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Die Wahrheit · 1926-05-21 · Heft 22 (21.5.1926) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 22 (21.5.1926)
Date
1926-05-21
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 2 DIC WAHRHEIT Nr. 22 Welt von der Zwingherrschaft des internationalen Judentums zu befreien". — Nun, die Eröffnung des Kongresses fand „unter einem ungünstigen Stern" statt. Gleich bei der ersten Sitzung zeigte es sich, daß die Kongreßteilnehmer kein homogenes Ganzes darstellten, sondern vielmehr aus zweiGruppen bestanden, die wohl wenig Berührungspunkte miteinander hatten, dagegen schon am ersten Tage die offensichtliche Tendenz zeigten, sich zu bekriegen. Die eine Gruppe, die die rassenantisemitische Richtung vertrat und sich offen zu einer Propaganda der Tat (!) bekannte, setzte sich zusammen aus der deutschen Delegation — hier war der junge Theodor Fritsch einer der lautesten Schreier —, den Ungarn (Erwachende Ungarn, christliche Volkspartei), den Rumänen, vertreten durch Professor Cuza (Jassy) und den österreichischen Nationalsozialisten, vertreten durch den schon genannten Gattermeyer und Haubenberger. — Die österreichische Schager-Gruppe (Legitimistenpartei) bekannte sich zwar zum Rassenantisemitismus, dagegen legten ihre Führer, Baron Schager, Dr. Wolff — nicht zu verwechseln mit dem durchaus semitophilen Oberst Wolff, Wien, Präsidenten der kaisertreuen Volkspartei — und Staatssekretär Teufel schärfsten Protest ein gegen eine von den Völkischen Deutschlands eingebrachte Resolution, zur Selbsthilfe der Pogrome zu schreiten. Die zweite Gruppe — ich möchte sie am sinngemäßesten die romanische bezeichnen, weil in ihr geistig das romanische Element die Oberhand hatte, — bekämpfte den Rassenstandpunkt der — na sagen wir — nordischen Gruppe auf das entschiedenste. Ihr gehörten als prominenteste Feuilleton V* Namen. Nehmet auf die Summe der ganzen Gemeinde der Israeliten nach ihren Geschlechtern, ihren Stammhäusern, nach der Zahl der Namen, alle Männlichen nach ihrer Kopfzahl. IV, 1, 2 Für die Zählung Israels gibt die Thoina vier Gesichtspunkte an: Abstammung, Vaterhaus, Namen und Kopfzahl. Man kann jeden dieser vier würdigen, alle vier für die Kennzeichnung des Individuums als berechtigt festsetzen, aber drei davon, Abstammung, Vaterhaus, Kopfzahl, sind jeweils von Umständen abhängig, die außer dem Bereiche persönlicher Eignung, individuelten Verdienstes liegen. Sie sind gutes oder schlechtes Erbteil oder Mitgift, die den Menschen vorteilhaft oder nachteilig ausstatten, seinen Wert glücklich vermehren oder ungünstig verkürzen. Der Name hingegen ist persönlicher Besitz, Kennwort, das einen von den anderen unterscheidet. Er ist nur solange unpersönlich, ein totes Wort, ein stummer Besitz, als zwischen ihm und seinem Träger keine unlösliche Beziehung im Geäste der anderen entsteht. Verbindet sich erst der Name und dessen Träger zu einer bestimmten Vorstellung, so hört er auf ein leeres Wort, Schall und Rauch zu sein, wird inhaltsvoller Begriff. Drei Namen hat detr Mensch, sagt der Midrasch, den einen hat er von seinen Eltern, den anderen von der Welt, den dritten von seinen Werken. Der Namen, den man dem neugeborenen Kinde gibt, besagt zunächst nichts mehr, als daß ein Träger für ihn da ist. Auf dem Wege durchs Leben gewinnt das Wort Inhalt, je nachdem der Verwalter des mit der Geburt übernommenen Wortes gut oder schlecht ist. Der Name bekommt den eigenen Klang. Wie der Ton die Musik macht, so wird der. Klang, der den Namen begleitet, das ihn eigentlich Kennzeichnende. Darum sagte K,. Jose b. Chanina: Manche Vertreter an: Monsignore Benigni, der Herausgeber der zwei