Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 23 (28.5.1926)
- Date
- 1926-05-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063973-3063994--14593-3082160- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 2 DIE WAHRHEIT Nr. 23 In den Vereinigten Staaten von Amerika finden sich in größerer oder geringerer Anzahl Abkömmlinge aller großen .Rasseneinheiten und aller größeren Staaten und alier Religionsgemeinschaften zusammen. Wer von diesen Millionen das amerikanische Staatsbürgerrecht erworben hat, ist Vollbürger gleichen Rechtes, ohne jede Differenzierung. Und wer diesen religiös und abstammungsmäßig recht verschieden gearteten Millionen den Segen von Minoritätsrechten predigen wollte, der würde als ein weltfremder, höchst komischer Sonderling und nicht als ein ernstzunehmender Politiker in diesem allermodernsten Weltreiche erscheinen. Wo Minoritätenrechte notwendig wären, da Sind sie gänzlich illusorisch, weil die noch rückständige Majorität sie doch nicht bleibend respektieren würde; siehe Litauen. Und wo die Majorität genügend modern aufgeklärt ist, um Religions- und Rassenverschiedenheiten im allgemeinen Staatsleben unberücksichtigt zu lassen, da braucht man zum Schutze der Minoritäten keine Abwehrbarrikaden, die die Bevölkerung trennen und zerreißen und aufreizend wirken, statt Schutz zu gewähren. Minoritätenrechte sind eine politische Illusion; sind antimodern, weil sie eine Bevölkerung auseinanderreißen, statt sie zusammenzuschweißen. Das volle freiheitliche Staatsbürgerrecht für alle Bürger ist die magna Charta unserer Tage. Aus diesen Erfahrungen wären auch Folgerungen für Palästina zu ziehen. Uerhfit Ahennenten fflr „Die Wahrheir1! Ein vertraulicher Bericht der „obersten Polizeibehörde" über die Juden in Wien in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Von Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Unbegründet und irreführend wäre die Annahme, daß die jetzige israelitische Kultusgemeinde in Wien, die embryonal schon im Jahre 1792 entstanden war, eine gradlinige Entwicklung genommen habe und sich etwa bloß der räumlichen Ausdehnung der Wiener Kommune angeschmiegt hätte. Der Forscher, der tiefer in die Verhältnisse eindringt, vermag starke innere Veränderungen derselben feststellen, namentlich was den Ursprung ihrer Gemeindemitglieder betrifft. Man1 darf sogar von einer Art Wellenbewegung sprechen, das heißt, daß einzelne jüdische Volkswellen von auswärts, aus der Provinz, nach Wien drangen und der Gemeinde allmählich eine andere Struktur verschafften. Die Mitglieder der Gemeinde am Beginn des 19. Jahrhunderts bis gegen Mitte desselben, die „Toleriert e n", stammten fast durchgehends aus den damals schon reformfreundlich gesinnten Ortschaften Böhmens, Mährens und zum Teil auch Deutschlands. Diese in sich geschlossene Klasse bildete, wie ich in meinem Buche „Isak Noa Mannheimer, sein Leben und Wirken", S. 44ff, darlegen konnte, eine auf. einen einheitlichen Ton gestimmte Gemeinschaft. Die Mehrheit derselben bestand aus Großkaufleuten und Großindustriellen mit weitreichenden gesellschaftlichen und politischen Beziehungen, sowie aus graduierten Gelehrten und Feuilleton llslB Glaube, Wissenschaft und staatliche Ordnung. Mache dir zwei Trompeten, aus getriebenen Silber sollst du sie machen und sie sollen dir sein, um die Gemeinde zusammenzurufen und zum Aufbruche des Lagers. IV, 10, 2 Moses soll zwei