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Die Wahrheit · 1926-06-18 · Heft 26 (18.6.1926) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 26 (18.6.1926)
Date
1926-06-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sedte 6 „Wenn über die ernste Partitur Quer Stcckenpferdlein reiten Nur zu! Auf weiter Töne Flur Wirst manche Lust bereiten, Wie Du's getan mit Lieb und Glück, Wir wünschen Dich allesamt zurück," Felix war auch in den Jahren 1322, 1825, 1826, 1827 in Weimar. 1822 kam Abraham Mendelssohn mit seiner Frau und der Tochter Fanny Cäcilie nach Weimar. Diese mußte Goethe viel von Bach vorspielen und seine von ihr komponierten Lieder gefielen ihm außerordentlich. Er dichtete auch speziell für Fanny ein kleines Gedicht, ein Liebeslied, etwa im Stil des West-Oestlichen Diwan, und sie sandte ihm eine Komposition durch Carl von Holtei zu. 1825 kündigte Felix ihm eine Dedikation an, ein Quartett, das er dann auclj jrj Weimar in großer Gesellschaft produzierte. Auf die Ankündigung der Dedikation schrieb Goethe unter dem 15. April 1825 an Felix' Mutter: ..Mit vielem Vergnügen, meine werteste Frau, werde ich das öffentliche Zeugnis betrachten, welches mir Ihr lieber, in einem so hohen Grade talentreicher Sohn zudenken will. Ich bewundere ihn schon seit langen Jahren und dazu hat er als wohl geartet schon früh meine Neigung gewönnen und sie bis in die letzte Zeit zu erhalten und zu vermehren gewußt. Der Freude an seinem unvergleichlichen Talent konnte ich mich um so freier überlassen, als ich ihn von einem trefflichen Lehrer, meinem Freunde (nämlich Zelter) in einem hohen Grade geschätzt und geliebt wußte. Möchten seine schönen Gaben ihm auch zum Glück seines Lebens gereichen. Auf diese Gerechtigkeit des Schicksals trauend, empfehle ich mich Ihnen und Ihrem werten Hause zum Allerbesten." Nachdem die Dedikation angekommen wan, schrieb Goethe unter dem 18. Juni 1825 an Felix, selbst: „Du hast mir, mein teurer Felix, durch die gehaltvolle Sendung sehr viel Vergnügen gemacht, Notenstich, Titelblatt, sodann der allerherrlichste Einband wetteifern miteinander, die Gabe stattlich zu vollenden. Ich habe sie daher für einen wohlgebildeten Körper zu achten, mit dessen schöner, kräftigreicher Seele Du mich so höchster Bewunderung schon bekannt machtest. Nimm daher den allerbesten Dank und laß mich hoffen, Du würdest mir bald wieder Gelegenheit geben, Deine staunenswürdige Tätigkeit in Gegenwart zu bewundern. Empfiehl mich den würdigen Eltern, der gleichbegabten Schwester und dem vortrefflichen Meister (Zelter). Möge mein Andenken in solchem Kreise immerfort lebendig dauern. Treulich J. W. von Goethe." In den folgenden Jahren hält die Verbindung Goethe's mit Felix und seinen Angehörigen an. 1829 erkrankte Felix, und Goethe erkundigte sich bei Zelter nach ihm, er nehme den größtejj Anteil an ihm, denn es sei höchst ängstlich, .ein Individuum, aus dem so viel geworden, durch einen niederträchtigen Zufall in seiner vorschreitenden Tätigkeit gefährdet zu sehen. Zelter kündigte. 1830 dann einen neuen Besuch von Felix an, und Goethe schrieb darauf an Zelter: „Hiermit noch die freundlichsten Grüße an Felix, den Du mir ankündigst. Ich sage meiner Umgebung nichts, damit die Freude, ihn wiederzusehen, durch Ueberraschung noch gesteigert werde", und als Felix darauf im Mai 1830 eintraf, war die Freude im Goetheseben Hause wirklich groß und tief. Er blieb vierzehn Tage und belebte das ganze Haus. Er bat Goethe, ihn, der damals beinahe 21 Jahre alt, bereits ein allgemein bewunderter und anerkannter Künstler, auch sonst ein hochgebildeter Mensch war, „Du" zu nennen. Goethe ließ ihm darauf sagen, dann müsse er länger bleiben, wie er ursprünglich gewollt hätte, sonst könnte er sich nicht wieder daran gewöhnen. Er lud ihn auch ein, jeden Tag zum Essen zu kommen, wenn er nicht anderswo sein wollte. Felix war denn auch jeden Tag da. Scherzhafterweise verbot er ihm, nach Berka, einem beliebten Ausflugsort der Weimaraner, zu fahren, „weil da ein schönes Mädchen wohne und er ihn nicht ins Uglück stürzen wolle". Felix schildet, wie er täglich Goethe ein Stüdchen K'.avier von allen verschiedenen großen Komponisten vorspielt, nach der Zeitfolge, und ihm erzählen muß, „wie sie die Sache weiter gebracht hätten". „Dazu sitzt er", so heißt es in dem darüber berichtenden Briefe Felix4 an seine Eltern, „in einer dunklen Ecke, wie ein Jupiter tonans und blitzt mit den alten Augen. An den Beethoven wollte er gar nicht heran; ich sagte ihm aber, ich. könne