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Die Wahrheit · 1926-05-14 · Heft 21 (14.5.1926) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 21 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 21 DIE WAHRHEIT Seite 11 Wiener israelitische Kultusgemeinde. In der letzten öffentlichen Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 6. Mai wurde eine Reihe äußerst wichtiger Beschlüsse gefaßt. Zu Beginn der Sitzung gedachte Piäs'dent Professor Pick in ehnenden Worten des siebzigsten Geburtstages Professor Sigmund Freud's, der als Philosoph und Mediziner sich eine hervorragende Bedeutung in der ganzen Welt erworben hat, aber auch stets als bewußter Jude auftrat, weshalb die Kultusgemeinde ihm zu seinem Jubeltage die herzlichsten Glückwünsche entboten hat. Professor Pick erinnerte daran, daß der seinerzeitige Mitarbeiter des Jubilars Dr. Josef Breuer lange Zeit dem Kultusvorstande als Mitglied angehört hat Eingedenk des Umstandes, daß kleine mährische Gemeinden der Wiener Kultusgemeinde in den Zeiten ihrer Not hilfreich beigestanden sind, hat das Präsidium beschlossen, dem Vorstande zu beantragen, der durch das Brandunglück so schwer igjetrofferaen N ik oiisbu r ger J u den gern eind e einen Betrag von zweitausend Schilling zu spenden, der namentlich dem dortigen arg mitgenommenen jüdischen Versorgungshaus zugute kommen soll. Der vom Finanzreferenten der Gemeinde, Regierungsrat Dr. H. 0 p p e n h e i m, erstattete Rechnungsabschluß pro 1925 wies bei Einnahmen von S 4,413.197 und Ausgaben von S 4,407.411 einen Ueberschuß von S 5786 auf. Dieses Ergebnis ist umso erfreulicher, als das Präliminare ein Defizit von 2.25 Milliarden angenommen hat, und läßt uns dieses Ergebnis auch selbst in den jetzigen Zeiten mit einer gewissen Sicherheit in die Zukunft blicken, die sich hoffentlich ebenso günstig gestalten wird. Der Rechnungsabschluß wurde einstimmig zur Kenntnis genommen. Auf Antrag des Vertreterkollegiums wurden P a 1 ä s t ä n a a u f b a uzwecken S 50.000 gewidmet, welcher Betrag sich aus folgenden Spenden zusammensetzt: Für den Keren Hajess o d S 25.000, für die C h a 1 u zi m S 15.000. für den K e re n Hajischuw, den orthodoxen Aufbaufonds S 7500, für den Palästin aarbeiterfonds S 2500. Der Vertreter der Aguda, Kultusvorstand Wolf Pappenheim, erklärte, daß er gegen eine Spende für den Keren Hajesso_d stimmen werde, weil in den zionistischen Schulen Palästinas die Jugend irreligiös unterrichtet werde. Darauf erwiderte Oberbaurat Ing. Robert Stricker ^ür den zionistischen Klub, daß dieser sich bei der Abstimmung für den Keren Haieschuw nicht beteiligen und während derselben den Saal verlassen werde. Der Vertreter des Klubs für soziale Tätigkeit, Dr. Bader, kritisierte den im Verhältnis zu dem dem Keren Hajischuw gewidmeten geringen Betrag für den Palästinaarbeiterfonds und verlangte eine Erhöhung des Betrages auf das Doppelte. Dieser Antrag wurde abgelehnt, obwohl Sozialisten und Zinonisten in brüderlicher Eintracht für ihn stimmten, worauf der Antrag des Vertreterkollegiums angenommen wurde. Einer der für die Zukunft des Wiener Judentums wohl wichtigsten Beschlüsse dieser Sitzung war die einstimmige Annahme des vom Baurat Wilhelm Kempler eingehend begründeten Antrages, nunmehr an den Bau der Zeremonienhalle auf dem neuen Friedhof endgültig zu schreiten. Der Redner erbrachte einen historischen Abriß der Entwicklung dieses schönen, seit dem Jahre 1911 bestehenden Planes der Kultusgemeinde, der unter den obwaltenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten beinahe gefährdet erschien. Aber einige finanzielle Möglichkeiten ' erleichtern es dem Vorstande, das Werk fortzuführen, das nach dem preisgekrönten Entwurf des bewährten Fachmannes Architekten Reiser mit einem Kostenaufwand von 18 Milliarden beziffert erscheint. Bis jetzt stehen 9.25 Milliarden zur Verfügung, die sich während der zweijährigen Bauzeit um drei Milliarden vermehren dürften, der Rest hinwiederum wird gewiß hereingebracht werden können, wofür Baurat Wilhelm Kempler einige zweckdienliche Vorschläge erbrachte. Sein Antrag wurde einstimmig angenommen und Präsident Prof. Pick würdigte der Bedeutung dieses Beschlusses einige Worte, wobei er insbesondere dem verdienstvollen Referenten für seine ersprießliche Tätigkeit im Namen des Vorstandes herzlichst dankte. Weiters wurde über Antrag des Vertreterkollegiums einstimmig die Errichtung eines Jugendreferates der Kultusgemeinde beschlossen, das die bestehenden jüdischen Jugendorganisationen Wiens zusammenfassen soll und ihnen in allen wichtigen Fragen, insbesondere denen des Unterrichtes an die Hand