf darauf hinweisen, daß er die Aufhebung der Kontrolle über Ungarn erreicht habe. Er wird auch schon dafür sorgen, daß sich Ungarn, wenn auch mit einiger Verzögerung, ungetrübt des Oberkontrollors Molnar erfreuen darf. Herr Ladislaus Vannay, der ebenbürtige Kompagnon Molnars in dem gelungenen patriotischen Unternehmen gegen Vazsonyi, hatte sich, bisher wenigstens, einer geringeren Würdigung seiner Tat zu erfreuen. Wohl wurde auch er, nachdem er zur patriotischen Berichterstattung beim Polizeikommissariat erschienen war, von einer begeisterten Volksmenge mit enthusiastischen Eljenrufen begrüßt, aber man hatte nicht davon gehört, daß auch er irgendeine staatliche Auszeichnung empfangen hätte. Muß diese ungleiche Schätzung des Verdienstes den Herrn Vannay nicht schmerzlich berühren? Ich bin momentan nicht im Klaren darüber, wer von den zwei Herren der amnestierte Mörder und welcher der einstige Insasse eines Irrenhauses gewesen, aber man hätte sicherlich mit Recht eine gleiche Behandlung beider „Patrioten" erwarten dürfen. Man wird es daher auch begreifen, daß Herr Vannay, wie aus den Budapester Polizeiberichten ersichtlich ist, in der jüngsten Zeit seinen Gram über die erlittene Zurücksetzung im Wirtshaus zu ersticken sucht und dann auf dem Heimwege in nie schwankendem „patriotischen Ueberschwang" Juden überfällt. Die Folgerung, daß er auf diesem Wege früher oder später noch Karriere machen müsse, ist ganz vernünftig. Also war vielleicht doch der andere aus dem Irrenhaus gekommen. Ego. Mitteilungen des Zentralvorstandes der „Union deutschösterretchischer Juden." Iii der am 17. d. M. stattgehabten letzten Sitzung des Zentralvorstandes der „Union deutschösterreichischer Juden" wurden in Anerkennung ihrer Verdienste um unsere Vereinigung die Herren Siegmund Ernst, Börserat Ignaz Glück, Bezirksrat Dr. Oskar, Hein und Alexius Salzer einstimmig in den Beirat des Vorstandes gewählt. Mit der im Vormonate stattgefundenen Versammlung der Mitgliedschaft Landstraße wurde unsere heuer besonders reiche Versammlungstätigkeit geschlossen; bereits für den Beginn der Herbstsession sind mit den verschiedensten Referenten eine Reihe von Versammlungen geplant, deren Beginn unsere Festveranstaltung anläßlich des vierzigjährigen Bestandsjubiläums der „Union" darstellen soll. Seitens unserer Jugendgruppe ist dem Zentralvorstande aus dem Reingewinn ihrer letzten größeren Veranstaltung ein namhafter Betrag zugekommen, für den der Sektion der herzlichste Dank des Vorstandes ausgesprochen wurde. Herr Medizinalrat Dr. Heinrich H a a s e erstattete ein ausführliches Referat über eine demnächst in Angriff zu nehmende Abwehraktion gegen den Antisemitismus, an das sich eine eingehende Debatte anschloß. Es wurde beschlossen, diese.Debatte mit einem Korreferat des Vizepräsidenten Herrn'^Hofrat Dr. J. Löwner in der ersten Herbstsitzung fortzusetzen, und dann die geplante Aktion sofort in Angriff zu nehmen. ■■■—■■»■■■■■ Gebildetes 17jähriges Mädchen j aus gutem jüdischem Hause, sucht Stelle zu Kindern, hilft £ auch im Häuslichen. — Referenzen : Herr Rabbiner ■ Dr. Kurrein in Linz a. D. — Gefl. Zuschriften sind : unter „E. B-" an die Administration unseres Blattes, Wien : IL, Heinestraße 13, zu richten. >*■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■•»■■•■ JAC. MAVER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengüsse 24 Wien II., Taborstraße 44