Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 26 (18.6.1926)
- Date
- 1926-06-18
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8 DIE WAHRHEIT Nr. 26 In einer neuerlichen Verhandlung wegen der vielbesprochenen Vermietung eines Lokales an einen Juden hat der Vertreter des Servitenklosters P. Ambros erklärt: „Wir sind nicht gegen die Juden und Fremdrassigen.4* Der hochwürdige Herr hat also richtig, wie ich es vorausgesagt habe, die erste Gelegenheit benützt, um die prinzipielle gegen „Juden und Fremdrassige" gerichtete Erklärung, die der weltliche Anwalt bei der ersten Verhandlung zum besten gegeben, zu desavouieren. Wenn ein antisemitelnder Advokat in seinem Uebereifer im Namen des Servitenklosters Ansichten äußerte, die einigermaßen wie ein Hohn auf die Lehren des Evangeliums, auf die Grundlage des Christentums, erschienen, so konnte und durfte ein Dementi von christlicher Seite nicht ausbleiben. Jeder Antisemit kann sich den Luxus gönnen, im Judenhasse einen wesentlichen Bestandteil seiner Religion zu erkennen, einem Christen aber müssen die Gebote der Menschenliebe höher stehen. Wenn P. Ambros vor Gericht versicherte: „Wir sind nicht gegen Juden und Fremdrassige", wollte er sicherlich in populärer Weise zum Ausdruck -bringen, daß er die Juden, die nächsten Verwandten der Apostel, nicht zu den „Fremdrassigen" zähle. Der katholische Priester P. Ambros sagte da gewiß mit Luther: „Und wenn wir gleich hoch uns rühmen, so sind wir dennoch Heiden, und die Juden von dem Geblüt Christi: wir sind Schwäger und Fremdlinge; sie sind Blutfreund, Vettern und Brüdern unseres Herrn." Aber er hat zugleich mit gutem Rechte, ohne sich um den Stand der wissenschaftlichen Forschung zu kümmern, die überhaupt keine Rassenfrage anerkennt, auch ganz im Sinne des Evangeliums es aussprechen wollen, daß man auch die „Fremdrassigen" als Menschen seinesgleichen betrachten müsse. Nicht ganz beipflichten kann man aber einer Bemerkung des hochwürdigen Herrn, aus der hervorzugehen scheint, daß man bei der Vermietung eines Geschäftslokales an einen Juden „auf das Empfinden des katholischen Volkes Rücksicht nehmen müsse". Ist da dem hochwürdigen Herrn nicht doch eine kleine Verwechslung zwischen „katholisch" und „antisemitisch" passiert? * * * Die hakenkreuzlerischen Studenten der Hannoveraner Technischen Hochschule haben sich nicht begnügt, ihrer Mißachtung gegen Professor Lessing mit den Fäusten Ausdruck zu geben. Dies ist ihnen glänzend gelungen. Hakenkreuzlerische Studenten der ganzen Welt rüsten sich auch schon, den Hannoveranern ihre huldigende Zustimmung für ihr mannhaftes, von wahrer antisemitischer Gesinnung zeugendes Vorgehen auszusprechen. Aber die Hannoveraner haben auch in einer Eingabe an das Unterrichtsministerium ein freches Attentat auf die wissenschaftliche Bedeutung Professor Lessings versucht. Das war ein Versuch mit unzulänglichen Mitteln. Dazu genügen nicht Fäuste, dazu reicht auch die gründlichste Vorbereitung im Wirtshaus nicht aus. Ein Zufall will es, das just in den Tagen, in welchen die hoffnungslos grünen Jungen sich auch an der wissenschaftlichen Ehre Lessings vergriffen, ein Schreiben des berühmten Leipziger Professors Driesch bekannt wurde, in welchem dieser Lessings Bedeutung für die Wissenschaft in außerordentlicher Weise rühmt. Er würdigt ihn als den berufensten Kulturphilosophen unserer Zeit, der in seinem Werke „Untergang der Erde am Geiste" die tiefsten Blicke in die letzte Entwicklungsgeschichte getan. Noch begeisterter spricht Professor Driesch von einem anderen Werke Lessings „Meine Tür", von dem er sagt, daß es ihn geradezu an Franz v. Assissi erinnere und daß dessen Autor kein Mensch sei, der eine Zierde des deutschen Volkes bildet". So urteilt ein großer deutscher Philosoph, der Nachfolger Wundts über Lessing, den die hakenkreuzlerischen Studenten eine Schmach Deutschlands nennen. In einem Salzburger Hakenkreuzlerblatt ist u. a. buchstäblich zu lesen: „Der . Talmud als das oberste Gesetzbuch der Juden spricht den Christen das Menschentum überhaupt ab, er bezeichnet die Christen als „Vieh" — als „Körbe mit Dünger gefüllt". Ein Ehebruch mit einem Christen ist z. B. für einen Juden keine Sünde." So viele Worte, so viele Lügen und zwar Lügen der tückischesten Art. Es ist wahr, Rohling, ein entlarvter Ignorant und Fälscher hat dergleichen Ungeheuerlichkeiten dem Talmud angedichtet, aber nicht nur jüdische, sondern auch namhafte christliche Gelehrte, Autoritäten wie Franz Delitzsch haben die schamlose Verlogenheit dieser Behauptung nachgewiesen. Was soll man nun von den antisemitischen Ritualmordschächtern sagen, die eine unfaßbare Nach-« sieht der Staatsanwälte ausnützend, immer noch mit der Wiederholung dieser Lügen ihre Leser zum Hasse und zur Verfolgung der Juden hetzen? Ist das bestialische Vergnügen, mit solchen Mitteln zu kämpfen, zu entschuldigen? Man tut aber vielleicht ein Unrecht, da von einem „bestialischen" Unrecht zu sprechen. Man kann einem „Vieh" die Kunst des Schreibens nicht beibringen, aber wäre es möglich, würde es sich vielleicht weigern, die böswilligen lügen Rohlings nachzuschreiben. Ego.;Tl 11111I^^^^^^TT^^^^^^^M^MT^^^^nM^Mf^^^^^^^MM^MEMMT^^^^^^Mi Hotel-^-Restaupont Buth II., Hollandstraße Nr. 14 Vornehmes Restaurant mit erstklassiger Küche Menu zu S 1.80 und 2.20 Übernahme von Diners und Soupers in und ausser Haus jj Jeden Samstag und Sonntag Souper bansant Jeden Sonntag Tünf-V(}r~Zee mit Zanz 3 Zum Besuch ladet höfl. ein } Besitzef | IIIIIIIIK1IUIIIIIIIIIII III I« |iMi||iMiH^^ IAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44