Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 24 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 24 Seit« 3 und Autobusverkehr wurde eingestellt. Um 1 Uhr mittags hoben die Führer der Demokratischen Partei den Sarg auf den sechsspännigen Galatrauerwagen. Durch ein Spalier von schätzungsweise 50.000 Menschen bewegte sich der Trauerzug über die Andrassystraße und den Karlsring zum Rathaus. Sämtliche Qeschäftsläden waren geschlossen. Zur Trauerzeremonie im Hofe des Rathauses hatten etwa 2000 Personen Einlaßkarten erhalten. Der Sarg wurde in der Mitte des Hofes aufgebahrt. Unter den Anwesenden befanden sich der stellvertretende Ministerpräsident Josef Vaß, Justizminister Paul Pesthy, der Präsident der Nationalversammlung Scitovsky, die Abgeordneten Graf Julius Andrassy, Markgraf Georg Pallavicini und viele andere. Um zl*3 Uhr begann die eigentliche Trauerzeremonie mit einer Ansprache des Budapester Oberrabbiners Hevesi, der die Verdienste des Verstorbenen um das Vaterland und um das Judentum in ergreifenden Worten schilderte. Sodann widmeten Oberbürgermeister R i p k a und der gewesene Oberbürgermeister Stephan Barczy dem Verstorbenen warme Nachrufe. Um halb 4 wurde der Sarg auf den Trauerwagen gehoben, der sodann, gefolgt von neun Kranzwagen, zur- Synagoge in der Tabakgasse fuhr, wo der Präsident der Religionsgemeinde Dr. L e d e r e r die großen Verdienste des Verblichenen würdigte. Dann erfolgte die Beisetzung auf dem Kerepeser Friedhof. Der Mensch in der Natur. Von Prof. Dr. M. Huss. Nach Bibel und Talmud. Die bevorzugte Stellung des Menschen in der Natur ist schon du der Beratung Gottes mit den Engeln angedeutet, welche semer Erschaffung vorangeht Ein Teil derselben riet entschieden ab, edn anderer rief, er soll nur erschaffen werden. Allein der Allmächtige machte der Beratung ein Ende, indem er zu dem Engein sprach:: „Was streitet ihr mit einander? Adain ist bereits erschaffen." Aber Himmel und Erde fürchteten, es könnte wegen der Sünden der Menschen döie Welt zugrunde gehen. Da wurden sie erregt und bebten in Furcht. Sie sprachen vor Gott: „Herr der Weit, war wissen, daß Frevler erstehen werden, die vor dir sündigen werden; wenn du dann ihretwegen die Welt vernichtest, was wird mit von dem Brote der Erde, sollt ihr eine Hebe vom Teig abheben." Ihr sollt lernen den Segen des Brotes verstehen. Denn diese Challa, die man vom Brote gibt, bewirkt, wie der Prophet Ezechiel sagt, daß „Segen auf deinem Hause ruhe." Der Segen beruht auf der Erkenntnis: Gott gibt das Land — das Land gibt das Brot und Brot gibt Leben, aber nichts ohne Kampf und Mühe. Das verheißene Land mußte erkämpft und erobert, die Erde muß mühselig bebaut und bestellt werden, damit sie die nährenden Halme emporsprießen lasse; und vom Halm bis zum schmackhaften Brote ist ein weiter, mühseliger Weg. Darum ist die Challa eine religiöse' Pflicht, diel mehii als den Männern den Frauen übertragen ist, ja als eine Frömmigkeit gilt, die die Frau in ihrer schweren Stunde schützen und Segen in ihr Haus bringen wird. Denn dem Manne obliegt der Kampf ums tägliche Brot, das Verdienen, das Herbeischaffen des Unterhaltes für Haus und Familie — und das ist ein guter Mahner, ein Zwinger, der uns wie Josua und Kaleb zufrieden sein lä§t, wenn uns unser verheißenes Land Brot gibt, daß wir außergewöhnliche Früchte von ungeahtner Größe nicht erwarten und begehren. Die Frau aber weiß oft gar nicht, wie schwer das tägliche Brot beschafft wird, ergeht sich in Wünschen und Sehnsucht nach einem Lande, wo Milch und Honig fließt, begehrt und verlangt oft mehr denn Brot — Genüsse, Reiohtum und Ueberfluß. Süe soll Challa geben, soll begreifen, daß man für das Brot Opfer bringen muß und im Brote ein Segen ruht, der Gott und Menschen befriedigt. Die Hausmutter, die mit frommem Sinn das Opfer für Gott vom Teige gibt, wird Zufriedenheit als Lohn ihres Tuns ernten; sie wird erkennen, daß ein „gelobtes Land" das ist, wo man sein Brot findet und daß man dafür Gott herzlich dankbar sein muß. Ihr Haus wird geschützt sein vor der lockenden Sprache der Kundschafter, vor den Gelüsten nach seltenen Früchten des Luxus und Wohllebens, aber Segen genug wird sein: „Ich war jung, bin alt geworden; und habe nicht gesehen, daß der Fromme wäre verlassen und seine Kinder hätten betteln messen um Brot." — K. uns geschehen, da du doch uns nur des Menschen wegen geschaffen hast?" Gott antwortete ihnen: „Ich habe die Welt wegen Abraham und Sarah