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Die Wahrheit · 1926-05-28 · Heft 23 (28.5.1926) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 23 (28.5.1926)
Date
1926-05-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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I--- Nr, 23 DIE WAHRHEIT Seite 7 Welt und in der Welt der Empfindungen ist diese Scheidung schwankend. Indessen sind im Hebräischen Worte mit schwankendem Geschlechtscharakter doch nur Ausnahmen, während sich im Sprachgebrauche dort, wo die Natur selbst nicht das Geschlecht bezeichnet, bestimmte Regeln von durchgehender Geltung ausgebildet haben. In diesen aber leuchtet eine Anschauung hervor, welche wir als charakteristisch für unser Thema bezeichnen müssen. So viel steht fest, daß der Sprachgebrauch im biblischen Zeitalter dem Wesen des Weiblichen alles Zarte, Edle, Milde und Seelische innig verwandt annahm. Noch klarer tritt dieses Merkmal in den Ueberlieferungen der Hebräer hervor. Schon im Schöpfungsbericht wird die Entstehung des Weibes als Gehilfin des Mannes und aus seinem Körper gebildet, dargestellt. Es fügt dieser Bericht hinzu: Darum soll verlassen der Mann Vater und Mutter und anhängen seinem Weibe und sie sollen werden zu einem Wesen. Daß diese Vorstellung der Einheitlichkeit in der Ehe zugleich eine Abweisung der Polygamie enthält, ist von selbst einleuchtend. In dem Bilderkreise, der sich als Patriarchengeschichte darstellt, spielt die Wahl der Ehegattin eine so ausführlich erzählte Rolle, daß hieraus schon zur Genüge hervorgeht, welchen Wert man auf den Besitz einer edlen Frau legte. Der Patriarch Abraham sendet den ältesten Diener seines Hauses nach dem Heimatlande, um für den Sohn eine Gattin dort zu holen. Der Abgesandte nimmt zehn Kamele, beladen mit allen Kostbarkeiten und begibt sich nach der Stadt Nahors, des Verwandten seines Herrn. Da erzählt uns die Bibel mit auffallender Ausführlichkeit folgendes: Und der Knecht ließ niederlegen die Kamele außerhalb der Stadt an dem Wasserborn, um die Zeit des Abends, um die Zeit, wo die Schöpferinnen herauskamen. Und er sprach: Gott meines Herrn Abraham, füge es doch heute vor mich und erweise Huld meinem Herrn. Siehe, ich will mich stellen an den Wasserquell und die Töchter der Stadtleute werden heraus kommen, Wasser zu schöpfen, und es sei, das Mädchen, zu der ich sage: Neige doch Deinen Krug, daß ich trinke, und sie wird sagen: Trinke und auch Deine Kamele will ich tränken, diese habest Du bestimmt Deinem Knechte, dem Isaak, und an ihr werde ich erkennen, daß Du Huld erwiesen meinem Herrn. Und es geschah, er hatte noch nicht aufgehört zu reden, da kam Rebekka heraus — den Krug auf ihrer Schulter. Und das Mädchen war schön von Ansehen und stieg hinab zu dem Quell und füllte ihren Krug und kam herauf. Da lief der Knecht ihr entgegen und sprach: laß mich doch schlürfen ein wenig aus Deinem Kruge. Und sie sprach: Trinke, mein Herr! und eilends ließ sie herunter ihren Krug auf ihre Hand und gab ihm zu trinken. Und als sie ihm genug zu trinken gegeben hatte, da sprach sie: Auch für Deine Kamele will ich schöpfen, bis sie genug getrunken haben. Und eilends goß sie ihren Krug aus in die Trankrinne und lief noch einmal zu der Quelle und schöpfte für all seine Kamele. Der Bericht erzählt uns nun weiter, wie der Knecht Abrahams ins Haus eingeladen und gastlich aufgenommen wird von den Eltern des Mädchens noch bevor sie wissen, wessen Diener er sei und welchen Auftrag er ausführen wolle. Er wird zum Essen eingeladen; aber erklärt, nicht früher essen zu wollen, bevor er ihnen alles erzählt, wie es ihm ergangen. Nunmehr teilt er mit, wer er sei und wie er es als Zeichen der Huld des Ewigen ansehe, daß er in solcher Weise eine Jungfrau aus der Stammfamilie seines Herrn kennengelernt habe, die würdig ist, die Ehefrau des Sohnes seines Herrn zu werden. Die Eltern stimmen ihm bei, die Jungfrau wird herbeigerufen und befragt, ob sie mitgehen wolle mit diesem Manne, um die Gattin eines Verwandten zu werden. Auch sie erklärt sich damit einverstanden und tritt ihre Reise in Begleitung ihrer Amme an und wird die Stamm- Mutter des hebräischen und des edomitischen Volkes. Dieser mit ausführlicher Umständlichkeit erzählten Idylle schließt sich auch noch eine kleine Szene der ersten Begegnung der Jungfrau mit ihrem künftigen Gatten an, die ebenfalls