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Die Wahrheit · 1926-06-11 · Heft 25 (11.6.1926) · page 8

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 25 (11.6.1926)
Date
1926-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT Nr. 25?, die Straße betreten. Allmählich wurde eine Absonderung ihrer Wohnung mit voller Strenge durchgeführt. Vielfach würden Juden aus den Städten ausgewiesen und des Landes verwiesen, zum Beispiel die in Galizien wohnenden Juden stammen vom Rhein und Main, wo sie nach schrecklichen Verfolgungen wegziehen mußten. Der Kaftan ist übrigens kein eigentümlich ostjüdisches Kleidungsstück, sondern entspricht der Mode des Mittelalters, die die bekanntlich außerordentlich konservativen Juden bis in unsere Tage beibehalten haben. Aus der Fülle der Pogrome sei die Schilderung des 22. August 1614 herausgegriffen; an diesem Tage wurde die Judengasse zu Frankfurt a. Main geplündert. Eine tobende Volksmenge sprengte das verbarrikadierte Tor der Judengasse, nachdem sich die Bewohner viele Stunden mit Waffen und Steinwürfen gewehrt hatten. Mehrere Juden wurden getötet, die meisten flüchteten auf den Friedhof, während die Häuser geplündert und zerstört wurden. Die städtischen Behörden kümmerten sich während der Schreckensszenen um nichts. Die Juden durften schließlich mit geringen Resten ihrer Habe die Stadt verlassen und erst nach VA Jahren wieder nach Frankfurt zurückkehren. Wenn auch -die Brutalitäten im Laufe der Jahrhunderte mehr und mehr zurücktreten., so blieb doch eine gesellschaftliche und politische Entrechtung bestehen. Noch im 18. Jahrhundert wurden die Juden zum Beispiel in Preußen durch zahllose Verordnungen schikaniert. Auch der „liberale" Friedrich IL machte davon keine Ausnahme. Die französische Revolution hat die ungleiche Behandlung der Juden in vieler Beziehung beseitigt. Zu einem besonders charakteristischen Zusammenprall der alten und neuen Zeit kam es im Jahre 1796 in Frankfurt. Das Ghetto (der Stadtteil, der den Juden als Wohngebiet zugewiesen war), in dem die Juden fürchterlich gedrängt beieinander wohnen mußten, brannte zur Hälfte nieder. Der Rat der Stadt Frankfurt erlaubte nicht, daß die ihrer Wohnung beraubten Juden auch nur vorübergehend Wohnung in der übrigen Stadt nehmen durften. Trotz der entsetzlichen Wohnungsnot wurde den Juden zugemutet, nunmehr doppelt so eng beieinander zu wohnen. Da war es der französische Kommandant der Stadt Frankfurt, die damals gerade von den Truppen der französischen Revolution okkupiert war, der, über soviel Unmenschlichkeit entrüstet, die Schranken des Ghettos beseitigte. Auch kein Ruhmestitel deutscher Geschichte____ Wer aber glaubt, daß im 19. Jahrhundert oder wenigstens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Gleichberechtigung der Juden durchgesetzt wurde, ist im Irrtum. Kurhessen hat im Jahre 1833 die Gleichberechtigung gewährt, und Sachsen, Bayern und Oesterreich haben erst im Jahre 1848 die letzten Ausnahmegesetze beseitigt Mecklenburg hat bis in die Siebzigerjahre des vorigen Jahrhunderts an polizeilichen Schikanen jüdischer Mitbürger festgehalten. Noch im kaiserlichen Deutschland gab es im Reichstag eine Judendebatte wegen der empörenden, kulturwidrigen Zustände in Wismar, wo die Juden nach Sonnenuntergang nur in Begleitung eines Stadtsoldaten auf die Straße gehen durften. Mecklenburg, das damals ebenso wie bis 1918, feudal regiert wurde, hielt zähe auch an desem letzten Rest staatlicher Entrechtung der Juden fest. Mit vieler Mühe gelang es erst in den Siebzigerjahren, die Gleichberechtigung auch in Mecklenburg zu erkämpfen. Aber was heißt Gleichberechtigung? Gewiß, der spitze Hut und der gelbe Fleck gehören einer vergangenen Zeit an. Aber die gesellschaftliche Verfemung der Juden durch das reaktionäre Bürgertum in Deutschland hält nur wenig gemildert noch heute an. Noch immer sind deshalb die Juden auch in Deutschland in der Lage der Unterdrückten, die in stetem Kampf für die Gleichberechtigung, für ihre Anerkennung als deutsche Staatsbürger und aufrechte Menschen kämpfen müssen. Im Kampf der Unterdrückten gegen die Unterdrücker sind deshalb die Juden immer an vorderster Stelle gestanden. Aber es kann ihnen das Zeugnis ausgestellt werden, daß sie im Kampf für ihre eigene Sache1 den Kampf für die allgemeine Freiheit in hervorragender Welse geführt haben. Jüdische Frauenideale. Eine Blütenlese von Dr. Mai G r u n w a 1 d. Die Frauen im hebräischen Altertum. (Nach A. Bernstein.) (Fortsetzung.) Entsprechend diesem beachtenswerten Merkzeichen ist auch alles, was wir in dem ferneren Verlauf der Geschichte erfahren. Die Frauen nahmen vollen Anteil am Geschick der Nation. Wenn das Volk vom Mißgeschick