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Die Wahrheit · 1926-06-18 · Heft 26 (18.6.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 26 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 7 „Unter den Menschen hast du zwar Macht und tust, was du willst, ofrwohl du ein Sterblicher bist, glaube aber nicht, daß unser Volk von Gott verlassen sei. Warte nur, du wirst seine große Macht schauen, wenn er dich strafen wird". Nach diesem führten sie den sechsten herbei und da er sterben sollte, sprach er: „Täusche dich nicht! Wir leiden solches um unsertwillen, da unser Volk gegen Gott gesündigt hat. Du aber wähne nicht, ungestraft zu bleiben, da du dich vermessen hast, gegen Gott zu streiten". Ganz besonders zu bewundern ist aber die Mutter, die sieben Söhne umkommen sah an einem Tage und es mutig ertrug in der Hoffnung auf den Herrn. Voll edler Gesinnung stärkte sie ihr mütterliches Herz mit männlichem Mute und ermahnte ihre Söhne in der Sprache der Väter und sprach zu ihnen: „Der Schöpfer der Welt, der den Menschen gebildet und allen Wesen das Dasein gegeben hat, wird euch den Odem und das Leben wiedergeben mit Erbarmen, wie ihr euch jetzt selbst hingabt um seiner Lehre willen". Antioahus aber meinte, sie verspotte ihn. Er ermunterte daher den Jüngsten, der noch übrig war, und versicherte ihm sogar mit einem Eide, er wolle ihn reich und glücklich machen, ihn zu seinen Freunden zählen und ihm hohe Aemter anvertrauen, wenn er von der Lehre der Väter abfiele. Da aber der Jüngling durchaus nicht darauf achtete, rief der König die Mutter herbei und ermahnte sie, ihrem Sohne zum Heile zu raten. Nachdem er ihr nun lange zugeredet hatte, übernahm sie es zum Scheine, ihren Sohn zu überreden. Sie neigte sich über ihn, und, indem sie des grausamen Tyrannen spottete, sagte sie in ihrer Vätersprache: „Mein Sohn, erbarme dich mein, die ich dich unter dem Herzen getragen und ernährt und gepflegt und bis zu diesem Alter aufgezogen habe. Ich bitte dich, mein Kind, schau an den Himmel und die E$de, betrachte alles, was da ist, und erkenne, daß Gott sie aus dem Nichts geschaffen hat und daß auch das Geschlecht der Menschen also entstanden ist. Fürchte nicht diesen Wüterich, sondern zeige dich deiner Brüder würdig und erleide den Tod, damit ich dich durch Gottes Barmherzigkeit mit deinen Brüdern wiederfinde". Während sie noch redete, sprach der Jüngling: „Worauf wartet ihr? Ich gehorche nicht dem Gebote des Königs, ich gehorche vielmehr dem Gesetze, das unseren Vätern durch Mose gegeben worden. Du aber, der du alles Unheil über Israel gebracht, 'du wirst den Händen Gottes nicht entrinnen. Denn w i r leiden um unserer Sünden willen. Wenn aber unser Herr, der lebendige Gott, eine kurze Zeit auf uns zürnt, um uns durch Züchtigungen zu bessern, so wird er sich auch wieder aussöhnen mit seinen Knechten. Du aber, Gottloser und Verruchtester aller Menschen, überhebe dich nicht eitel und trotze nicht auf nichtige Hoffnungen, indem du Hand an seine Knechte legst. Denn noch bist du nicht der Strafe des allmächtigen und allsehenden Gottes entgangen. Meine Brüder haben nur eine kurze Qual erduldet und sind nach der Verheißung Gottes des ewigen Lebens teilhaftig geworden. Du aber wirst durch Gottes Gericht den gerechten Lohn für deinen Uebermut empfangen. Ich gebe nun, wie meine Brüder, Leib und Seele hin für die väterliche Lehre, indem ich zu Gott flehe, daß er bald seinem Volke sich gnädig zeige, daß du aber, durch sein Gericht gezwungen, bekennen müssest: Er allein ist Gott, und daß bei mir und meinen Brüdern möge stille stehen der Zorn des Allmächtigen, der mit wohlverdientem Recht über unser ganzes Volk