gehen soll. Dieses Jugendreferat ist vorläufig für sechs Monate provisorisch eingerichtet worden und untersteht der Unterrichtskommission; mit seiner Leitung wurde der dem Inspektorat zugeteilte Religionslehrer Isidor Oehler beauftragt. Schließlich wurde die notwendig gewordene Erweiterung und Ausgestaltung der Bibliotheksräume der Kultusgemeinde im Hause, II., Ferdinandstraße 23, mit einem Kostenaufwand von S 13.000 beschlossen. Herr Kommerzialrat Bernhard Buch Wald erbrachte hierzu einige zweckdienliche Vorschläge, die das Präsidium zur Behandlung übernahm. Sammelaktion für die jüdische Jugendfürsorge. Fürsorge für verwaiste, verlassene, kranke und gefährdete jüdische Kinder ist die Aufgabe der vor zwei Jahren von der „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge" in Wien I., Seitenstettengasse 2, errichteten „Jüdischen Jugendfürsorge". In planmäßigem Zusammenwirken mit den ihr angeschlossenen Vereinen hat sie seit ihrem Bestände reiche und fruchtbringende Arbeit geleistet. Mehr als 15 Milliarden Kronen wurden im Jahre 1925 für jüdische Jugendfürsorge verausgabt, viel Jammer und Elend wurde gelindert, aber die Zahl der schutzbedürftigen jüdischen Kinder in Wien ist erschreckend groß, die Not wächst von Tag zu Tag, die jüdischen Kinder- und Jugendheime sind in schwerer Bedrängnis und die nötigen Mittel können nicht aufgebracht werden, wenn nicht die Allgemeinheit hier helfend eingreift. Mit Bewilligung des Magistrates der Bundeshauptstadt Wien veranstaltet daher die „Zentralstelle für jüdische soziale Fürsorge" im Laufe dieses Monates, beginnend am 13. Mai, eine Sammelaktion unter der Wiener jüdischen Bevölkerung, deren Erträgnis den Institutionen der jüdischen Jugendfürsorge zugute kommen soll. Zu diesem Zwecke wurden in sämtlichen Bezirken Komitees gebildet, und die Spenden werden durch legitimierte Sammler mittels Sammelbogen eingesammelt werden. Bei der bekannten Opierwilligkeit der Wiener Juden ist zu erwarten, daß reiche Mittel dem dringenden Hilfswerke zufließen werden. Israelitische Kinderbewahranstalt. Wir erhielten folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! In der vorletzten Nummer der „Wahrheit" erschien ein mit M. A. gezeichneter Artikel über die israelitische Kinderbewahranstalt in der Schiffamtsgasse, der m freundlichster Art dieses Institut lobt, auch der Uebernahme durch den Verein „Wohlfahrt" gedenkt, zum Schlüsse aber meinen Namen allein erwähnt, was ich nicht gutheißen kann. Wenn ich auch, was richtig ist, als ehemaliger Zögling der Anstalt das regste Interesse für die Anstalt bekunde, an ihrem Gedeihen mich freue und demgemäß mitarbeite, so kann es sich eben nur um eine M i t arbeit handeln, die nur dadurch zum Erfolge führen wird, weil der ganze Vorstand des Vereines auf das Beste die Sache unterstützt, weil alle Herren ebenso wie ich sich in den Dienst der guten Sache stellen. Es war daher ungerecht vom geehrten Herrn Verfasser, gerade meinen Namen besonders zu werten, während Mitarbeiter, wie die Herren Vorstandsmitglieder Müller, die Bezirksräte B e r g e r und W e i n e r unerwähnt blieben. Entweder niemanden nennen oder all derer gedenken, die Gleichmäßiges leisten; ich würde lieber das andere sehen . . . Mit besten Danke für freundliche Aufnahme dieser Zeilen M. Oesterreicher. Nachschrift der Redakt ion. Wir bemerken zu dieser Zuschrift, daß es sich bei dem wohlgemeinten Bericht des Herrn M. A. um ein „Eingesendet" dieses Herrn handelte und daß uns selbst die Hintansetzung der hervorragenden Verdienste aller Herren der „Wohlfahrt", die wir aus eigener Anschauung vollkommen zu schätzen wissen, natürlich gänzlich fernlag. Verein der Preßburger in Wien. (Geschäftsstelle für Anfragen und Briefe: Gustav Weiss, Wien IL, Große Sperlgasse 38, Telephon 44-8-16. Jeden Donnerstag: Cafe Silier,, I.. Schwedenplatz, ab 8 Uhr abends.) Das Aktionskomitee für die Vergnügungsfahrt des „Vereins der Preßburger i n W i c n" veranstaltet Sonntag, den 30. M a i 1926, mittels Separatdampier einen gemeinsamen T a g e s a u s f 1 u g nach deren Vaterstadt Bratislava (Preßburg). Der Fahrpreis inklusive Hin- und Rückreise, Visum und Regiekosten beträgt für die II. Klasse 9 Schilling, für die I. Klasse 12 Schilling. Kinder unter 10 Jahren zahlen den halben Fahrpreis. Die Abfahrt erfolgt Sonntag, den 30. Mai 1926. präzise halb 7 Uhr früh mittels Sonderdampfer vom Praterkai (Reichsbrücke). Ankunft in Bratislava gegen 9 Uhr Vormittag. Die Rückfahrt erfolgt am gleichen Tage um 5 Uhr Nachmittag mit demselben Dampfer (Ankunft in Wien :-~>gy-»^& -? : EWÄ!;:-^^

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