betroffenen wird, ist das öffentliche Klagelied der Frauen das Merkmal der allgemeinen Trauer. Kehrt das Volk siegreich heim, so sind es die Frauen, welche mit Gesang dem Sieger entgegengehen und ihn in Lobliedern preisen. Das Urteil der Frauen ist so maßgebend, daß der König Saul tiefsinnig wurde, als die Sängerinnen in ihrem Lobpreis den David, den Besieger des Goliath, höher stellten als den König. Gilt es den Zorn eines Mächtigen zu beschwichtigen, so übernimmt eine Frau die Mission, wo Männer verzagen. Der Feldherr Joab wünscht den König David mit seinem Sohne auszusöhnen; er fürchtet sich, die Vermittlung selbst zu übernehmen und eine kluge Frau aus Tekoah vollbringt, was der Siegreichste der Feldherrn des Königs nicht wagt. Die Stadt Abelah ist belagert, der Sieger dringt bis an die Mauer, befiehlt den Sturm, da tritt eine weise Frau auf die Mauer und ruft dem Sieger zu, ein Frdedenswort anzuhören. Sie leitet die Unterhandlung, wo die Männer verzagen und rettet die Stadt vor dem sicheren Untergang. — Eine Königin Athalia regiert das Land mehrere Jahre, sie wird durch eine Revolution gestürzt, aber keineswegs wegen ihres Geschlechtes, sondern wegen ihrer Anhänglichkeit an den Baal-Kultus. Bei jedem Thronwechsel unterläßt die Geschichte nicht den Namen der Mutter des Thronfolgers anzugeben, weil der Einfluß der Mutter, sei es in gutem, sei es in üblem Sinn, immer ein bedeutsamer ist auf die Haltung der Regierung und die Wahl der regierenden Beamten. Die Bibel hat uns auch die Worte einer solchen Mutter an ihren Söhn, den König Lemuel bei Antritt seiner Regierung aufbewahrt: „Um was mein Sohn, um was, Kind meines Leibes, um was, Sohn meiner Gelübde (ich dich mahne): Verschwende nicht deine Kraft, laß dich nicht leiten von denen, die Könige entnerven. Nicht ziemts den Königen, Wein zu trinken, dem Fürsten nicht berauschendes Getränk, daß. er nicht vergesse Gesetz und verdrehe das Recht der Gekränkten. Sei ein Vormund dem, der da verstummt in seinem Rechte und sprich für die Rechtssache aller verwaisten Kinder.". Nicht minder wie auf dem politischen, machte sich der Einfluß der Frauen auf dem religiösen Gebiete geltend. Im alten Heiligtum zu Schilo waren Frauen mit religiösen Funktionen betraut. An Festtagen fanden öffentliche Aufzüge statt, an welchen Jungfrauen und Jünglinge sich beteiligten. Wenn Propheten glückliche Zeiten schildern, so spielt das Bild der im Reigen tanzenden Jungfrauen, gepriesen von Jünglingen und Greisen, eine hervorragende Rolle. Daß hierin ein edles Maß der Zurückhaltung nicht überschritten werden durfte, ohne mißbilligt zu werden, geht aus der Mahnung des Propheten Arnos hervor, der Ueberschreitungen auf den Wallfahrten nach Berscheba mit scharfem Tadel rügte. Wie aber bei aller öffentlichen Freiheit die Häuslichkeit doch als eigenster Wirkungskreis der Frau erachtet wurde, das lehrt uns die schöne Bezeichnung eines Psalms, welcher die Frau den „Schmuck des Hauses" nennt. Wo viel des Lichtes ist, mangelt >es freilich auch an Schatten nicht. Die freie Sitte, welche den Frauen und Jungfrauen gestattete, unverschleiert in Gesellschaft fremder Männer zu erscheinen, bot der Gefallsucht und der Verführung mannigfache Gelegenheit. Die Mahnungen hiergegen treten in allen Schriften der Propheten hervor. Ganz besonders aber ergreift Jesaia der tiefste Zorn, als er die Töchter der Residenz Zion in die Putzsucht und den Uebermut der Hofdamen verfallen sieht. Die schneidenden Worte, die er diesen ins Antlitz schleudert, gewähren uns auch zugleich einen Einblick in den entarteten Toilettenaufwand der damaligen Zeit. Er sieht in der Verschwendung und Ueppigkeit des Hoflebens, in dem Druck auf die Armen und in der Mißachtung des Rechtes der Waisen und der Witwen, den Untergang des ganzen Staates heraufbeschworen und fährt dann, auf die Frauen übergehend, in folgender Weise fort: „Und der Ewige spricht: Weil sich überheben die Töchter Zions und einhergehen, die Hälse gestreckt und die Augen umherwerfend, trippelnden Ganges schreiten sie und mit ihren Füßen machen sie Geklirr, so wird der Herr kahl mächen die Scheitel der Töchter Zions und wird der Ewige ihre Schmach enthüllen. Am Tage (des Gerichtes) nimmt der Herr hinweg den Schmuck der Fußschellen und die Netze und die Monde, die Ohrgehänge und die Ketten und die Flore, die Kopfzeuge und die Trittkettchen und die Schnüre und die Riechfläschchen und die Amulette, die Ringe, die Feierkleider und die Mäntel und die Oberkleider und die Täschchen, die Spiegel und die Hemdchen und die Kopf binde und die Schleier. Und statt des Duftes wird Modergeruch kommen, 'statt des Gürtels MK3SR&^;&£^

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