Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1926
- Issue
- Heft 21 (14.5.1926)
- Date
- 1926-05-14
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Nr. 21 Wahrheiten vom Tage Der antisemitische Skiverband. Der Schnee ist längst geschmolzen-und, wo vor Monaten noch gut fahrbarer, fünfzig Zentimeter hoher Pulverschnee lag, blühen die Blumen und weiden die Kühe. Einzig und allein in den Gehirnen einiger Skiamateure herrscht noch immer tiefer Winter. Die dicken Eisschichten, in welche rassisches Vorurteil und völkischer Hochmut ihre Vernunf^eingehüllt hat, kann auch die alles wärmende und zu neuem Leben erweckende Frühlingssonne nicht auftauen. Das Gehirn ist und bleibt hart gefroren, bedeckt von einer undurchdringlichen Schichte von antisemitischem Pulverschnee. Doch da könnte jemand fragen: Was kümmern uns jetzt, im wunderschönen Monat Mai, die eingefrorenen Gehirne mancher Skiverbändler, was soll uns heute, wo man bereits dem Sommerurlaub erwartungsvoll entgegensieht, die Frage beunruhigen, ob das Skifahren ein Privileg der Hakenkreuzler ist, oder ob sich auch „Hakennäsler" an diesem schönen Sport beteiligen dürfen? Diesem berechtigten Einwand sei jedoch folgendes entgegengehalten: Es handelt sich um mehr als um die Frage, wer berechtigt sein soll, beim Skilaufen auf die Nase zu fallen, bzw. ob auch Eigentümer bestimmter Nasen Mitglieder des Skiverbandes sein können: es handelt sich wieder einmal um das Ansehen unserer Republik im Auslande, um die Frage, ob wir es uns leisten können, in mehr oder weniger glänzender Einsamkeft dazustehen, wenn sich die sportlichen Vereinigungen aller Länder 'zu einem internationalen Verbände zusammenschließen. Der österreichische Skiverband hat sich nämlich, als er vor die Frage gestellt wurde, ob er lieber auf den Arierparagraph e Ii oder seine Zugehörigkeit zum internationalen Ski verband verzichten wolle, für das letztere entschieden. Der genannte internationale Verband anerkennt nämlich in seiner Mitte nur Landesverbände, das sind Vereinigungen, die alle sportbeflissenen Landesbewohner ohne Unterschied der Rasse, Nationalität und Konfession in ihre Mitte aufnehmen. Der internationale Skiverband konnte nämlich gar kein Verständnis für die Gedankengänge der österreichischen Skiverbändler aufbringen, trotzdem diese sicherlich nichts unversucht gelassen haben dürften, um diesem internationalen Forum klarzumachen, daß die Juden, da sie ja einer minderwertigen Rasse angehören, den österreichischen Skisport verderben müßten. Doch dürfte sich der internationale Skiverband gar nicht auf diese rassentheoretische Argumentation eingelassen und die österreichischen Skiverbändler nur darauf aufmerksam gemacht haben, daß andere Landesverbände gerade jüdische Wintersportler zu ihren tüchtigsten Mitgliedern zählen. Leider sind alle Ermahnungen und Auf.- klärungsversuche vergeblich gewesen und so blieb dem internationalen Verbände nichts anderes übrig, als dem österreichischen Skiverband vor ein „Entweder-Oder" zu stellen. Dieser hat sich nunmehr für das „Oder" entschieden und sich hierdurch vor der ganzen sportlichen Welt unsterblich blamiert. Zionisten und Kommunisten. Bei einer am 5. d. M. im Festsaa! des Hotels Continental von den zionistischen Revisionisten veranstalteten Versammlung kam es zu wüsten Ausschreitungen, die erst nach dem Einschreiten der Polizei und der Räumung des Saales ein Ende fanden. Unter den Versammlungsteilnehmern befand sich nämlich auch eine' Anzahl jüdischer Kommunisten, verstärkt durch nichtjüdische Gesinniungsgenossen, welche die Versammlung zu sprengen versuchten. Es kam zu heftigen Ausemandersetzungeni zwischen Kommunisten und Zionisten. im Saale herrschte ohrenbetäubender Lärm, da die Kommunisten auf der einen Seite des Saales die Internationale brüllten, während die Zionisten auf der anderen Seite die Hatikwah anstimmten. Nur durch das Einschreiten der Polizei wurden Tätlichkeiten verhindert. Traurig und beschämend ist die Tatsache daß Juden gegen Juden in dieser Weise Stellung nehmen. Sie zeigt, wohin schließlich ein von unverantwortlichen Hetzern geschürter Radikalismus führt, durch den Seelen eines Teiles unserer Jugend vergiftet werden. Mancher, der den Bericht über die wüsten Szenen, die sich im Hotel Continental abgespielt haben, liest, wird sich fragen: Ist das jüdisch? Jüdische Art ist es, geistige Meinungsverschiedenheiten mit geistigen Waffen auszutragen, aber nicht mit Brüllen. Raufen und Randalieren. Die Ausschreitungen hingegen, die sich am vorigen Mittwoch abgespielt haben, sind bloß die traurigen Zeichen einer traurigen Zeit. 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