geschaffen."1) Da freuten sie sich und jubelten Himmel und Erde und alle Ordnungen der Schöpfung.3) Gott dachte daran, den Menschen zum Gebieter über die Welt einzusetzen und üm zum Herrscher zu machen über alle seine Geschöpfe. Gott sprach: „Ich bin Gebieter über die Obereni und er sei Gebieter über die Unteren." So brachte ihn Gott in das Paradies und machte Ihn dort zum Herrscher.3) Der Mensch mußte daher der letzte aller geschaffenen Dinges ein, damit er durch sein plötzliches Erscheinen als Letzter den übrigen Lebewesen Furcht einflöße; denn sobald sie ahn sahen, sollten säe ihn anstaunen und ihm Ehrfurcht bezeigen, wie einem natürlichen Führer und Gebieter, deshalb wurden sie auch, als sie ihn erblickten, samt und sonders zahm; auch alle, die ihrer Natur nach wäd sind, wurden sofort beim ersten Anblick sehr unterwürfig und zeigten wohl gegeneinander unbändige Kampfes wut, gegen den Menschen allein Fügsamkeit.4) Als die Geschöpfe Adam erblickten, wie er aufrecht dastand, im Ebenbilde Gottes, da erschraken sie in der Meinung, er sei ihr Schöpfer. Sie kamen alle, um sich vor ihm zu bücken.5) Sie fürchteten ihn und folgten ihm. wie Skaven ihrem Herrn. Zum Herrscher und Gebieter erhebt auch der Psalmist den Menschen mit den Worten: „Denn du ließest ihn nur wenig hinter Gott zurückstehen und mit Ehre und Hoheit umgibst du ihn. Du machtest ihn. zum Herrn über die Werke deiner Hand; alles hast du unter seine Füße gelegt. Ps._8. Erde und Wasser und Luft, Tiere und Pflanzen und das Gestein, alles d&eiut ihm zur Nahrung und Kleidung, zum Schutz und zur Behaglichkeit Die Himmel und ihre Heere, Sonne Mond und Sterne spenden ihm Licht und fördern sein Wachstum. So steht die ganze Natur -in seinen Diensten. Doch die Natur ist nicht die Sklavin des Menschen Der Sklave dient dem Herrn in stummem Gehorsam. Alles, was ihm gehört, ist ihm gleichgültig, erfreut säch nicht mit Ihm und das Leid seines Herrn ist nicht sein Leid. Dieser Art äst die Beziehung der Natur zum Menschen nicht Der Mensch ist nicht ihr ausschließlicher Gebieter und Vorgesetzter. Er ist vielmehr der jüngste Sprößling, der Liebling der Familie. Die älteren Geschwister warten und pflegen) ihn. Sie erfüllen ihre Aufgabe gerne und wiiliäg mit Liebe und Freude. Jeder der Schwestern will ihn auf den Händen tragen. Die älteren Geschwister lassen sich geduldig vom Liebling des Hauses tyrannisieren und befolgen aflle seine Befehle. Doch kommt es vor, daß sie Shm im Bewußtsein, daß sie die älteren sind, den Gehorsam verweigern. Aber bald leben sie wiiieder im Frieden mit einander. Sie freuen sich, wenn er sich freut, und trauern, wenra ihm etwas Unangenehmes zustößt. Sie zeigen ihm, daß die Hände, die kosen, auch strafen können. Die Eltern pflegen ihren Jüngsten in Gegenwart der älteren Geschwister zu schelten, dae gleichsam als Zeugen und Richter angerufen werden. Die Straf- und Drohreden werden auch nicht unimittelbar an ihren Liebling gerichtet, sondern ebenfalls an die älteren Geschwister, als ob. sie die eigentlichen Schuldigen wären. Ein anderes Mal wird wieder das Versprechen einer Wohltat für den Liebling ebenfalls an sie gerichtet Wie wenn sie die Empfänger der Wohltat wären. So ist der Mensch' mit der Natur enge verwachsen und innig verbunden. Die ganze Natur lebt nach der Agada. Die Natur fühlt, sieht, spricht und denkt Die Tiere und Dinge gralen selbständig in die Geschicke der Menschen ein und nehmen Anteil an ihren Schicksalen. So erscheint das Verhältnis der Natur zum Menschen schon,' in der Bibel und insbesondere im erzählenden Teil des Talmud, was im folgenden durch einzelne Beispiele näher und deutlich veranschaulicht werden soll.8) Jubelt, ihr Himmel, denn der Ewige hat es vollführt! Jauchzt, ihr tiefsten Erdengründe! Brecht in Jubelgeschrei aus, Ihr Berge, du Wald und alle Bäume darin, denn der Ewige hat Jakob erlöst und an Israel verherrldcht er sich.') Jubelt, ihr Himmel, und frohlocke, o Erde und brechet aus, ihr Berge, in Jubelgeschrei! Denn der Ewige tröstet seht Volk und seiner Elenden erbarmt er sich.8) Denn mit Freude werdet ihr ausziehen und in Frieden geleitet werden Die Berge und die Hügel werden vor euch in Jubel ausbrechen, und alle Bäume dies Feldes in die Hände klatschen.*) Es freue sich der ffimmel und die Erde frohlocke; es brause das Meer und was es füllt Es jauchzt das Gefilde und alles, was darauf ist; alsdann jubeln alle Bäume wMBW^Laaft^^.-arc^T-«:^' .-u^.?-"X4?F*j&g11 wiwsap^r5 K^-?*m?*^mv^-^mk&