iljm nicht helfen und spielte ihm das erste Stück der C-moll-Symphonie vor. Das berührte ihn ganz seltsam. Er sagte erst: „Das bewegt aber gar nichts, das macht nur staunen, das ist grandios", und dann weiter: „Das ist sehr groß, ganz toll! Man möchte sich fürchten, das Haus fiele ein." Goethe lud während der Zeit eine Mcugc Schönheiten von Weimar zu sich, weil er. Felix, doch mit den jungen Leuten leben müsse. Als er in dieser Gesellschaft an Goethe herangetreten, habe dieser gesagt: „Meine Seele! Du mußt zu den Frauen hingehen und da recht schön tun!" Den Abschied Felixens empfand Goethe sehr schmerzlich. Er entließ ihn „mit den besten Segnungen". Als Zelter über Felix' Aufenthalt in Rom an Goethe beberichtete, schrieb dieser: „Felix, dessen glücklichen Aufenthalt in Rom du meldest, muß überall günstig aufgenommen werden. Ein so großes Talent, ausgeübt von einer so liebenswürdigen Jugend." Es war dies im Jahre 1831, also nur einige Jahre vor dem Tode Goethas. Am 22. März 1831 langte ein Brief von Felix an Goethe an. Ueber diesen schreibt Goethe an Zelter: „Vor allen Dingen habe ich zu vermelden, daß ich einen ganz allerliebsten, ausführlichen Brief voji Felix, datiert von Rom 5. März erhalten habe, welcher das reinste Bild dieses vorzüglichen jungen Mannes darstellt. Seinen Eltern und Berliner Freunden wird er gewiß das Gleiche mit gleicher gemäßigter Freiheit melden. Für den ist nun weiter nicht zu sorgen. Der schöne Schwimmgürtel seines Talents wird ihn auch durch die Wogen und Brandungen der zu befürchtenden Barbarei hindurchführen." Der letzte Brief Goethes an Felix, väterlich liebevoll gehalten, ist nach Engelberg gerichtet und trägt die Anschrift: „Mein lieber Sohn!" Damit endeten die Beziehungen Goethes zu Felix. — Das Letzte, was wir wissen, ist ein Schreiben Goethes an Zelter, in welchem es heißt: „Zunächst aber möchte ich erfahren, was Ihr von dem trefflichen Felix wißt. Ich hatte einen höchst interessanten Brief aus der Schweiz von ihm; ich schrieb ihm nach München, habe aber seit der Zeit nichts von ihm vernommen." Bemerkt mag noch werden, daß der Titel zu der Ouvertüre „Meeresstille und glückliche Fahrt" von Goethe herrührt, und daß Mendelssohn viele Lieder von Goethe vertont hat. Dies in kurzem über die Goethe-Mendelssohnschen Beziehungen. Nicht das Haus der Rahel, der Gemahlin von Varnhagen von Ense, auch nicht Henriette Herz und ihr glänzender Kreis können sich eines gleichen Verkehres rühmen. Jüdische Frauenideale. Eine Blütenlese von Dr. Max G r u n w a 1 d. (Fortsetzung.) Mutter und Söhne. (Aus den Büchern der Makkabäer.) Es trug sich aber zu, daß sieben Brüder mit ihrer Mutter ergriffen wurden und vom König gezwungen werden sollten, von dem verbotenen Schweinefleisch zu essen. Einer von ihnen nahm aber das Wort und sprach: „Was willst du uns denn fragen und von uns wissen? Wir sind bereit, eher zu sterben, als die väterlichen Gesetze zu übertreten". Da wurde der König zornig und befahl, ihn zu martern und zu töten. Seine Mutter und seine Brüder mußten solches mitansehen. Sie ermahnten aber einander, edelmütig zu sterben, und sprachen: „Gott, der Herr, sieht es und erbarmt sich unser gewiß, wie Mose in dem Liede kundgetan hat, in dem er spricht: „Er erbarmt sich seiner Knechte". (Deut. 32, 36.) Als nun der erste auf diese Weise gestorben war, führten sie den zweiten zur Marter. Nachdem er einen Teil der entsetzlichen Qualen erduldet hatte, fragten sie ihn: „Willst du essen?" Er aber rief: „Nein". So erlitt auch er dieselbe Qual wie der erste. Beim letzten Atemzuge sprach er: „Du Verruchter raubtest uns zwar das gegenwärtige Leben, der König der Welt aber wird un§, die wir für sein Gesetz starben, wieder auferwecken zum ewigen Leben". Nach diesem wurde der dritte gemartert. Beherzt bot er seine Glieder zur Verstümmelung dar und sprach: „Vom Himmel habe ich diese Glieder erhalten, um seines Gesetzes willen gebe ich sie gerne, wieder hin, und von ihm hoffe ich sie wieder zu empfangen". Selbst der König und seine Leute staunten über den Mut des Jünglings, weil er die Schmerzen für nichts erachtete. Nachdem dieser gestorben war, marterten sie den vierten auf gleiche Weise. Als er dem Tode nahe war, sprach er: „Gut ist es, durch Menschenhand zu sterben, in der Hoffnung auf Gott, der uns wieder auferwecken wird, du aber wirst nicht zum Leben auferstehen". Hierauf führten sie den fünften herbei und marterten ihn. Dieser rief den König an und sprach:

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