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Die Wahrheit · 1926-05-14 · Heft 21 (14.5.1926) · page 14

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1926
Issue
Heft 21 (14.5.1926)
Date
1926-05-14
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 12 Nr. 21 gegen 10 Uhr nachts) und sind sämtliche Fahrtteilnehmer unbedingt verpflichtet, die Rückreise anzutreten. Diejenigen Personen, welche an dieser Fahrt teilnehmen, müssen b I s längstens 15. Mai a. c. ihre Fahrtteilnahme pünktlichst anmelden. Ohne gleichzeitige Ueberweisung des Betrages werden Anmeldungen nicht entgegengenommen. Das detaillierte Programm wird mit der Schiffskarte ausgefolgt. Es ist zu erwarten, daß sich diese Fahrt durch rege Teilnahme genußreich und angenehm gestalten wird. Israelitischer Tempelverein für den XIX. Bezirk. Am 25. April 1926, um 10 Uhr vormittags, fand die Generalversammlung des israelitischen Tempel verein es Döbling statt. Eine erfreulich große Anzahl von Mitgliedern nahm daran teiL. .Der Vorsitzende, Herr Kommerzialrat Kohn, konnte unter den Erschienenen die Rabbiner Dr. Feuchtwang und Doktor Frankfurter, die Vertreter der anderen Vereine, insbesondere Herrn Börsenrat Glück sowie .die Herren Bösel und Kohn, den Vertreter der israelitischen Kuitusgemeinde Herm Justizrat Dr. Adler und Vertreter des Frauenvereines begrüßen. Vor Eintritt in die Tagesordnung hielt er den verstorbenen Mitgliedern., insbesondere dem Ehrenmitgliede und langjährigen Obmanne Herrn Moriz Müller und langjährigem Schriftführer Herrn Rechtsanwalt Dr. Jakob Kohn, einen tief empfundenen Nachruf, der von der Versammlung stehend angehört und dessen Einverleibung ins Protokoll beschlossen wurde. Es wurden hierauf nach einem kurzen Ueberblick über die Tätigkeit des Vereines und über dessen finanzielle Gebarung die einzelnen Punkte der Tagesordnung erledigt. Der Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Justizrat Dr. Adler, hob die verdienstvolle Tätligkeit des Vereines hervor und versprach wirksame Unterstützung durch die Kultusgemeindet Nach einer inhaltsreichen Rede des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang über Zweck und Wesen des jüdischen Vereines, entwickelte sich eine Wechselrede, an welcher Herr Börsenrat Glück, Herr Kohn und verschiedene Mitglieder, insbesondere auch der Direktor des Blindenmstitutes Herr A11 m a n n, teilnahmen. Nach Durchführung der Wahl in den Vorstand, in weichen die Herren Max Beck. Moritz G a h 1, Dr. Emil N e u s p i e 1, Sigmund P a t n e s, Jakob Weig 1, Gustav Oesterreicher gewählt wurden, und nach Erteilung des Absolutoriums wurde die Generalversammlung geschlossen. Todesfall. Dienstag, den 11. d. M., wurde der allgemein geschätzte und beliebte Restaurateur Herr Josef Nagel, der Montag früh im Alter, von 72 Jahren sanft entschlafen, war, zur ewfgen Ruhe bestattet Das hohe Ansehen, das der Verblichene wegen seiner Rechtschaffenheit allgemein genoß, kam durch die Beteiligung beim Leichenbegängnisse besonders zum Ausdruck. Im Trauerhause, von wo aus der Verstorbene zu Grabe getragen wurde, hatte sich eine vielhundertköpfige Trauergemeinde eingefunden, in deren Mitte man die Vertreter der Adas Jisroel (Schiffschul), der Agudas Jisroel, der Tempelvereine Aeschel Awrohom (Pazmanitengasse), Beth Israel (Leopoldsgasse) und zahlreiche humanitäre Vereine und Institutionen erblickte. Ferner war der Gesamtvorstand und zahlreiche Mitglieder des Verbandes der jüdischen Gastwirte und Hoteliers erschienen. Oberrabbiner S. Fürst würdigte in einer tiefempfundenen Rede die Persönlichkeit des Dahingeschiedenen, seine mustergültige Frömmigkeit und tiefe Gelehrsamkeit, dann widmete Herr Bernh. H o f b a u e r, der Onkel des Verblichenen, seinem geliebten Neffen rührende Worte des Abschiedes. Sodann hielt der Bruder des Verstorbenen, Nathan Nagel, dem Hingegangenen einen erschütternden Nachruf, worauf sich der imposante Kondukt, an der hellbeleuchteten Schiffschul vorüber, nach dem Zentralfriedhofe bewegte. Dort widmete Rabb. M. F1 e s c h die vortrefflichen Charaktereigenschaften des Verblichenen. Von dem Verewigten kann man mit Recht behaupten, daß er mit „reinen Händen" und mit „reinem Herzen" durch das Leben gegangen ist. Für eine zahlreiche Familie sorgend und arbeitend, bescheiden und wunschlos für seine eigene Person, lebte er als ein Musterbild treuer Pflichterfüllung