silberne Trompeten anfertigen lassen. Durch ihren Klang sollen dem Volke bestimmte Zeichen vermittelt werden. Diese Trompeten waren nicht nur aus Edelmetall, aus Silber herzusteälen, sondern mußten außerdem getriebene Arbeit sein. Wenn man die anderen Geräte und Gegenstände, die im Heiligtum waren, betrachtet, so findet man, daß narr noch die Cherubim und die Menora von getriebener Arbeit waren. Die Cherubim waren die beiden Engelsgestalten über dem Deckel der heiligen Lade und von ihnen heißt es: „Mache zwei Cherubim aus* Gold in getriebener Arbeit". Bei der Menora, dem siebenarmigen Leuchter des Heiligtums heißt es wieder: „Getriebene Arbeit sei der Leuchter, Schaft, Kelche, Knäufe und Blüten". Das Edelmetall, das gerade bei diesen drei Gegenständen des Heiligtums verwendet wurde, sollte nicht im der leichteren, schnelleren Art im Wege des Gusses verarbeitet, sondern mit der mühseligen» zeitraubenden des Hammers zurechtgemacht werden. Da der Grund hierfür nicht in dem verwendeten Edelmetall selbst gelegen ist — denn andere Geräte aus Gold oder Silber wurden im Gußwege hergestellt —, so muß die Bestimmung der gehämmerten Arbeit lediglich in den drei Gegenständen selbst begründet sein, — Mühelos wird jeder in diesen drei Gegenständen die Sinnbilder für das erkennen, worauf sich der Bestand eines Volkes aufbaut, nämlich Glaube Wissenschaft und staatliche Ordnung. R. Abai sagt im Talmiudt auf die Frage, was denn diese Cherubim im Tempel eigjentlick waren, daß das Aussehen dieser Engelsgestalten menschenähnlich war und wollte damit vielleicht die symbolische Bedeutung besonders kennzeichnen, daß es edirt Bindeglied zwischen dem irdischen Menschen und dem göttlicheni Wesen: gibt. Das ist die Erhebung durch! die Religion und dien Glaube». Die Macht des Gottesglaubens ist so stark, daß sie den Menschen der Erde entrückt und dem Himmel nahebringt. Geradfl dort, wo die Herrlichkeit Gottes im Heiligtume thronte, wäre» die goldenen Cherubim und deshalb heißt Gott „Der da thront zwischen den Cherubim". Deshalb sieht der Prophet Ezechiel das Angesicht eines Cherub am Thronwagen Gottes. R. Abahu sagt, daß der Cherub die Gestalt eines Kindes hatte. Die ganz© ungetrübte Reinheit des Glaubens besitzt nur ein Kind, dessen Herz rein und unschuldig ist. Wenn Israel zum Tempel hinaufzog und die Gestalten der Cherubim erblickte, so heißt es im Talmud, so sahen sie das Bild göttlicher Liebe. Sündenlose Unschuld, heilige, reine Liebe machen den Menschen zum Engel, d. h. zu dem, was zwischen dem Erdensohn und dem Ewigen liegt. — Die Schläge des Hammers müssen das Gold treffen. Die Mühe und Arbeit des Künstlers kann nur langsam und schrittweise, mit unermüdlicher Geduld und in zähem Fleiße das Kunstwerk nach, und nach erstehen lassen. So mul der Glaube erworben werden. Von der Kindheit des Mensche* wird er durch das ganze Leben gehämmert. Jede Prüfung, Probe, Versuchung und Heimsuchung, die den Menschen im Leben trifft, ist ein Hammerschlag auf das Feingold, soll de* Glauben prüfen und festigen. Hält das Gold die Schläge des Hammers, der Glaube in uns die Schläge des Geschickes nicht aus. so taugt jenes nicht zu Cherubim, ist dieser kein rechter Glaube. Denn wen Gott liebt, den züchtigt er. Die Menora war der goldene, siebenarmige Leuchter im Heiligtume. Im Grunde ist es gleichgültig, ob der Leuchter gegossen oder gehämmert ist. Die Leuchtkraft des Lichtes! wirtl M Bdl