antifreimaurerischen Korrespondenzen „Agenzia Urbs*' und „Roma" als Delegat Italiens, Abbe Dupperon als Delegat Frankreichs, zwei Herren der tschechischen christlichen Volkspartei, deren Namen mir nicht mehr erinnerlich sind, und im gewissen Sinne auch der Vertreter der russischen Monarchisten Dr. Nemirowitsch- Datschenko. Der letztgenannte stimmte allerdings häufig für Anträge der deutschen Delegation. — Jene zweite, „romanische" Gruppe lehnte den kompromißlosen Antisemitismus in seiner heutigen Form entschieden ab, stellte sich dagegen auf den Standpunkt, daß das areligiöse internationale, vielfach jüdische Freimaurertum, das unweigerlich zum Mammonismus führe, aus Gründen eines sittlichen Konservativismus zu bekämpfen sei. Dieser Standpunkt genügte der anderen Gruppe natürlich nicht, man rief Benigni und Dupperon Worte wie „ J e s u iten, jüdischeRömlinge" zu, und die Tagung wäre schon in ihren ersten Anfängen unweigerlich auseinandergegangen, wenn es dem ungarischen Abgeordneten Gömbös und Konsul de Pottere nicht gelungen wäre, zu vermitteln. Der nächste Sitzungstag fand die einzelnen Delegationen teils unausgeschlafen, teils überhaupt nicht vor. Der T o k a y e r war dem „ornithologischen" Kongreß ein schlimmer Konkurrent. Was war nun das positive Ergebnis der sechs Kongreßtage? 1. Die Bildung eines Bureaus der antisemitischen Internationale mit dem Sitze in Wien. In dieses Bureau werden jährlich je ein Vertreter Deutschlands, Frankreichs, Oesterreichs und der russischen Emigration delehaben schöne Namen und schöne Werke, andere häßliche Namen und häßliche Werkel, wieder andere häßliche Namen und schöne Werke und endlich andere schöne Namen und häßliche Werke. Damit ist das Zufällige und Ungesetzmäßige in der Verbindung von Mensch und Namen zum Ausdrucke gebracht, wie es die Erfahrung immer wieder bestätigt, daß der Name erst durch die Wertung seines Trägers inhaltsvoll wird. Die ganze Weltgeschichte, Kämpfe und Errungenschaften der Menschheit sind an Namen geknüpft. Wollte man diese ausschälten, so könnte trotzdem das Werden mid Wachsen von Kultur und Fortschritt oder deren Beeinträchtigung, Rückschritt und Ausschreitung dargestellt w_erden. Die Tatsachen, Ereignisse und ihr Verlauf ließen sich gar wohl unabhängig von berühmten oder berüchtigten Namen ordnen, aber das Wie und Warum, dar kausale Zusammenhang der Dinge müßte lückenhaft und ungründiich erscheinen. Denn der einzelne Mensch ist oft Urheber schwerwiegender Geschehnisse und Strömungen und ihre Erscheinung in der Menschheit lediglich durch das Auftreten und die Auswirkung einer einzigen Persönlichkeit zu erklären. Löscht man die Namen aus der Geschichte aus, tilgt man sie aus dem Denken und dem Gedächtnisse der Menschen und ließe nur Leistungen und Werke; bestehen, so würde zuerst die Glaubwürdigkeit, dann aber de.r ganze Inhalt schwerste Einbuße erfahren. Die hebräische Sprache hat für „vergessen werden" die Bezeichnung „den Namen auslöschen" und gibt mit diesem Bilde den psychologisch richtigen Entwicklungsgang der Dinge an. Erst ist der Name vergessen, dann ereilt das nämliche Geschick das Ereignis selbst. Der Vorzug, Namen gut im Gedächtnisse zu behalten, ist nicht aillen Menschen eigen, ja die Mehrzahl leidet eher an dem Fehler, kein Namensgedächtnis zu besitzen. Dahen ist es nicht belanglos, ein Volk nach seinen Namen zu zählen. Wie die Stimme! bei einer Abstimmung nicht nur gezähltf, sondern auch gewogen werden soll, so gilt ein Gleiches für die Namen. Man soll sie nicht bloß zählen, sondern wägen. Es gibt solche von Klang und klanglose, berühmte und berüchtigte, wertvolle und gleichgültige.

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