charakteristisch ist für die Auffassung eines edlen weiblichen Verhaltens in den Erzählungen der Hebräer. Es ist gegen Abend, als der Knecht in der Heimat anlangt. Isaak wandelt auf dem Felde, seinen Gedanken nachhängend, und erblickt in der Ferne den Reisezug und geht ihm entgegen. Da heißt es wörtlich: Und Rebekka hob auf ihr Auge und sah den Isaak und sie neigte sich von dem Kamele und sprach zu dem Knecht: wer ist jener Mann, der auf dem Felde uns entgegengeht? Und der Knecht sprach: Das ist mein Herr. Da nahm sie den Schleier und verhüllte sich. Der Knecht aber erzählte dem Isaak alles, was ihm begegnet, und Isaak brachte sie in das Zelt seiner Mutter Sarah und nahm Rebekka und sie ward seine Frau und er gewann sie lieb und tröstete sich mit ihr nach dem Tode seiner Mutter. Daß dieser Bericht so hohen Wert auf die edlen Tugenden des Weibes, auf Dienstwilligkeit, Gastfreundlichkeit, Züchtigkeit und Liebenswürdigkeit legt, die es wert machen, zur Stamm-Mutter einer Nation zu werden, das ist ein hinlänglicher Beweis, wie die Sitte des Volkes dem Weibe eine viel edlere Stellung angewiesen, als das herrschende Gesetz es vermuten läßt. Und nicht in diesem Frauenbilde allein, sondern auch in den einzelnen) Zügen, mit welchen die Schrift den Sohn der Rebekka, den dritten Patriarchen Jakob ausschmückt, tritt der hohe Wert des Weibes deutlich hervor. Von seiner ersten Begegnung mit Rahel, der Tochter Labans, des Bruders der Rebekka, erzählt uns die Bibel, daß er auf der Wanderung an einem Brunnen, aus welchem die Herden getränkt wurden, ruhte, da sah er Rahel mit der Herde ihres Vaters herankommen und er eilte herbei, wälzte ab den Stein, welcher den Brunnen verschlossen hatte und tränkte die Herde, sodann gibt er sich als Verwandter zu erkennen, küßt Rahel und weint. Bald darauf tritt er als Hirt bei ihrem Vater ein. Er liebt Rahel und wirbt um sie; muß aber sieben Jahre um sie dienen. Die Schrift erzählt uns wörtlich: „Und Jakob diente um Rahel sieben Jahre; und sie waren in seinen Augen wie einige Tage, dieweil er sie liebte." Am Ende der sieben Jahre von dem Vater der Rahel hintergangen, entschließt er sich, nochmals sieben Jahre zu dienen, um die Geliebte als sein rechtmäßig erworbenes Weib zu besitzen. Somit steht in bezug auf unser Thema fest, daß treuer Liebesdienst als eine Tugend betrachtet wurde, die geeignet ist, die Stammväter in den Augen des Volkes zu verherrlichen. Dergleichen kann natürlich nur dort Wurzel fassen, wo das Frauengeschlecht solcher Aufopferung und solcher Verehrung als würdig erachtet wird. Für die so sehr geliebte Rahel lebte auch noch in den spätesten Zeiten eine so große Pietät im Volke, daß zwei Kantone Palästinas um die Ehre stritten, ihr Grabmal zu besitzen. Im Kanton Judah wird das Grab Raheis in der Nähe von Bethlehem gezeigt, wohin es auch im ersten Buch Moses verlegt wird Im Kanton Benjamin dagegen wird ein Grabmal nördlich von Jerusalem als das der Rahel bezeichnet, wofür eine Stelle in den Büchern Samuels und noch mehr eine Rede des Propheten Jeremias spricht. Auch solch ein Streit um das Grabmal einer Frau kann nur dort entstehen, wo sich Achtung und Verehrung vor edlen Frauen zur allgemeinen Sitte erhoben hat. (Fortsetzung folgt.) Glossen. Aus der Verhandlung über den Francstälscher- Prozeß konnte jeder ersehen, daß Patriotismus und ungarische Irredenta ungemein löbliche Dinge sind. Vielleicht hat aber mancher trotzdem aus dem öerichtssaal auch den Eindruck mitgenommen, daß das Fälschen von Francs auch aus patriotischen Gründen nicht immer empfehlenswert sei. * * * Selbst der Staatsanwalt, der ex offo die schwere Aufgabe zu erfüllen hatte, gegen die Angeklagten aufzutreten, hat unter anderem ausdrücklich erklärt: „Eins steht fest, die größte Sünde war, daß die Herren nichts überlegt und nichts bedacht haben, im Gegenteil mit der größten Leichtfertigkeit, Torheit und ohne jegliche Voraussicht gehandelt haben. Sie haben nicht daran gedacht, daß ihre Aktion auch mißlingen könnte" usw. Diese Worte konnten unmöglich ihre Wirkung auf die Windischgrätz, Nadossy usw. verfehlen. Man denke, der Staatsanwalt würde einer Gesellschaft ertappter Diebe den bitteren Vorwurf ins Antlitz schleudern, das Schlimmste sei, die Herrschaften seien unüberi* ■ BOW^ÄS^'r*3:.- l-^S~at«S^3B5g <SK2I± ■:imt-mm:"' *mm? -;?

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