und schied als das Muster eines aufrechten, gottesfürchtigen Juden aus dem Leben, nachdem er seine-Kinder versorgt, seine Pflicht ganz und voll erfüllt hat. Am offenen Grabe sagten Oberkantor Heinrich Fischer für den Verband jüdischer Gastwirte, Oberkantor J. Müller für den Tempelverein Aeschel Awrohom, erster Kantor J. Kunstadt für die Schiffschul und erster Kantor A. Stift für Anverwandten des Verstorbenen ein El mole rachamim. Der trauernden Familie wendet sich ob des unersetzlichen Verlustes die allgemeine Teilnahme zu. Prof. E. Nasches fünfundsiebzigster Geburtstag. Ein Gespräch mit dem Jubilar. Es ist immer ein großer Genuß, wenn Prof. Nasche, der am 15. d. M. 75 Jahre alt wird, aus seinem Leben berichtet, wenn er mit der ihm eigenen Heiterkeit und seinem nie versagenden Humor über die mannigfachen Erfahrungen berichtet, die er hierbei gemacht hat. Nasche kennt die Welt amd die Menschen wie selten jemand, er hat sie in heiteren und trüben Stunden kennengelernt und weiß sie richtig einzuschätzen. Auf die Bitte, etwas aus seiner Jugend zu berichten, erzählt der Jubilar: „Ich wurde als der Sohn eines Rabbiners in einer kleinen mährischen Stadt gebogen nnd solläe nach [dem Wunsche meines Vaters Rabbiner werden. An dem großen Wissen meines Vaters und der hinreißenden Beredsamkeit meines Bruders Dr. Simon Nasche, der Rabbiner in Berlin war, entzündete sich meine eigene Rednergabei Und so habe ich in meinem langen Leben 8000 öffentliche Reden gehalten." 8000 öffentliche Reden, das ist gewiß eine gewaltige Leistung, selbst für einen Mann wie Nasche, dem neben einem jüdiseh-talmudischen und großen allgemeinen Wissen ein unerschöpfliches Gedächtnis zur Verfügung steht. „Nach dem Tode meines Vaters", setzte Nasche in seinen Ausführungen fort, „widmete ich mich dem Lehrberufe und habe durch vier Jahrzehnte das Martyrium des Pädagogen durchgemacht. Dennoch blieb der Gnundzug meines Lebens Heiterkeit, die mich (and viele andere) über traurige Stunden hinwegbrachte. Ich bekenne selbst, daß ich eine Art Bohemien- Natur bin. Dennoch ist mir um mein Monument nicht bange. Wenn ich nur all die Steine aufgelesen hätte, die! man mir nachgeworfen hat. dann hätte ich heute bereits ein Denkmai von gewaltigen Dimensionen." „Gestatten Sie, lieber Herr Professor, noch eine Frage: Werden Sie wirklich schon 75 Jahre alt? Wer Sie sieht und Ihren jugendfrischen Humor zu bewundern Gelegenheit hat, könnte mit Recht daran zweifeln." „Wie man alles bei mir in Zweifei zieht, so zweifelt man auch an der Zahl meiner Jahre. Meine Freunde negieren die Last der Jahre, meine Gegner aber glauben an meine Lasterjahre und so ist - begreiflich, daß ich allen zu Trotz meinen 75. Geburtstag zu feiern gezwungen bin. Ganz gegen meineU Willen." „Wieso gegen Ihren Willen?" „Meine Freunde wollen nämlich wissen, wie ich mich als Festredner bei meiner eigenen Feier benehmen werde, nachdem ich bereits bei so und so vielen anderen Festlichkeiten als solcher fungiert habe. Man wird es mir nicht vergeben, wenn ich den großen Kreis meiner Bekannten, um mit Schiller zu sprechen: um ein solches Spektakel gebracht haben würde! Jetzt bin ich selbst neugierig, was man mir Samstag vormittag im Tempel und am Abend bei Tonello. nachsagen wird. Doch ich kann meine Neugierde beherrschen und sehe alldn Ereignissen, die da' kommen mögen, mit der mir eigenen stoischen Ruhe entgegen." Dr. W. Barmizwahfeier. Samstag, den 8. d. M., fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Studenten Ernst Herlinger, Sohn des Ehepaares Max und Serafine H e r 1 i n g e r statt. Nach altjüdischer Sitte trug der Knabe die Paraschah wie den Prophetenabschnitt in der weihevollen Melodie vor, die, von frischen Kinderlippen gesprochen, einen tiefen Eindruck auf die zahlreichen Zuhörer machte. Die Eltern, wie der Sohn, wurden von allen Anwesenden herzlichst beglückwünscht. Der Bund jüdischer Eltern im II. Wiener Gemeindebezirk veranstaltet Sonntag, den 16. Mai, um 4 Uhr nachmittags im Bayerischen Hof eine S c hü 1 e r - S c h'w u o t h- Feier mit einem auserlesenen Programm unter Mitwirkung des Bundes jüdischer Jungwanderer. Regiebeitrag 50 Groschen für Kinder und 1 Schilling für Erwachsene. Lehramtskandidat erteilt Nachhilfsunterricht, Religionsunterricht, cand. phil. Ernst Hoffmann, III., Leonhardgasse 3/12.

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