ergangen ist." Der König war außer sich vor Zorn und verfuhr gegen diesen noch schlimmer, als gegen die übrigen; denn der Spott erbitterte ihn. So starb auch dieser schuldlos, indem er sein ganzes Vertrauen auf Gott setzte. Zuletzt starb auch die Mutter. (Fortsetzung folgt) 1 S Glossen, Die radikalsten politischen Gegner des ungarischen Ministerpräsidenten mißbilligten mit den schärfsten Worten die Insulte, die ihm in Genf widerfahren. Eine Ohrfeige ist ein schlagendes, aber kein überzeugendes Argument, dem man im politischen Kampfe, der mit geistigen Waffen geführt werden sollte, unter keinen Umständen eine Berechtigung zuerkennen darf. Darüber ist wirklich kein weiteres Wort zu verlieren. Die lautesten Entrüsttingsschreie über die Genfer Ohrfeige gönnen sich merkwürdigerweise die Führer der Erwachenden. Sie, die voll zarten Empfindens für den „patriotischen Ueberschwang" selbst für die blutgierigsten Mörder nicht nur Schutz und Beistand gegen den Galgen, sondern auch herzliche Worte der Sympathie aufbrachten, überbieten sich in Ausbrüchen sittlicher Empörung ob des Roheitsaktes, zu dem sich in seinem politischen „Ueberschwang" Ivan v. Justh hinreißen ließ. Natürlich, was bedeutet die Abschlachtung der Opfer von Orgovany, was sind die mörderischen Bombenattentate im Vergleiche zu dem Schlage, der die Wange eines Ministerpräsidenten traf! Freilich, wenn die Hejjas- Leute darauf hinweisen, daß die europäische Presse die Begnadigung dieser Mörder beinahe kühler aufnahm als die unverzeihliche Insulte gegen Bethlen, was könnte man dagegen sagen? * * * Graf Bethlen war eigentlich nach den Ergebnissen des Francsfälscherprozesses, in welchem er als Zeuge mehr sich verteidigte, als die Angeklagten angriff, eigentlich schon als politisch ziemlich niedergeschlagener Mann nach Genf abgereist. Bei seiner Rückkehr wurde er aber von Ovationen begrüßt. Diese hatte er weniger seinen politischen Erfolgen beim Völkerbund zu verdanken — denn diese blieben weit hinter den Erwartungen zurück — als vielmehr dem Umstand, daß man dem Ministerpräsidenten eine Genugtuung für den Schlag schuldig zu sein glaubte, den er in Genf erlitten. So hat auch ein Uebel mitunter seine gute Seite. Graf Bethlen hat wahrlich während des Verlaufes der Francsfälscheraffäre viele Invektiven auch von hochgeborenen Standesgenossen', wie Pallavicini, Karoly, Andrassy, einstecken müssen, aber diese moralischen Ohrfeigen haben ihm lange nicht so geschadet, als ihm die eine wirkliche Ohrfeige des Ivan v. Justh genützt hat. Diese eine Ohrfeige wird ihm so hoch angerechnet, wie wenn er dafür gesorgt hätte, daß die Rechtsordnung in Ungarn hergestellt würde, daß die antisemitischen Strolche nicht ungestraft über die Juden in Ungarn herfallen dürften, wie wenn er es durchgesetzt hätte, daß man die mörderischen Bombenwerfer von Czongrad und dem Elisabethstädter Klub nicht freisprechen ließ. Mag man dem Grafen Bethlen ein noch so langes Sündenregister vorhalten, der frenetische Jubel seiner Verehrer wird alle Anklagen übertönen, ihm bleibt der unzerstörbare Ruhmestitel: „Das ist der Mann, der aus Genf eine Ohrfeige heimbrachte." * <. * * Trotz alledem darf man sich der Erkenntnis nicht verschließen, daß auch in Ungarn der Kreis der politisch und gesellschaftlich hochstehenden Persönlichkeiten sich allmählich lichtet. Nun ist auch eine hocharistokratische Dame aus dem Lager der Erwachenden wegen großer Unterschlagungen in die Hände der Staatsanwaltschaft gefallen. Die Liste jener, die sich aus der antisemitischen Gesellschaft stehlen, wird immer größer. * * - * Wtrtet ftamtita lir jie Würter!

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